Fahrrad Montageständer Test: So Schrauben Sie Rückenschonend

Es ist schon irgendwie erstaunlich. Da haben wir endlich gelernt, aufrecht zu gehen, unsere Hände zu benutzen, Werkzeuge zu fertigen, haben die Welt erobert und dann das: keine sieben Millionen Jahre später knien wir wieder am Boden und versuchen, eine Fahrradschaltung rasselfrei einzustellen. Mit der einen Hand den Hinterreifen hochhaltend, mit der anderen die Kurbel drehend, verzweifeln wir daran, das nervige Tackatackatacka der Kette in ein sanftes Schnurren zu verwandeln.

Dabei haben wir doch längst die Lösung erfunden: Einen dritten Arm, der uns helfend zur Hand geht. Eingespannt im Montageständer hängt das Bike nämlich direkt vor unserer Nase. In rückenschonender Haltung haben wir die Stellschräubchen und Umlenkröllchen perfekt im Blick und können uns auf das Wesentliche konzentrieren - den millimetergenauen Abstand der Kettenaußenlaschen zum nächsten Ritzel.

Warum ein Montageständer?

Am Fahrrad gibt es immer wieder etwas zu tun. Und bevor Fahrradfrühling und -sommer wieder mit Ausflügen locken, ist es ratsam, das Fahrrad fit zu machen und durchzuchecken. Einige Radler stellen das Fahrrad dabei gerne mal auf den Kopf, wenn sie ein Rad abmontieren möchten. Ein Kraftakt bei schweren E-Bikes, bei Rädern mit Scheibenbremsen sollte das bei bestimmten Modellen sogar vermieden werden.

Und wenn man es auf den Kopf stellt, dann kommt es dabei wahrscheinlich auch zu dem ein oder anderen Kratzer. Dazu kommt: Die Arbeit an einem Montageständer ist rückenschonend, das Fahrrad kann individuell in der Höhe eingestellt werden, sodass man bequem an alles herankommt. Dabei hat man beide Hände frei zum Schrauben, der Montageständer hält das Fahrrad in Position. Und allzu teuer sind Montageständer nicht - ab ca.

Viele Arbeiten am Fahrrad lassen sich schnell und günstig selbst erledigen - notfalls mit Unterstützung eines entsprechenden YouTube-Videos. Montageständer fixieren das Fahrrad dabei in einer erhöhten Position. Zum einen lassen sich so Pedale, Kurbeln und Kette durchdrehen, zum anderen laufen die Räder frei. Das ist wichtig, um die Funktion von Antrieb und Bremsen prüfen zu können.

Eine andere Aufgabe des Montageständers ist, das Rad in einer angenehmen Höhe zu fixieren. Die von uns getesteten Montageständer sind allesamt mobil und können - anders als die großen Brüder in der Werkstatt - zusammengeklappt und schnell in Keller oder Garage verstaut werden. Alle stehen auf drei Füßen - entweder nach dem Prinzip eines Fotostativs oder aber der Hauptarm ist gleichzeitig Hauptfuß und wird durch zwei ausklappbare Beine gestützt.

Montageständer: Vorsicht mit Carbonteilen - 4 Tipps

  • Carbon-Rahmen sollten auf keinen Fall im Montageständer geklemmt werden, weil die Fasern empfindlich auf Druck reagieren. Auch bei Carbon-Sattelstützen sollten Sie Vorsicht walten lassen. Besser: Ersetzen Sie die Carbon-Stütze für die Wartung durch eine alte Alu-Stütze. Diese kann dann problemlos eingespannt werden.
  • Beim Klemmen von Teleskopstützen sind in unserem Labor bisher noch keine Probleme aufgetreten - weder am dünnen noch am dicken Rohr. Achten Sie aber immer auf eine absolut saubere Gleitfläche am Standrohr sowie auf saubere Klemmbacken am Montageständer, um Kratzer zu vermeiden. Am besten spannen Sie Ihr Bike am Tauchrohr der Stütze in den Montageständer.
  • Nur so stark klemmen wie nötig! Wer die Klemmbacken zu fest anzieht, riskiert Beschädigungen am Bike. Klemmbacken, die mit einer Schraube angezogen werden, lassen sich in der Regel gefühlvoller bedienen. Exzenterhebel spannt man schnell zu fest um Stütze oder Rahmenrohre.
  • Eine helle Matte oder ein niederfloriger Teppich unter dem Montageständer erleichtert das Auffinden von heruntergefallenen Kleinteilen und das Arbeiten im Knien. Zudem springen die Teile nicht so weit weg, der Boden bleibt sauber und Werkzeug schlägt nicht so hart auf dem Untergrund auf.

