„Du Papa, warum trägt der Radfahrer vor uns keinen Helm?“ Auf Fragen wie dieser fällt es einem schwer, eine plausible Antwort zu geben. Nach einem Sturz kommt dann oft erst die Erkenntnis. Sätze wie „Hätte ich doch einen Fahrradhelm getragen!“ sind dann überflüssig!
Die Fahrradbranche erlebt einen Boom, insbesondere durch E-Bikes, was jedoch auch die Unfallgefahr erhöht. Laut Deutscher Gesellschaft für Unfallchirurgie könnten 60 bis 70 Prozent der tödlichen Hirnverletzungen mit Kopfschutz vermieden werden. Ein Fahrradhelm kann ebenfalls dazu beitragen, dass ein Radler im Straßenverkehr besser gesehen wird.
Egal ob man im lokalen Fahrradladen oder auf den Webseiten von Radherstellern und Online-Shops stöbert, die Auswahl von Helmen erschlägt einen nahezu. Für so gut wie jeden Einsatzzweck gibt es heutzutage den passenden Helm, aber auch Allround-Helme sind hoch im Kurs. Hier hilft nur eins: Sich für das Testen Zeit zu nehmen, denn ein Helm muss genauso gut passen wie ein Wanderschuh.
Natürlich ist der Tragekomfort ein wichtiger Aspekt für einen gut sitzenden Helm. Die richtige Passform ist überdies ganz entscheidend für die Sicherheit, wie Lukas Bucht von SQlab betont. Dennoch ist die technische Sicherheit durch Materialien und Ausstattung wesentlich.
Technologien für mehr Sicherheit
Eines der bekanntesten am Markt ist das Mips-System, welches auch bei dem Großteil der Helme im Test verbaut ist. Diese Technologie soll zusätzlichen Schutz bei schrägen Aufprallwinkeln bieten. Dazu besteht das System aus einer beweglichen Innenschale im Helm, die unabhängig von der äußeren Schale rotieren kann. Ein weiteres Schutzsystem in unserem Test ist die SLIDTechnologie vom Helmhersteller HJC. Hier wird in das Helmpolster ein spezielles Gel eingearbeitet und soll beim Aufprall die Energie absorbieren.
Testverfahren und Ergebnisse
Um die jeweiligen Eigenschaften und Qualitäten der 18 Testprobanden im Detail herauszuarbeiten, haben wir diese in sechs Punkten miteinander verglichen. Nach der Anprobe wurde der Fahrtest auf Rad- und Feldwegen sowie bei Mountainbike-Modellen auf Trails durchgeführt. Hinzu kommen die Beschleunigungswerte (20 Prozent), welche bei einem Fallturmtest ermittelt wurden. Mit einer Führung ausgestattet, wurden die Helme am Testkopf fixiert. Für ein klares Testergebnis wurden je zwei Helme pro Modell getestet.
Für ein gleichmäßiges Testergebnis wurden zwei Helme pro Modell am Testkopf befestigt, um die Beschleunigungswerte (g) zu messen. Je niedriger die beim Aufprall gemessenen Beschleunigungswerte sind, desto geringer ist das Gehirnerschütterungsrisiko bei einem Sturz. Um die Kräfte auf dem Kopf im Falle eines Sturzes nachzuvollziehen, sei gesagt, dass bei der Formel 1 gerade mal eine Kraft von 5 g in Kurven entsteht. An einem Fallturm mit Schlitten wurde ein Testkopf mit einem Kopfumfang von 57,5 cm befestigt.
Empfehlungen und Testsieger
Der Preis-Leistungs-Sieger Cube zeigt, dass auch günstige Helme für gerade mal 60 Euro eine super Passform besitzen und mit sämtlichen Features wie Mips, Mückennetz und abnehmbarem Visor ausgestattet sind. Besonders beim Fallturmtest hat er hervorragende Beschleunigungswerte erzielt. der Mips-Technologie ausgeliefert.
Nicht zu toppen ist der urbane Helm von Nutcase. Aus diesem Grund unsere Empfehlung Urban. Ein absolutes Performance-Modell und unsere Empfehlung Road ist der Helm von Ekoi. Mit einem Gewicht von gerade mal 256 Gramm hat er zudem perfekte Lüftungskanäle und passt sich durch kinderleichte Bedienung angenehm an den Kopf an.
Auf ganzer Linie hat Uvex überzeugt. Hier zeigt es sich, dass „Made in Germany“ immer noch einen aussagekräftigen Wert hat. Unser Testsieger und zugleich Helmheld Nr.
Fahrradhelme mit integrierter Beleuchtung
Nicht nur im Winter sollte man als Radfahrer unbedingt auf seine Sichtbarkeit im Straßenverkehr achten: Untersuchungen des Deutschen Verkehrssicherheitsrats haben herausgefunden, dass Autofahrer bei Dunkelheit nur fünf Prozent der Dinge wahrnehmen, die sie bei Licht sehen würden. Ein Fahrradfahrer ohne Licht ist also höchstens ein beweglicher Schatten im Augenwinkel des Autofahrers. Es ist daher essenziell, bei Dämmerung und Dunkelheit mit gutem Licht unterwegs zu sein.
