Endlich Sommer - endlich schönes Wetter - endlich wieder Biken! Das neue Husqvarna MC5 wurde auf den Trails im Wienerwald, sowie auf den endlich wieder trockenen Lines im Trailcenter Weidlingbach einem umfassenden Praxistest unterzogen - und das E-Mountainbike hat sich super geschlagen.
Design und Optik
Das Auge fährt mit, sagt man - und bei Husqvarna wird dem Selbigen einiges geboten. Schöne Farbkombinationen, eigenständige Optik durch die Platzierung des Federbeins, sowie der Motor-Rahmen-Integration (Skeleton Interface) und eine stabile Motorschutzplatte lassen die MC-Palette aus der Masse an Konkurrenz der E-MTBs hervorstechen.
Einsatzbereich und Ausstattung
Für längere Touren, gerne auch mal anspruchsvollere Trails im Gebirge, ist dieses E-Mountainbike eigentlich gebaut. 150 mm Fahrwerk (bei den günstigeren Modellen von SR Suntour, bei den teureren von Fox), eine gemütliche, aufrechte Sitzposition, mindestens 500 Wh Akku (630 Wh bei den höherwertigeren Modellen), sowie der reichweitenstarke Shimano Steps E8000 Elektromotor lassen auch bei Touren mit 3-4 Stunden Länge keine langen Gesichter aufkommen.
Der Dämpfer (3 Plattformmodi und Zugstufe verstellbar) bleibt angenehm neutral, sodass die Zuschaltung der Plattform unterbleiben kann. Der Shimano E-MTB Motor läuft leise, ist schmal gebaut und bietet ausreichend Schub. In der Ebene habe ich sogar zugunsten der Reichweite ganz auf eine Motorunterstützung verzichtet. Dem fehlenden Tretwiderstand sei Dank!
Bergauf kommt man bei gutem Trainingszustand in den allermeisten Fällen mit dem Eco-Modus aus, nur wenn es verspielt/steil oder beides wird, habe ich den genialen Trail-Modus zugeschaltet. Den Boost Modus habe ich so gut wie gar nicht benutzt. Wenn er eingeschaltet ist, schiebt er aber mächtig vorwärts, wie ich bestätigen kann.
Trotz der hohen Sitzposition auf diesem E-Mountainbike bleibt die Front auch im richtig steilen Gelände stoisch am Boden. Bergab wurde das Bike erst über einen wurzeligen, steilen Trail gescheucht, dann über die beiden Lines im Trailpark Weidlingbach - mit engen und weiten Anliegern, Sprüngen, Step downs und allem, was so dazu gehört. Als krönenden Abschluss wurde schließlich noch die Fun Line im Trailpark Mauerbach mitgenommen.
Dabei merkt man dreierlei Dinge: Erstens: die hervorragende Geometrie. Man steht schön mittig im E-Mountainbike, hat durch die obligatorische versenkbare Sattelstütze viel Bewegungsfreiheit und durch den breiten Lenker und den kurzen Vorbau jederzeit die Kontrolle über die Front.
Zwar ist das Husqvarna MC5 nicht so wendig wie andere E-MTBs und noch dazu relativ schwer, aber einmal in Fahrt, zeigt es sich sehr laufruhig und möchte mit Tempo gefahren werden. Dabei zeigen sich auch die Shimano Bremsen standfest und verzögern jederzeit wirkungsvoll.
Zweitens: den guten Grip der 27,5+ Bereifung (mit Schwalbe NobbyNic Bereifung eher auf der tourigeren Seite unterwegs). Und drittens: Die Federgabel von SR Suntour kann mit der Leistung des Dämpfers nicht ganz mithalten. Für gediegene Offroad-Touren-Fahrer gar kein Problem, abfahrtsorientierte fortgeschrittene E-Mountainbiker sollten aber lieber auf die höherwertigen Modelle mit Fox-Fahrwerk zugreifen.
Nach ca. 50 km mit 1.400 Hm (und immer noch ca. 30% Restakku) zeigt sich, dass kleine Schwächen wie die Federgabel (in dieser Modellvariante!), sowie kleinere Details (problematische Trinkflaschenposition, Sattelrohr mit Schnellspanner, zu schmale Griffe), sich aber einfach verändern lassen.
Husqvarna Mountain Cross LE
Das Husqvarna Mountain Cross LE ist auf sportliches Downhillfahren getrimmt. Gleichzeitig hat Husqvarna dem Rad auch eine enorme Gelassenheit verpasst. Husqvarna gehört zur Österreichischen Pierer Mobility Gruppe, deren Deutschland-Sitz in der Fahrradstadt Schweinfurt beheimatet ist. Dort befindet sich auch ein Teil der Entwicklung.
Mit der LE-Version (Legacy Edition) nimmt Husqvarna die Designsprache seiner legendären Motorräder auf. Das zieht sich bis in vermeidliche Kleinigkeiten, etwa die farblichen Züge. Das Rad ist insgesamt sportlich ausgelegt, entsprechend bescheiden fallen die Komfortelemente aus: leichter Rise am Lenker, runde Griffe und ein sportlich straffer Sattel - das wars auch schon.
