Merino Fahrradbekleidung für Damen: Vorteile und Nachteile

Radtrikots waren nicht immer aus leichten, robusten, pflegeleichten und schnell trocknenden Funktionsfasern. Ursprünglich war Wolle das Material der Wahl - entsprechend schwer, dick und kratzig konnte sich das auf der Haut anfühlen. Erst Mitte der 1980er-Jahre schwenkten die Hersteller um.

Dass Wolltrikots dennoch eine Renaissance erleben, liegt vor allem an einer besonderen Wollart: Merinowolle. Die Fellhaare der Merinoschafe sind besonders fein, Stoffe aus deren Wolle fühlen sich sehr weich an. Außerdem nehmen die Fasern viel Feuchtigkeit auf, ohne sich klamm anzufühlen, und sie riechen selbst nach intensiver Anstrengung gar nicht oder nur leicht nach Schweiß.

Vorteile von Merinowolle

  • Hoher Tragekomfort: Trikots mit Merinowolle zeichnen sich durch hohen Tragekomfort und die geruchshemmende Wirkung ihrer Fasern aus.
  • Geruchsneutral: Auch wenn Du stark schwitzt, riecht Kleidung aus Merinowolle nicht unangenehm.
  • Temperaturregulierung: Wolle wirkt auf natürliche Weise temperaturregulierend. Im Sommer wirken sie kühlend und im Winter halten sie den Körper wohlig warm.
  • Feuchtigkeitsaufnahme: Die Wolle von Merinoschafen nimmt Feuchtigkeit auf und verleiht ein trockenes Hautgefühl.
  • Nachhaltigkeit: Merinowolle ist ein natürlicher, nachwachsender und abbaubarer Rohstoff mit sehr vielen guten Eigenschaften, die gerade in Funktionsbekleidung so richtig zur Geltung kommen.
  • Weichheit: Merinofasern sind nur etwa halb so dick wie die von herkömmlicher Schafwolle und deshalb super weich!
  • Atmungsaktivität und Feuchtigkeitsregulierung: Aufgrund der hohlen Beschaffenheit der Faser kann sie rund ein Drittel ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen.
  • UV-Schutz: Merinowolle bietet eine natürliche Barriere gegen UV-Strahlen.

Nachteile von Merinowolle

  • Preis: Dafür kosten sie jedoch ein paar Euro mehr als klassische Lycra-Modelle und sind für weniger als 100 Euro nicht zu haben.
  • Geringere Spannkraft: Ihr Nachteil ist die geringere Spannkraft des Materials bei sehr hohem Merinoanteil: Dann laufen Reißverschlüsse nicht mehr so leicht oder vollgepackte Rückentaschen ziehen das Trikot nach unten.
  • Weniger robust: Hinzu kommt, dass Wollfasern nicht so robust und abriebfest sind wie ihre Synthetik-Kollegen.
  • Trocknungsdauer: Sind die Tanks allerdings gefüllt, dauert es entsprechend länger, bis der Baselayer wieder getrocknet ist.

Fasergemisch statt 100 % Wolle

Nach einigen Erfahrungen mit Sportbekleidung aus reiner Merinowolle sind die meisten Hersteller inzwischen dazu übergegangen, die Wolle mit Kunstfasern wie Polyester, Polyamid oder Elastan zu mischen. Das soll die Vorteile von Natur- und Kunstfaser verbinden. Der Material-Mix macht die Trikots elastischer, stabiler - und weniger anfällig für Motten.

Mischgewebe aus Merinowolle und technischen Kunstfasern erobern gerade die Sportwelt. Die natürlichen Eigenschaften der Merinowolle werden dabei durch die Kunstfasern optimert. Diese Stoffe leiten Schweiß schnell an die Oberfläche und trocknen rasch. Zudem sind sie sehr pflegeleicht und strapazierfähig. Die Kunstfasern verleihen dem Stoff Elastizität und damit auch Formstabilität.

Nachhaltigkeit und faire Produktion

Immer mehr Hersteller achten zudem darauf, ihre Kleidung nachhaltiger, fairer oder ressourcenschonender zu produzieren als in der Vergangenheit. Triple 2 achtet explizit auf schonende Schermethoden bei der Wollgewinnung (Stichwort: mulesingfrei).

Ausstattung und Schnitte

Ausgestattet sind die Wolltrikots wie andere Rad-Jerseys, auch die Schnitte folgen aktuellen Trends. Standard sind stoffhinterlegte Reißverschlüsse, Zippergaragen am Kragen, Gel-Prints am Bund gegen Hochrutschen, drei Rückentaschen als Stauraum plus eine kleine Reißverschluss-Tasche für Kleinkram.

Bewertung der Merino-Trikots

Die Kritik unserer Testerinnen und Tester richtete sich eher auf Passform-Details - beispielsweise zu straffe und zu enge Ärmelbündchen. Die Teil- und Endnoten von Frauen- und Herren-Trikot können sich übrigens unterscheiden: Manches wurde von unserer Testcrew unterschiedlich bewertet - beispielsweise bei der Handhabung, weil sich Reißverschlüsse leichter oder schwerer bedienen lassen, oder weil kleinere Hände leichter in enge Trikottaschen eintauchen können.