Mittlerweile gibt es sogar Helme mit integrierter Beleuchtung, weswegen wir an dieser Stelle die wohl spannendsten Modelle einmal vorstellen wollen:
Alpina Brighton MIPS
Der sportliche-schicke Alpina kommt wahlweise in schwarz oder weiß daher. Der in Deutschland hergestellte Alpina wirkt mit seiner sehr runden Form überaus modern - und integriert die Beleuchtung formschön in die Schale. Während die Frontlichter gut als solche erkennbar sind, sind die Rücklichter im ausgeschalteten Zustand hinter dem schwarz durchgefärbtem Plastik kaum zu erkennen. Vorn wie hinten leuchten je zwei LED-Lichtbänder, ein Dauerlicht-Modus sowie zwei Blink-Modi können unterhalb des Nackens per Taster durchgeschaltet werden. Als Gewicht gibt Alpina eher schwere 465 Gramm an, den Helm gibt es zudem nur in zwei Größen. Löblich dagegen: Der 250 Euro teure Brighton setzt auf einen MIPS-Schutz, der bei Unfällen mit schrägem Aufprall Rotationskräfte reduzieren soll.
Unit1 Faro Smart Helm
Mit dem Faro Smart Helm hat das junge Start-up Unit 1 einen Urban-Helm mit jeder Menge Features im Programm. Neben der üppigen und mit 500 Lumen integrierten hellen Lichtleiste vorne und hinten bietet der Faro ein verstecktes flächiges Licht im Heck. Die gute Sichtbarkeit im Dunkeln erhöht die Sicherheit auf nächtlichen Rides. Darüber hinaus überwacht der Faro das Wetter, erkennt einen Crash und kann mit der optionalen Navigationsfernbedienung auch blinken und ein Bremslicht aktivieren. Die dazu nötige App gibt’s kostenfrei im App-Shop für Android und IOS. Zu den weiteren Merkmalen zählen die ABS-Hartschale und das EPS-Innenfutter sowie ein verstecktes Urban-Airflow-Belüftungssystem. Der Faro ist nach der CPSC EN1078 vollständig zertifiziert.
Lumos Ultra E-Bike
Der Ultra E-Bike Helm ist wahrhaft ein "Leuchtturm"-Produkt von Lumos. Er verfügt über integrierte Vorder-, Rück-, Brems- und Blinklichter mit einer Vielzahl von COB-LED-Modulen. Das Blinksystem sowie die Bremslichtfunktion wird über eine Fernbedienung am Lenker oder deine Apple Watch aktiviert. Kompatibel ist der Ultra nicht nur mit der Apple Watch, sondern auch mit Apple Health und Strave übers Smartphone. Ein schwenkbares Visier schützt deine Augen vor Fahrtwind. Dieses ist großzügig gestaltet, damit auch eine Brille darunter Platz findet, ohne zu kneifen. Die großen Belüftungsöffnungen bieten eine gute Ventilation, der Ultra E-Bike ist IPX6 wassergeschützt.
Uvex City Light
Der Uvex City Light-Helm kommt mit vier LED-Bändern, die unterhalb der Helmschale liegen. Diese Bänder sind mit insgesamt 32 LEDs ausgestattet und werden über einen Knopf aktiviert. Per Knopfdruck kann der Fahrer dann zwischen drei Lichtmodi wechseln: stehendes, blinkendes und fadendes Licht. Während der Fahrt kann sich der Fahrer zudem den Ladestatus anzeigen lassen. Dadurch wird die Gefahr verringert, bei längeren Fahrten irgendwann ohne Licht dazustehen. Der Akku der LEDs soll je nach Modus zwischen sechs und zwölf Stunden lang halten und kann innerhalb von zwei Stunden über das mitgelieferte USB-Kabel geladen werden.
MET 20 Miles
Der MET 20 Miles kommt mit reflektierenden Aufklebern für die Seiten und hinten. Zudem ist er mit einem integrierten LED-Rücklicht, einem abnehmbaren Visier und einem Insektenschutznetz zur Belüftung ausgestattet.
Alpina Altona
Der Altona Helm von Alpina soll vor allem in puncto Sicherheit glänzen: Er besteht aus einer Waben-Struktur, die zugleich stabil und leicht sein soll. Dadurch soll der Helm sowohl guten Aufprallschutz bieten, als auch für eine gute Belüftung sorgen. Typisch Commuter-Helm kommt das Modell mit einem integrierten Visier, das auf UV-Einstrahlung reagiert und die Scheibe selbstständig abdunkelt. Dadurch soll das Visier über das ganze Jahr hinweg 100 % UV-Schutz bieten. Sinnvolles Gimmick: hinter dem Visier sollen auch optische Brillen Platz haben. In puncto Beleuchtung kommt der Helm mit einem Plug-In-Light an der Helmrückseite. Diese Beleuchtung verfügt über zwei Modi - Dauerlicht und Blinken -, die auf Knopfdruck aktiviert werden können. Wer bei der Fahrt Musik hören möchte, kann seine Kopfhörer mittels Gurtbänder am Helm fixieren. Aber Achtung: der Fahrer nimmt seine Umgebung in der Regel weniger gut wahr, wenn laute Musik in den Ohren dröhnt.
