Ein leichtes Fahrrad bietet im Alltag viele Vorteile. Es ist leichter zu transportieren, besonders auf dem täglichen Weg zur Arbeit. Auch bergauf ist man mit weniger Gewicht besser dran. Allerdings sind solche Fahrräder oft sehr teuer, da ihre Herstellung mit viel Aufwand verbunden ist.
Leichtbau-Fahrräder im Detail
Es gibt Leichtgewichts-Fanatiker, deren Ziel es ist, das Gewicht eines Bikes immer weiter zu reduzieren. Gunter Mai ist einer davon. Er fertigte im Alleingang das leichteste Straßenbike der Welt an. Das Original wog 2008 etwas über 3 Kilogramm. Später reduzierte er das Gewicht auf 2,8 Kilogramm, bevor er 2010 die Bestandteile verkaufte.
Fairwheel Bikes: Eine neue Dimension des Leichtbaus
Der Großteil des Bikes ging an Fairwheel Bikes, einen Bike-Shop, der sich mit Leichtgewichts-Bikes beschäftigt. Ziel war es, ein Bike zu kreieren, das sich sowohl für den täglichen Weg zur Arbeit, für steile Anstiege als auch für Rennen eignet. Fairwheel hatte bereits eigene Ideen, wie das Gewicht weiter reduziert werden könnte.
Das Team von Fairwheel verließ sich bei Rahmen und Gabel auf das Original. Der Rahmen, maßangefertigt von Gunter, brachte das Gewicht auf 643,9 Gramm. Die Gabel wurde vom deutschen Hersteller THM per Hand gefertigt. Die Lenkstange aus Carbon wurde von Schmolke auf einem Vorbau von NoRa angefertigt, während die Bremshebel aus umgebauten Campagnolo Ergos bestehen. Schmolke war auch für die Sattelstütze verantwortlich, die mit einem Tune Speedneedle-Sattel kombiniert wurde.
Für die Gangschaltung wurde eine altbewährte Rahmenschaltung von BTP aus Karbonfaser verwendet, da diese leichter ist. Fairwheel ersetzte die Lew-Reifen durch eigene Maßanfertigungen mit prototypischen Leichtfelgen von Ax-Lightness, Radnaben von Dash, Titan-Speichen von Pillar und Reifen von Tufo. Das ganze Set kommt auf 583 Gramm. AX Lightness Orion-Bremsen und BTP Rennbeläge erhöhten das Gewicht etwas, die Bremsen kommen nun auf 103,5 Gramm. Ein Keramik-Tretlager und Kettenringe aus Karbonfaser von Fibre-Lyte sparten weiteres Gewicht ein. Die Kette wurde durch eine Titankette von YBN ersetzt, und es wurden maßangefertigte Pedale von Aerolite verwendet.
Fairwheel verwendete eine SRAM Red für die hintere Kettenschaltung, die schwerer ist als die Huret/BTP von Gunter. Jason von Fairwheel erklärte, dass eine noch leichtere Version möglich wäre, aber momentan nicht geplant ist.
Vergleich: AX Lightness VIAL Evo Ultra
Das leichteste Bike, das es momentan zu kaufen gibt, ist das AX Lightness VIAL Evo Ultra mit einem Gesamtgewicht von 4,4 Kilogramm. Es hat einen eigenen Rahmen, der ca. 660 Gramm wiegt, und besteht vorwiegend aus Karbonfaser. Die AX-Komponenten sind besonders leichte Maßanfertigungen.
Leichte E-Bikes: Ein wachsender Trend
Lange Zeit drehte sich bei E-Bikes alles um Reichweite, doch nun liegen superleichte E-Bikes im Trend. Das Roadmachine 01 AMP X ONE von BMC wiegt 11,8 Kilo - eine echte Ansage in Sachen Gewicht. Wie baut man ein leichtes E-Bike und welche Vorteile bringt das?
Ein E-Bike ist kein Leichtgewicht, da die Komponenten des Antriebs Zusatzgewicht ans Rad bringen. Der Motor, der Akku, Sensoren, Display und Kabel tragen alle zum Gewicht bei. Motoren unterschiedlicher Bauart und Leistungsklassen unterscheiden sich beim Gewicht. Die Kapazität der Akkus ist in den letzten Jahren immer weiter gewachsen, was das Gewicht der Batterien erhöht. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein Carbon-E-Bike wie das Trek Domane+ SLR 9 oder ein Aluminium-E-Bike handelt. Die Bremsen müssen ausreichend dimensioniert sein, Laufräder und Reifen stabil und die Federelemente an das höhere Systemgewicht angepasst sein.
