Die Geschichte des Mercedes-Benz Dreirads

Kaum ein anderes Produkt hat so viele unterschiedliche populäre Bezeichnungen wie die Autos mit dem Stern: „Schau mal, ein Mercedes!“ „Das ist ein Daimler.“ „Du, Paul fährt jetzt ´nen Benz!“ Immer wieder hört man solche Sätze und alle meinen die gleichen Autos. Doch wie ist es richtig? Wie ist die offizielle Markenbezeichnung dieser Modelle? Um das zu verstehen, muss man zunächst die Firmengeschichte des Herstellers betrachten.

Die Pioniere des Automobils

Sowohl Carl Benz als auch Gottlieb Daimler entwickelten nahezu gleichzeitig, aber unabhängig voneinander Verbrennungsmotoren und später Fahrzeuge, die damit angetrieben wurden.

Carl Benz und sein Dreirad-Motorwagen

1885 verwirklichte Carl Benz den Dreirad-Motorwagen, dessen Genialität darin bestand, dass der Motor ein Bestandteil des neu konstruierten Fahrzeugs war und nicht nachträglich in ein vorhandenes Gefährt eingebaut wurde. Aus dem Dreirad-Wagen entstanden Vierrad-Wagen und laufend wurden nun die technischen Details und Motoren verbessert.

Die Zahl der Beschäftigten stieg von 40 Personen (1887) bis über 5.000 Mitarbeiter im Jahre 1926. Insgesamt produzierte Benz & Cie. AG, wie die Firma ab 1899 hieß, zwischen 1908 und 1926 44.075 Personenwagen, Lastwagen und Omnibusse der Marke „Benz“ in Mannheim und ab 1910 auch in Gaggenau.

Seine ersten Fahrversuche hatte das dreirädrige Veloziped bereits heimlich im Oktober 1885 im nächtlichen Mannheim absolviert. Zwar noch nicht ganz störungsfrei, aber doch so zufriedenstellend, dass sein Konstrukteur Carl Benz das kutschenähnliche Dreirad Anfang 1886 als "Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb" beim kaiserlichen Patentamt in Berlin anmeldete. Erfolgreich, wie das im November bewilligte Patent mit der Nummer 37.435 bescheinigte.

Fast zeitgleich baute Gottlieb Daimler in Cannstatt einen gemeinsam mit Wilhelm Maybach entwickelten Einzylinder-Benziner in eine klassische Kutschkonstruktion ein und konnte sich so ebenfalls im Jahr 1886 die Erfindung des ersten vierrädrigen Automobils auf die Fahne schreiben. Dies nachdem Daimler nur ein Jahr zuvor schon den patentierten Motor-Reitwagen als Urvater aller Motorräder auf die Straße geschickt hatte.

Bis es Benz und Daimler aber gelang, ihre Autos zu vermarkten und in Serie zu bauen, sollten noch drei Jahre vergehen. Eine Zeit mit Messeauftritten in München und öffentlichen Testfahrten, deren berühmteste Berta Benz 1888 ohne Wissen ihres Mannes, begleitet von ihren Söhnen Eugen und Richard, über 80 Kilometer nach Pforzheim absolvierte.

Es war eine abenteuerliche Fahrt, bei der es Benzin nur in Apotheken gab, Kühlwasser mehrfach nachgefüllt werden musste und ein Dorfschmied Pannenhilfe für das gefährlich wirkende Gefährt gewährte. Dennoch berichteten die Zeitungen enthusiastisch über diese kühne Reise und die Gefährte von Benz und Daimler zählten 1889 zu den gefeierten Sensationen der Pariser Weltausstellung.

Schließlich beanspruchen bis heute mehr als 50 Tüftler die Erfindung dieses entscheidenden Meilensteins der Mobilitätsgeschichte für sich. Klar ist, das erste Patent erhielt Carl Benz, der den Ur-Motorwagen seit 1906 vom Deutschen Museum in München präsentieren lässt.

