Auch in diesem Jahr testete TOUR rund 100 Rennräder und Gravelbikes für seine Leser und Leserinnen. Welcher Hersteller baute das Leichteste, Schnellste oder Komfortabelste? Welches Modell war das Exklusivste, welches das Günstigste? Ein Rückblick auf die besten Räder des Jahrgangs 2023 nach Einzeldisziplinen. Hier: das Factor O2 VAM.
Haben Leichtbau-Rennräder noch eine Daseins-Berechtigung? Oder sind die Spezialisten, die sich um das Gewichtslimit des Radsportweltverbands UCI bewegen, gegenüber schnelleren Allroundern chancenlos? Dieser Frage gingen wir in TOUR 12/2023 nach und testeten sechs, superleichte Renner.
6,8 Kilogramm - dieser Wert gilt seit Jahren als „Grenze“ im Profiradsport. Leichter darf ein in UCI-Wettbewerben eingesetztes Rennrad nicht sein. Aber ist diese Grenze noch zeitgemäß? Vor wenigen Monaten präsentierte der US-Hersteller Scott die neueste Generation seines Leichtgewichts-Modells Addict RC. Das Serien-Gewicht der Top-Version „Addict RC Ultimate“ beträgt 5,9 Kilogramm.
Einst galten die leichtesten Rennräder als fragil, unkomfortabel und wenig alltagstauglich. Dies ist vorbei. Im ersten ausführlichen Praxis-Test - in der RennRad-Ausgabe 1-2/2025 - bot das Scott neben einer hohen Rahmensteifigkeit und Agilität auch recht viel Fahrkomfort.
Top-Modelle im Überblick
2024 läuteten allerdings vier Neuheiten eine Renaissance des Leichtbaus ein, die auch in fahrfertigem Zustand das Gewichtslimit des Radsport-Weltverbands unterbieten. Zwei Modelle bleiben sogar unter der Sechs-Kilo-Marke.
Die zehn leichtesten Disc-Rennräder im TOUR-Test (Stand: Januar 2025). Die Rangliste berücksichtigt das jeweils leichteste Modell. Rechnet man einen Pedalsatz mit 225 Gramm ein, bleiben alle Kandidaten unter dem UCI-Gewichtslimit.
Ein zentraler Grund für das Comeback des Leichtbaus sind neue Fertigungstechnologien bei Rahmen und Gabel. Die Kletterkünstler profitieren zudem von spektakulären Laufrädern. Neben den Felgen sind teilweise auch Speichen und Nabenflansche aus Kohlefaser gefertigt. Selbst Kleinteile wie Spacer oder Sattelstützenklemmungen unterliegen inzwischen dem Diktat des Leichtbaus. Zudem verzichten viele Fahrradbauer auf eine dicke Lackschicht und setzen nur auf eine dünne Schicht aus Klarlack.
Hier eine detaillierte Auflistung einiger der leichtesten Rennräder:
- Schmolke Leggerissima TLO:
- Gewicht Komplettrad: 5400 Gramm
- Gewicht Rahmen: 786 Gramm
- Gewicht Gabel: 341 Gramm
- Laufradgewichte: 834/1139 Gramm (v./h.)
- Preis: 16500 Euro
Die Carbon-Spezialisten vom Bodensee setzen die neue Benchmark. Das Leggerissma TLO profitiert maßgeblich von hochexklusiven Anbauteilen aus Kohlefaser. Kettenblätter, Lenker-Vorbau-Kombi, Sattel und Stütze: Sie alle sind betörend leicht. Interessant: Rahmen (786 Gramm) und Gabel (341 Gramm), die Schmolke in Kooperation mit einem südkoreanischen Hersteller produziert, gehören nicht zu den leichtesten.
- Scott Addict RC Ultimate:
- Gewicht Komplettrad: 5880 Gramm
- Gewicht Rahmen: 705 Gramm
- Gewicht Gabel: 310 Gramm
- Preis: 12999 Euro
Das Addict RC Ultimate ist der jüngste Vertreter in den Top Ten. Bei unserem Besuch bei Scott ermittelten wir ein Gesamtgewicht von 5,9 Kilogramm. Beeindruckend ist vor allem der neue Ultraleicht-Reifen von Schwalbe: Der Aerothan Race, bislang noch nicht offiziell vorgestellt, dürfte mehr als 100 Gramm gegenüber einem konventionellen Pneu sparen.
