Einst war der Gardasee des deutschen Mountainbikers Lieblingsziel. Doch mit den Jahren haben Sölden, Serfaus und Co dem Lago den Rang abgelaufen. Keine Flowtrails, nur Kamikazetouren und keine Lifte sowieso. Daumen runter, sagen die einen. Und dann gibt es die eingefleischten Fans, die dem See seit vielen Jahren die Stange halten: Essen, Klima, Lifestyle - das Gesamtpaket passt eben. Und Trails die kaum einer kennt, gäbe es zur Genüge.
An eurem Urlaub in Lazise werdet ihr euch noch lange erinnern. Der Gardasee und seine bezaubernden Dörfer bieten eine fantastische Rundstrecke zwischen Hügeln und Weinbergen, Anstiegen und tollen Aussichten.
Tour 1: Lazise - Borghetto sul Mincio
Mit dem Rad zum schönsten Dorf Italiens: Borghetto sul Mincio. Italien hat viele schöne Dörfer - aber Borghetto sul Mincio wurde auf Komoot tatsächlich als „das schönste Dorf Italiens“ bezeichnet. Klar, dass wir das mit dem Rad selbst überprüfen mussten!
Diesmal ging’s nicht auf große Bikepacking-Tour, sondern in den Pfingstferien mit dem Camper an den Gardasee - ideal zum Abschalten und für entspannte Tagestouren. Unser Campervan diente als Basecamp für Biketouren. Und genau das war diese Strecke: knapp 40 Kilometer von Lazise nach Borghetto, vorbei an bekannten Urlaubsorten und versteckten Juwelen.
Startpunkt: Camping Lido bei Lazise
Unsere Basis war der wunderschön gelegene Camping Lido, direkt zwischen Lazise und Peschiera del Garda. Der Platz bietet nicht nur schattige Stellplätze und direkten Seezugang, sondern auch die perfekte Lage für Radtouren. Von hier aus ging es morgens direkt los - ohne viel Verkehr, ohne lange Anfahrt.
Lazise - mediterranes Flair & Altstadtromantik
Lazise gehört zu den beliebtesten Urlaubsorten am Südostufer des Gardasees - und das zurecht. Der Ort bietet eine wunderschöne Altstadt mit mittelalterlichen Mauern, engen Gassen und direktem Seeblick. Wer Zeit hat, sollte unbedingt einen Kaffee an der Promenade nehmen oder die kleine Festung besichtigen. Auch als Start- oder Zielpunkt für Radtouren ist Lazise ideal.
Entlang des Gardasees Richtung Peschiera
Von Lazise geht es auf kleineren Wegen Richtung Peschiera del Garda. Die Strecke verläuft meist flach und angenehm - perfekt zum Einrollen. Unterwegs gibt es immer wieder Seeblicke, kleine Cafés und Schatten spendende Alleen. Besonders spannend: In Peschiera mündet der Gardasee in den Fluss Mincio, der unseren weiteren Weg prägen wird.
Der Fluss Mincio - grün, ruhig & radfreundlich
Der Mincio ist ein ruhiger, fast schon mystischer Fluss, der aus dem Gardasee bei Peschiera austritt und sich gemächlich durch die Po-Ebene schlängelt. Entlang des Flusses verläuft ein traumhafter Radweg - meist asphaltiert, autofrei und ideal zum Genießen. Wer gerne ruhig fährt und die Landschaft wirken lässt, wird diesen Abschnitt lieben.
Borghetto sul Mincio - wie aus dem Bilderbuch
Nach gut 20 Kilometern erreicht man Borghetto sul Mincio - und ja, der Titel „schönstes Dorf Italiens“ ist nicht völlig übertrieben. Der Ort liegt direkt am Fluss, mit kleinen Brücken, Wasserrädern, uralten Gebäuden und einem Hauch von Märchenromantik. Es gibt nette Restaurants mit Blick aufs Wasser und eine imposante Brücke, die einst Teil der Festungsanlagen war. Besonders markant ist die alte Mühlenlandschaft am Ufer - heute liebevoll restauriert und teilweise als Café oder Unterkunft genutzt. Wer mag, kann hier wunderbar eine Pause machen oder sogar übernachten.
Rückfahrt & Tipps
Der Rückweg verläuft auf nahezu derselben Strecke, lässt sich aber auch zu einer Rundtour ausbauen. Wer mag, kann auf dem Rückweg ein Stück entlang der Weinberge fahren oder unterwegs in einem der Agriturismi einkehren.
