Moped Zylinder wechseln – Eine ausführliche Anleitung

Wer an seinem Mofa oder Moped mehr Hubraum braucht oder aber einfach der Zahn der Zeit zu sehr genagt hat, der muss früher oder später seinen Zylinder ausbauen und tauschen. Doch wie verbaut man einen Tuning Zylinder beim Mofa?

Das ist eigentlich immer ähnlich und wir erklären euch in dieser Anleitung Schritt für Schritt wie das geht und auf was ihr unbedingt achten müsst.

Wie man den Zylinder beim Mofa ganz einfach ausbaut, erklären wir euch in dieser Anleitung. Dabei ist es egal ob Piaggio Ciao, Hercules Prima oder Puch Maxi. Der Ausbau des Zylinders ist eigentlich bei allen Marken und Modellen gleich oder zumindest ähnlich.

Aus diesem Grunde sollte dir diese Anleitung bei allen Motoren weiterhelfen können.

Vorbereitung

Zunächst braucht ihr natürlich einen passenden Tuning Zylinder für euer Mofa. Hier kommt es ganz auf die Marke an. Neben deinem Tuning Zylinder brauchst du natürlich auch den passenden Kolben, diesen gibt es normalerweise immer direkt beim Kauf mit dabei.

Auch einen Tuning Zylinderkopf solltest du verbauen, wenn du die maximale Leistung herausholen möchtest. Dies ist aber natürlich kein Muss. Dichtungen etc. sollten ebenfalls bei deinem neuen Zylinder mit dabei sein. Hast du alles beisammen kann es schon losgehen.

Zuerst solltet ihr euch einen möglichst sauberen Platz zum Schrauben aussuchen. Essentiell für einen erfolgreichen Umbau auf einen Tuningzylinder ist außerdem das richtige Werkzeug. Ihr solltet euch auf jeden Fall einen Ratschenkasten sowie diverse Ringschlüssel und Zangen bereitlegen.

Gerade eine Spitzzange ist sehr wichtig. Dann ist es sinnvoll, wenn ihr euch eine saubere Box für Kleinteile und Schrauben sucht. Außerdem werdet ihr noch einen Behälter für euer Kühlwasser benötigen. Am besten etwas großes Flaches.

Ausbau des Motors und Reinigung

Um vernünftig arbeiten zu können, solltest du als aller erstes den Motor ausbauen. Zwar geht es bei einigen Modellen auch mit verbautem Motor, allerdings sollte man das nur mit etwas Erfahrung machen.

Zu aller erst solltest du den Motor ausbauen. Hast du den Motor ausgebaut, solltest du ihn zunächst reinigen. Des beugt nicht nur Verschleiß vor sondern sorgt vor allem dafür, dass kein Dreck in den Motor fällt, sobald du den Zylinder abnimmst. Besonderes Augenmerk solltest du deshalb auf den Bereich um den Zylinder legen.

Ist der Motor ausgebaut und alle Kabel und Züge entfernt, ist es mehr als ratsam, den Motor zunächst grob zu säubern. So gelangt bei deinen Arbeiten kein Dreck in das Kurbelgehäuse. Zum sauber machen kannst du einfach warmes Wasser mit Spülmittel und Bremsenreiniger oder altes Gemisch nutzen.

Ist alles sauber, kann es auch schon losgehen.

Du solltest dir eventuell Hilfe holen, bzw. dafür sorgen, dass der Motor fest steht und du ihn gut im Griff hast. Das hat den Grund, dass nun die Zylinderkopfmuttern entfernt werden. Diese sitzen durch die thermische Belastung oft recht fest.

Demontage des Zylinders

Lasst zuerst das Kühlwasser aus eurem Motor ab. Sucht euch dazu den tiefsten Punkt am Kühlkreislauf eures Mopeds (in der Regel ist das die Wasserpumpe). Demontiert die Schläuche und lasst das Kühlwasser in einen sauberen Behälter abfließen. Wenn ihr keinen Dreck im Wasser habt, könnt ihr es sogar wieder verwenden.

Nun könnt ihr das Wasser langsam abtropfen lassen und euch anderen Dingen widmen. Demontiert möglichst alles was euch irgendwie behindern könnte um den Zylinder vom Block zu entfernen. Oft ist es sinnvoll, den ganzen Motor auszubauen.

Wenn ihr nun gut an den Zylinder herankommt, nehmt euch einen für die Zylinderkopfmuttern passenden Schlüssel oder eine Ratsche mit passender Nuss.

Vorher solltet ihr jedoch noch die Zündkerze ausbauen, wenn ihr diese weiterverwenden wollt. Löst nun die Muttern des Zylinderkopfes und zieht den Zylinderkopf ab.