- Specialized S-Works Aethos:
- Gewicht Komplettrad: 6120 Gramm
- Gewicht Rahmen: 618 Gramm
- Gewicht Gabel: 290 Gramm
- Laufradgewichte: 1021/1360 Gramm
- Preis: nicht mehr erhältlich
Lediglich 618 Gramm wog einst der Rahmen der exklusiven S-Works-Variante. Eine dünne Schicht Klarlack und minimalistische Decals trugen zum Rekord bei, schließlich war bislang (Stand: Januar 2025) kein Rahmen im TOUR-Test leichter. Die Gabel setzte mit 290 Gramm ebenfalls Maßstäbe. Für die High-End-Version des Aethos aus dem aktuellen Modelljahr (13500 Euro) gibt Specialized ein Komplettradgewicht von 6,3 Kilogramm an.
- Benotti Fuoco Carbon Ultra:
- Gewicht Komplettrad: 6127 Gramm
- Gewicht Rahmen: 787 Gramm
- Gewicht Gabel: 371 Gramm
- Laufradgewichte: 920/1232 Gramm (v./h.)
- Preis: 10999 Euro
Zum 20-jährigen Firmenjubiläum entwickelte Bernd Nolte, Inhaber der Fahrradmarke Benotti, eine auf 100 Stück limitierte Version des Fuoco Carbon. Rahmen-Set oder Anbauteile brechen zwar keine Rekorde, das Gesamtpaket ist aber mehr als beachtlich. Nur vier Räder waren im TOUR-Test leichter. Die Räder auf den folgenden Plätzen der Top Ten sind mindestens 400 Gramm schwerer.
- Factor O2 VAM:
- Gewicht Komplettrad: 6520 Gramm
- Gewicht Rahmen: 847 Gramm
- Gewicht Gabel: 412 Gramm
- Laufradgewichte: 984/1324 Gramm (v./h.)
- Preis: 13922 Euro
Während der Tour de France 2023 legte Factor das O2 VAM neu auf. Auch das Bergrad des britisch-taiwanesischen Herstellers unterbietet das UCI-Gewichtslimit, allerdings auf Kosten des maximal zulässigen Fahrergewichts: Factor gibt den Renner für maximal 90 Kilogramm schwerer Fahrer frei. Zum Vergleich: Das Benotti soll Belastungen unter 140 Kilogramm Fahrergewicht standhalten.
- Giant TCR Advanced SL:
- Gewicht Komplettrad: 6520 Gramm
- Gewicht Rahmen: 758 Gramm
- Gewicht Gabel: 386 Gramm
- Laufradgewichte: 1019/1387 Gramm (v./h.)
- Preis: 12299 Euro
Das TCR ist ein Dauerbrenner unter den leichtesten Rennrädern der Welt. Die aktuelle Version ist zwar nur 20 Gramm leichter als der Vorgänger, dafür trugen die Taiwaner der Aero-Entwicklung Rechnung. Das Gewichtstuning basiert unter anderem auf dem sogenannten Cold-Blade-Cutting der Carbonelemente. Das Verfahren ist Betriebsgeheimnis, doch die Taiwaner versprechen dadurch eine höhere Präzision. Zudem sollen die sensiblen Carbonmatten im Gegensatz zum Zuschnitt per Laser nicht beschädigt werden.
- Wilier Zero SLR:
- Gewicht Komplettrad: 6530 Gramm
- Gewicht Rahmen: 922 Gramm
- Gewicht Gabel: 387 Gramm
- Laufradgewichte: 1085/1397 Gramm (v./h.)
- Preis: nicht mehr erhältlich
Nachdem sich Scheibenbremsen an Rennrädern vor rund fünf Jahren etabliert hatten, stand die Industrie vor einer großen Aufgabe: Wie bekommen wir ein Rennrad wieder leicht? Wilier antwortet damals mit dem Zero SLR und einem Trick. Das Testrad war mit Laufrädern ausgestattet, die für Schlauchreifen ausgelegt waren. Gegenüber vergleichbaren Clincher-Laufrädern holten die Italiener einst rund 400 Gramm heraus. Heute wird das Zero SLR durch das Verticale SLR ersetzt. Ein Testrad in giftgrüner und vermutlich schwerer Lackierung hing mit 6780 Gramm an der TOUR-Waage.
