Satire schlägt in Deutschland leicht hohe Wellen, das ist spätestens seit Jan Böhmermanns Gedicht über Recep Tayyip Erdoğan klar. Zwischen Weihnachten und Neujahr sorgte ein satirisches Lied des WDR-Kinderchors für deutschlandweite Aufregung. Passend zur Bewegung »Fridays for Future« heißt es im Refrain der neuen Version: »Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad. Das sind tausend Liter Super jeden Monat. Diese satirischen Zeilen sorgten für große Empörung.
In sozialen Medien wurden sie als Pauschalverurteilung einer ganzen Generation kritisiert. Jung gegen Alt zu instrumentalisieren, ist nicht akzeptabel.« Der WDR produzierte eine Sondersendung, »um sich sachlicher Kritik und Fragen zu stellen«, und nahm das Video des Liedes aus dem Netz. Tom Buhrow, der Intendant des WDR und designierte ARD-Vorsitzende, entschuldigte sich für den Beitrag: »Das Video mit dem verunglückten Omalied war ein Fehler. Das war Anlass genug für extreme Rechte, Rundfunkbeitragsgegner und Verschwörungstheoretiker, ihre Aufregung aus den sozialen Medien auf die Straße zu tragen.
Bereits am 29. Dezember demonstrierten etwa 100 Personen, unter anderem von der neonazistischen »Bruderschaft Deutschland«, vor der WDR-Zentrale in Köln. Mitglieder der Gruppe suchten während der Demonstration die Konfrontation mit Gegendemonstranten. Für den vergangenen Samstag war erneut eine Kundgebung vor der WDR-Zentrale in Köln angemeldet worden. Während die »Bruderschaft Deutschland« diesmal nicht mit von der Partie war, konnten die Demonstrierenden wieder auf die Unterstützung des Rappers »Master Spitter« zählen. Der Mythos der deutschen Trümmerfrauen, von Historikern längst widerlegt, war bei den besorgten WDR-Kritikern generell sehr beliebt.
Es waren aber lediglich etwa 50 Teilnehmer, die sich zu der verschwörungsideologischen Selbstbespaßung eingefunden hatten. Dabei trafen sie selbst auf Widerstand. Als die Polizei Teilnehmer der Demonstration durch eine zahlenmäßig überlegene Gegenkundgebung führte, kam es zu mehreren Auseinandersetzungen. Auch bei der Abreise sorgte das Konzept der Polizei für Kopfschütteln. Diese verzichtete auf die weitere Begleitung der extremen Rechten, was Auseinandersetzungen in der Nähe eines zwischen dem WDR-Gebäude und dem Hauptbahnhof gelegenen Hotels ermöglichte. Dabei zog ein Mann, der von Zeugen als Teilnehmer der extrem rechten Kundgebung wiedererkannt wurde, ein Messer. Klaus Lober vom Bündnis »Köln gegen rechts«, das zu der Gegenkundgebung aufgerufen hatte, sagte dazu: »Im direkten Anschluss an eine Kundgebung, an der auch Personen des ›Flügels‹ der AfD teilgenommen haben, setzte ein rechter Demonstrant die rassistische Hetze gegen Andersdenkende in die Tat um und zückte ein Messer.
Das Ehepaar Soundso lässt kein Wochenende aus. Natürlich fährt die Oma von Paul und Emil nicht im Hühnerstall Motorrad. Aber etwas Schöneres als Motorradfahren gibt es für die 58-jährige Angelika Arnold kaum. Das ist selten bei Großmüttern und überhaupt selten bei älteren Frauen.
Die Faszination des Motorradfahrens im Alter
»Manchmal ruft Angelika mich freitags an und fragt, ob ich nicht ein bisschen eher von der Arbeit heimkommen kann. Das Wetter sei so schön, ideal für eine Spritztour«, erzählt Helmut Arnold. Erst mit 41 hat der Erlanger den Motorradführerschein gemacht. »Ich durfte die Maschine unserer Tochter anlassen, aber nicht fahren. Das hat mich irgendwann genervt«, erklärt der gelernte Schriftsetzer. Trotzdem: Wenn seine Frau nicht gedrängt hätte, besäße er vielleicht immer noch kein eigenes Motorrad. Die erste große Tour auf ihrer Suzuki 450 führte das Paar an den Gardasee. Inzwischen waren Angelika und Helmut Arnold bereits in der Toskana, in Apulien und Kalabrien, in diesem Sommer geht es mit einer 1200er Bandit auf Reisen. Und was den Komfort angehe - jeder habe einen Koffer für die Kleidung, immerhin!