Worauf sollte man beim Kauf eines Montageständers achten?

Zunächst einmal sollte man das eigene Fahrrad auf die Waage bringen und sich fragen: Wie schwer ist das Rad, das der Montageständer tragen soll? Schwere E-Bikes mit über 20 bis 25 Kilo Gewicht stellen höhere Anforderungen an einen Montageständer als leichte Rennräder oder Mountainbikes.

Es gibt verschiedene Bauarten von Reparaturständern - unser Fokus liegt hier auf den Montageständern mit Klemmkopf. Diese Modelle sind auch am weitesten verbreitet. Am Klemmkopf wird das Fahrrad festgemacht. Viele Radler klemmen allerdings auch die Rahmenrohre ihres Fahrrads in die Klemmklaue. Wer dabei Kratzer vermeiden möchte, sollte darauf achten, dass die Klemme und auch das Rahmenrohr frei von Schmutz und Dreck ist.

Wichtig ist, dass die Sattelstütze gut eingespannt werden kann - eine feine Dosierung ist hier vorteilhaft. Außerdem sollte die Klemmklaue, die die Sattelstütze greift, passen. Achten Sie daher auf die Maße für die Klaue hinsichtlich Länge, Breite und Griffweite. Vor allem Carbonrohre sind meistens breiter und passen nicht in jede Klaue.

Apropos Carbon: Rahmen aus Carbon oder Aluminium reagieren auf Druck empfindlich. Damit Sie sich bei der Reparatur nicht verbiegen müssen, sollte der Ständer flexibel sein und das Fahrrad in jeder beliebigen Position halten können. Schnellspanner und die Drehbarkeit des Greifarms um 360 Grad sollten daher gegeben sein.

Der Montageständer sollte das Rad schließlich nicht nur halten, sodass Sie auf Augenhöhe schrauben können, sondern es muss den Kräften trotzen, die auf das Rad während der Reparatur wirken. Wesentlich bei der Auswahl eines Montageständers fürs Fahrrad ist natürlich auch die Standfestigkeit.

Vielschrauber favorisieren manchmal Montageständer, die fest im Boden verankert werden können - genügend Platz vorausgesetzt. Wie viele Standfüße ein Montageständer hat, sagt übrigens nichts über seine Standfestigkeit aus. Darüber hinaus sollte der Montageständer selbst gut verarbeitet sein: Verbindungsstücke aus Metall sind langlebiger als aus Kunststoff.

Das Fahrrad hängt, doch das Vorderrad schlägt ständig aus - hier hilft ein Lenkerhalter, mit dem die Vordergabel fixiert werden kann. Bei den Haltern handelt es sich um Teleskopstangen, die variabel eingestellt werden. Praktisch ist auch eine Ablage für das Werkzeug, worauf das benötigte Werkzeug griffbereit abgelegt werden kann.

Die Qual der Wahl: Welcher Montageständer ist der Richtige?

Erfreulich ist: ein guter Montageständer muss nicht einmal teuer sein - und das teuerste Modell ist auch nicht unbedingt das beste. Unter den getesteten Modellen finden Hobbyschrauber schon für 130 Euro einen zuverlässigen Helfer. Während Werkstattprofis meist Modelle bevorzugen, die fest im Boden verankert sind, bietet sich für Laien eher die klappbare Variante an.

Drei weit gespreizte Beine stehen dabei deutlich sicherer als ein „Zweibeiner“, weil sie Unebenheiten besser ausgleichen können. Die Arbeitshöhe lässt sich bei allen Modellen verstellen. Doch nur, wenn die Rohre geschmeidig ineinander gleiten, geht das auch, wenn das Bike bereits geklemmt ist.

