Metzeler Reifen für Harley Davidson: Ein Test

Metzeler hat mit dem neuen „Cruisetec“ einen völlig neuen Weg bei Cruiser-Reifen versucht. Ein Tipp für alle, denen es schon gewaltig auf den Nerv geht, wenn jemand mit früher war alles besser anfängt: Einfach mal mit Cruiser-Reifen konfrontieren! Außer einer zwangsläufig hohen Laufleistung war an diesen Hartgummi-Rollen rein gar nichts besser als heute. Kurvenagilität wie ein Airbus A380 auf der Rollbahn, Gripniveau wie ein Bobbycar und bei Nässe eigentlich unfahrbar, weil gemeingefährlich.

Der Cruisetec will also alles viel besser machen, vor allem in Sachen Handling und Nassgrip soll der neue Cruiser-Reifen eine neue Referenz werden, aber auch eine gleichbleibende Performance über die gesamte Lebensdauer stand im Lastenheft ganz oben. Von einer Eigenschaft, die von den Metzeler-Leuten bei der Präsentation des neuen Cruisetec am Vorabend der Testfahrten hervorgehoben wurde, konnte ich mich tatsächlich bereits auf den ersten Metern überrascht überzeugen: Das Handling ist verblüffend gut, ganz egal auf welcher schweren Maschine man sitzt und einlenkt.

Ich startete mit einer Harley-Davidson, die mit über 40.000 Kilometern auf der Uhr nicht mehr ganz taufrisch war - eine Slim mit dem alten 103er-Motor, also noch vor der Zeit der neuen und wirklich agileren Softail-Baureihe. Grund für diese ausgeprägte Leichtigkeit in Kurven ist die höhere Kontur des Cruisetec, während andere Cruiser-Reifen in der Regel flache Konturen aufweisen und damit den Geradeauslauf verbessern. Das kann der Cruisetec zwar nicht ganz so gut, aber keine Sorge, ein nervöses oder gar kippeliges Fahrverhalten provoziert er auch nicht.

Ein weiterer Punkt, der den neuen Metzeler Cruisetec von vielen herkömmlichen Cruiser-Reifen abhebt, ist seine großartige Nassperformance. Silica heißt wie so oft das Geheimmittel, mit dem man einem plötzlichen Regenschauer den Schrecken nimmt. Dabei schlägt Metzeler sogar zwei Fliegen mit einer Klappe, denn zusätzlich zum besseren Grip bei Nässe verringert sich auch noch die Aufwärmzeit des Reifens und man kann nach kürzester Zeit den vollen, zur Verfügung stehenden Grip nutzen. Am Hinterreifen kommt auch noch eine Dual-Compound-Gummimischung zum Einsatz - auf der mittleren Lauffläche eine härtere Mischung mit hohem Silica-Anteil, an den Seiten der Lauffläche weichere Gummimischungen mit einem noch höheren Silica-Anteil, der Kurvenfahrten im Nassen ausgezeichnet meistert.

Und davon durfte (um nicht zu sagen musste) ich mich bei den Testfahrten auf Sizilien auch wirklich überzeugen. Es soll wohl nicht sein, dass ich einmal eine Präsentation nur im Trockenen absolviere, denn wenn schon mal die Straßen zum Ätna hinauf trotz Schnee im Bankett trocken bleiben, scheucht man mich eben auf eine künstlich bewässerte Strecke, um den Cruisetec auch im Nassen zu fahren. Erst war ich natürlich unsicher unterwegs, man will einen 300 Kilo-Koloss ja nicht unbedingt wegwerfen, doch nach kürzester Zeit machte sogar die Fahrerei im Nassen eine Menge Spaß und ich erfreute mich am erstaunlich einfach zu kontrollierenden Handling des Cruisetec. Denn als Testgerät stand neben einer bekanntlich modernen Indian Scout Bobber auch besagte Harley Slim zur Verfügung - und selbst mit dieser war es ein Kinderspiel, den nassen Kurs zu bewältigen.