Die Größe des Akkus hat enormen Einfluss auf das Gewicht, ebenso die Art und Größe des Motors. Sind Drehmoment und Leistung geringer, kann die Kapazität des Akkus kleiner ausfallen. Die Kategorie des Bikes hat ebenfalls Einfluss auf das Gewicht. An einem schlanken Urban-E-Bike sind leichtere Komponenten montiert als an einem E-Mountainbike.
Vorteile und Kosten
Handhabung, Fahrverhalten und Komfort sind wesentliche Punkte für den Erfolg der leichten E-Bikes. Ein leichtes E-Bike für Damen oder Herren bietet dieselben Vorteile. Wer den Akku nicht in einer Garage laden kann, freut sich über die Option, diesen zu entnehmen und in der Wohnung aufzuladen. Ein geringeres Gewicht spielt nicht nur bei der Handhabung eine Rolle, sondern nähert das Fahrverhalten dem eines „normalen“ Fahrrads an. Die Preisspanne ist ähnlich weit gefächert wie bei herkömmlichen Fahrrädern und E-Bikes, wobei hochwertige Ausstattung teurer ist. Auch Klappräder sollen möglichst leicht sein, um gut transportierbar zu sein.
Das geringere Gewicht bedeutet normalerweise schwächere Motorleistung und geringere Reichweite. Wer maximale Unterstützung sucht und ausgedehnte Touren plant, ist mit einem Standard-E-Bike besser beraten. Gerade im E-Mountainbike-Sektor wächst das Angebot derzeit beinahe explosionsartig.
Beispiele für leichte E-Bikes
- Minimalistisches Stadtrad mit einem Gewicht von unter 20 Kilogramm, ausgestattet mit einem kompakten Heckmotor und ohne Schaltung.
- Eines der leichtesten voll ausgestatteten Premium-E-Bikes mit Fazua-Antriebssystem.
- Sportliches Urban E-Bike mit wartungsfreier Nabenschaltung und Bosch Performance Line SX-Antrieb.
- Dynamisches Pendler-E-Bike mit Shimano Nexus 5-Gang-Schaltung und TQ-HPR50-Antrieb.
- Vielseitiger Trail-Begleiter mit Bosch SX Motor und integriertem 400 Wh Akku.
- Modernes Light-E-All-Mountain-Bike mit TQ HPR-Motor und 360-Wh-Akku.
S-Pedelec Miloo Adventure Beast
Der Schweizer Hersteller Miloo und Skistar Marco Odermatt präsentieren mit dem Adventure Beast ein S-Pedelec, das neue Maßstäbe setzen will. Mit einem Gewicht von nur 17 Kilogramm ist es das leichteste Modell seiner Klasse. Die Gewichtsersparnis wurde durch den Einsatz von hochwertigem Carbon für Rahmen, Gabel und viele weitere Teile erreicht. Der Miloo X-Line Mittelmotor wiegt 2,8 kg und liefert eine Nennleistung von 600 Watt und ein maximales Drehmoment von 100 Nm. Der Akku mit einer Kapazität von 708 Wh ist nahtlos in den Rahmen integriert und sorgt laut Hersteller für eine Reichweite von bis zu 125 Kilometern. Die Ladezeit von 0 auf 100 Prozent beträgt laut Miloo nur 4 Stunden. Serienmäßig ist das Gravelbike mit einer 12-Gang-Schaltung von SRAM ausgestattet. Vorne sorgt ein Scheinwerfer mit 1.550 Lumen für gute Sicht, am Heck ist ein kompaktes Rücklicht mit integrierter Kennzeichenbeleuchtung verbaut. Das S-Pedelec verfügt über Bluetooth 5.0 und ANT+ Konnektivität. Mit einem Einstiegspreis von 7.999 Schweizer Franken (rund 8.480 Euro) ist das Adventure Beast sicherlich kein Schnäppchen.
Der E-Bike Weltrekord von Dr. Dennis Freiburg
Dr. Dennis Freiburg, ehemaliger Mitarbeiter des Instituts für Spanende Fertigung (ISF) der TU Dortmund, hat die Urkunde über die Bestmarke für das leichteste E-Bike der Welt erhalten. Der Rahmen des E-Bikes ist aus Karbon und wurde von Merida gefertigt. Den Elektromotor hat er mit einer Spezialhalterung unter dem Rahmen angebracht. Den Akku hat der Konstrukteur in einer handelsüblichen Trinkflasche untergebracht. Grundsätzlich kann das E-Bike bequem als normales Fahrrad bewegt werden, da es nur rund die Hälfte eines Standard-Bikes wiegt. Etwa 25 bis 40 Kilometer reicht die Kraft des Akkus, wenn der Elektroantrieb angeschaltet ist. Bis 25 Stundenkilometer arbeitet der E-Motor beim Rad mit.