Reine Schraubverschlüsse lassen sich dabei nur Stück für Stück schließen, während man das Bike einhändig zwischen die Klemmbacken stemmen muss. Aber was wäre die Evolution, wenn wir nicht auch hierfür eine Lösung gefunden hätten: einstellbare Kniehebel oder Schnellspanner wie bei Feedback oder Super B erleichtern das Einhängen des Bikes und unterscheiden sozusagen den Neandertaler vom Homo Sapiens der Montageständer.

Getestete Montageständer

Hier ist eine Übersicht von getesteten Montageständern mit ihren jeweiligen Eigenschaften und Urteilen:

CONTEC Rock Steady

Preis: 129,95 Euro
Gewicht / maximale Traglast / Staumaß: 4,55 kg / 30 kg / 100 x 17 x 19 cm
Arbeitshöhe / max. Rohrdurchmesser: 97 bis 150 cm / 55 mm

Für Gelegenheitsschrauber ist dieser Montageständer allemal eine Empfehlung, besonders, wenn man die stark variierenden Preise im Netz vor dem Kauf miteinander vergleicht.
BIKE-Urteil: GUT

FEEDBACK SPORTS Pro Elite

Preis: 319 Euro
Gewicht / maximale Traglast / Staumaß: 5,4 kg / 38,6 kg / 115 x 19,5 x 13 cm
Arbeitshöhe / max. Rohrdurchmesser: 109 bis 180 cm / 66 mm

Nach Meinung unserer Mechaniker ist der Pro Elite Workstand der beste am Markt. Die robuste Klemme ermöglicht es, ihn blitzschnell an unterschiedliche Rohrdurchmesser anzupassen und per Knopfdruck wieder zu öffnen. Große Drehrädchen und leichtgängige Schnellspanner machen das Handling zum Genuss. Dank des Dreibein-Designs steht der Pro Elite auch im Gelände sicher. Mit wenigen Handgriffen lässt er sich sehr kompakt zusammenfalten. Hochwertige Materialien garantieren eine lange Lebensdauer.
BIKE-Urteil: SUPER

PARK TOOL PRS-25

Preis: 440 Euro
Gewicht / maximale Traglast / Staumaß: 5,9 kg / 45 kg / 119 x 25 x 22 cm
Arbeitshöhe / max. Rohrdurchmesser: 85 bis 180 cm / 76 mm

Dank Sechskant-Rohrprofil und weit ausladender Standfüße steht der PRS-25 wie ein Fels in der Brandung. Arbeitshöhe und Klemmweite sind großzügig anpassbar. Der Kipphebel öffnet die Klemmbacken weit, ist aber etwas klein und schwergängig geraten. Zum Transport muss der Klemmkopf abgeschraubt werden, auch dann ist das Staumaß noch recht üppig. Für den aufgerufenen Preis hätten wir etwas weniger Kunststoff erwartet. Werkzeugablage, Papiertuchhalter und Transporttasche gibt es optional.
BIKE-Urteil: SEHR GUT

PEDRO’S Folding Repair Stand

Preis: 299,99 Euro
Gewicht / maximale Traglast / Staumaß: 8,8 kg / 40 kg / 106 x 31 x 19 cm
Arbeitshöhe / max. Rohrdurchmesser: 106 bis 187 cm / 65 cm

Der massive Pedro’s wirkt wie für die Ewigkeit gemacht. Die Materialien sind durchweg sehr hochwertig und robust, der Stand aufgrund weit ausladender Füße recht sicher. Einzigartig: Über einen komfortablen Pistolengriff wird das Bike Stück für Stück geklemmt. Diese Art ist jedoch etwas langsamer und weniger präzise als klassische Klemmen. Der Ausleger steht nicht ganz waagrecht, so hängt das Bike schief im Ständer. Der schwere Pedro’s lässt sich gut falten und verschwindet dann in einer robusten Transporttasche.
BIKE-Urteil: SEHR GUT

SUPER B Top Assist Montageständer

Preis: 199 Euro
Gewicht / maximale Traglast / Staumaß: 5,1 kg / 40 kg / 121 x 24 x 15 cm
Arbeitshöhe / max. Rohrdurchmesser: 107 bis 146 cm / 52 mm

