Michelin ist der zweitgrößte Reifenhersteller der Welt, Fahrradreifen machen aber nur einen winzigen Teil aus. Dennoch zeigt das 1889 gegründete Traditionsunternehmen zunehmend Präsenz in der MTB-Szene - nicht zuletzt als aktueller Hauptpartner der Whoop UCI Mountain Bike World Series.
Mit den Serien Access Line, Performance Line, Competition Line und Racing Line deckt Michelin ein breites Einsatzspektrum ab - vom Alltagsrad über ambitionierte Hobby-Nutzung bis hin zum professionellen Renneinsatz. Für Trail- und Enduro-Fans sind vor allem die Modelle der Competition und Racing Line interessant. Besonders im Fokus: die neu aufgelegten Wild Enduro Racing Line-Reifen, die 2024 frisch überarbeitet wurden.
Michelin Karkassen-Technologien
Bei Michelin kommen je nach Einsatzbereich verschiedene Karkassen zum Einsatz. Die Reifen von Michelin setzen - je nach vorgesehenem Einsatzzweck - auf Karkassen mit den Bezeichnungen „Race Shield”, „Cross Shield”, „Trail Shield” oder „Gravity Shield”. Lediglich die Reifen der Racing Line haben eigene Karkassenaufbauten, die nicht speziell benannt werden.
- Race Shield: Die Race Shield-Karkasse ist eine einlagige Konstruktion mit einer Gewebedichte von 150 TPI.
- Cross Shield: Ebenfalls für den XC-Einsatz, jedoch etwas robuster als das Race Shield gestaltet, ist bei Michelin die Karkassenkonstruktion namens Cross Shield.
- Trail Shield: Für den Einsatzbereich Trail und All-Mountain optimierte einlagige 60-TPI-Karkassenkonstruktion, die zusätzlich von einem dünnen, umlaufenden Pannenschutzgewebe verstärkt wird.
- Gravity Shield: Bei Gravity Shield handelt es sich um eine doppellagige Konstruktion, bei der Lagen mit 33 TPI und solche mit 60 TPI Gewebedichte kombiniert werden, um den Reifen damit vor den harten Umständen im Enduro-Einsatz zu wappnen. Dabei sollen die Lagen mit 60 TPI den Reifen widerstandsfähig gegenüber Schnitten und Durchstichen machen, während die gröberen 33-TPI-Lagen Steifigkeit und Stabilität gewährleisten sollen. Im Labortest erzielt das Gravity Shield gute Werte beim weniger relevanten Durchstich mit dem 1,5-mm-Stumpf. Beim Durchstich mit dem 5-mm-Meißel und beim Durchschlag zeigen sich jedoch klare Schwächen.
Gegenüber der Vorgängerversion mit Downhill Shield-Karkasse wurde für die 2024 neu aufgelegten Wild Enduro Racing Line-Reifen eine doppellagige 55-TPI-Karkasse entwickelt, die bei vergleichbarer Robustheit leichter sein und zudem besser rollen soll. Für den Pannenschutz wurde eine Schutzlage von Wulst zu Wulst sowie eine zusätzliche Schutzlage unter der Lauffläche eingearbeitet. Im Labortest zeigt sich diese Karkassenkonstruktion als deutlich widerstandsfähiger als die in der Competition Line eingesetzte Gravity Shield-Karkasse - zumindest beim Durchschlag.
Die Karkassenkonstruktion der DH-Reifen aus der Racing Line kombiniert eine 120-TPI- mit einer 55-TPI-Lage. Wie beim Wild Enduro der Racing Line gibt es eine Schutzlage von Wulst zu Wulst sowie eine zusätzliche Schutzlage auf der Lauffläche. Der Labortest bescheinigt der Karkasse ein gutes Ergebnis beim Durchschlag, mit gutem Schutz gegen Eindringen an der Seitenwand. Schwach fällt allerdings der Wert bei der Durchstichresistenz an der Lauffläche aus.
Michelin Gummimischungen
Michelin unterscheidet im MTB-Bereich zwei Gummimischungsfamilien namens Gum-X und Magi-X. Grundlegend weisen die Gummimischungen der Magi-X-Familie bessere Grip-Eigenschaften auf, während Gummimischungen der Gum-X-Familie mit niedrigerem Rollwiderstand und mehr Haltbarkeit punkten sollen.
Innerhalb beider Familien gibt es bis zu drei Arten von Gummimischungen: Einfach-, Zweifach- und Dreifach-Mischungen. Reifen mit Gum-X-Technologie gibt es als Einfach-Mischung (Gum-X), Zweifach-Mischung (Gum-X2D) und als Dreifach-Mischung (Gum-X3D). Im Vergleich zum Gum-X soll die Gum-X2D-Mischung mehr Grip bei geringerem Rollwiderstand erzeugen. Der Triple Compound Gum-X3D basiert auf einer Basis-Gummimischung, die von unterschiedlich harten Mittel- und Seitenstollen überzogen ist.