Das leichteste E-Bike der Welt erfüllt mit seinen 250 Watt Unterstützung die Anforderungen ohne Probleme und bringt diese Kraft in einem ultraleichten Rahmen von Merida unter. Zwischen 19 und 35 Kilometer je nach Unterstützungsstufe kann das Bike zurücklegen. Der Antrieb ist eine komplette Eigenentwicklung von Dennis Freiburg. Selbstverständlich kommt aber auch bei diesem System nur E-Unterstützung hinzu, wenn man selbst auch tritt.
Schmolke Leggerissima
Schmolke bietet mit dem Leggerissima ein Rennrad an, das das leichteste Serienrennrad der Welt sein will. Das voll renntaugliche Modell wiegt nur 5,4 Kilogramm und ist bis 100 Kilogramm Fahrergewicht freigegeben. Der Rahmen wiegt 750 Gramm. Vorbau und Lenker, Stütze, Sattel und Laufräder stammen aus Schmolkes superleichter TLO-Serie. Ausgestattet ist das Schmolke Leggerissima mit einem Shimano Dura-Ace Di2-Antrieb. Das Leggerissima soll ab Herbst 2024 erhältlich sein. Ein neuartiges Herstellungsverfahren, das unter anderem auf Graphen setzt, sorgt laut Schmolke für zäheres Bruchverhalten und geringere Schlagempfindlichkeit als sonst bei Carbon üblich.
Brompton T Line: Das ultimative Faltrad
Brompton T Line ist das ultimative Faltrad mit geringem Gewicht. Über 150 speziell entwickelte und gewichtssparende Komponenten stecken in diesem ultraleichten und präzisionsgefertigten Rahmen aus Titan. Das leichteste Brompton aller Zeiten wiegt ab 7,45kg. Die T Line wurde geschaffen, um das Brompton-Gefühl auf ein neues Level zu heben. Dazu kommen optimierte, schnellere Faltmechanismen. Vollständig aus Carbon Vibrationsdämpfende Gabel, Lenker und Pedaleinheit für das sanfteste Fahrgefühl aller Zeiten. Innovativ und bahnbrechend Die erste stahlverkleidete Sattelstütze aus Carbon überhaupt. Bromptons sind langlebig fürs echte Leben gebaut und werden in Großbritannien von Hand gefertigt.
Giant TCR von Simon Yates
7,0 Kilogramm wiegt das leichteste Rennrad, das bei der Tour de France 2023 gefahren werden könnte. Der Giant TCR Advanced SL-Rahmen ist die leichteste Basis, die bei der Tour zum Einsatz kommt. Das Rennrad in kleinster Rahmengröße wurde mit 36 Millimeter flachen Carbonfelgen und Schlauchreifen ausgestattet, die etwa 200 Gramm weniger wiegen als das üblicherweise gefahrene Tubeless-Setup mit 50-Millimeter-Felgen. Das Giant TCR Advanced von Simon Yates wurde fahrfertig gewogen, das heißt inklusive Pedale, Computer und zwei (leeren) Flaschen. Das Giant TCR dürfte in der Gewichtswertung einen komfortablen Abstand zur Konkurrenz haben, die meisten Rennräder im Peloton wiegen zwischen 7,2 und 7,7 Kilogramm.
Zusammenfassung
Die Entwicklung hin zu leichteren Fahrrädern und E-Bikes ist ein fortlaufender Prozess, der von Innovationen in Materialwissenschaft und Design angetrieben wird. Ob Rennrad, Mountainbike, Faltrad oder E-Bike - die Hersteller sind ständig bestrebt, das Gewicht zu reduzieren, um die Leistung, das Handling und den Fahrkomfort zu verbessern.
| Fahrradtyp | Modell | Gewicht | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Straßenbike | Gunter Mai's Eigenbau | 2,8 kg | Leichtestes Straßenbike |
| Rennrad | AX Lightness VIAL Evo Ultra | 4,4 kg | Sehr leichte Maßanfertigungen |
| Rennrad | Schmolke Leggerissima | 5,4 kg | Leichtestes Serienrennrad |
| Faltrad | Brompton T Line | ab 7,45 kg | Ultraleichter Titanrahmen |
| E-Bike | Roadmachine 01 AMP X ONE von BMC | 11,8 kg | Leichtes E-Bike |
| S-Pedelec | Miloo Adventure Beast | 17 kg | Leichtestes S-Pedelec |
| E-Bike | Dennis Freiburg's Eigenbau | 6,872 kg | Leichtestes E-Bike der Welt (Guiness Buch der Rekorde) |
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