- Tipp: Unbedingt Wasser mitnehmen - es gibt unterwegs nur wenige öffentliche Brunnen, und je nach Tageszeit kann es ziemlich warm werden.
Fazit: Ideal für Camper, Familien & Genießer
Diese Tour ist kein sportliches Großprojekt, aber genau das macht ihren Reiz aus. Perfekt für halbtägige Ausfahrten mit dem E-Bike, für Paare oder Familien mit Jugendlichen. Wer Camping & Radfahren verbindet, wird hier auf seine Kosten kommen.
Übersicht Tourdaten
- Start: Camping Lido, zwischen Lazise & Peschiera
- Ziel: Borghetto sul Mincio
- Strecke: ca. 40 km
- Höhenmeter: ca. 150 hm
- Schwierigkeit: leicht bis moderat
- Highlights: Lazise Altstadt, Fluss Mincio, Borghetto
Tour 2: Rund um den Monte Belpo
Los geht´s gegen den Uhrzeigersinn von Lazise aus über Calmasino, Cavaion nach Caprino. Ab Caprino geht es dann langsam aber beständig nach oben. Eine nette 6 Km lange Passstraße begleitet uns nun die nächsten 400Hm. Häufig fahren dort auch viele Rennräder hoch.
In Lumini angekommen heißt es erst einmal einkehren. Um auf den Weg um den Monte Belpo zu gelangen, radeln wir ca. 800 Meter auf der Strecke zurück. Kurz vor der ersten Spitzkehre geht es rechts in den Wald hinein und folgen immer diesem Weg über Stock und Stein. Immer wieder ergeben sich herrliche Blicke über das Land und den Gardasee.
Ein Tor versperrte mir nun den eigentlich als Wanderweg ausgewiesenen Fahrspaß. Was solls, drüberklettern und weiter geht´s ;-). Nachdem ich den Monte Belpo hinter mir gelassen habe, gehts nun rassant auf einem herrlichen Single-Trail (siehe Video!) bergab nach San Verolo.
Tour 3: Auf die Südostseite des Monte Baldo nach Spiazzi
Die Tour führt von Lazise am Gardasee (60m) größtenteils über Nebenwege nach Spiazzi auf die Südostseite des Monte Baldo. Von dort führt der Weg bis etwa 1350m auf eine Schotterstrasse und ist nun entgültig autofrei. Dieser Trail ist in weiten Stücken für Geübte durchaus fahrbar. An einigen Stellen musste ich absteigen und das Bike über die Felsen tragen. An einigen Stellen muss man über lose Steine und Geröll mit Steinen aller Größe. Ansonsten ist alles dabei: Vom flowigen Trail, über Naturstufen, Schotter, Waldboden, Wurzeln Pferdekoppel ist alles dabei.
Bei der Bewertung des Tracks habe ich nur den Trail bewertet. Der Rest ist ohne Schwierigkeiten und besticht nur durch seine Länge.
Weitere Touren und Geheimtipps
Gibt es sie wirklich, die unbekannten Trailjuwelen am Gardasee? Es ist Anfang Mai, als wir uns, neugierig von Svens Schwärmereien, zu einer Tour in seinem Lieblingsdomizil verabredet hatten. So waren wir dem Trubel des Bike Festivals, der wahrscheinlich größten Zweirad-Volksfestes der Welt, Richtung Süden entkommen.
Links die Touristen-Hochburgen Bardolino und Lazise, rechts streckt sich die schmale Halbinsel von Sirmione Richtung Norden, als wolle sie den See in zwei Hälften teilen. Dahinter verliert sich die Poebene im Dunst.
Wir passieren San Zeno, folgen Sven über ein Labyrinth an Trail- und Waldwegen und wühlen uns schließlich auf einem steilen Karrenweg Richtung Dosso Buca Pomar, einem unscheinbaren Vorgipfel des Monte Baldo, der auf den meisten Karten nicht einmal eingezeichnet ist. Im Try and Error Verfahren habe er die Gegend hier nach tauglichen Trails durchforstet, erzählt Sven und knetet scheinbar mühelos die nächste Steilpassage hoch.
Eines dieser Sahnestückchen ist die Abfahrt vom höchsten Punkt der Tour durch die eingewachsenen Flanken des Dosso Buca Pomar. In wildem Zickzack, mal auf griffigem Waldboden, mal durch typisches Gardasee-Geröll, zieht sich dieser Endurotrail zurück Richtung San Zeno. Und manchmal, wenn es Topografie und Vegetation dieses Urwaldes es zulässt, blitzt der weite, südliche Gardasee durch die Bäume.
