Die Welt der Elektro-Mountainbikes (E-MTB) ist ständig im Wandel. Besonders beliebt sind in Deutschland E-Mountainbikes, wie der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) berichtet. Im Jahr 2024 belegten E-MTBs bei den verkauften E-Bikes erneut den ersten Platz. Die aktuelle Auswahl an E-MTB-Neuheiten zeigt interessante Modelle für 2025, mit vielen Infos, Fotos und Preisen.
Trends bei E-Mountainbikes
Aktuell gibt es zwei klare Trends: Light-E-Mountainbikes und leichte Power-E-Bikes.
- Light-E-Mountainbikes: Diese zeichnen sich durch ein geringeres Gewicht und kompakte Motoren aus.
- Leichte Power-E-Bikes: Sie kombinieren volle Motorleistung mit mittlerer Akkugröße und einem Gewicht von etwa 20 kg.
Light-E-Mountainbikes im Detail
Häufig ziemlich leicht, nicht selten auch eben deswegen mit lebendigem, gutem Handling ausgestattet und trotz Kompaktmotoren durchaus ganz schön mächtig im Anstieg - so haben Light-E-MTBs in den vergangenen Jahren den E-Mountainbike-Markt aufgemischt und bereichert. Wo etliche Full-Power-E-MTBs der E-Enduro-Klasse mit extra starkem Motor plus entsprechend großen, schwereren Akkus mit über 700 Wh Kapazität gut und gerne 25 Kilo wiegen, bilden teilweise unter 20 Kilo leichte Light-E-MTBs das erfrischende Gegenkonzept. Und das tendenziell spielerische Handling und geringere Gewicht von Light-E-MTBs hat das Potential, in engen technischen Passagen sowie Sprüngen den Fahrtspaß zu liften, weil sich das Bike mit weniger Kraftaufwand im Gelände bugsieren lässt.
Ausstattung und Technik
Die Technik an Light-E-MTBs wird verschlankt und alles so weit wie möglich integriert. Das sorgt für ein harmonisches Gesamtbild. Trotz hoher Preise sind die Komponenten der Testbikes im unteren bis mittleren Preissegment angesiedelt. Carbon-Laufräder fehlen, und die Federungselemente stammen meist aus den preisgünstigeren Serien von Fox oder Rock Shox. Alle Bikes haben jedoch große Bremsscheiben (200/203 mm) und Vario-Sattelstützen mit mindestens 150 mm Hub.
Motoren im Vergleich
Die E-Bike-Welt spricht deutsch. Zumindest in der leichten Variante. Mit Bosch, Fazua, Mahle und TQ sind es Motorenhersteller aus Bayern und Schwaben, welche den Light-E-MTB-Markt bestimmen. Dabei buhlen die vier nicht nur um die Gunst der Endkunden, sondern auch um die der MTB-Hersteller.
Der Fazua-Motor bietet viel Leistung und Reichweite, während Mahle/Specialized und TQ mit sanftem Fahrgefühl und geringer Geräuschkulisse überzeugen. Der TQ HPR 50 bringt am wenigsten Gewicht auf die Waage während der Fazua Ride 60 mit der höchsten Newtonmeterzahl trumpft. Mahle hat mit 320 Wh den kleinsten verbauten Akku. Fazua hat aber mit 430 Wh die dickste Batterie, bietet aber als einziger Hersteller keinen Range-Extender an.
Im Testfeld arbeiten vier Modelle motorseitig. Auf den super kompakt umgesetzten und die Eigenkraft mit maximal 50 Nm Drehmoment respektive 300 Watt Leistungsspitze unterstützenden TQ HPR 50 setzen neben Trek auch Rotwild, Stevens und Scott. Der Leichtmotor des Herstellers von E-Bike-Komplettsystemen aus Seefeld bei München überzeugt selbst bei hoher Last im Steilanstieg mit sehr leisem, nie störendem Summen. Der leiseste Leichtantrieb im Test! Möglich macht das der konstruktive Aufbau des HPR 50, der ohne Riemen und Planetengetriebe auskommt, die speziell bei hoher Betriebslast „lärmen“ könnten.
Sehr gelungen ist der Mix am Fazua Ride 60 (maximales Drehmoment: 60 Nm) aus natürlich anmutender, im höchsten Modus „Rocket“ gut spritziger Beschleunigungscharakteristik und leisem Laufgeräusch. Cooles Detail bleibt die, per Fazua-Fernbedienung aktivierte, bis zu zwölf Sekunden wirksame, Boost-Funktion für den Extraschub an Rampen. Dabei ruft der Ride 60 maximal 450 Watt Leistung ab. Außerdem gefällt am stärksten Fazua-Leichtantrieb der extra intuitive Wechsel der Motormodi. Nachgebessert werden dürfte die Haptik dennoch etwas: Der Ringschalter ist unnötig schwammig gelagert.