Ideal für die Übergangszeit

Abgesehen davon sind die Wollweichen komfortable Begleiter in der Übergangszeit, an kühlen Sommertagen ebenso wie an warmen Herbsttagen.

Pflege von Merinowolle

Wichtig: Das Waschmittel darf nicht das Enzym Protease enthalten; es spaltet das in der Merinowolle enthaltene Keratin auf, was zum löcherbildenden Wollfraß führt. Im Zweifelsfall sollte man lieber Spezialwaschmittel für Merinowolle verwenden.

Tipps zur Pflege:

  • Du kannst Merino easy in die Waschmaschine geben, allerdings raten wir zu einem Schonwaschgang.
  • Am Besten verwendest Du beim Waschen ein Fein- oder Wollwaschmittel ohne Enzyme und verzichtest auf einen Weichspüler und den Trockner.
  • Es genügt, die Wäsche einfach aufzuhängen, denn Merino ist knitterfrei.

Bekleidungs-Guide für Radfahrer

Baselayer

Kaum eine Bekleidungslage wird so sehr unterschätzt wie die erste Lage direkt auf der Haut. Dabei trägt sie so maßgeblich zu persönlichem Komfort und damit auch zu Deiner Performance auf dem Bike bei. Ähnlich der Midlayer-Schicht muss der Baselayer einen Spagat bewältigen, der von keinem Baumwoll-Shirt dieser Welt gemeistert werden kann.

Die zeitgleichen Anforderungen:

  • Wärmen = Hautnahes Konservieren der vom Körper erwärmten Luftschicht
  • Kühlen = Abtransport von übermäßiger Wärme und Wasserdampf, aka Schweiß

Die Wahl des richtigen Leibchens richtet sich nach der adäquaten Kombination aus Faserwahl, Aufbau des Shirts und persönlichem Körperklima-Management.

Welche Faser kann was?

Wie gut ein Baselayer die Anforderungen - Wärme halten und Feuchtigkeit abtransportieren - erfüllt, hängt vom Material und von der Verarbeitung der einzelnen Fasern ab.

Merinowollfasern sind durstig: Sie können zwischen 20 und 35 Prozent ihres eigenen Gewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, Kunstfasern nur etwa 5 bis 15 Prozent. Deshalb fühlen sich Funktionsshirts aus Merinowolle beim Schwitzen lange trocken an.

Synthetikstoffe:

Sie bestehen meistens aus Polyester oder Polyester-Polyamid-Mischungen. Kunstfasern nehmen zwar weniger Wasser auf als Wolle, sie sind jedoch darauf spezialisiert, die Feuchtigkeit möglichst schnell über ihre Oberfläche vom Körper wegzuleiten, saugen sie förmlich ab (Docht-Effekt).

Wollfasern:

Für direkten Hautkontakt wird ausschließlich Merinowolle eingesetzt, denn sie ist deutlich weicher und feiner als normale Schurwolle.

Ein enormer Vorteil von Merinofasern ist ihre Eigenheit, den sporttypischen Schweißgeruch zu unterbinden.

Der Stoff, aus dem Biker-Träume sind

Stehen Biker nun vor der Qual der Wahl, sollten sie in erster Linie überlegen, welchem Einsatzzweck ein Shirt dienen sollte.

  • Für die Rennradrunde im hochtourigen Bereich ist das enganliegende und perfekt auf Schweißtransport abgestimmte Synthetikshirt sicher die beste Wahl.
  • Merino-Trikots eignen sich für Rennradler und Mountainbiker besonders in der kalten Jahreszeit, wenn bereits die Außentemperatur dafür sorgt, dass man deutlich weniger schwitzt, bzw. die Runden eher kürzer ausfallen.
  • Bikepacker und Radreisende, die auf minimales Gepäck bei maximalem Spaß bedacht sind, sollten sich generell auf Baselayer aus Merinowolle konzentrieren.

Hier eine Übersicht der getesteten Merino-Trikots für Damen und Herren:

Marke Modell Preis Material
Agu Solid Merino Trikot SIX6 120 Euro 67 % Wolle, 22 % Polyamid, 11 % Elastan
Cafe du Cycliste Eglantine 160 Euro 54 % Wolle, 40 % Polyester, 6 % Elastan
De Marchi Classica Sportwool Jersey 140 Euro 67 % Polyester, 33 % Wolle
Isadore Woolight Jersey 130 Euro 77 % Polyester, 23 % Wolle
Maap Alt_Road Jersey 165 Euro 49 % Nylon, 47 % Wolle, 4 % Elastan
Triple 2 Women´s/Men´s Velozip Sub 139 Euro 96 % Wolle, 4 % Elastan
Velocio Women’s/Men’s Concept Merino Jersey 179 Euro 75 % Wolle, 18 % Polyamid, 7 % Elastan

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0