Gerade als Rennradfahrer und Vater von zwei Kindern hat Sicherheit heute für mich einen ganz anderen Stellenwert als früher. Einer der wichtigsten Sicherheitsfaktoren ist der Fahrradhelm.
Was ist MIPS?
Die Abkürzung MIPS steht für Multi-Directional Impact Protection System. Die Technologie wurde entwickelt, um dem Helmträger den bestmöglichen Schutz vor Kopf- und Hirnschäden zu bieten, insbesondere bei einem Sturz mit einem schrägen Aufprall infolge einer Drehbewegung. Das MIPS-System dient dazu, die Rotationsenergie bei einem Aufprall zu verringern, indem eine reibungsarme Schicht ein zum Kopf versetztes Gleiten des Helms ermöglicht.
Die Entstehung von MIPS
Schon 1996 begann der schwedische Neurochirurg Hans van Holst damit, die Konstruktion von Helmen zu untersuchen. Er wollte herausfinden, weshalb so viele Patienten mit Hirnverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert wurden, obwohl sie einen Helm getragen hatten. Gemeinsam mit dem Ingenieur Peter Halldin erkannte er, dass es bei einem Sturz in den meisten Fällen zu einem schrägen Aufprall am Boden kam. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse entwickelten die beiden Forscher eine reibungsarme Schale, welche die Rotationskräfte, die beim Sturz auf den Kopf wirken, reduzieren sollte. MIPS war geboren.
Wie funktioniert MIPS?
In der Praxis enthält ein Helm mit MIPS-Schutz eine zusätzliche schwimmende Schale, die eng am Kopf anliegt. Im Wesentlichen geht es also bei diesem System darum, deinen Kopf vor Aufschlägen aus unterschiedlichen Richtungen zu schützen. Bei einem schrägen Aufprall minimiert das MIPS-System die Kräfte, die bei der abrupten Unterbrechung der Drehbewegung auf Schädel und Gehirn wirken. Dies wird durch eine Gleitspanne von 10 bis 15 Millimetern für die Schale erreicht.
Das MIPS-System besteht aus einer dünnen Schicht im Inneren des Helms, die zwischen der Helmaußenschale und dem Polster platziert ist. Diese Schicht ermöglicht es dem Helm, sich um einige Millimeter zu drehen, wodurch ein Teil der Rotationsenergie absorbiert und von der Kopfhaut abgelenkt wird. Das MIPS-System verringert so die übertragenen Rotationskräfte und minimiert das Risiko von Kopfverletzungen.
Zwischen Gehirn und Schädelknochen gibt es eine Flüssigkeit, welche das Gehirn bei Aufschlägen schützt, in dem es sich minimal bewegt (10 bis 15 mm). Somit geht die Stoßkraft des Aufpralls nicht auf das Gehirn über.
MIPS senkt das Risiko einer Gehirnerschütterung deutlich.
Durch MIPS (Multi-Directional Impact Protection System) soll die Rotationsenergie bei einem Aufprall verringert werden, indem eine reibungsarme Schicht ein zum Kopf versetztes Gleiten des Helms ermöglicht. So wird Rotations- in Translationsenergie umgewandelt. Wie bei einem Sturz auf Eis soll sich der Kopf so in der ursprünglichen Richtung weiterbewegen. Soviel die Theorie.
Die verschiedenen MIPS-Systeme
Die ursprünglichste Version des MIPS-Systems besteht aus einer gelben Kunststoffschale. Inzwischen gibt es verschiedene Ausführungen des MIPS-Systems, die eine relative Rotation zwischen Helm und Kopf von 10 bis 15 Millimetern zulassen und damit die Gefahr einer Gehirnerschütterung deutlich reduzieren sollen.
Hier ein kurzer Überblick über die MIPS-Varianten:
- MIPS Essential Core: Das klassische MIPS mit gelber Schale, dem sogenannten LFL (Low Friction Layer), kommt besonders bei Volumenmodellen (Massenprodukte) oder günstigen Helmen zum Einsatz.