Gum-X3D soll nochmals mehr Grip als Gum-X2D aufweisen bei etwas schlechteren Rolleigenschaften, die vergleichbar zu Gum-X sein sollen. Der Rollwiderstand ist in Verbindung mit der Gravity Shield-Karkasse sehr gering, was sie zu unserer Empfehlung am Hinterrad macht. Bei der Magi-X-Gummimischung handelt es sich um einen speziell für Enduro-Vorderreifen entwickelten Compound. Die Magi-X-Mischung soll Grip auf Niveau der Gum-X3D-Mischung bieten. Der Rollwiderstand ist jedoch gegenüber Reifen mit Gum-X-Technologie deutlich erhöht.
Maximaler Grip im Michelin-Portfolio bei etwas besseren Rolleigenschaften als die Einfach-Mischung Magi-X - das soll die Zweifach-Mischung Magi-X² auszeichnen.
Michelin Wild Enduro: Modelle und Eigenschaften
Michelin unterteilt seine Modelle für den Enduro-Einsatz in Competition Line- und Racing Line-Reifen. Racing Line-Reifen sind dem Namen entsprechend für den besonders anspruchsvollen Einsatz vorgesehen. Optisch lassen sich die beiden Modelllinien gut unterscheiden.
Wild Enduro Front
Riesige Seitenstollen sind das Erkennungsmerkmal des Wild Enduro Front. Bei ihm dreht sich alles um Grip. Wie alle Wild Enduro-Reifen der Competition Line kommt am Wild Enduro Front die Gravity Shield-Karkasse zum Einsatz. Bei der Gummimischung kann zwischen der Dreifach-Mischung Gum-X3D und der Zweifach-Mischung Magi-X² gewählt werden. Beide Varianten sind sowohl mit 27,5” als auch 29” Durchmesser in 2,4” Breite verfügbar. Die Variante mit Gum-X3D kann in der 27,5“-Größe außerdem in den Breiten 2,6” und 2,8” geordert werden.
Am Vorderrad geht es mit dem Wild Enduro Front immer kontrolliert und exakt auf der angepeilten Linie zur Sache. Beim Fahreindruck überzeugt uns der Wild Enduro Front mit der weichen Magi-X²-Gummimischung mit einem sehr guten Dämpfungs- und Grip-Verhalten.
Wild Enduro Rear
Der Wild Enduro Rear ähnelt dem Wild Enduro Front sehr, bei ihm sind die Profilblöcke jedoch etwas flacher gestaltet. Überraschenderweise rollt der Wild Enduro Rear der Competition Line - zumindest auf dem Prüfstand - trotzdem schlechter als sein Pendant mit derselben Gum-X3D-Gummimischung fürs Vorderrad. Der Wild Enduro Rear ist außerdem schwerer als der Wild Enduro Front, was ihm jedoch ein besseres Pannenschutzergebnis beschert. Gerade bei der Verwendung am Hinterrad ist ein höherer Pannenschutz von Vorteil.
Wild Enduro MH (Mixed Hard) Racing Line
MH steht für „Mixed Hard” und das soll Programm sein: Der Wild Enduro MH soll für maximale Geschwindigkeit auf hartem und gemischtem Terrain optimiert sein. 47 Watt bei der Rollwiderstandsmessung sind jedoch vergleichsweise viel. Grund dafür wird vermutlich die auf Grip optimierte Magi-X Einfach-Gummimischung sein. Diese sorgt auf der anderen Seite jedoch für hervorragende Fahreigenschaften bergab.
Der Wild Enduro MH Racing Line überzeugt in der Abfahrt mit einer sehr guten Dämpfung. Karkasse und Gummimischung erzeugen einen langsamen Rebound, wodurch man gut am Boden klebt und mit einem ruhigen Fahrverhalten belohnt wird.
Wild Enduro MS (Mixed Soft) Racing Line
Das Gegenstück zum „MH”-Reifen der Racing Line ist der „MS” für „Mixed Soft”. Der soll auch unter gemischten Bedingungen funktionieren, aber besser für den Einsatz auf weichen, lockeren Böden optimiert sein. Entgegen der Erwartung rollt der Wild Enduro MS auf dem Prüfstand besser als der MH. Der Reifen ist, neben der für die Racing Line typischen Farbauswahl, sowohl mit 29” als auch 27,5” Größe erhältlich.
Auch beim Wild Enduro MS fallen die Dämpfungseigenschaften auf dem Trail positiv auf.
Wild Enduro Rear Racing Line
Wer einen Hinterradreifen für den Renneinsatz mit mehr Effizienz sucht, wird beim Wild Enduro Rear der Racing Line fündig. Mit 30,2 W liegt der Rollwiderstand deutlich niedriger als beim MS und MH aus der Racing Line und auch niedriger als beim Wild Enduro Rear der Competition Line. Nur der Wild Enduro Front der Competition Line rollt noch besser, weist allerdings auch deutlich weniger Pannensicherheit auf.