- Specialized S-Works Tarmac SL8:
- Gewicht Komplettrad: 6550 Gramm
- Gewicht Rahmen: 723 Gramm
- Gewicht Gabel: 383 Gramm
- Laufradgewichte: 1136/1438 Gramm (v./h.)
- Preis: nur als Rahmen-Set; 5500 Euro
Specialized gelingt es als einzigem Hersteller, gleich zwei Modelle in den Top Ten der leichtesten Räder im TOUR-Test zu platzieren. Beim S-Works Tarmac SL8 beeindruckt das geringe Rahmengewicht, trotz Aero-Optimierung wird es nur von vier Konkurrenten unterboten. Die gewogenen Einzelgewichte beziehen sich auf eine hauchzart lackierte Version, die nur als Rahmen-Set erhältlich ist. Das leichteste Komplettrad (14500 Euro) dürfte nicht viel schwerer sein, Specialized nennt ein Gewicht von 6,66 Kilogramm für die Ausstattung mit SRAM Red AXS.
- Storck Aernario.3 Platinum Disc:
- Gewicht Komplettrad: 6560 Gramm
- Gewicht Rahmen: 806 Gramm
- Gewicht Gabel: 391 Gramm
- Laufradgewichte: 1078/1460 Gramm (v./h.)
- Preis: 9599 Euro
Den Titel für das schnellste Rennrad im TOUR-Test sicherte sich unlängst das Aerfast.5, mit dem Aernario.3 schafft Storck knapp den Sprung in Leichtbau-Spitzenklasse. Mit 9599 Euro bliebt das Aernario.3 als einziges Rad in dieser Bestenliste unter der 10000-Euro-Marke. Auf der Herstellerseite ist die Version mit schnellen Laufrädern von DT Swiss nicht gelistet (Stand: Januar 2025), das Modell mit Eigenmarken-Laufrädern spart 400 Euro.
E-Rennräder im Fokus: HPS Domestique 1-21 Launch Edition
Nicht jeder kann sich mit der Idee eines E-Rennrads arrangieren. Unter ambitionierten Fahrern sind die Anforderungen an ein Rennrad bereits so hoch, dass sie für eine elektrische Version geradezu unerreichbar erscheinen. Wer uns kennt, weiß jedoch, dass wir dem Konzept eines E-Rennrads unvoreingenommen eine Chance geben. Als eines der ersten Medien, die sich ernsthaft mit dem Thema auseinandergesetzt haben, führten wir bereits 2019 einen großen Vergleichstest durch. Und kürzlich durfte sich das Scott Addict eRide Premium unserem Test unterziehen - und hat dabei nicht nur mit seinen Eckdaten auf dem Papier die Fahne für E-Rennräder hochgehalten.
Bei HPS stand von Beginn an ein Ziel im Fokus: Ein E-Rennrad zu erschaffen, das sich wie ein High-Performance Rennrad fährt, anfühlt und auch so aussieht. In den Rahmen integrierte Akkus sowie klobige Naben- oder Mittelmotoren fielen daher von vornherein aus, um das Fahrgefühl von Rennrädern nicht zu verfälschen. Stattdessen sollte ein zentral platziertes und unsichtbares Motorsystem zum Einsatz kommen, das nur dann spürbar wird, wenn es mit anschiebt.
Um den Ansprüchen gerecht zu werden, hat HPS ein Konzept entwickelt, das insgesamt nur 1,5 kg zusätzlich auf die Waage bringt, inklusive Akku! Der Motor sitzt unsichtbar versteckt oberhalb des Tretlagers im Sattelrohr. Er hat ein maximales Drehmoment von 20 Nm und leistet in der Spitze bis zu 200 Watt. Dadurch muss sich der Motor in puncto Leistung hinter den anderen Motoren aus unserem E-Rennrad-Vergleichstest einordnen, mit einem rechnerischen Leistungsgewicht von 133 Watt pro Kilogramm soll er jedoch laut HPS klassenführend sein.