Die Heritage Classic war mir schon mit dem Original-Reifen als unerwartet gut fahrbares Modell mit viel Schräglagenfreiheit in Erinnerung, der Cruisetec sorgt in ihrem Fall für ein noch einfacheres Handling und mehr Sicherheit auf nassen Straßen.

Wo so viel Licht leuchtet, darf bekanntlich der Schatten nicht fehlen - wenn auch ein ziemlich schmaler Schatten, der für potentielle Interessenten des Metzeler Cruisetec tatsächlich nur zweitrangig sein dürfte: Die Laufleistung ist nicht auf dem Niveau, das man von einem waschechten Cruiser-Pneu der alten Schule erwarten darf. Also auch nicht auf jenem des hauseigenen ME888 Marathon Ultra, der aber auch nicht diese sportliche und auf Nässe gute Performance abliefert.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der für den Cruisetec spricht, aber bei den ersten Testfahrten nicht evaluierbar war, ist die gleichbleibende Performance des Reifens bis an sein Lebensende. Wer also das sportliche Talent seines Cruisers voll und ganz nutzen möchte, wird nur schwer am neuen Metzeler Cruisetec vorbei kommen.

Vor allem Besitzer von Harley-Davidson- oder Indian-Modellen werden sich über den Cruisetec freuen, denn genau auf diese Maschinen zielt Metzeler ab und bringt den Pneu in nahezu allen Kombinationen auf den Markt, die diese Hersteller bei ihren Maschinen nutzen. Aber natürlich können auch Besitzer schwerer Touring-Maschinen wie etwa einer Goldwing den Metzeler Cruisetec nutzen und von seiner ausgezeichneten Performance profitieren. Die bereits erwähnte Harley-Davidson Slim älteren Baujahres war für mich schon zu Beginn eine echte Überraschung, das Handling wurde durch den Cruisetec gewaltig verbessert. Aber auch eine Sportster 1200 und eine Road Glide wurden spürbar kurvenagiler und handlicher.

Nicht nur wir, sondern auch sehr viele unserer Kunden haben sehr gute Erfahrungen mit dem Metzeler ME 888 gemacht. Das liegt an dem einfachen Grund, dass der Reifen sehr gut funktioniert und eigentlich kaum Schwächen zeigt. Besonders überzeugt sind Kunden jedoch von der überaus guten Laufleistung. Zweifelsohne gehört der ME 888 Marathon Ultra zu den besten Reifen im Chopper-Segment.

Vergleich von Cruiser-Reifen: Motorrad Zeitschrift 6/2020

In der Zeitschrift Motorrad 6/2020 wurde ein Vergleich von Cruiser-Profilen präsentiert, wobei eine Harley-Davidson FLHCS Heritage Classic 114 als Testfahrzeug diente. Sieben Modelle traten zum Test an, darunter:

  • Bridgestone „Battlecruise H50“
  • Conti „Tour“
  • Dunlop „D401“ und „D401T“ (als Erstausrüstung mit Harley-Schriftzug)
  • Metzeler „Cruisetec“
  • Michelin „Commander III Cruiser“
  • Mitas „Custom Force“
  • Pirelli „Night Dragon GT“

Angesichts der Fahrzeugklasse wurde auf eine Dynamikwertung auf trockener Strecke verzichtet und alle Modelle wurden ausschließlich bei Nässe getestet. Lediglich zwei der Prüflinge wurden letztlich „sehr gut“ bewertet. Besser als die als „störrisch“ bezeichnete Dunlop-Originalbereifung haben letztlich alle restlichen Kandidaten ihre Sache gemacht - teils jedoch nur geringfügig.

Interview mit Salvo Pennisi (Metzeler-Testchef)

Salvo Pennisi (62) ist als Metzeler-Testchef seit Jahrzehnten Mastermind aller Neuerscheinungen der Münchner Marke. Für den Cruisetec hat Pennisi auf eine international agierende Entwicklungstruppe gesetzt.

