Mini Bike Erwachsene Test: Ein umfassender Überblick

Eng geht’s zu auf Deutschlands Straßen, Geh- und Radwegen. Gefühlt wird es sogar immer enger: Seit Corona nutzen viel mehr Menschen das Fahrrad, um im Alltag, aber auch in der Freizeit vorwärtszukommen, sich im Freien und der Natur zu bewegen. Ein allgemein steigendes Mobilitätsbedürfnis bei gleichzeitig enger werdenden Platzverhältnissen - das kann auf Dauer nicht gut ausgehen.

Einen konstruktiven Ansatz zur Veränderung der Verhältnisse bieten Falt- und Kompakträder: Sie beanspruchen deutlich weniger Raum als ein normales Fahrrad - sowohl in Fahrt als auch im Stand, zu Hause, im Büro oder gar unterwegs in den Öffentlichen. Mittlerweile akzeptieren die Bahn und fast alle Nahverkehrsverbünde Räder mit 20-Zoll-Rädern oder kleiner als Handgepäck, sofern sie gefaltet sind.

Dann gelten keine Sperrzeiten, und auch extra Fahrrad-Tickets sind obsolet. Ungefaltete 20-Zöller oder kleiner dürfen vielerorts auch mit, solange die „baulichen Voraussetzungen im Verkehrsmittel“ gegeben sind. Solche Regeln erweitern den Radius für Radler erheblich, wenn unter dem Stichwort Intermodalität eine engere, möglichst nahtlose Verschränkung möglichst vieler Verkehrsarten entsteht. Selbst Langstrecken-Pendeln ist mit zuverlässiger Nahverkehrs-App und persönlich optimiertem Gepäckmanagement viel einfacher möglich. Grund genug, uns die Kategorie „20-Zöller und kleiner“ genauer anzuschauen.

Die Idee, dass gefaltete Räder nicht nur besser zu transportieren, sondern auch sicher und kompetent zu fahren sind, hat in den letzten Jahren mehr und mehr Freunde gefunden. Viele Hersteller haben neue eigene Modelle entwickelt, sowohl die Anzahl der Faltrad-Hersteller als auch die Modellvielfalt hat zugenommen. Es gibt eine breite Spreizung, was das Preis- und Qualitätsniveau betrifft.

Günstige Falt­räder mit brauchbarem Fahrverhalten, zuverlässigem Faltmechanismus und praxistauglichem Faltmaß sind oft als gelabelte Eigenmarken großer Hersteller oder großer Verkaufsketten präsent. Anspruchsvollere Falt­radler kommen mit voll touren- oder gar reisetauglichen Faltern auf technisch hohem Niveau auf ihre Kosten. Sportliche Fahrer können ein ernsthaftes, faltbares Trainingsgerät für Preise zwischen zwei- und dreitausend Euro finden.

Die Sitzposition lässt sich auf guten Rädern kaum von der auf einem „erwachsenen“ Bike unterscheiden. Doch einerseits lassen kleine Laufräder ein Faltvelo holperiger rollen als ein großes Bike: Je kleiner der Raddurchmesser, desto relativ höher wirkt sich eine Erhebung beim Überrollen aus. Ein zwei Zentimeter tiefes und zehn Zentimeter langes Schlagloch steckt ein großes Laufrad mit zudem größerem Luftvolumen im Reifen leicht und locker weg.

Ein 20- oder 18-Zöller rumpelt dagegen deutlich härter und ungedämpfter durch. Das extrem geringe Gewicht kleiner Laufräder macht sie beim Einlenken nervöser, geringste Lenkkräfte schlagen sofort in Richtungsänderung um.

Zudem spielt eine weitere Besonderheit der Falter eine Rolle: Fast alle Lenker werden aus Stabilitätsgründen als konischer, oft ausziehbarer Schaft mit Faltgelenk konstruiert. Der geringen Vorwärtsneigung des Schafts entspricht die Vorbaulänge eines konventionellen Rads. Um ein möglichst knappes Faltmaß zu erzielen, verzichten viele Hersteller darauf, eine ausreichend lange, beruhigende Vorbaulänge einzubauen. Zusammengefasst fahren sich deshalb fast alle Falträder deutlich nervöser, als man es vom normalen Fahrrad gewöhnt ist.

