MERIDA Mountainbike im Test: Ein umfassender Überblick

Das MERIDA ONE-SIXTY hat bereits in früheren Tests überzeugt. Nun stellt sich die Frage, ob das edle Topmodell die Performance des günstigen Bikes noch übertreffen kann.

Design und Ausstattung

Schon im Stand weiß das MERIDA ONE-SIXTY zu gefallen, die schlanke Silhouette des Carbonrahmens verleiht dem Bike einen schicken Look. Die leuchtend grüne Lackierung unterstreicht seinen sportlichen Charakter. Auch die Details machen ordentlich was her: So werden bspw. die Züge am Eingang des Rahmens geklemmt, damit nichts klappert, und im Rahmendreieck ist Platz für einen Flaschenhalter. Bei der Ausstattung lässt MERIDA keine Wünsche offen und spendiert dem 6.999 € teuren Bike ein edles RockShox-Fahrwerk mit 170 mm langer Lyrik RCT3-Federgabel und einen SRAM X01 Eagle-Antrieb.

Der RockShox Super Deluxe-Dämpfer sitzt am unteren Ende auf einer Verlängerung der Aluminium-Kettenstrebe und wird beim Einfedern von beiden Seiten komprimiert. Dadurch muss der Carbon-Hauptrahmen weniger Kräfte vom Fahrwerk aufnehmen. Aktuell ist die Carbonversion lediglich in drei Größen verfügbar (S, M, L).

Fahreigenschaften und Performance

Das MERIDA kommt der Definition des perfekten Enduros schon sehr nahe! Gleich nach dem Aufsteigen fällt die sehr ausgewogene und zentrale Sitzposition auf. Auf dem MERIDA herrscht Wohlfühlatmosphäre. Das bestätigt sich auch im Uphill. Selbst in steilen Passagen lastet ausreichend Druck auf dem Vorderrad, wodurch man wenig mit dem Körper gegensteuern muss. Auch der Hinterbau arbeitet angenehm antriebsneutral und sackt bei Steigungen nicht weg. Der Griff zur Plattformdämpfung lohnt nur für Wiegetritt-Einlagen auf Asphalt.

Neigt sich der Trail bergab, überzeugt das ONE-SIXTY mit einem sehr sensiblen Hinterbau, der selbst große Brocken souverän wegschluckt. Dabei liefert er immer gutes Feedback und lässt den Fahrer nie im Unklaren, was gerade unter ihm passiert. Richtungswechsel erledigt das Rad sehr leichtfüßig und ohne großen Nachdruck. Die Balance zwischen den Laufrädern ist top und erfordert wenig Gewichtsverlagerung, wodurch das ONE-SIXTY sich sehr lebendig fährt und viel Fahrspaß vermittelt. Im Vergleich mit den besten Rädern im Test stößt das MERIDA in wirklich anspruchsvollem Terrain jedoch etwas früher an seine Grenzen.

Der Hinterbau des MERIDA besitzt einen gelungenen Mix aus Sensibilität und Feedback. Er spricht feinfühlig an und steht stabil im mittleren Federweg. KompaktDer RockShox Super Deluxe besitzt eine Trunnion-Mount-Aufnahme.

Das MERIDA ONE-TWENTY im Detail

Das One-Twenty 6000 ist nah verwandt mit unserem 2020er-Testsieger im Enduro Mountainbike Magazin, verfügt über einen Carbon-Rahmen mit FLOAT LINK Fahrwerk, 120 mm Federweg am Heck und 130 mm an der Front. Dieses äußerst vielseitige Trail-Bike mit mittlerem Federweg ist bei anspruchsvollen Trail- und sogar Enduro-Sessions ebenso in seinem Element wie auf ausgedehnten XC- oder Marathon-Strecken. Ein wahrer Allrounder in unserem Mountainbike-Programm.

Nach dem kompletten Redesign 2019, konnte unser Alleskönner One-Twenty seine Erfolgsgeschichte in der internationalen Fachpresse fortsetzen und seine Trophäensammlung dank weiterer Testerfolge erweitern, beispielsweise als Testsieger im ENDURO Mountainbike Magazin. Dabei wurden sowohl von Fahrerinnen und Fahrern als auch der Fachpresse die Vielseitigkeit, der äußerst effiziente Hinterbau sowie die unschlagbaren Trail-Fähigkeiten unseres Mid-Travel-Bikes gepriesen. Im Herzen ein echtes Trail-Bike, funktioniert das One-Twenty mit seiner modernen, trailorientierten Geometrie in Verbindung mit einer fantastischen Rahmensteifigkeit auch auf anspruchsvollen Trails perfekt. Selbst auf weniger anspruchsvollen Strecken kann es die Geschwindigkeit perfekt halten.

Um für jeden Anspruch das perfekte One-Twenty anbieten zu können, bieten wir das Bike mit klassischen 120 mm Federweg am Hinterbau und 130 mm an der Federgabel sowie in der RC-Konfiguration mit etwas XC-lastigeren 100 mm Federweg am Hinterbau und 120 mm an der Federgabel an.