Die zweite Generation des Specialized-SL-Leichtmotors, SL 1.2, arbeitet unverändert mit den bekannten drei Modi Eco, Trail und Turbo, stellt jetzt aber bis zu 50 Nm Drehmoment (der SL 1.1 arbeitete noch mit 35 Nm) und 320 Watt Leistungsspitze bereit. Insgesamt spricht der SL 1.2 deutlich direkter auf den eingebrachten Pedaldruck an als sein Vorgänger, macht in der Trail- und Turbo-Stufe jetzt bärigen Druck, der etwas über dem TQ liegt. Steilanstiege überwindet man so lustvoller und effizienter als mit der wesentlich dezenteren Kraft des SL 1.1. Schön: Der SL 1.2 agiert leiser als der SL 1.1.
Boschs Performance SX schließlich stellt, wie der gedrosselte TQ am Rotwild, gewissermaßen eine Sonderform des Leichtmotors dar. Der stark Trittfrequenz abhängige Motorschub ist bei intensiver Beinarbeit nach oben hin gewaltig: Mit bis zu 600 Watt(!) bei 55 Nm Maximaldrehmoment unterstützt er, ist somit im E-MTB- und Turbo-Modus so stark wie manch Full-Power-Aggregat! Vorausgesetzt, man tritt hochfrequenter, was einem als trainierten, sportiven Fahrer entgegenkommt, der sich regelmäßig bei etwa 90 Kurbelumdrehungen pro Minute bewegt. Kaum trainierte Einsteiger hingegen, die mit geringer Trittfrequenz pedalieren, dürften sich schwer tun, dem Bosch SX seinen vollen Wumms zu entlocken.
Akkus und Reichweite
Wer ein Light-E-MTB in Erwägung zieht, sollte indes ebenfalls bedenken, dass sich bei vielen Modellen der fest integrierte Akku zum Laden nicht entnehmen lässt - konstruktionsbedingt spart das Gewicht. Selbstverständlich lässt er sich grundsätzlich, etwa zum Austausch, nach dem Motor-Ausbau demontieren. Das bedeutet für diejenigen, die nicht über Kellerabteil oder Garage mit Stromanschluss verfügen, dass sie ihr Bike mit Akku zum Laden in die Wohnung tragen müssen. Im Testfeld lässt sich der Akku zum Laden nur am Nox und Trek fix entnehmen.
Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass ein größerer E-Bike-Akku automatisch eine größere Reichweite bedeutet. In Wirklichkeit hängt die Reichweite von unzähligen Faktoren ab: In erster Linie vom Fahrverhalten und Fahrergewicht, von der Leistung des Motors, aber auch die Reifenwahl, der richtige Luftdruck und der Untergrund haben Einfluss auf die Reichweite.
Modellvorstellungen und Testergebnisse
Einige der getesteten Modelle und ihre Besonderheiten:
- Canyon Spectral:Onfly: Dieses Modell setzt auf den kompakten und leisen TQ-Motor HPR50 mit einem Drehmoment von 50 Nm. Der Akku hat eine Kapazität von 360 Wh, die mit einem optionalen Range Extender erhöht werden kann. Die Preisspanne reicht von 5600 bis 9000 Euro.
- Centurion Lhasa: Dieses Allround-Modell setzt auf Fahrwerkskomponenten von Suntour mit 12 Zentimetern Federweg vorn und hinten.
- Cube Stereo Hybrid One44: Ausgestattet mit dem neuen Bosch-Motor CX Performance Line Gen 5 mit 85 Nm Drehmoment, bietet dieses Modell eine hochwertige Ausstattung zu einem fairen Preis ab rund 4500 Euro.
- Simplon Cure: Dieses Modell verspricht einen Carbon-Rahmen, der Trail-Geometrie mit Tourentauglichkeit in Einklang bringen soll, und bietet eine Dual-Batterie-Option mit bis zu 1,6 kWh Kapazität.
- Specialized Turbo Levo SL Comp Alloy: Gutmütiges Handling, klasse Allround-Fahrleistungen und jetzt durchzugsstarkem Motor.
Testumfeld und Bedingungen
Für uns war der letzte Test günstiger Light-E-MTBs im Sommer 2024 ein wahrer Aha-Moment: Bei Handling und Fahrspaß bergab fahren diese Bikes einfach in ihrer eigenen Liga. Auch mit bezahlbaren Preisen und ohne Rekordgewicht.
