Leeze Laufräder mit Felgenbremsen im Test: Aerodynamik, Steifigkeit und Alltagstauglichkeit

Wie aerodynamisch sind Felgenbremsen-Laufräder mit halbhohen Felgen? Unter der Prämisse dieser Ausgangsfrage wurden elf Allround-Laufräder mit Felgenhöhen von 24 bis 35 Millimetern im Windkanal- und Praxistest untersucht.

Leeze CC 35 Road EVO WASO: Ein Überblick

Der Leeze-Laufradsatz ist im Testfeld mit Abstand der Sieger in den Aero-Kategorien. Der Laufradsatz ist sehr leicht, in diesem Aufbau aber nicht der steifste. Allerdings bietet Leeze einen individuellen Aufbau an: Je nach Fahrertyp und Einsatzzweck können mehr oder dickere Speichen verbaut werden.

Zur Steigerung der Seitensteifigkeit der 35mm Felge hat der Hersteller im Layup der Carbon Prepregs eine weitere Carbonlage eingearbeitet. Die Ausrichtung dieser zusätzlichen Lage ist einzig und alleine zur Steigerung der Seitensteifigkeit gewählt und dadurch sehr effektiv.

Aerodynamik, Gewicht, Steifigkeit, Beschleunigung, aber auch das Bremsverhalten sind die für Laufräder entscheidenden Werte. Im Labor wurden in einem extra gebauten Prüfstand die Seitensteifigkeiten der Laufräder gemessen.

Günstige Rennrad-Laufräder im Test

Für rund 500 Euro bekommt man solide Laufräder, die zwar nicht besonders leicht sind, aber stabil und langlebig, und die auch Geländefahrten problemlos wegstecken. Wer mit viel Gewicht unterwegs ist - zum Beispiel Gepäck - sollte eher zu den schwereren Laufrädern greifen, sie erweisen sich im Test ­als die steifsten.

Breite Felgen als Alleskönner

Wer sich an den Empfehlungen der Reifenhersteller zur passenden Felgenbreite orientiert, landet mit diesem Anspruch bei gut 20 Millimetern Innenmaß. Auch wer am Gravelbike je nach Einsatz oder Saison zwischen Straßen- und Geländereifen wechseln will, findet hierin den idealen Kompromiss. Denn darauf passen schnelle 28-Millimeter-Straßenreifen ohne Einschränkungen, und auch für einen 50er-Stollenreifen ist das nicht zu schmal.

Das Problem: Während viele neue Carbonfelgen längst dieses Innenmaß aufweisen oder sogar noch breiter sind, kommen preiswerte Alu-Laufräder fürs Rennrad häufig noch mit nicht mehr zeitgemäßen 17 Millimeter Breite - optimiert für 25er-Rennradpneus.

TOUR hat den Markt abgesucht nach passenden und preiswerten Laufrädern um 500 Euro.

Die Testkandidaten

Sieben Kandidaten konnten unserer Einladung trotz der weiterhin angespannten Liefersituation folgen, darunter große Hersteller wie DT Swiss, Mavic oder Shimano, aber auch kleinere Anbieter wie Aerycs und Leeze.

Im Kurztest geht es um Gewicht, Steifigkeit und Beschleunigung; ­der Rundlauf nach einem Überlastungstest ist außerdem ein Indiz dafür, ob die Laufräder robust bleiben oder bei hartem Einsatz ständig nachzentriert werden müssen.

Tubeless-taugliche Rennrad-Laufräder

Die Laufräder im Testfeld sind allesamt ­Tubeless-tauglich und auch fürs Gelände ausgelegt - so zumindest das Versprechen der Hersteller. Die Innenbreite der Felgen liegt mit einer Ausnahme bei 22 Millimetern; nur Fulcrum stellt ein Straßen-Laufrad mit 19 Millimeter Innenmaß, weil das Gravel-Pendant mit 24 Millimeter für unseren Anspruch grenz­wertig breit ausfällt.

Flache Alu-Felgen und meist 24 klassische Messer-Stahlspeichen prägen das Bild; nur Fulcrum und Leeze kommen mit je drei Speichen weniger aus. So vergleichbar die Konzepte, so ähnlich Gewichte - mit wenigen Ausnahmen. Überraschend leicht ist das Leeze, das etwa 200 Gramm pro Satz gegenüber dem Durchschnitt und gar 400 Gramm gegenüber dem schwersten Modell von Ritchey spart.

Schaut man sich die anderen mechanischen Werte an, wird aber klar, dass auch das ein Kompromiss ist; die Laufräder sind nicht sehr seitensteif, für schwere Fahrer daher nicht zu empfehlen. Umgekehrt können die schwersten Laufräder hier punkten: Die relativ schweren Räder von Mavic und Ritchey erweisen sich als die stabilsten. Den besten Kompromiss aus beiden Disziplinen schafft DT Swiss.

Rennrad-Laufräder - So testet TOUR

Gewichte und Steifigkeiten werden im TOUR-Labor erfasst. Die Laufräder werden ohne Zubehör (z.B. Tubeless-Ventile), jedoch mit Felgenband gewogen, falls benötigt. Die Steifigkeitsprüfung erfolgt mit 100 Newton seitlicher Last am Außendurchmesser. Steife Laufräder lenken präziser und machen in der Regel weniger Ärger, sie sind höher belastbar.