Details des One-Twenty:

  • Carbon-Rahmen mit trailorientierter Geometrie
  • 120-mm-FLOAT-LINK-Fahrwerk am Heck
  • 130-mm-Federgabel
  • Lockout an der Front und am Heck
  • Shimano XT/SLX-Antriebsstrang mit einfachem Kettenblatt
  • 29er-Laufräder mit trailorientierten Maxxis Dissector/Minion Reifen

MERIDA ONE-FORTY 10K: Ein genauerer Blick

Das MERIDA ONE-FORTY 10K kommt im neuen, eleganten Look und teilt sich die Rahmenplattform mit dem ONE-SIXTY, das uns bei Tests in der Vergangenheit bereits beeindruckt hat. Mit den neuen Modellen könnte sich das jedoch schnell ändern, denn sie kennzeichnet ein schicker Look und ein ziemlich spannendes Geometrie- und Größenkonzept. Der Clou: Die Rahmen sind nicht nach Höhe, sondern nach Länge geordnet und mit einem steilen, weit vorgezogenen Sitzwinkel ausgestattet.

Zudem wird der Dämpfer Tune an die Rahmengröße angepasst, sodass größere - und damit meistens schwerere - Fahrer auch das volle Potenzial des Hinterbaus nutzen können. Der elegante Carbon-Rahmen mit flexiblen Sitzstreben bringt 14,1 kg auf die Waage und ist mit 150 mm Federweg an der Front und 143 mm am Heck ausgestattet.

Das ONE-FORTY 10K kostet, entgegen dem, was der Name vermuten lassen könnte, „glatte“ 11.699 €. Damit ist das MERIDA das teuerste analoge Bike im Test. Der Rahmen des ONE-FORTY 10K hat eine schlichte, gerade Linienführung und sticht durch den edel wirkenden grün-braun schimmernden Lack sofort ins Auge. Dezent: Auch an kleinen Details, wie der Bremsaufnahme, die hinter der Sitzstreben versteckt ist, wirkt das MERIDA elegant und durchdacht.

Ein Toolstrap an der vorderen Dämpferaufnahme sowie ein kleines Multitool unter dem Sitz sind bereits vorinstalliert - nice! Beim ONE-FORTY ist zudem eine Serviceklappe unten am Unterrohr verbaut, die gleichzeitig als Staufach dient. Im Inneren befindet sich eine Tasche, in der ein kleines Pannenset verstaut ist, was super praktisch ist. Zum Öffnen braucht ihr einen 6er-Inbus, der clever in der hinteren Steckachse verstaut ist. Auf den Kettenstreben ist neben dem großzügigen und effektiven Schutz ein großer Fender angebracht, der das Hauptlager des Hinterbaus und das Sattelrohr vor Dreckbeschuss schützt. Die Züge laufen mit dem weit verbreiteten Acros-System durch den Steuersatz.

Ausstattung des ONE-FORTY 10K:

  • FOX Factory-Fahrwerk (36er-Gabel und FLOAT DPS-Dämpfer)
  • LIMOTEC-Sattelstütze (30 bis 230 mm Hub)
  • Shimano XTR Bremsen mit 200er-ICE-TECH-Scheiben
  • SRAM XX Transmission
  • Reynolds BL 329 Carbon-Laufräder mit MAXXIS DHF und MAXXIS DISSECTOR Reifen

Das ONE-FORTY 10K wird in 5 Größen von XS bis XL angeboten. Allerdings nutzt MERIDA ein Geometriekonzept, das die Bikes nach Länge aufteilt, statt nach Höhe. S steht dabei für Short und L für Long. Und in der von uns getesteten Größen Long ist es genau das: lang! Ihr solltet eure Rahmengröße daher mit Bedacht wählen. Zugunsten der Agilität lohnt sich der Griff zur kleineren Rahmengröße. Mit einem Reach von 509 mm ist es mit Abstand das längste Bike im Test, wobei das Sattelrohr mit einer Höhe von 445 mm dafür schön kurz ist. Die Kettenstreben sind über alle Rahmengrößen hinweg 437,5 mm lang und wachsen nicht mit. Da sich der Reach aber ändert, verändert sich auch die Balance auf dem Bike über die Größen hinweg.

Fahrgefühl und Handling des ONE-FORTY 10K

Erste Überraschung: Geht es mit dem MERIDA zum Trail-Einstieg, sitzt man durch den steilen Sitzwinkel nicht so gestreckt, wie es der lange Reach vermuten lassen würde. So ist die Position auf dem Bike komfortabel, ohne zu viel Druck auf den Händen. Dennoch bleibt die Front auch in steilen Passagen am Boden und ihr könnt weiterhin Lenkimpulse geben. Startet man dann in Richtung Tal, spürt man die Länge des Bikes aber deutlich. Zweite Überraschung: Die Balance zwischen Front und Heck bleibt dennoch gut. Weniger gut ist aber, dass man recht hoch im Bike steht, statt darin integriert zu sein. Dies erzeugt mitunter ein etwas stelziges Fahrgefühl. Enge Haarnadeln oder Umsetz-Trails gehören somit nicht zum Spezialgebiet des ONE-FORTY.