Michelin DH Reifen
Michelin bietet auch spezielle Downhill-Reifen in der Racing Line an:
DH16 Racing Line
Der DH16 ist für harte bis gemischte Untergründe konzipiert und hätte daher auch den Namen „DH MH” tragen können. Mit den subjektiv besten Dämpfungseigenschaften im Test hat der Michelin DH 16 Racing Line uns mit seiner Magi-X-Gummimischung beeindruckt. Der langsame Rebound lässt euch förmlich am Boden kleben. Auch die Bremstraktion ist erstklassig. Dadurch hat sich der Michelin DH16 als einer unserer Favoriten im Hardpack-Reifen-Segment herausgestellt.
Bezahlen muss man die Performance mit einem für Downhill-Reifen typisch hohen Gewicht und einem relativ hohen Rollwiderstand.
DH22 Racing Line
Auch wenn der Name des Michelin DH22 seinen Einsatzbereich eher im harten Downhill-Einsatz vermuten lässt, eignet sich der Reifen auch hervorragend am potenten Enduro-Bike, vor allem am Vorderrad. Wer zusätzliches Gewicht und mehr Rollwiderstand in Kauf nehmen kann, findet mit dem DH22 eine noch griffigere Alternative zum Wild Enduro MS Racing Line.
Michelin Wild AM2: Ein Trail-Reifen im Test
Für Trail-Fahrer bietet Michelin den Wild AM2 an. Dieser Reifen zielt auf ein gutes Verhältnis zwischen Grip, Haltbarkeit, Gewicht und Rollwiderstand ab.
Zwei Gummimischungen bringen die Franzosen beim Wild AM2 zum Einsatz. In der Mitte hart, an den Seiten weich. Das sorgt merklich für eine lange Lebensdauer bei gutem Grip. Kurzum: Als „Daily“ und für Hometrail-Runden ist der Wilde von Michelin empfehlenswert.
Der Trail-Reifen empfiehlt sich für alle, die ihr Enduro Trail-tauglicher machen wollen. Geht’s in den Bikepark oder zum Enduro-Rennen, ist ein weicherer Reifen mit mehr Pannensicherheit ratsam.
Eigenschaften des Wild AM2
- Gewicht: 1040 Gramm (29 Zoll pro Reifen)
- Preis: 54,90 Euro
Einsatzbereich des Wild AM2
Der Wild AM2 ist ein Trail-Reifen, der sich besonders für Singletrails eignet. Auf ruppigen Enduro- oder Downhill-Strecken ist der Reifen zu pannenanfällig.
Enduros neigen bekanntlich dazu, immer mehr zu moppeligen Mini-Downhillern zu mutieren. Nicht mit mir! Also entschied ich mich für den Trail-Reifen Wild AM2 von Michelin. Und siehe da: Sie rollen schnell, ohne Kurven-Grip zu verschenken. Zumindest auf Singletrails. Wilde Enduro- oder gar Downhill-Abfahrten bringen die Karkasse an ihre Grenze. Folge: Snakebites! Der Wild AM2 ist eben ein Trail-Reifen und kein verstärkter Downhill-Pneu.
Testergebnisse und Vergleiche
Im Vergleich zu anderen Reifen im Testfeld zeigen die Michelin-Reifen unterschiedliche Stärken und Schwächen:
Michelin E-Wild Reifen im Vergleich
Die E-Wild Reifen von Michelin wurden speziell für E-Mountainbikes entwickelt und bieten eine gute Balance zwischen Grip, Rollwiderstand und Pannenschutz.
| Modell | Position | Größe | Gewicht | Preis | Testergebnis |
|---|---|---|---|---|---|
| E-Wild Front Racing Line | Vorderreifen | 29 x 2,6" | 1391 g | 86 Euro | Sehr gut |
| E-Wild Rear Racing Line | Hinterreifen | 29 x 2,6" | 1391 g | 86 Euro | Sehr gut |
Michelin Wild Enduro Reifen im Vergleich
Die Wild Enduro Reifen von Michelin sind für den Enduro-Einsatz konzipiert und bieten einen hohen Grip und Pannenschutz.
| Modell | Eigenschaften |
|---|---|
| Wild Enduro Front Magi-X²: | Sehr guter Grip, gute Dämpfung |
| Wild Enduro Rear Gum-X3D: | Hoher Pannenschutz, guter Rollwiderstand |
| Wild Enduro MH Racing Line Magi-X: | Maximale Geschwindigkeit auf hartem Terrain, sehr gute Dämpfung |
| Wild Enduro MS Racing Line Magi-X: | Für weiche Böden optimiert, gute Dämpfung |
| Wild Enduro Rear Racing Line: | Hohe Effizienz, geringer Rollwiderstand |
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