Manche sind sogar grenzwertig nervös. Für Anfänger ist das gewöhnungsbedürftig, gibt sich aber schnell, je mehr Zeit man auf seinem Falter verbringt. Ist man sich vorab darüber im Klaren, wie und wofür man sein Falt- oder Kompaktrad einsetzen möchte, könnte es sein, dass das „Normalrad“ immer öfter in der Garage bleibt. Ein Faltrad kann, muss aber bei Weitem nicht mehr nur Zweit- oder Drittrad für überzeugte Bike People sein.

Denn rund um den Alltagsgebrauch gibt es kaum eine Nutzungsart, die nicht auch mit kleinen Laufrädern bedienbar wäre. Und wo ein Falter durch seinen geringeren Platzanspruch oft sogar neue Möglichkeiten und Freiheiten schafft.

Mini Bike Erwachsene im Test: Ausgewählte Modelle

Bis auf eins sind alle unsere Testräder faltbar. Zur Mitnahme in S- und U-Bahn, Tram und im DB-Fernverkehr muss ein Faltrad auch gefaltet sein, um ohne Einschränkungen mitfahren zu dürfen. Auf dem Bahnsteig möchte man sein Rad schnell reisefertig haben - der nötige Faltaufwand soll so gering wie möglich ausfallen. Unsere Faltmaß- und Volumenangaben in den Testbriefen repräsentieren die pragmatische, schnelle „Bahnsteig“-Faltung ohne lose Teile wie zum Beispiel eine Sattelstütze.

Viele Herstellerangaben beziehen sich auf die kleinstmögliche Paketgröße. Beim Autotransport oder zum Verstauen in der Wohnung mag mehr Aufwand sinnvoll sein, um ein minimales Faltmaß zu erreichen. Das Kompaktrad Moulton lässt sich mit einem 6-mm-Innensechskant in zwei Hälften mit je einem halben Rahmenanteil und einem Laufrad zerteilen. Das ist unterwegs kaum praktikabel, aber für den Auto- oder Flugzeugtransport hilfreich.

Brickerton Argent 1909

Die Briten dominieren beim Thema Faltrad: Harry Bickerton, Ingenieur bei Rolls-Royce und de Havilland, war Anfang der 70er-Jahre seiner Zeit voraus, als er sich mit dem Bau von Falträdern beschäftigte. Seinen Führerschein hatte er verloren, und ein Fahrrad, das man überallhin mitnehmen konnte, schien dem reisefreudigen Tüftler eine gute Idee. Heute führt Sohn Mark die Geschäfte, und das Argent 1909 trägt die Gene des Ur-Bickertons noch in sich.

Das aktuelle Modell nutzt erprobte Bauelemente und Komponenten aus Tern-Beständen und erzielt damit hochwertige Stabilität im Fahrverhalten. Sein sehr kurzer Radstand (995 Zentimeter) macht das Rad wendig, die Lenkung bleibt dabei lobenswert ruhig. Mit breit gestufter Schaltung sind selbst Berg und Tal befahrbar, die Big-Apple-Reifen schaffen auch leichte Offroad-Strecken und vermitteln viel Komfort. Der Brooks-Sattel steht natürlich ebenfalls für genuine Britishness.

Plus: solide konstruiertes, vielseitiges Rad; preisgünstig; reichhaltiges Zubehörangebot
Minus: Lenker-Auszug nicht formschlüssig und scharfkantig; aufgeklappt schlecht tragbar

Brompton S6

Mit Flagship Stores und emotional aufgeladenen Marken-Botschaften arbeitet Brompton geschickt daran, die britischen Falträder zum Lifestyle-Produkt zu machen. Emotionslos als Produkt betrachtet, hat das Rad klare Stärken und Schwächen: Stark sind die sportliche Sitzposition, die effizient in die Pedale treten lässt, und die hohe Rahmensteifigkeit, die ein sicheres Fahrgefühl vermittelt. Auch das flinke Abstellen durch Einklappen des elastomergefederten Hinterbaus um sein Drehgelenk ist clever: Das Rad ruht dann auf Standrollen, die es leicht manövrierbar machen.

Die Faltgelenke sind stabil, doch sind die Schraubklemmungen nicht „unverlierbar“ - in geöffnetem Zustand können sie sich losrütteln. Lange Schutzbleche schützen bei miesem Wetter. Zu den Schwächen würden wir das nervöse Lenk-verhalten, die grob gestufte, technisch überholte Eigenmarken-Schaltung, nässe­­­empfindliche Felgenbremsen und den schmalen Lenker mit derber Klemmung und nicht höhenverstellbarem Cockpit zählen. Dennoch ist das S6 ein brauchbares Rad für kürzere Alltagsstrecken. Und für Fans britischen Lebensgefühls.