Alpina Brooklyn
Der Brooklyn-Helm soll Leichtigkeit und Stabilität verbinden. Damit der Fahrer die Straße auch bei tiefer stehender Sonne sieht, wurde ein Textilschild mit dezentem Reflektorabschluss in das vordere Pad des Helms eingearbeitet. Allerdings soll der Fahrer nicht nur sehen, sondern auch gesehen werden. Daher verfügt das Modell über ein integriertes Licht. Mithilfe von Gurtbändern können zudem Kopfhörer am Helm fixiert werden. Fahrradfahren mit lauter Musik im Ohr kann allerdings auch sehr ablenkend sein.
Weitere Modelle mit integrierter Beleuchtung
- Cratoni (Commuter-Helm mit großem Lichtstreifen)
- Giro Bexley MIPS (integriertes Rücklicht)
- Giro Camden MIPS (reduzierter Style, integriertes Rücklicht)
- Lazer Urbanize (Visier, wiederaufladbare LED-Heckleuchte)
- Livall BH51M Neo (360° Rundum-Beleuchtung, Blinker, Sturzsensor)
Weitere Fahrradhelme im Test
Uvex Urban Planet LED
Der Uvex Urban Planet LED bietet dank seiner tiefergezogenen Bauweise zusätzlichen Schutz im Heck- und im Schläfenbereich. Er lässt sich sehr angenehm tragen und perfekt auf die Kopfform und Kopfgröße einstellen. Der Urban Planet ist sehr robust und mit einem rückseitigen LED-Licht ausgestattet. Zusätzliche Vorteile sind reflektierende Gurtbänder, ein weiches Kinnpolster und ein durchdachter Verschluss.
Uvex Finale Visor
Wenn die Insekten fliegen, die Sonne knallt, der Regen peitscht oder der Wind pfeift, ist der Uvex Finale Visor das optimale Modell. Denn er verfügt über ein klappbares Visier. Zudem ist der Fahrradhelm mit Beleuchtung und Insektenschutz ausgestattet.
Abus Pedelec 2.0
Dieses Feature ist einmalig: Der Abus Pedelec 2.0 hat einen Regenschutz integriert, der hinten in einem Geheimversteck untergebracht ist. Nasse Haare im Regen gehören somit der Vergangenheit an. Für bestmögliche Erkennbarkeit im Dunkeln ist der Helm zudem mit einem LED-Licht ausgestattet.
POC Omne Beacon Mips
Speziell in der Lackierung in leuchtendem Orange und mattem Grün ist der POC Omne Beacon Mips ein echter Hingucker.
Fischer Urban Plus Brooklyn
Ein vernünftiger Helm muss nicht viel kosten: Das beweist der Fischer Urban Plus Brooklyn. Für gerade mal rund 30 Euro bietet er Beleuchtung, Sonnen- und Insektenschutz, einen gepolsterten Kinnriemen und in die Helmgurte eingewebte Reflexstreifen. Außerdem zeichnet sich der leichte Fahrradhelm durch einen guten Tragekomfort aus.
Tipps zum Kauf eines Fahrradhelms
Idealerweise sollten Sie einen Fahrradhelm vor dem Kauf immer anprobieren. Nur so können Sie feststellen, ob er optimal zu Ihrer Kopfform passt. Er sollte stramm sitzen, aber nicht drücken. Als Faustformel gilt: Wenn Sie den Helm vor- und zurückbewegen, sollte die Stirn ein wenig Falten schlagen. Dann sitzt der Fahrradhelm fest genug. Ist der Kinnriemen geschlossen, darf sich der Helm nicht nach hinten abstreifen lassen.
Grundsätzlich ermöglicht es so gut wie jeder Fahrradhelm, die Größe über ein Drehrädchen anzupassen. Dennoch ist es wichtig, einen Fahrradhelm zu kaufen, der von seiner Dimension her zu Ihrem Kopf passt.
Achten Sie beim Kauf auf zusätzliche Reflektoren oder eine für andere Verkehrsteilnehmer gut sichtbare Farbe. Dunkle Fahrradhelme erwärmen sich bei Sonne stärker als helle.
Fahrradhelme, die in der EU verkauft werden, müssen den Anforderungen der DIN EN Norm 1078 entsprechen. Alle Helme in unserem Test erfüllen diese Norm. Wer noch mehr Wert auf Sicherheit legt, kann beim Kauf nach der Norm NTA 8776 Ausschau halten.
Nach einem Sturz sollten Sie Ihren Fahrradhelm durch ein neues Modell ersetzen.
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