- MIPS Evolve Core: MIPS Evolve Core sitzt wie Essential Core zwischen Helmschale und Polster.
- MIPS Air/Air Node: Hier ist der Rotationsschutz nahezu unsichtbar in die Helmpolsterung integriert.
- MIPS Spherical/Integra Split: Die Helme bestehen aus zwei separaten Schalen, die gegeneinander verdrehbar sind.
- MIPS Integra Fuse: MIPS Integra Fuse verschmilzt das ehemals Poc-eigene SPIN-System mit MIPS.
Rotationssysteme anderer Hersteller
Auch andere Hersteller haben in der Zwischenzeit eigene Rotationssysteme entwickelt. 100% nennt sein System Smartshock, Leatt verbaut seine sogenannten 360° Turbine Technology in den Helmen und Kali setzt auf den Low Density Layer. Auch Bontrager hat ein eigenes Schutzystem im Programm - WaveCel. Die Systeme sollen die Gefahr einer Gehirnerschütterung laut Herstellern um bis zu 40 Prozent reduzieren.
- Smartshock/100%: Zwischen Helmschale und Polster sind kleine, bewegliche Elastomere integriert.
- 360˚ Turbine/Leatt: Kleine, um 360 Grad bewegliche Scheiben aus flexiblem Kunststoff an der Innenseite der Helmschale sollen lineare Stöße um bis zu 30 Prozent dämpfen und Rotationsbeschleunigung um bis zu 40 Prozent verringern.
- WaveCel/Bontrager: WaveCel ist eine komprimierbare Zellstruktur an der Innenseite der Helmschale.
- LDL (Low Density Layer)/Kali: Ähnlich wie Leatt verbaut Kali an der Innenseite des Helms visco-elastische Einsätze.
Fahrradhelmtests
Fahrradhelmtests sind von entscheidender Bedeutung, um die Schutzwirkung eines Helms zu bewerten. Die Tests werden von unabhängigen Organisationen wie der Stiftung Warentest oder dem Consumer Product Safety Commission (CPSC) durchgeführt. Sie umfassen verschiedene Kriterien, darunter Aufpralltests, Strapazierfähigkeit, Gewicht und Belüftung.
Folgende Magazine und Tests möchte ich kurz hervorheben:
- Velomotion Testjahrbuch Sonderausgabe 2023: Gravel-, Rennrad und Kinderhelme vorgestellt
- RoadBIKE 07/2023: Größen- und Kaufberater für Rennradhelme
- TOUR 06/2023: 20 Helme im Test
Sicherheitsfaktoren bei Fahrradhelmen
Neben den Ergebnissen aus Fahrradhelmtests gibt es weitere Sicherheitsfaktoren, die bei der Auswahl eines Helms zu berücksichtigen sind.
- Passform: Ein Fahrradhelm sollte gut passen, um maximalen Schutz zu bieten.
- Haltbarkeit: Die Haltbarkeit eines Helms ist von großer Bedeutung, da ein Helm nach einem Sturz oder einer Beschädigung ausgetauscht werden sollte.
- Gewicht und Belüftung: Der Tragekomfort eines Helms spielt eine große Rolle, um sicherzustellen, dass Radfahrer den Helm gerne tragen.
- Sichtbarkeit: Eine gute Sichtbarkeit ist ein weiterer Sicherheitsfaktor.
Vor- und Nachteile von MIPS
Natürlich hat MIPS nicht nur Vorteile: Im Schnitt kostet ein Helm mit MIPS etwa 25 Euro mehr. Je nach eingesetzter Version steigt auch das Gewicht um einige Gramm.