Wieder eine andere ist der Monte Luppia. Hier versucht sich das gewaltige Baldo-Massiv ein letztes Mal aufzubäumen, bevor es sich auf 60 Metern über Meereshöhe den Fluten des Sees geschlagen gibt. Die letzten 400 Trail-Tiefenmeter, die hoch über Garda, direkt an der Klippe entlangführen, sind aus mehreren Gründen bilderbuchreif. Fahrtechnisch nicht unbedingt leicht, aber mit viel Flow, geht es durch lichte Kiefernwälder und mediterane Macchien, vorbei an 3000 Jahre alten Felszeichnungen, hinunter zum See. Mit einem Abstecher in die Altstadt von Torri del Benaco, geht es vorwiegend auf Schotter und leichten Trails zurück nach Pai.
Der Monte Carone
Manchmal sieht man sprichwörtlich den Wald vor lauter Bäumen nicht. Oder wie erklärt sich, daß ein Gipfel, ein Traumtrail, ein Aussichtspunkt mitten im Hotspot, im Herzen des Bikekosmos am nördlichen Gardasee, über Jahrzehnte unter dem Radar geflogen ist. Und das, obwohl der Abzweig zum Geheimtipp offiziell beschildert ist und an einer der am meisten befahrenen Bikerouten überhaupt liegt.
Wir hatten uns von Riva aus nach Campione shutteln lassen uns schrauben uns von hier aus auf der Strada Della Forra nach oben. 423 Höhenmeter auf sechs Kilometern überwindet dieses Monument aus Asphalt auf dem Weg hoch nach Tremosine. Die Straße verläuft tief in der Brasa Schlucht, die der gleichnamige Bach über Jahrmillionen in den Fels geschliffen hat.
So schrauben wir uns also auf dem achten Weltwunder hoch und biegen nach gut vier Kilometern auf einen zackigen Uphill-Trail ab, dem wir bis Vesio folgen. Wir nehmen ein verspätetes Frühstück im Ristorante La Fenice, dürfen währenddessen unsere Akkus für fünf (!) Euro nachladen und verlassen Pieve Richtung Norden.
Die nächste Station ist der Passo Nota. Das gleichnamige Rifugio ist unter Bikern wohlbekannt, denn es liegt direkt am Fuße der Tremalzo-Passstraße. Genau diese Route nehmen wir jetzt in die Gegenrichtung, denn sie besitzt die perfekte Steigung fürs E-MTB.
Wir passieren den Passo Nota und halten uns zunächst auf der Bike-Hauptverkehrsroute Richtung Passo Guil, bevor wir auf besagter Kreuzung Richtung Monte Carone abbiegen. Die Aufregung, sich mit zwei der besten E-Mountainbikern der Welt an seinem Lieblingstrail zu messen, steht im ins Gesicht geschrieben.
In Bergsteigerkreisen gilt der Monte Carone als einer der schönsten Aussichtsberge westlich des Gardasees. Ein Leckerbissen nach Vertrider-Art mag auch die Abfahrt vom Monte Carone gewesen sein, hätte Harald sie damals schon entdeckt. Heute, zwei Jahrzehnte Mountainbike-Evolution später, könnte dieser Pfad fast schon als Flowtrail firmieren.
Weitere Tourenvorschläge
Hier sind einige weitere Tourenvorschläge rund um den Gardasee:
- Tour mit hohem Singletrail-Anteil: Südliche Ausläufer des Monte Baldo mit herrlichen Weitblicken. (40,4 km, 9:05 h, ↑ 2.523 hm↓ 2.523 tm)
- Anspruchsvolle Tour: Über 2.000 Höhenmeter mit abwechslungsreichen Trails und einer epischen Kulisse. (42,2 km, 6:40 h, ↑ 1.665 hm↓ 1.665 tm)
- Tour über die Malga Saval und den Sentiero 454: Unvergessliches Erlebnis mit beeindruckenden Aussichten. (47,2 km, 8:55 h, ↑ 2.077 hm↓ 2.077 tm)
Nutzen Sie die Gelegenheit, die versteckten Sträßchen und Trails rund um Lazise und den Gardasee zu erkunden. Ob Anfänger oder erfahrener Biker, hier findet jeder die passende Herausforderung.
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