Plus: sehr kompakt und schnell klein faltbar; seitensteif und wendig; ruhiges Fahrverhalten
Minus: klappriger Hinterbau-Verschluss; Schaltung zu grob abgestuft; Bremsen nässeempfindlich

Dahon Curl 14

Als „alter Falter“ weiß man bei Dahon, Radfahren und geringsten Platzanspruch unter einen Hut zu bringen: Dahon ist wahrscheinlich der größte Hersteller von Falträdern weltweit, viele Grundelemente wie Faltgeometrien, -konzepte und -gelenke gehen auf den taiwanischen Riesen zurück. In vielen Falträdern anderer Marken steckt Dahon-Technik. Und hinter der Marke Tern steht ein Sohn der Dahon-Familie.

Das Dahon Curl mit dem gebogenen Rahmen hat ein besonders kompaktes Faltmaß. Der (ungefederte) Hinterbau rotiert um ein Gelenk nahe am Tretlager, das Hinterrad nimmt unter dem Rahmenbuckel Platz: Das Rad steht stabil und leicht manövrierbar auf den vier Skateboard-Rollen des Gepäckträgers. Auch Teleskop-Lenker und -Sattelstütze tragen zum sparsamen Packmaß bei. Leider fallen Fahreigenschaften und Komponentenqualität dagegen ab: Das Rad fährt sich hart und hippelig, die Lenkung ist stark nervös, der Lenker zu schmal.

Plus: stabile Gabel und Rahmen; sehr kleines Faltmaß, dabei gut manövrier- und tragbar
Minus: Schwächen bei Verarbeitung, Schaltung und Gelenksicherung; Hinterbau-Verschluss klappert

Hercules Versa R3

Ein ganz eigenes Publikum spricht Hercules mit dem Versa R3 an: Das behäbige, aber hübsche Rad ist der einzige faltbare Tiefeinsteiger auf dem Markt. Mit Dreigang-Nabenschaltung, Rücktrittbremse und betont aufrechter Sitzposition wendet sich das Rad an die aktive „Generation 50+“, die mit Wohnwagen, -mobil oder Boot unterwegs ist oder im Ferienhaus einen Zweitwohnsitz hat und dort kurze Strecken bequem radeln möchte.

Das Faltmaß des Versa ist groß, da der Rahmen nur einfach seitlich umgeklappt werden kann. Dabei fallen das Gelenk, aber auch der Rahmen für einen Tiefeinsteiger stabil und erstaunlich seitensteif aus: Die Fahrt fühlt sich sicher und ruhig an. Durch die aufrechte Sitzhaltung neigt das entlastete Vorderrad etwas zum Untersteuern, eine (leicht selbst aushängbare) Feder dient deshalb zur Lenkungsdämpfung, schränkt aber auch den möglichen Lenkeinschlag erheblich ein.

Plus: alltagstauglich für kürzere Strecken; solide Bauart und Fahrverhalten; sehr preisgünstig
Minus: Gelenk/Lenkerschaft und Passung Sattelstütze/Sitzrohr haben Spiel; schwer

Moulton TSR Kensington

Alex Moulton hatte bereits eine illustre Ingenieurskarriere hinter sich, als er 1962 begann, Kompakt-Fahrräder mit 20-Zoll-Rädern zu entwickeln. Von Moulton stammt zum Beispiel die Gummifederung des Austin Morris Mini, der ebenfalls trotz kleiner Räder Furore machte. Seit 1983 ist der fachwerkartige Space Frame, der mittig am Kreuzungspunkt teilbar ist, das Erkennungszeichen der exzentrischen Moulton-Bikes.

Dieses Rad ist nicht falt-, aber zerlegbar. Sein verstrebter Rahmen macht das Bike leicht und extrem seitensteif. Schön anzusehen sind die hochwertig handgelöteten Röhrchen (Reynolds 525-Rohrsatz), die Sitz- und Lenkrohr nahtlos umschlingen. Von Anfang an gehörten ein konisches Gummi-Elemente-System am Hinterbau sowie eine parallelogramm-gefederte Gabel zu den unverzichtbaren Kennzeichen eines Moulton-Bikes. Dementsprechend fährt es sich spürbar komfortabel, doch immer stabil und sicher. Es lässt sich sogar bequem freihändig pedalieren.

