Lyonel Feininger: Mehr als nur geometrische Formen und Kirchen

Lyonel Feininger (1871-1956) war eine schillernde Persönlichkeit und ein Vertreter der klassischen Moderne. In der Frankfurter Schirn sind so viele verschiedene Werke dieses Künstlers zu sehen wie noch nie zuvor. Die Maler Wassily Kandinsky, Paul Klee und Franz Marc zählten zu seinen Freuden. In einer Retrospektive der Frankfurter Kunsthalle Schirn wurden 160 Werke des Künstlers gezeigt, die noch nie zusammen ausgestellt wurden. "Das hat es noch nie gegeben", betonte die Kuratorin der Ausstellung, Ingrid Pfeiffer. Dafür wurden mit enormen Aufwand Feininger-Werke unter anderem aus zehn verschiedenen amerikanischen Museen geliehen.

Wer einmal einen Feininger gesehen hat, erkennt ihn immer wieder - stimmt und doch auch wieder nicht. Denn die meisten kennen nur seine Bilder, die wie in geometrische Formen zerlegt wirken. Die wenigsten wissen, dass er zuerst Karikaturist war und sogar Comics gezeichnet hat, die nicht nur lustig, sondern auch bunt und knallig waren. Vor allem aber auch voller Menschen, die er immer in Bewegung darstellt: rennend, weit ausschreitend, tanzend, die Männer meist mit Zylinderhut. Außerdem sind in der Ausstellung die "ghosties" zu sehen: kleine, schnell hingeworfene Skizzen mit lustig-eckigen Figuren, die mit Aquarellklecksen versehen sind.

Sein Leben lang war Feininger fasziniert von Schiffen und Lokomotiven, die in seiner Jugend eine technische Revolution darstellten. Schon 1913 hat er angefangen, selbst Spielzeug-Varianten von Loks und Schiffen zu schnitzen und wollte mit einer Münchner Firma sogar in Produktion gehen. Doch dann kam der erste Weltkrieg und es wurde nichts daraus. Trotzdem ließ ihn Spielzeug nicht los: 1919 schnitzte er zusammen mit seinen drei Söhnen wieder: kleine Häuschen und Figuren, bunt bemalt und oft mit altmodischen Hüten und langen Jacken versehen. "Es ist mehr als nur Kinderspielzeug. Es hat seine Parallelen auch in seinem Frühwerk als Maler", sagt Kuratorin Pfeiffer.

160 Feiningers aus verschiedenen Phasen seines Lebens - das lädt geradezu ein, das Typische und Besondere des Künstlers in seinen Kunstwerken zu suchen. So fallen einem Kleinigkeiten auf, die immer wieder aufploppen. "Das Selbstporträt, das gleich am Eingang hängt, hat ganz stechende grüne Augen. Manchmal erinnern Türme oder Gebäude seiner späteren Werke auch an die langgezogenen Figuren mit Hut aus den Karikaturen aus der ersten Karriere. Oder aber man steht vor einem Bild mit Strichen, bei dem alles aufs Radikalste abstrahiert ist, dreht sich um und sieht dann auf der anderen Seite ein Bild, das dieselben Umrisse hat, aber eine konkrete Häuserschlucht darstellt.

Lyonel Feininger hat sich vom Kubismus inspirieren lassen, vom Expressionismus und von den reduzierten Formen des Bauhauses. Er abstrahiert gerne, zeigt nur das für ihn Wesentliche. Und doch entstehen bei den Original-Gemälden manchmal ganz besondere Effekte, wenn man direkt davor steht. Da scheinen die wie aus Papier gefalteten Radler sich plötzlich zu bewegen, die Figuren wie in einem 3-D-Effekt aus dem Bilderrahmen zu ragen. "Die haben eine Tiefe und eine Plastizität, die man nur wirklich vor dem Bild sieht", sagt Kuratorin Pfeiffer. "Und das ist der Grund, warum wir Originale zeigen.

Bekannte Werke von Lyonel Feininger:

  • Schärenkreuzer, 1930, Öl auf Leinwand
  • Bliss Building [New York], 1940er-1950er, Diafilm
  • Die Radfahrer (Radrennen), 1912, Öl auf Leinwand

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