»Ich nehme halt nur Sachen mit, die ich schnell waschen kann und die auch schnell trocknen«, erklärt die flotte Großmutter. Zwischen 7000 und 8000 Kilometer pro Jahr fahren die Arnolds auf zwei Rädern. »Zieht Regen auf, halten wir an«, sagt die pensionierte Erzieherin. So weit geht die Leidenschaft denn doch nicht, dass sie nass werden und frieren möchte. Von einem sind die Arnolds jedoch überzeugt. Seit seiner Jugend fährt Fritz Biemann aus Möhrendorf bei Erlangen Motorrad. Jetzt ist er 53 Jahre alt, arbeitet als Werkstattleiter in einem Autohaus, fährt immer noch Motorrad und schwärmt: »Die Gerüche, den Wind, die Landschaft - alles kann man viel intensiver empfinden.« Oft steht er am Wochenende schon vor Tagesanbruch auf, um auf seiner 1200er BMW in den Morgen zu starten. Der Biker versucht, das Glücksgefühl zu beschreiben, das er dabei empfindet. Schließlich sagt er: »Es ist unglaublich schön, phänomenal!«
Vom Rausch der Geschwindigkeit sagt er nichts. Er redet auch nicht von Abenteuer, geschweige denn vom Mythos Freiheit, wie das Harley-Fahrer gern tun. Fritz Biemann kommt stattdessen auf die Kehrseite zu sprechen: die Hitze im Sommer, die Kälte in den Bergen, der Regen. Zwischen 10 000 und 11 000 Kilometer im Jahr nimmt er unter die Reifen, obwohl nach 200, spätestens 300 Kilometern auch ihm der Hintern vom Sitzen weh tut. So wie Helmut Bälzer (58) aus Höchstadt geht es vielen: »Ich war 18 oder 19 Jahre alt, als ich den Führerschein fürs Motorrad gemacht habe. 80 Mark kostete das damals - aber gefahren bin ich danach nie.« Er habe ja kein Geld gehabt, sagt er. Erst wurde geheiratet, dann kamen die Kinder, dann wurde das Haus gebaut. Erst 1987, mit Mitte dreißig, konnte er sich sein erstes Motorrad kaufen. Es ist ein typisches »Phänomen der Szene«, dass Männer in den besten Jahren ihre Liebe zum Motorrad entdecken oder wiederentdecken.
Mitte 50 war Georg Mauderer aus Nürnberg, heute 76, als er sich seine erste Maschine kaufte. Warum? »Ich hatte eine Baufirma, und unser Lieferant für Sägeblätter kam immer auf dem Motorrad. Der Mann war an die 75. Das hat mir imponiert.« Mittlerweile hat sich Mauderer schon das dritte »Moped« zugelegt, eine Yamaha Virago 535. Seine Frau ist nicht begeistert. »Sie meint, ich sei ein bissel zu alt. Dabei fühle ich mich noch fit«, findet der Diplom-Bauingenieur im Ruhestand. Seinen 77. 66 Jahre alt war der älteste Wiedereinsteiger, der sich bei Fahrlehrer Franz Obermaier aufs Motorrad gesetzt hat. Zwar lasse die Reaktionsschnelligkeit im Alter nach, gibt der Nürnberger Fahrlehrer zu bedenken. Doch mit Erfahrung könne man das wettmachen. Älteren Fahrern und Wiedereinsteigern rät Franz Obermaier zu Sicherheits- bzw. Perfektionstraining.
