Ob in der Heimatstadt oder auf Reisen - im Sommer mit der Vespa oder dem Moped bei angenehm kühlem Fahrtwind durch die Straßen zu düsen, ist verlockend. Doch darf bei dem Fahrspaß die Verkehrssicherheit nicht außer Acht gelassen werden, betont der ACE, Europas Mobilitätsbegleiter, und verweist auf die Verletzungsgefahr, die gerade bei unvorbereiteten Fahrten von sogenannten Kleinkrafträdern ausgeht.
Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) hat sich im Rahmen eines zweijährigen Forschungsprojektes mit dem Unfallgeschehen von Mofas, Mopeds und Leichtkrafträdern beschäftigt, das Anfang 2012 abgeschlossen wurde. Für das Projekt wurden gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Dr. Priester und der saarländischen Polizei Unfälle dieser Fahrzeuge erhoben und Verkehrskontrollen durchgeführt.
Unfallgeschehen und Risikofaktoren
Kleinkrafträder werden oft als Schönwetter- und Freizeitfahrzeuge angesehen und Gefahren oft unterschätzt, warnt der ACE. Während die Anzahl der getöteten Motorradfahrenden in Deutschland im Jahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr zurückging, stieg die Zahl der Menschen, die auf Kleinkrafträdern ums Leben kamen im gleichen Zeitraum um 5,7 Prozent. Gerade in den Sommermonaten verunglücken viele Kleinkraftfahrende: 64,4 Prozent der 2021 Verunglückten kamen zwischen April und September zu Schaden, wie das Statistische Bundesamt Anfang 2023 mitteilte. Nicht angepasste Geschwindigkeiten sind demnach das häufigste Fehlverhalten bei Unfallbeteiligten, die mit dem Kleinkraftrad unterwegs sind.
Häufige Unfallfaktoren bei Motorradunfällen:
- Geschwindigkeit: Überhöhte Geschwindigkeit ist einer der häufigsten Faktoren bei Motorradunfällen.
- Fahrfehler: Fehler von Motorradfahrern, wie etwa das Nichtbeachten von Verkehrsregeln, unsicheres Überholen oder das Fahren unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen.
- Fahrerunachtsamkeit: Ablenkungen, Müdigkeit oder Unaufmerksamkeit.
- Fahrerfahrung: Unerfahrene Fahrer haben ein höheres Unfallrisiko.
- Fehler anderer Verkehrsteilnehmer: Viele Motorradunfälle sind auf Fehler von anderen Verkehrsteilnehmern zurückzuführen.
- Straßenverhältnisse: Schlechte Straßenverhältnisse können ebenfalls zu Unfällen beitragen.
- Wetterbedingungen: Regen, Nebel, Schnee oder Eis können die Sicht beeinträchtigen und die Fahrbahn rutschig machen.
- Technische Defekte: Defekte oder schlecht gewartete Motorräder können zu Unfällen führen.
Jugendliche und Motorradunfälle
Statistiken zeigen, dass Jugendliche und junge Erwachsene häufiger in Motorradunfällen verwickelt sind als ältere Fahrer. Es gibt mehrere Gründe, warum dies der Fall sein könnte:
- Erfahrung: Jugendliche und junge Erwachsene haben in der Regel weniger Fahrerfahrung als ältere Fahrer.
- Risikobereitschaft: Jugendliche neigen dazu, risikoreicheres Verhalten an den Tag zu legen als ältere Fahrer.
- Fehleinschätzung von Gefahren: Jugendliche können Schwierigkeiten haben, Gefahren im Straßenverkehr richtig einzuschätzen.
- Ablenkungen: Jugendliche sind möglicherweise anfälliger für Ablenkungen während der Fahrt.
Wo passieren Moped-Unfälle?
Unfälle mit Kleinkrafträdern können sowohl in städtischen als auch in ländlichen Gebieten auftreten. In städtischen Gebieten können Faktoren wie dichterer Verkehr, mehr Fußgänger und Fahrradfahrer sowie ein komplexeres Straßennetz die Unfallgefahr erhöhen. In ländlichen Gebieten können hingegen höhere Geschwindigkeiten, schmalere Straßen und schlechtere Sichtverhältnisse zu Unfällen beitragen.
Die Anzahl der Unfälle mit Kleinkrafträdern kann von Bundesland zu Bundesland variieren, abhängig von Faktoren wie der Bevölkerungsdichte, dem Verkehrsaufkommen, den Straßenverhältnissen und den kulturellen Unterschieden bei der Nutzung von Kleinkrafträdern.
Unfalldaten und Ergebnisse des Forschungsprojekts
Im Jahr 2010 starben laut Bundesstatistik 67 Mofa- und Mopedfahrer, 3.443 wurden schwer, 14.043 leicht verletzt. Der Bestand der Fahrzeuge in Deutschland beläuft sich auf ca. 2 Mio. Fahrzeuge. Dies ergibt eine Getötetenrate von 20,6 Getötete / 1 Mrd. x Kfz x km. Im Vergleich dazu ist die Getötetenrate beim Pkw mit 3,5 in etwa um den Faktor 6 kleiner.
Im Rahmen des Projektes wurden 203 Unfälle von einem interdisziplinären Forscherteam an der Unfallstelle aufgenommen. Hauptunfallgegner ist der Pkw. Die Hauptschuld an Unfällen mit mehreren Beteiligten liegt nur zu 33 % beim Zweirad. Allerdings sind auch 20 % aller Unfälle Alleinunfälle ohne Beteiligung Dritter. Es dominieren Einbiegen/Kreuzen-Unfälle (28 %) und Abbiege-Unfälle (22 %). Aber auch Fahrunfälle sind mit 19 % sehr typisch.