Wird nach einer Überlastprüfung mit 300 Newton Seitenlast gemessen. Höhen- und Seitenschlag von Vorder- und Hinterrad gehen zu gleichen Teilen in die Note ein.

Die Massenverteilung der Laufräder wird mit einem Trägheitsmessgerät bestimmt und mit dem Gewicht verrechnet zur notwendigen Energie, um beide Laufräder von 0 auf 30 km/h zu beschleunigen.

Testergebnisse im Überblick

Laufrad Preis pro Satz Gewicht v. / h. (g) Seitensteifigkeit v. / h. (N/mm) Gesamtnote
Aerycs Alutrek 579 Euro 761 / 893 51 / 46 2,9
DT Swiss CR 1600 Spline 559 Euro 795 / 945 53 / 47 2,8
Fulcrum Racing 3 642 Euro 776 / 883 49 / 44 3,1
Leeze AC 25 Allroad 599 Euro 667 / 775 38 / 32 3,2
Mavic Allroad S 490 Euro 836 / 981 56 / 42 3,1
Ritchey Comp Zeta Disc 426 Euro 847 / 1000 55 / 48 2,9
Shimano GRX WH-RX570 610 Euro 786 / 956 48 / 41 3,1

Leeze CH 30 Allroad Basic: Ein Testbericht

Wie der günstige Nachrüst-Laufradsatz CH 30 Allroad Basic von Leeze zeigt, muss man für so ein lohnendes Upgrade nicht mal extrem tief in die Tasche greifen. Für faire 899 Euro bietet der deutsche Laufradbauer aus dem Münsterland einen konkurrenzfähigen Satz an, der sage und schreibe nur 1.400 Gramm wiegt.

Seit über zehn Jahren sind die Carbon-Spezialisten am Markt und bauen längst nicht mehr nur Laufräder zusammen, sondern entwickeln selbst Profile in Zusammenarbeit mit dem Aerodynamik-Experten Professor Eric Helter. Zudem testen die Münsteraner auf eigenen Prüfständen die Qualität ihrer Laufräder.

Leeze gibt den Laufradsatz CH 30 Allroad Basic frei für 28 bis 55 Millimeter breite Reifen, empfiehlt indes 30 bis 50 Millimeter breite Reifen - aus gutem Grund. Durch die großzügige Maulweite von 25 Millimeter baute der Reifen breit und voluminös auf. Auch das Fahrgefühl gefiel uns mit dem 32er-Reifen wesentlich besser. Wir fuhren das Duo fast ausschließlich auf der Straße und waren überrascht, wie geschmeidig und komfortabel wir über (auch ruppigen) Asphalt rollten bei entsprechend niedrigem Luftdruck natürlich.

Vorteile von Hookless-Felgen

Die moderne Leeze-Felge ist hookless, das bedeutet, dass die Flanken der Felgeninnenseite keine Haken mehr besitzen, die den Reifen halten. Das hat zwei wesentliche Vorteile: Die Felgen werden leichter und die Reifen bekommen eine rundere Form und damit mehr Grip; außerdem wird die Seitenwand besser abgestützt.

Aber Achtung, Hookless-Felgen dürfen nur mit freigegebenen Reifen und unter Beachtung des maximalen Luftdrucks gefahren werden.

Für Bikepacker: Leeze CH 40 Allroad Basic

Den getesteten Leeze-Laufradsatz sehen wir im Einsatzbereich zwischen Straße und Gravel am Rennrad, Gravelbike oder Allroad-Rennrad. Schwerpunktmäßig ist der Laufradsatz für die Straße ausgelegt. Hierfür (und selbst für alpine Radtouren) spricht das geringe Gewicht von 1.400 Gramm. Daneben gibt es ein weiteres Basic-Modell (CH 40 Allroad Basic) sozusagen spiegelverkehrt - mit Schwerpunkt fürs Gelände. Interessenten müssen sodann mit minimal mehr Gewicht rechnen (1.570 Gramm), bekommen aber im Gegenzug mehr Stabilität für zum Beispiel Bikepacking-Touren.

Leeze AC 35 Disc im Praxistest

Die Laufräder kamen direkt vom Hersteller im stabilen Versand-Karton mit allen notwendigen Informationen. Der erste Eindruck: Gute Verarbeitung, hochwertige Optik. Die Montage war sehr einfach. Das Felgenband ist bereits montiert. Der AC35 ist im positiven Sinn unauffällig. Er rollt gut auf schlechtem Belag, ist kaum seitenwindanfällig und einmal beschleunigt, kann man das Tempo gut halten.

Das Beschleunigungsverhalten ist für die Gewichts-und Preisklasse sehr gut, geht aber noch besser. Der Freilauf ist sehr angenehm - gut hörbar, aber nicht nervig. Das Kurvenverhalten ist präzise und spurstabil. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, das das Rad nervös oder instabil wurde.

Insgesamt bin ich rund 500 km mit dem AC35 gefahren, davon rund 400 mit den 30 mm Straßenreifen. Der AC35 ist noch „wie neu“. Keine Höhen-oder Seitenschläge. Speichen alle fest und die Naben laufen seidenweich.

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