"Wenn ich einen solchen Stinkkasten hätte, würde ich zu Hause bleiben" und "Schade um den Mann, er wird sich und sein Geschäft mit dieser verrückten Idee ruinieren", sollen kritische Zeitgenossen geäußert haben, als Carl Benz seinen Motorwagen im Sommer 1886 erprobte. Aber Benz wusste auch zu berichten, dass ein Mann mit einem Geldkoffer in der Hand in seinen Werkstatthof spazierte, um schon seinen ersten - noch unverkäuflichen - Patent-Motorwagen zu erwerben.

Gottlieb Daimler und die Entwicklung von Verbrennungsmotoren

Gottlieb Daimler war von 1872 bis 1882 der Technische Direktor der Deutzer Gasmotoren-Fabrik. Schon damals erkannte er, dass man kleinere, schnelllaufende Verbrennungsmotoren bräuchte, um Fuhrwerke, Schienenfahrzeuge und Boote anzutreiben. Zusammen mit Wilhelm Maybach entwickelte Daimler in Cannstatt bei Stuttgart Verbrennungsmotoren und präsentierte im Sommer 1885 den sog. „Reitwagen“, einen zweirädriger Versuchsträger.

Ab 1887 wurden Motoren in Kutschwagen, Boote, Schienenwagen, Stromaggregaten und Feuerspritzen eingebaut. Auf der Weltausstellung in Paris zeigte man erstmals den Stahlradwagen, ein Werk Wilhelm Maybachs und 1890 wurde die Daimler-Motoren-Gesellschaft AG (DMG) gegründet. Zwar lag der Schwerpunkt bis 1907 immer noch auf der Herstellung von Motoren, aber es wurden bis dahin immerhin schon 149 Motorwagen gefertigt. Zwischen 1908 und 1926 baute die DMG insgesamt 1.243 Personenwagen, Lastwagen und Omnibusse. Übrigens hatten die Fahrzeuge ab 1901 den Markennamen „Mercedes“.

Der Patent-Motorwagen

Im Jahr 1886 erfand Karl Friedrich Benz in Mannheim eine dreirädrige Kutsche ohne Pferde. Damals wurde er für diese unsinnige Idee ausgelacht. Benz nannte seine Erfindung "Automobil". Auto kommt aus dem griechischen und heißt „selbst“, „mobil“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „beweglich“. Ein Automobil bewegt sich also von selbst.

Am 26. Januar 1886 meldet Karl Benz, seinen Motorwagen zum Patent an. Der Motor ist laut Patentschrift für "leichte Fuhrwerke" und "kleine Schiffe" zur Beförderung von "ein bis vier Personen" geeignet.

Carl Benz brachte ein solches Vehikel im Winter 1885/1886 erstmals ins Rollen. Es war das erste Automobil der Welt - und der Patentantrag mit der Nummer DRP 37435 vom 29. Januar markiert seinen Geburtstag.

Auch Carl Benz entwickelte den Otto-Motor weiter und baute ihn in ein Dreirad ein. Gleichzeitig konstruierte er die anderen Teile, ohne die ein Auto nicht fahren kann: die Zündung des Benzins durch einen starken elektrischen Funken, die Kühlung des Motors durch Wasser, die Kupplung, die Lenkung und anderes.

Die entscheidende Leistung von Carl Benz besteht in der Konsequenz, mit der er seine Vision zur Realität werden lässt: Er hat die Idee eines Motorwagens, konstruiert ihn, lässt ihn patentieren, baut ihn, erprobt ihn, bringt ihn auf den Markt, produziert ihn in Serie, entwickelt ihn weiter und macht seine Erfindung damit nutzbar.

Am 29. Januar entschließt er sich zu einem Schritt von historischer Bedeutung: Er meldet sein „ Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ beim Kaiserlichen Patentamt zum Patent an. Die Patentschrift zum DRP 37435 gilt als Geburtsurkunde des Automobils und prägt für das erste Automobil der Welt den Namen Patent-Motorwagen.