Am Anfang fühlt sich zudem die Position des Sattels, der durch den steilen Sitzwinkel sehr weit vorne zwischen den Beinen sitzt, ungewohnt an, nach ein paar Laps hat man sich aber daran gewöhnt. Das Bike lässt sich intuitiv steuern und braucht somit keine lange Eingewöhnungszeit. Je härter man das ONE-FORTY pusht, desto mehr geht es ab. Das liegt unter anderem an dem straffen Fahrwerk, das viel Feedback vom Untergrund liefert, allerdings etwas an Sensibilität vermissen lässt. Ein Update auf einen Dämpfer mit Piggy-Back wäre hier hilfreich. Damit ist das MERIDA perfekt geeignet für glatt geschleckte Flowtrails mit vielen Anliegern, Wellen und Jumps.

Die enorme Länge des Bikes kostet allerdings einiges an Spritzigkeit und so gehört das MERIDA zusammen mit dem GHOST und dem CUBE zu den am wenigsten agilen Bikes im Test. Auf der Gegenseite profitiert ihr von der Länge, wenn es richtig schnell wird.

Fazit

Das MERIDA ONE-SIXTY ist ein top Allrounder, der überall eine gute Figur macht. Es klettert leichtfüßig bergab und fährt sich in der Abfahrt angenehm direkt und sehr ausgewogen. Es ist ein top Bike für Mittelgebirge und meistert auch anspruchsvolle Trails souverän. Wer es jedoch gern richtig krachen lässt, wird mit anderen Bikes im Test glücklicher.

Das ONE-FORTY 10K ist für alle, die Bock auf eine starke Rahmenplattform mit durchdachten Details haben. Aber Augen auf bei der Größenwahl, denn ein zu langes Bike kostet schnell Agilität, was den Fun-Faktor des Trail-Bikes etwas killt. Für stolze 11.699 € leidet so auch das Preis-Leistungs-Verhältnis des ONE-FORTY.

Das MERIDA ONE-FORTY 10K ist das teuerste Analog-Bike im Test, fällt aber durch das edle Design auf. Es bietet eine gute Rahmenplattform mit einigen smarten Features wie einem Toolstrap oder der langen Dropperpost. Auf dem Trail legt das MERIDA zwar viel Laufruhe, aber auch ein träges, sperriges Handling an den Tag, was den Fun-Faktor trübt. Das Fahrwerk lässt zudem etwas an Sensibilität vermissen, brilliert dafür aber mit viel Gegenhalt, wodurch es auf Flowtrails ordentlich Meter machen kann.

Weitere MERIDA Modelle

Neben den bereits genannten Modellen bietet MERIDA eine breite Palette an Mountainbikes an, darunter:

  • ONE-SIXTY FR (Super-Enduro oder Park-Bike)
  • ONE-FORTY (Enduro oder Trail)
  • NINETY-SIX (vielseitiges Bike mit potenterer Gabel und Bremsen)
  • BIG.TRAIL (Hardtail-Alternative für anspruchsvolle Trails)
  • BIG.NINE (umfangreiches Hardtail-Sortiment)
  • BIG.NINE TR (Downcountry-Hardtail)
  • MATTS (Einsteiger-Mountainbikes mit komfortbetonter Geometrie)
  • DIRT (Hardtail für Dirt Jump und Pumptrack)

MERIDA BIG.NINE 20

Auch wenn das BIG.NINE 20 zu den günstigsten Rädern der Big.Nine Serie zählt macht es optisch einen gelungenen Eindruck. Die meisten Bikes im selben Marktumfeld sind schwerer. Das Handling fällt auch dank moderatem 70 Grad Lenkwinkel angenehm ausgewogen aus. Bei langen Touren sorgt die komfortable Sitzposition für entspannte Bandscheiben. Einen Fakt muss man dennoch besonders betonen: Verglichen mit der Konkurrenz im selben Preissegment hat das Merida Einsteiger-Bike deutlich bessere Bremsen. Mit 25 Jahren Garantie, steht einer langjährigen Beziehung nichts im Weg.

Technische Daten des Merida One-Twenty 9.6000 HP2
Merkmal Details
Artikelnummer M8237207-main
Fahrradtyp MTB Fullsuspension
Rahmenmaterial Aluminium
Gabel Rock Shox Pike Select | 130mm Federweg
Dämpfer RockShox Deluxe Select+ | 120mm
Schaltung Shimano SLX | M7100 | Shadow+
Bremsen Shimano SLX M7120
Laufradgröße 29 Zoll
Reifen Maxxis Dissector / Maxxis Minion DH II
Zulässiges Gesamtgewicht 135 kg

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