Ergebnisse im BIKE-Labor
In unserem aktuellen Test (BIKE 10/2023) lag die Wahrscheinlichkeit, mit einem mit MIPS ausgestatteten Helm eine Gehirnerschütterung zu erleiden (nach AIS-Code) im Schnitt bei ca. 16 Prozent. Im Test haben wir bei den unterschiedlichen MIPS-Systemen Risiken für eine Gehirnerschütterung zwischen 6 und 26 Prozent gemessen.
Im Vergleich beträgt das Risiko bei Modellen ohne MIPS im aktuellen Test 35,5 Prozent. Nur Bontragers WaveCel-Technologie liefert mit einer Wahrscheinlichkeit von 7 Prozent vergleichbar gute Werte.
Vergleich mit MIPS / ohne MIPS
Im direkten Vergleich lässt sich die Wirkung des schwedischen Sicherheitssystems am besten verdeutlichen. Zur Veranschaulichung haben wir im Test in BIKE 2020 neben dem Lazer Impala MIPS auch das identische Modell ohne MIPS getestet. Auch der Vergleich des IXS Trigger AM mit und ohne MIPS bestätigt diese These.
Lazer Impala vs. Lazer Impala MIPS
Mit 130 Euro kostet der Impala ohne MIPS 20 Euro weniger und spart zudem 30 Gramm Gewicht ein. Ansonsten sind die beiden Helme identisch aufgebaut. Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Sturz eine mittlere Gehirnerschütterung zu erleiden liegt hier bei 39 Prozent, die Beschleunigungskraft beim Aufprall beträgt 109,8 g.
Beim Lazer Impala MIPS liegt die Wahrscheinlichkeit, eine mittlere Gehirnerschütterung zu erleiden, bei nur noch 26 Prozent. Auch die Beschleunigungskräfte verringern sich leicht auf 98,5 g.
IXS Trigger AM vs. IXS Trigger AM MIPS
Während der Helm ohne MIPS bei einer Wahrscheinlichkeit, eine mittlere Gehirnerschütterung zu erleiden, von 44 Prozent liegt, erzielt der Trigger AM mit MIPS deutlich bessere Werte. Eine Reduktion auf gerade mal 10 Prozent sind enorm. Die Beschleunigungswerte ändern sich nur geringfügig.
Empfehlungen für sichere Fahrradhelme
Wie erwähnt wollte ich auch direkt auf Produkte eingehen, welche in den erwähnten Tests besonders gut abgeschnitten haben. Hier findet ihr eine Übersicht dieser:
| Name | Herstellungsland | Testergebnis | MIPS | Preis (Amazon) | Preis (Bike-Components) |
|---|---|---|---|---|---|
| MET Trenta 3K MIPS | China | TOUR 23/06 Testsieger - Höchste Sicherheit | Ja | 271,49 EUR | 247.99 EUR |
| ABUS Airbreaker | Italien | TOUR 23/06 - Leichtester Helm im Test, Sicherheitsnote: Gut | Ja | 201,72 EUR | 186.99 EUR |
| UVEX Boss Race | Deutschland | TOUR 23/06 - Guter Durchschnitt, Lokale Herstellung | Ja | 68,78 EUR | 63.99 EUR |
| Scott ARX Plus | China | TOUR 23/06 - Preis-Leistungssieger | Ja | 119,95 EUR | 109.99 EUR |
Nicht alle Helme müssen mit MIPS ausgestattet sein um eine gute Sicherheitsnote zu bekommen. Es ist zwar ein gutes Feature, aber anhand der Tests aus dem TOUR-Magazin 2023/06 sieht man, dass das nicht der einzige Sicherheitsfaktor ist. Auch Helme ohne MIPS schneiden gut in den Tests ab.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass MIPS eine innovative Technologie ist, die darauf abzielt, das Risiko von Kopfverletzungen durch Rotationskräfte bei Stürzen zu minimieren. Obwohl die Wirksamkeit von MIPS von einigen Experten kontrovers diskutiert wird, belegen zahlreiche Studien und Tests die Vorteile des Systems.
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