Aus dem ersten Prototypen - dem „ Modell 1“, wie er es nennt - entwickelt Carl Benz zwei Varianten. Mit dieser Variante unternimmt Bertha Benz im August 1888 ihre legendäre Fernfahrt - die erste der Automobilgeschichte. Mit den Söhnen Richard und Eugen bricht sie ohne Wissen ihres Mannes von Mannheim in das gut 100 Kilometer entfernte Pforzheim auf, um ihre Mutter zu besuchen. Mit dieser Fahrt beweist sie die Alltagstauglichkeit des Automobils und bestätigt ihren Mann einmal mehr in seinen Plänen.

Im September 1888, wenige Wochen nach der legendären Fahrt, präsentiert Benz seine Erfindung auf der Kraft- und Arbeitsmaschinen-Ausstellung in München einem größeren Publikum. Das Preisgericht der Ausstellung prämiert den Patent-Motorwagen mit der höchsten Auszeichnung, der Großen Goldenen Medaille.

Das „Modell 3“ wird zum ersten Serien-Automobil der Welt. Das Interesse in Deutschland bleibt verhalten, doch in Frankreich stößt das Fahrzeug auf Interesse. Die dortigen Vertriebsrechte überträgt Carl Benz dem französischen Ingenieur Emile Roger, der bereits Benz-Stationärmotoren in Frankreich verkauft.

Im Februar 1893 lässt sich Carl Benz die Achsschenkellenkung patentieren, mit der er das Lenkungsproblem gelöst hat. Sie kommt in seinen ersten vierrädrigen Motorwagen, dem Victoria und dem Vis-à-Vis, zum Einsatz. Das Fahrzeug, mit dem der Durchbruch zu höheren Absatzzahlen gelingt, ist das von 1894 bis 1901 gefertigte vierrädrige Motor-Velociped, kurz auch „Velo“ genannt, ein preisgünstiger, leichter Wagen für zwei Personen.

Angesichts der Produktionszahl von insgesamt rund 1.200 Exemplaren kann es als erstes Großserien-Automobil bezeichnet werden. 1897 entwickelt Benz den „Contra-Motor“, den Urvater der heutigen Boxermotoren.

Die Fusion und der Name Mercedes-Benz

Im Juni 1926 kam es dann zur Fusion der beiden Gesellschaften. Aus der Benz & Cie. AG und der Daimler-Motoren-Gesellschaft AG wurde die Daimler-Benz AG und fortan hieß die Marke für die Kraftfahrzeuge „Mercedes-Benz“.

Dies hat bis heute Bestand. Zwar gibt es mittlerweile auch andere Marken unter dem Dach des Herstellers (smart, Mercedes-AMG, Mercedes-Maybach, Frightliner Trucks usw.), aber die Marke mit Tradition ist geblieben. Der Volksmund jedoch will es, dass die Autos meistens als „Mercedes“ bezeichnet werden.

Das Dreirad heute

Dass man das erste Automobil der Welt selbst heute noch als Neuwagen kaufen kann, ist jedoch kein Verdienst von Mercedes. Sie geht eher auf die Unternehmenslust des Engländers John Bentley zurück, der nach Angaben von Museumsmann Seidel, frech ein paar Nachbauten anfertigte und damit die Juristen von Daimler auf den Plan rief.

Diese nachgebauten Patent-Motorwagen stehen heute meist bei Mercedes-Niederlassungen und -Händlern. Sie werden in Museen ausgestellt oder von privaten Sammlern gekauft. Und sie tauchen ab und zu bei Auktionen oder in Kleinanzeigen auf. Gebraucht gibt es die Benz-Dreiräder ab 40.000 Euro aufwärts, berichtet Seidel. Bei Mercedes kostet ein neuer Nachbau 66.400 Euro.

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