Der Super B glänzt mit einem soliden Klemmkopf aus Metall. Der öffnet weit und lässt sich dank großem Hebel sicher schließen und über eine Rändelschraube fein verstellen. Weniger schön sind der Ausleger aus Kunststoff und die grobe Winkelverstellung. Auch die Arbeitshöhe lässt sich nur über einen kleinen Bereich verstellen. Aufgrund des nahezu senkrechten Standrohrs und der schmalen, kurzen Füße steht der Super B recht wackelig da. Die Werkzeugablage sitzt für große Schrauber sehr weit unten.
BIKE-Urteil: GUT

TOPEAK Prepstand Elite / Pro

Preis: 279,95 / 329,95 Euro (Pro-Version)
Gewicht / maximale Traglast / Staumaß: 5,7 kg / 25 kg / 123 x 13,5 x 20 cm
Arbeitshöhe / max. Rohrdurchmesser: 122 bis 183 cm / 45 mm

Der Topeak-Klassiker ist dank großer, stabiler Schnellspanner und hochwertiger Materialien schnell aufgebaut und steht dann mit weit ausladendem Dreibein mit solider Gummierung sehr sicher. Der Ausleger lässt sich leicht abklappen, unter Last verzieht er sich aber deutlich. Die etwas kantige Klemme schließt sehr langsam und oft etwas hakelig. Die Pro-Version kommt mit integrierter, exakter Waage. Wer 60 Euro sparen möchte, nimmt die Elite-Version mit Kleinteilefach. Im Set ist eine Transporttasche dabei.
BIKE-Urteil: SEHR GUT

UNIOR BikeGator+

Preis: 312,99 Euro
Gewicht / maximale Traglast / Staumaß: 5,65 kg / 30 kg / 109 x 31 x 20 cm
Arbeitshöhe / max. Rohrdurchmesser: 99 bis 150 cm / 32 mm

Beim Material lässt Unior nichts anbrennen, Kunststoff findet sich nur am großen, gut bedienbaren Kipphebel. Schnellspanner, Rohre, Ausleger und Verbindungsstücke - hier steht Langlebigkeit im Fokus. Die solide Klemme passt sich über eine Feder an den Rohrdurchmesser an. Leider ist ihre Spannkraft etwas gering, unter Last drückt es die Klemmbacken leicht auseinander. Die Klemmweite ist sehr begrenzt. Durch die kurzen Füße steht der Unior etwas wackelig, der Ausleger lässt sich nicht abklappen.
BIKE-Urteil: SEHR GUT

XTREME S 1300 (Rose Bikes)

Preis: 56,95 Euro
Gewicht / maximale Traglast / Staumaß: 6,95 kg / 18 kg / nicht faltbar
Arbeitshöhe / max. Rohrdurchmesser: 100 bis 160 cm / 52 mm

Eigentlich macht der S 1300 genau das, was er soll: das Bike in Arbeitshöhe fixieren. Doch schon der Aufbau in Ikea-Manier macht wenig Spaß. Die Alu-Guss- und Kunststoffteile wirken wenig wertig. Zwei Fußstopfen reißen schon beim Aufbau ein. Die kantigen Schnellspanner haben Mühe, die Rohre sicher zu klemmen. Der Kunststoffkipphebel drückt in die Handflächen. Auf ebenen Flächen steht der S 1300 sicher, im Gelände eher wackelig.

Weitere Empfehlungen

  • Eufab 16421: Schnell aufgeklappt und ideal für Hobbyschrauber.
  • Walter Fahrrad-Reparaturständer: Stabil und günstig mit fünf Beinen.
  • Rose S 4000-E: Für schwere E-Bikes und Lastenräder, robust und stabil.
  • Feedback Sports Ultralight: Leicht und kompakt, ideal für die mobile Werkstatt.

Zusammenfassung der Testurteile

Die folgende Tabelle fasst die Testurteile der verschiedenen Montageständer zusammen:

Montageständer BIKE-Urteil
CONTEC Rock Steady GUT
FEEDBACK SPORTS Pro Elite SUPER
PARK TOOL PRS-25 SEHR GUT
PEDRO’S Folding Repair Stand SEHR GUT
SUPER B Top Assist Montageständer GUT
TOPEAK Prepstand Elite / Pro SEHR GUT
UNIOR BikeGator+ SEHR GUT

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