Um es schon mal vorwegzunehmen: Es war hart! Unsere Teststrecke - eine Mischung aus der Giada Line und dem neuen Supernatural-Trail - hat nicht nur die Bikes an ihre Grenzen gebracht, sondern auch unsere erfahrene Testcrew. Vor allem Light-E-MTBs werden die meiste Zeit auf Trails bewegt, daher müssen sie sich auch in einem Umfeld verschiedenster Trails beweisen. Gespickt mit unzähligen Steinfeldern und technischen Kurven im oberen Teil, wechseln sich weiter unten flowige Kurven mit etlichen Sprüngen und Wurzelpassagen ab.
Die Testgruppe im Überblick
Einige der getesteten Bikes im Überblick:
- Amflow PL Carbon Pro 600: 19,8 kg, 160/150 mm Federweg, 29 Zoll Laufräder, Preis: 9799 Euro
- BH Bikes iLynx+ SL 9.5 Enduro: 21,2 kg, 160/160 mm Federweg, 29 Zoll Laufräder, Preis: 8500 Euro
- Cannondale Moterra SL 1: 20,2 kg, 160/150 mm Federweg, 29/27,5 Zoll Laufräder, Preis: 8999 Euro
Amflow PL Carbon Pro 600
Basis für das 19 Kilogramm leichte E-Mountainbike ist ein Carbon-Rahmen. Das Fox-Fahrwerk bietet vorn 16 und hinten 15 Zentimeter Federweg. Zur Ausstattung gehören Magura MT5 Bremsen, eine 1x12-Kettenschaltung von Sram und ein Farbdisplay. Das Modell Amflow Pro wird für einen Preis von ab 9800 Euro angeboten. Besonderheiten der Ausstattung sind eine elektronische Kettenschaltung von Sram, höherwertige Fahrwerkskomponenten und Bremsen (MT7) sowie eine kleinere 600-Wh-Batterie.
Weitere erwähnenswerte Modelle
- Nox Epium Enduro 7.1 Core: langhubiges E-Enduro mit 180-mm-Fahrwerk plus Marzocchi-Stahlfederbein für einen extra sensibel arbeitenden Hinterbau in hartes Geläuf
- Focus VAM2 SL 9.0 und Rotwild R.X275 Ultra: beeindruckend leichten Trail-/Downcountry-Modelle
Fazit
In der Gesamtschau des illustren Testfelds bleibt festzuhalten: Viel Fahrspaß produzieren alle acht Light-E-MTBs. Das Testfeld beweist: E-MTBs mit Kompaktantrieben haben in jeder Bikekategorie ihre Berechtigung! So erweist sich in der exklusiven Downcountry-/Trail-Klasse das Focus VAM2 SL 9.0 dank traktionsstarkem 130/125-mm-Fahrwerk und gekonnt ausbalancierter Geometrie als erstaunlich potent auf steilen, von wilderem Wurzelwerk durchzogenen Downhills. So verdient sich das Focus eine ER-Empfehlung, punktet überdies mit der guten Vibrationsdämpfung der Carbon-Cockpiteinheit.
Im Enduro-Genre trumpft das Nox Epium stark auf, erst recht, nachdem die Testcrew durch Montieren des Marzocchi-Stahlfederbeins in der Geometrieposition mit tieferem Tretlager und noch flacherem Lenkwinkel Abfahrtspotenz wie Laufruhe des Bikes noch steigern konnte. Dennoch muss erwähnt werden: Bei fast 9000 Euro Kaufpreis erwartet man teurere, noch bissigere Bremsen und mindestens eine Shimano-XT-Schaltung. Hier dürfte der kostspielig in Europa gefertigte Carbonrahmen Preistreiber sein.
In der preislich weit gespreizten Light-All-Mountain-Kategorie (Specialized 6600 Euro, Stevens 6999 Euro, Trek 7499 Euro, Centurion 7999 Euro, Scott 10.999 Euro) sticht das neue Specialized Turbo SL Comp Alloy ausgerechnet als günstigstes Rad mit gutmütigem Handling, klasse Allround-Fahrleistungen und jetzt durchzugsstarkem Motor heraus.
Die Zukunft der Light-E-MTBs
Schluss mit der Kategorisierung! Die Grenzen zwischen den verschiedenen E-MTB-Kategorien verschwimmen zunehmend. Es kommt auf das richtige Gesamtkonzept an. Die Vielzahl an Modellen und Herangehensweisen der Hersteller machen den E-MTB-Dschungel immer undurchsichtiger. Es steckt viel mehr dahinter als die Frage nach dem stärksten Motor und dem größten Akku. Denn der Motor ist nur so gut wie das Bike, in dem er steckt. Neben der richtigen Motor- und Akku-Integration spielt auch die Wahl des richtigen Rahmens und der Komponenten eine entscheidende Rolle. Kleine Veränderungen können einen riesigen Unterschied machen.
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