Die elektronische Steuerung des Motors und des Akkus werden im Unterrohr untergebracht. Das soll den Schwerpunkt des Rennrads niedrig halten und die Fahrdynamik nicht beeinflussen. Von außen betrachtet verrät am Domestique nichts, dass es sich um ein E-Rennrad handelt. Alle elektronischen Komponenten sind nahtlos im Carbon-Rahmen integriert.
Zwei Akkuoptionen stehen zur Auswahl: Ein 1,2 kg schwerer Akku mit 193-Wh-Akkukapazität soll für bis zu 3 Stunden Motorunterstützung sorgen. Die zweite Option ist ein 720 g leichter Akku mit 85 Wh und einer angegebenen Akkulaufzeit von 1,5 Stunden. Beide Akkus sind in bester James Bond-Manier als Trinkflasche designt. Darüber hinaus entspricht der kleinere Akku den aktuellen Flugsicherheitsregeln, um mit an Bord eines Fliegers genommen werden zu dürfen.
Für die weitere Ausstattung vertraut HPS auf Komponenten-Experten aus Italien. Campagnolo steuert die 13-fach Ekar-Schaltgruppe inklusive Ergopower-Schalthebel, Scheibenbremsen und den Shamal Carbon-Laufradsatz bei. Lenker und Sattelstütze stammen von Deda Elementi, der Scicon-Sattel von Asg Bike Science. Als Pneus kommen Pirelli P ZERO in 28 mm Breite zum Einsatz.
Laut HPS gibt es nicht „den“ typischen Rennradfahrer, der aufs HPS Domestique steigt. Es soll Fahrer unterstützen, die mit einer schnelleren Gruppe mithalten oder sich an extrem anspruchsvollen Routen ausprobieren wollen, für die aber noch die Zuversicht fehlt, es aus eigener Kraft zu meistern. Gleichzeitig richtet sich das Bike auch an konditionell und technisch versierte Fahrer, die an ihrem Recovery-Day ein spezielles Trainingsprogramm abspulen wollen, das ohne elektronische Unterstützung nicht machbar ist.
Wer auch immer sich für das HPS Domestique 1-21 Launch Edition entscheidet, muss die aufgerufenen 12.000 € stemmen können und sollte schnell sein, denn wie der Name es verrät, ist die Launch Edition auf 21 Stück limitiert.
Canyon Endurace:ONfly - Ein neues Zeitalter der E-Rennräder
Canyon hat das Endurace:ONfly vorgestellt - ein E-Rennrad, das nicht nur in puncto Gewicht und Design neue Maßstäbe setzen soll, sondern auch mit einem sehr natürlichen Fahrverhalten durch den leichten TQ HPR40-Motor. Wir geben euch die Infos.
Canyon stellt mit dem Endurace:ONfly jetzt ein neues Modell in vier Versionen im Bereich der E-Rennräder vor. Die Neuheit kombiniere Leichtigkeit, eine natürliche Fahrdynamik und einen nahezu unmerklichen Motor, so der Koblenzer Hersteller. Das alles sei gepaart mit einer unaufdringlichen Optik, die gegenüber traditionellen Rennrädern keinen Unterschied machen solle.
Mit einem, laut Canyon, Gewicht von nur 9,86 Kilogramm beim Top-Modell SUB-10 gehöre das Endurace:ONfly zu den leichtesten E-Rennrädern und liegt somit noch ein Kilogramm unter einem Rose Reveal Plus und im Bereich des Urtopia Titanium Zero E-Rennrads.
Kernstück des neuen Modells ist der fast unsichtbare TQ HPR40-Motor unterhalb des Tretlagers, ein sehr kompakter und leiser Motor, der in Verbindung mit einer 290 Wh Batterie eine Leistung von 200 W bei 40 Nm Drehmoment bieten soll. Der Vorteil dieses Motors sei ein sehr natürliches Fahrverhalten. Drei Unterstützungsstufen stehen dabei zur Auswahl. Außerdem besteht die Möglichkeit, mit einem TQ Range Extender (160 Wh) die Reichweite zu erhöhen.