MOTORRAD: Wir haben das Gefühl, dass die großen Marken der Chopper- und Cruiserszene bei der Erstbereifung vor allem Wert auf eine hohe Laufleistung legen. Von unseren Lesern wissen wir, dass sie Fahrdynamik und ein sicheres Gefühl auf nassen Straßen schätzen. Hat das die Entwicklungsarbeit für den Cruisetec erschwert?

Salvo Pennisi: Chopper und Cruiser sind vor allem in den USA und Kanada gefragt, dennoch haben wir den Metzeler Cruisetec nicht nur für Nordamerika gebaut. Auch der europäische Fahrer ist uns wichtig. Wir stellen aber fest, dass sich die Ansprüche an gute Reifen auf beiden Kontinenten immer mehr angleichen. Als wir vor Jahren den ME888 vorstellten, der neben dem Cruisetec im Programm bleibt, zeigte sich, dass die US-Biker nicht ausschließlich an der Kilometerleistung interessiert sind. Auch die großen Hersteller wie Harley-Davidson, vor allem aber Indian als neuer Mitbewerber in diesem Segment, legen inzwischen deutlich mehr Wert auf die dynamische Performance eines Reifen.

MOTORRAD: Das klingt nach Quadratur eines Reifens.

Salvo Pennisi: Ziel war, dass ein neuer Cruiserreifen von Metzeler an die Qualitäten eines Sportreifens heranreichen muss. Wie aber nun die Dynamik - vor allem auf nassen Straßen - mit hoher Laufleistung kombinieren? Natürlich war uns klar, dass der Cruisetec damit ein extrem komplexes Produkt wird, zumal wir eine unglaubliche Breite an Dimensionen und Bauarten - als Radial- wie Diagonalreifen - abdecken müssen.

MOTORRAD: Dann steckt sowohl reichlich M7RR- wie auch Roadtec-01-Know-how im Reifen?

Salvo Pennisi: Mit der Zweikomponenten-Mischung haben wir nun einen optimalen Mix aus Laufleistung und Fahren bei Nässe gefunden, das macht den Cruisetec einmalig. Genauso einmalig wie die Entwicklung, zu der wir unsere Teams international vernetzt haben. Ich bin stolz, dass wir dieses „Weltprojekt“ gestemmt haben.

Zusammenfassung der Eigenschaften des Metzeler ME 888 Marathon Ultra

Der Metzeler ME 888 Marathon Ultra ist ein beliebter Reifen für Cruiser, Tourer und Custom-Versionen. Hier sind einige seiner Haupteigenschaften:

  • Trockengrip: Exzellent, bietet Grip ab dem ersten Meter auch bei kühlen Temperaturen.
  • Nassgrip: Sehr gut, dank des Laufflächenprofils und des hohen Silica-Anteils.
  • Bremseigenschaften: Sehr gut.
  • Fahrkomfort: Entspannt und komfortabel, besonders auf langen Touren.
  • Laufleistung: Sehr hoch, viele Kunden erreichen bis zu 25.000 Kilometer.
  • Kurvenstabilität: Sehr gut, trägt zu einem stabilen Fahrverhalten bei.

Insgesamt ist der Metzeler ME 888 ein Reifen, der in den meisten Aspekten überzeugt und kaum Schwächen zeigt. Besonders hervorgehoben wird die überaus gute Laufleistung.

Vergleich: Metzeler Cruisetec vs. Metzeler ME888 Marathon Ultra

Hier ist ein Vergleich zwischen dem Metzeler Cruisetec und dem Metzeler ME888 Marathon Ultra:

Eigenschaft Metzeler Cruisetec Metzeler ME888 Marathon Ultra
Handling Verblüffend gut, leichtes Einlenken Gut, aber eher auf Stabilität ausgelegt
Nassgrip Ausgezeichnet, neue Referenz Sehr gut
Laufleistung Nicht auf dem Niveau des ME888 Sehr hoch, bis zu 25.000 km
Zielgruppe Harley-Davidson, Indian, sportliche Cruiser-Fahrer Cruiser, Tourer, Fahrer mit Fokus auf Laufleistung

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