Plus: vielseitiges Bike mit exzentrischem, aber praktischem Konzept
Minus: relativ teuer; nicht faltbar, nur zerlegbar

Riese & Müller Birdy Touring

Um das heute einzige Modell ohne E-Antrieb im aktuellen Katalog rankt sich die ganze Unternehmensgeschichte von Riese & Müller, denn mit dem Birdy fing alles an. Die Idee war, ein Faltrad mit Vollfederung zu entwickeln, deren Drehpunkte gleichzeitig Faltgelenke sind. In seiner jetzigen Form mit Aluminium-Monocoque-Hauptrahmen, hochwertig gelagerter Hinterradschwinge und Parallelogramm-Gabel ist ...

Pocket Bike Vergleich 2025

Die besten Pocket-Bikes: Wählen Sie Ihren persönlichen Testsieger aus der Bestenliste.

Modell Antrieb Hubraum Max. Leistung Max. Geschwindigkeit Max. Tragkraft Gewicht
Actionbikes Motors Midi JC125 Verbrenner 125 cm³ 7 kW 80 km/h 60 kg 80 kg
Evercross EV12M Elektro keine Herstellerangabe 300 W 25 km/h 65 kg 19 kg
Actionbikes Motors Midi JCI125 Verbrenner 125 cm³ 7 kW 80 km/h 80 kg 80 kg
Actionbikes Motors Mini Viper Elektro keine Herstellerangabe 1 kW 25 km/h 60 kg 32 kg
Oryxearth 105CC Verbrenner 105 cm³ keine Herstellerangabe 40 km/h 75 kg 40 kg
Actionbikes Motors Mini Cross Delta Verbrenner 49 cm³ keine Herstellerangabe 40 km/h 60 kg 22 kg
Actionbikes Motors Delta Verbrenner 49 cm³ keine Herstellerangabe 40 km/h 60 kg 22 kg
Rv-Parts KXD 708 Verbrenner 49 cm³ keine Herstellerangabe 40 km/h 80 kg 22 kg

Moderne Klappräder im Detail

Ein Gang über die letzte Eurobike in Frankfurt beweist: Der Faltrad-Boom hält an. Die Hersteller werden nicht müde, den Markt mit neuen Konzepten, Faltmechanismen und Rahmenkonstruktionen zu bereichern. Geradezu verblüffend sind die Fahreigenschaften moderner Klappräder - sie stehen denen klassischer Fahrräder in nichts - oder nur wenig - nach. Im Gegenteil: Falträder haben ihre ganz eigenen Vorteile. Sie fahren sich wendig, direkt quirlig und liegen doch satt auf der Straße.

Mit Großvaters Klapprad hat ein modernes Faltrad nur noch wenig zu tun. Aktuelle Falträder sind leichter, haben bessere Schaltungen und lassen sich besser auf die eigenen Fahrvorlieben einstellen. Die Faltsysteme moderner Falträder sind auf ein minimales Packmaß ausgelegt, statt Torpedo-Dreigangschaltung (die nichtsdestotrotz ihre Daseinsberechtigung hat!) werden moderne Naben- und Kettenschaltungen mit zum Teil mehr als zehn Gängen verbaut. Mit einem modernen Faltrad lassen sich also weit mehr Dinge erledigen als mit einem Eingang-Klapprad von anno 1964.

Egal ob Pendeln zum Arbeitsplatz, eine mehrtägige Radtour oder als Cityflitzer, der abgestellt wenig Platz wegnimmt - innovative Falträder wie das Riese & Müller Birdy oder auch mehrfach überarbeitete Klassiker wie die Falträder von Brompton sind deutlich vielseitiger einsetzbar als ein »großes« Rad. Das hat zu einem großen Teil mit der Detailliebe der Hersteller zu tun.

Um das Packmaß zu minimieren, kann der Lenker bei vielen Rädern separat eingeklappt werden, das gleiche gilt für die Pedale. Ergonomisch geformte Lenkergriffe mit einer erweiterten Auflagefläche bieten auch auf langen Touren Komfort. Eines ist ganz besonders wichtig: Falträder mit einem Laufraddurchmesser bis maximal 16 Zoll dürfen in den Zügen der Deutschen Bahn kostenlos mitgenommen werden, das gilt in der Regel auch für Nahverkehrsunternehmen wie dem MVV oder der BVG (als »Handgepäck«).

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