Das Endurace:ONfly ist mit weiteren Kniffen ausgestattet, die auch im Detail überzeugen sollen: Der Rahmen soll für größtmögliche Steifigkeit bei minimalem Gewicht sorgen, während die verbesserte Geometrie das Fahrverhalten optimiere. Laut Canyon wurde sie so angepasst, dass dadurch mehr Stabilität und besserer Komfort erzielt werde.
Interessant: Canyon rüstes das E-Rennrad serienmäßig mit einer Lichtanlage aus. An der Front komme das LightSkin U1-Frontlicht zum Einsatz, am Heck in Zusammenarbeit mit Lupine die "SightStays"-Lichter am Ausfallende, die eine bessere Sichtbarkeit bei Nacht bieten dürften.
Schmolke Leggerissima TLO: Das leichteste Serienrennrad der Welt?
Voll renntauglich, freigegeben bis 100 kg Fahrergewicht: Schmolkes Leggerissima will das leichteste Serienrennrad der Welt sein.
Seit 33 Jahren dreht sich bei Schmolke alles um superleichte und hochwertige Carbon-Komponenten. Seit 2022 sind auch Kompletträder im Programm, zum Beispiel das Aerrow TLO, das ebenfalls leichter ist als das UCI-Gewichtslimit von 6,8 Kilo. Das neue Modell Leggerissima legt nun nach Herstellerangabe noch eine Schippe drauf bzw. speckt vielmehr nochmal deutlich ab und soll das derzeit leichteste Serienrennrad der Welt sein: Gerade mal 5,4 Kilogramm soll der voll renntaugliche und bis 100 Kilogramm Fahrergewicht freigegebene Scheibenbrems-Renner Leggerissima wiegen.
Basis ist ein 750 Gramm leichter Carbon-Rahmen, der mit bewährten Schmolke Carbon-Komponenten und einer Shimano Dura-Ace Di2 Disc aufgebaut wird. Die runde Sattelstütze soll viel Komfort bieten, die Geometrie wurde im Vergleich zu Schmolkes Aero-Modell überarbeitet.
Die Tubeless-Ready-Laufräder verwenden Felgen in handgefertiger Prepreg-Bauweise, die 37 Millimeter hoch sind und pro Stück nur 295 Gramm wiegen. Ausreichende Steifigkeit wird über Carbonspeichen erreicht, laut Schmolke stehen auch hier stabile Fahreigenschaften noch vor Leichtgewicht. Dennoch gibt Schmolke das Set-Gewicht für Vorder- und Hinterrad mit 980 Gramm an.
Trotz Leichtbau soll das Rad ausgesprochen robust sein: Ein neuartiges Herstellungsverfahren, das unter anderem auf Graphen setzt, sorgt laut Schmolke für zäheres Bruchverhalten und geringere Schlagempfindlichkeit als sonst bei Carbon üblich. Zum Hintergrund: Im Graphen-Kohlenstoffverbund lassen sich Rohre mit Durchmessern von wenigen Nanometern wickeln, die zudem extrem gut an den Harzmolekülen anhaften. Ergebnis sind hohle Nanotubes, die viel zugfester sind als Stahl, aufgrund der hohlen Struktur leichter als Vollmaterial und durch die gute Anhaftung von Harz und Kohlefaser schlagzäher und härter als "normale", unmodifizierte Kohlenstofffaser-Epoxidharz-Verbünde.
Optisch kombiniert Schmolke beim Leggerissima dezentes Mitternachtblau als Rahmenfarbe mit goldenen Decals - auch auf den Anbauteilen. Das Leggerissima soll ab Herbst 2024 erhältlich sein und huldigt das 2025 anstehende 33-jährige Firmenjubiläum.
Leichtgewicht vs. Aerodynamik: Ein ewiger Kompromiss
Alles ist relativ - auch die Leistung. Dies ist die „Formel“, auf der vieles im Radsport basiert. Dabei geht es nicht um Absolutwerte, sondern um relative. Konkret: um die erbrachte Leistung in der Relation zum Systemgewicht, um den Watt-Pro-Kilogramm-Wert. Dieser bestimmt die Leistung dort, wo es in Radrennen meist zählt: bergauf. Das System setzt sich zusammen aus den Gewichten des Fahrers und seines Rades beziehungsweise Materials. Auch an seiner Ausstattung kann man Gewicht sparen - und somit schneller bei gleicher Leistung sein.