Die Fahreigenschaften sind toll. Vor allem bergab begeistert das Husqi. Dank ungewöhnlicher Hinterbau-Geometrie ist aber auch der Uphill angenehm, das Rad federt beim Pedalieren nicht über Gebühr ein. Der starke, gleichzeitig recht leichte EP8-Motor harmoniert prächtig mit der 12-fach Sram-Schaltung. Der große 630-Wh-Akku sorgt für einen langen Tag E-MTB-Spaß. Die Bremsen verzögern dank je vier Kolben und großer Scheiben punktgenau.
Die Fakten zum Husqvarna MC5
- Motor: Shimano EP801, 85 Nm max. Drehmoment
- Akku: 720 Wh (entnehmbar)
- Rahmenmaterial: Carbon
- Federweg: 150 Millimeter
- Laufradgröße: 29 / 27,5 Zoll (Mullet)
- Rahmengrößen: M, L, XL
- Preis: 6999 Euro
- Gewicht: 23,5 kg (Testbike in Größe L, EMTB-Messung, ohne Pedale)
- Zulässiges Gesamtgewicht (Herstellerangabe): 130 Kilogramm
Shimano EP801 Motor und Akku
Der neue Shimano EP801-Antrieb bietet ein spürbares Leistungsplus gegenüber dem Vorgänger und eine neue Elektronik. Damit ist der EP801 auch mit den neuen elektronischen Schaltungen von Shimano kompatibel. In der Praxis zeigt sich der Antrieb kräftig und gut dosierbar, in Sachen Nachlauf und Dynamik muss sich Shimano aber nach wie vor den besten am Markt geschlagen geben.
Eine Spezialität des Husqvarna ist der eigene Akku, der in Zusammenarbeit mit Simplo entwickelt wurde. Er wird von unten ins Unterrohr eingeschoben und kann ohne Werkzeug entnommen werden. Mit 4445 Gramm ist die 720-Wattstunden-Batterie des Husqvarna zudem schwerer als ein Powertube 750 von Bosch (4,3 kg) und deutlich schwerer als ein 726er Akku für das Shimano-System von Darfon (3,9 kg).
Geometrie des MC5
Husqvarnas Mountain Cross war schon immer ein unkompliziertes Bike mit tourenorientierter statt übermäßig aggressiver Geometrie. Trotz des neu designten Carbon-Rahmens bleibt sich das Bike hier treu. Der Radstand ist mit 1250 Millimetern eher auf der kompakten Seite, kurze Kettenstreben (444 Millimeter) sollten das Husqvarna handlich machen. Ein tiefes Tretlager begünstigt eine gute Kurvenlage, der für moderne Verhältnisse steile Lenkwinkel von 65,4 Grad ein direktes Einlenkverhalten.
Ausstattung des Husqvarna MC5
Für das Husqvarna gilt: Das Fox-Fahrwerk aus der Performance-Serie ist grundsolide, gerade die ältere G2-Bremse von Sram und die mechanische GX-Eagle lassen in dieser Preisklasse aber noch Luft nach oben. Die Newmen-Laufräder hingegen sind wertig, die Schwalbe-Reifen bewährte Tourenklassiker, wenn auch im Grenzbereich wenig traktionsstark.
- Gabel / Dämpfer: Fox 36 Performance / Float Performance
- Schaltung: Sram GX Eagle (mechanisch)
- Bremsen: Sram G2 R
- Laufräder: Newmen E.G 35 Evolution SL
- Reifen vorne / hinten: Schwalbe Nobby Nic Evo Supertrail Soft / Speedgrip
Praxistest: So fährt sich das Husqvarna MC5
Auf dem Husqvarna sitzt man, wie man es von klassischen Tourenbikes kennt. Das ist angenehm auf längeren und flacheren Strecken, zu denen auch der bequeme Sattel passt. Zumal beim Husqvarna mit kurzen Kettenstreben an steilen Rampen die Front schnell mal leicht wird und man so aus der Spur gerät. Das Heck steht bergauf sehr stabil im Hub, ohne zu Pumpen oder einzusacken.
Beim Fahrspaß kann das Bike hingegen überzeugen. Hier kommen dem Husqvarna die kurzen Kettenstreben und das tiefe Tretlager zu Gute. Handlich lässt sich das Bike über flache Kurse steuern und kleine Sprungeinlagen gehen leicht von der Hand. Ausgewogen und unkompliziert lässt sich das MC5 durchs Gelände steuern. Je fieser das Gelände wird, desto stärker muss man mit dem Husqvarna die Bremsen anziehen.
EMTB-Bewertung des Husqvarna MC5
Stärken:
- Fahrspaß auf gemäßigten Trails
- Unkompliziertes Handling
- Eigenständiger Look
Schwächen:
- Wenig Fahrsicherheit in schwerem Gelände
- Akku klappert
- Hinterbau zu progressiv
Die Downhill-Wertung fällt für ein All Mountain mit 150 mm eher schwach aus, auch im Uphill lässt das MC5 Federn. Mit ordentlichen Allround-Qualitäten schafft es das Husqvarna knapp auf ein sehr gut.
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