Mit 31 % stellen die jungen Zweirad-Fahrer zwischen 15 und 20 Jahren die größte Gruppe. Wider Erwarten sind allerdings auch ältere Fahrer zwischen 40 und 70 Jahren mit 48 % sehr häufig anzutreffen. Die Unfälle finden typischerweise innerorts, wochentags und am Nachmittag (12-18 Uhr) auf trockener Fahrbahn statt. Dabei trugen die Fahrer der Zweiräder bis auf einen Integralhelm überwiegend keine weitere Schutzkleidung.
Verkehrskontrollen
Bei den durchgeführten Verkehrskontrollen wurden 129 Fahrzeuge und ihre Fahrer überprüft. Dominante Erkenntnis ist, dass in ca. 50 % unzulässige Manipulationen an den Fahrzeugen vorlagen. In der Mehrzahl waren dies leistungs- und geschwindigkeitserhöhende Maßnahmen, gefolgt von Licht und Spiegel sowie Höherlegungen.
Crashtest
Ein aktueller Crashtest zeigt, wie schwerwiegend eine Kollision mit einem Pkw für einen Rollerfahrer verlaufen kann. Bei dem durchgeführten Versuch wird eine typische Linksabbiegesituation des Pkw abgebildet, der den entgegenkommenden Zweiradfahrer übersieht. Dieser wiederum ist mit deutlich mehr als der bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h unterwegs. Das Mofa kollidiert mit 55 km/h mit der Seite des Pkw. Anhand der Belastungswerte des Dummys kann davon ausgegangen werden, dass ein Fahrer durch diesen Unfall wahrscheinlich getötet worden wäre.
Schutzbekleidung und Verkehrssicherheit
Je höher die Geschwindigkeit desto höher das Unfallrisiko: Schon bei 20 km/h besteht eine erhebliche Verletzungsgefahr - gerade bei fehlender Fahrpraxis und nicht ausreichender Schutzkleidung, warnt der ACE. Der ACE rät vehement davon ab, ohne Schutzkleidung Roller oder Moped zu fahren. Wer spontan mit kurzer Hose und T-Shirt ein Kleinkraftrad nutzt, begibt sich in Lebensgefahr. Zudem besteht beim Fahren von Kleinkrafträdern eine Helmpflicht. Zusätzlich ist aus Sicht des ACE im Sinne der Verkehrssicherheit eine angemessene Bekleidung beim Fahren von Kleinkrafträdern notwendig. Diese schützt bei einem Sturz und sorgt in der Dunkelheit bestenfalls auch für eine bessere Sichtbarkeit. Wer zum ersten Mal fährt, sollte - mit Helm und Schutzkleidung - in einem geschützten Bereich ein paar Übungsrunden drehen. Tipp: Pullover und Jeans sind nicht ausreichend. Neben schwerer Schutzkleidung für schnellere Motorräder gibt es aber auch etwas leichtere Bekleidung, die sich für den Einsatz auf dem Roller eignen.
Im Jahr 2015 ereigneten sich insgesamt 3.475 tödliche Unfälle. Gemäß Statistik ist diese Zahl damit das zweite Jahr in Folge angestiegen, dieses Mal um 2,9 Prozent. 1970 wurden insgesamt 21.000 Verkehrstote in Deutschland verzeichnet.
Die hohen Unfallzahlen in Deutschland sind statistisch gesehen im Jahr 2015 zumindest teilweise auf die Wetterverhältnisse zurückzuführen. Da der Winter sehr mild war und darauf zudem ein sehr regenarmer und warmer Frühling folgte, wiegten sich scheinbar einige Kraftfahrer in Sicherheit und waren zu schnell unterwegs.
Forderungen zur Verbesserung der Sicherheit
Die Unfallforschung der Versicherer fordert:
- Das Tuning muss deutlich erschwert werden. Sowohl hinsichtlich der mechanischen als auch der elektronischen Maßnahmen.
- Nach Unfällen mit Mofas und Mopeds sollte regelmäßig auf Tuning und den technischen Zustand des Fahrzeugs untersucht werden.
- Die bestehenden Gesetze müssen konsequent angewandt werden.
Vorsicht bei Fahrten im Ausland
Gerade auf unbekanntem Terrain, auf engen Straßen oder bei unübersichtlichem Verkehrsgeschehen besteht erhöhte Sturzgefahr. Auch können die Fahrgepflogenheiten im Ausland andere sein, sodass besondere Achtsamkeit erforderlich ist. In jedem Land gelten zudem unterschiedliche Verkehrsregeln, die es zu kennen gilt - auch speziell für Kleinkrafträder. So ist in Griechenland zum Beispiel ein absolutes Alkoholverbot zu beachten, ebenso wie niedrigere Höchstgeschwindigkeiten: Obwohl Kleinkrafträder in der Regel maximal 45 km/h fahren, sind hier innerorts üblicherweise nur 40 km/h erlaubt.
Hinweis: Da das Fahrzeug technisch gesehen erheblich schneller fahren könnte, wird die mögliche Höchstgeschwindigkeit vor dem Kauf gedrosselt. Eine solche Drosselung kann bei manchen Mietfahrzeugen manipuliert sein, sodass höhere Geschwindigkeiten möglich, aber keineswegs erlaubt sind und die Verletzungsgefahr erhöhen.
| Jahr | Getötete Mofa- und Mopedfahrer | Schwerverletzte | Leichtverletzte |
|---|---|---|---|
| 2010 | 67 | 3.443 | 14.043 |
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