Zwar ist auf den meisten Strecken - wenn man nicht gerade im Hochgebirge unterwegs ist - ein aerodynamisch optimiertes Rad effizienter als ein gewichtsreduziertes. Doch auch das Gewichtstuning hat in manchen Situationen seine Berechtigung. Als „Hobbyfahrer“ hat man hier noch mehr Möglichkeiten als die Radprofis. Denn um an UCI-reglementierten Rennen teilnehmen zu können, darf das eigene Rad im fahrbereiten Zustand nicht weniger als 6,8 Kilogramm wiegen.
Dass man im Rennrad-Sektor jedes Gramm weniger mit mindestens einem Euro mehr bezahlt, ist eine bereits alte, vereinfachende Faustformel. Doch leider ist einiges Wahres an ihr dran.
Zudem legten fast alle Hersteller deutlich mehr Wert auf Aerodynamik- als auf Gewichts-Optimierungen. „Kompromissmodelle“ aus den beiden Welten liegen aktuell im Trend: Ergo Rennräder, die sowohl stark ovale beziehungsweise Kammtail-Rahmenformen und weitere Aero-Maßnahmen aufweisen als auch sehr geringe Gesamtgewichte. Zu diesen Modellen zählt in unserem Testfeld etwa das Scott Addict RC Ultimate.
Auch die Parameter „Leichtgewicht“ und „Fahrkomfort“ galten lange als kaum vereinbar. Einst galten leichte Rennräder als fragil, extrem unkomfortabel und wenig alltagstauglich. Dies ist heute weitgehend nicht mehr der Fall. Viele Hersteller entwickelten ihre leichten Race-Modelle in Richtung von Allroundern - hin zu oftmals mehr Dämpfungskomfort und „entspannteren“ Sitzpositionen. In all diesen Testpunkten überzeugt etwa das Parapera Atmos² in diesem Vergleich. An ihm sind 30 Millimeter breite Pneus verbaut.
Ähnlich wie bei den Aero-Race-Rädern gibt es, leider, auch bei den Leichtgewichten einen Zusammenhang mit dem Preis. Die enorme Inflation auf dem Radmarkt ist auch in diesem Vergleich deutlich wahrzunehmen.
Nur noch drei der zehn Leichtgewichts-Testräder rollen auf 25 Millimeter breiten Pneus, eines auf 26-, fünf auf 28- und das Van Rysel RCR-R Pro sogar auf 30-Millimeter-Reifen. Am Giant-TCR-Testmodell sind die Reifen bereits ab Werk tubeless montiert.
Die Vielseitigkeit des Testfeldes zeigt sich auch am neuen Lapierre Xelius DRS 10.0. Es vereint Aerodynamik mit Komfort. Das Fahrverhalten ist ausgewogen, sportiv, agil und dennoch laufruhig. Die Sitzstreben am Xelius sind vom Sitzrohr „entkoppelt“ und setzen weiter vorne am Oberrohr an. Am anderen „Ausrichtungspol“ dieses Testfeldes - dem extrem sportiven - sind etwa das Cervélo R5 und das Canyon Ultimate CFR angesiedelt. Deren Gewichte: 6,76 beziehungsweise 6,64 Kilogramm. Beide Räder sind leicht, steif, agil und bieten eine „klassisch-aggressive“ Race-Geometrie.
Das niedrigste Gesamtgewicht im Test bietet das Baldiso E3. Es wiegt nur 5,5 Kilogramm. Das Endurance-Modell ist - wie jedes Baldiso-Rad - frei konfigurierbar und in unserer Test-Version mit Leichtbau-Komponenten von Schmolke, THM, Carbon-Ti und Partington ausgestattet. Ein weiterer Nachteil der meisten Leichtgewichtsmodelle ist oft: ihr Preis. So kostet das Baldiso E3 18.630 Euro.
Die ausführlichen Testberichte der Leichtgewichts-Rennräder lesen Sie in der RennRad 6/2025.
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