Aus gutem Grund: Bis zum 1. April 1980 bekam man den Schein schon nach drei, vier Stunden Ausbildung. »Danach konnte man das Motorrad lediglich bewegen. Heutzutage liegt der Schnitt bei 20 Stunden Praxis«, erläutert der Fachmann, der schon seit 35 Jahren im Beruf steht. »Mehr Training, mehr Sicherheit, mehr Fahrspaß«, lautet Obermaiers einfache Formel. Apropos üben: Wer täglich Motorrad fährt, meint der britischer Psychologieprofessor Ian Robertson, fühlt sich jünger, lebt länger und verbessert seine Gedächtnisleistung sowie die Konzentrationsfähigkeit. Mentale Stimulation halte die Gehirnzellen fit. Robinson bezieht sich auf eine Studie mit 3000 Menschen, die zwischen 65 und 94 Jahre alt waren und stundenlang anspruchsvolle Computerspiele spielten.
»Die Generation 50 plus verursacht keinesfalls mehr Unfälle als jüngere Motorradfahrer«, weiß die Nürnberger Polizeisprecherin Elke Schönwald. Abgesehen von der Tatsache, dass die Anzahl der Motorradunfälle in Mittelfranken generell rückläufig sei, seien gerade die Älteren diejenigen, die Vorsicht walten ließen. Und sie fahren leichtere Maschinen. Unfallfrei seit 50 Jahren - das ist die Bilanz von Werner Höhn. Gerade hat sich der 70-Jährige aus Erlangen-Tennenlohe wieder eine neue Maschine gekauft, diesmal einen Suzuki-Chopper. »Ich habe ein kaputtes Knie. Nun sitze ich über 90 Grad, also besser als auf meiner alten BMW.« Dem schnellen Vorgänger trauert Werner Höhn nicht nach. »Ich könnte mit dem Chopper 160 km/h fahren, aber das ist mir zu gefährlich«, sagt er.
Seine Frau wird dadurch nicht ruhiger. In all den Jahren sei sie noch nie zu ihm auf den Bock gestiegen, erzählt Werner Höhn. Nur bei schönem Wetter knattert er jetzt noch durch die Gegend. Über 50 Kilometer im Umkreis kommt der Biker nicht mehr hinaus. Egal. »Motorradfahren ist Hobby und Lebensgefühl, es ist beides«, so der 70-Jährige.
Erst mit 41 hat der Erlanger Helmut Arnold den Motorradführerschein gemacht. »Ich durfte die Maschine unserer Tochter anlassen, aber nicht fahren. Das hat mich irgendwann genervt«, erklärt der gelernte Schriftsetzer. Trotzdem: Wenn seine Frau Angelika nicht gedrängt hätte, besäße er vielleicht immer noch kein eigenes Motorrad. Eine Motorradtour auf Sardinien speziell für Senioren bietet Sarda Moto Tours in Nürnberg an. In geführten Gruppen mit maximal zehn Teilnehmern erkunden die älteren Biker im September die Mittelmeerinsel - und zwar auf der eigenen Maschine, die vom Reiseveranstalter an den Urlaubsort gebracht wird. Die Reise dauert eine Woche und beinhaltet u.a. tägliche Motorradtouren von 150 bis 180 Kilometern.
Weihnachtsbräuche und Missverständnisse
In Norwegen ist auch bekannt, dass sehr viel Weihnachtsbrauchtum aus Deutschland importiert worden ist, allen voran der Weihnachtsbaum, der Weihnachtsmann, die Weihnachtslieder, neuerdings sogar Adventskranz und der Adventskalender. Ab und zu geht dabei etwas schief: Dass in Norwegen ein Weihnachtslied zur Melodie von „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ gesungen wird, ist so ein Missverständnis. „Stille Nacht, Heilige Nacht“ ist in der norwegischen Fassung genauso unbegreiflich wie in der deutschsprachigen, norwegische Kinder, die Krippenbilder zeichnen sollen, malen allerdings keinen lachenden Owie, sondern eine Bretterbude - sie verstehen die Zeile „Engler daler ned i skjul“ - Engel gleiten heimlich auf die Erde hinab - als „Engel fallen in den Schuppen“, was auf Norwegisch sehr ähnlich klingt.
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