Hast du die Zylinderkopfmuttern gelöst, kannst du auch schon den Zylinderkopf abnehmen. Auch dieser sitzt schon mal etwas fester. Dies liegt vor allem an der Dichtung bzw. Dichtpaste. Aber keine Panik, mit einem weichen Gegenstand, z.B. aus Plastik kannst du zur Not nachhelfen und den Kopf vorsichtig runter hebeln.

Am besten beginnst du damit, die Zylinderkopfschrauben zu entfernen. Sind diese gelöst und entfernt, kannst du auch schon den Zylinderkopf abnehmen. Der Zylinderkopf sitzt schon mal etwas fester, falls du z.B. Dichtmasse verwendet hast, oder der Zylinder lange nicht mehr demontiert wurde. Dann einfach ganz vorsichtig mit einem Schraubenzieher aufhebeln. Aber Vorsicht, die Kühlrippen sind sehr empfindlich.

Nachdem der Kopf abgenommen ist, solltest du die Fläche nochmals reinigen und aufpassen, dass kein Dreck in den Zylinder fällt.

Nun könnt ihr bereits auf den Kolben gucken. Jetzt kann der Zylinder abgenommen werden; wenn er schwer abgeht, könnt ihr den Motor vorsichtig mit dem Kickstarter durchdrehen, so löst sich der Zylinder von der Dichtung. Nun habt ihr freie Sicht auf den Kolben und das Pleuel.

Jetzt ist es so weit. Du kannst den Zylinder vorsichtig abnehmen. Manchmal können sich auch die Stehbolzen mit rausdrehen. Das ist aber kein Problem. Diese kannst du später einfach wieder reinschrauben.

Danach unbedingt das Kurbelgehäuse mit einem Tuch verschließen, damit dort kein Dreck eintreten kann. Auch die alten Dichtungen und deren Reste solltest du unbedingt entfernen.

Kolben demontieren

Vergewissert euch, ob im Lieferumfang des neuen Zylinders Stehbolzen enthalten sind. Sind welche dabei, könnt ihr die Alten abschrauben. Am besten geht das, wenn ihr zwei Muttern über die Gewinde dreht, diese fest gegeneinander kontert und dann an einer der Muttern dreht. Der Stehbolzen sollte sich nun mitdrehen.

Jetzt könnt ihr den Kolben vom Pleuel lösen. Legt als erstes die Kurbelwellenkammer mit einem sauberen Tuch aus. So kann euch der Clip des Kolbenbolzens nicht ins Motorgehäuse verschwinden. Den Clip löst ihr am besten mit einer Spitz- oder Seegerringzange, je nach dem welche Art von Clip verbaut ist. Es reicht aus, wenn ihr nur einen der beiden Clips entfernt. Der Kolbenbolzen lässt sich unter Umständen nur sehr schwer entfernen. Am besten nehmt Ihr euch hier einen Fön um den Kolben zu erhitzen. Dieser dehnt sich durch die Hitze weiter aus als der Bolzen. Der Bolzen sollte sich dann ganz leicht ausdrücken lassen.

Benutzt möglichst keinen Hammer oder ähnliche Methoden um den Bolzen herauszubekommen! Durch die Schläge könnte das Pleuel verbogen werden oder auch das Pleuellager einen Schaden nehmen!

Reinigt nun noch die Dichtfläche des Motorblocks von Rückständen der alten Dichtung. Das geht mit einem scharfen Messer sehr gut.

Einbau des neuen Zylinders

Nun geht es schon wieder an den Einbau, wechselt nach Möglichkeit immer das Kolbenbolzenlager mit. Montiert die Kolbenringe auf den neuen Kolben. Seid jedoch vorsichtig! Die Kolbenringe brechen sehr leicht.

Nun könnt Ihr den Kolben wieder auf das Pleuel setzen. Achtet auf die Einbaurichtung des Kolbens. Der Pfeil auf dem Kolben muss immer in Richtung des Zylinderauslasses zeigen. Sollte auch hier der Bolzen schwer gehen, könnt ihr wieder den Trick mit dem Fön anwenden. Anschließend müsst ihr noch die Clips einsetzen. Das kann etwas knifflig werden, ist jedoch zu schaffen. Vergewissert euch, dass die Clips zu 100% richtig sitzen!

Setzt die neue Dichtung auf den Motorblock. Jetzt seid ihr bereits soweit den Zylinder wieder einzubauen. Schmiert die Laufbahn und den Kolben vorher mit etwas 2-Takt Öl ein. Achtet auf die Einbaurichtung der Kolbenringe. Dann könnt ihr den Zylinder einfach drüberschieben.

Tipp: Wenn du wirklich die maximale Leistung aus deinem Motor holen möchtest, solltest du dessen Überströmer an den Zylinder anpassen.

Auch den neuen Kolben kannst du direkt verbauen. Es lohnt sich ab und zu auch, die Stehbolzen zu tauschen. Gerade die Gewinde der Nachbaustehbolzen sind zum Teil eine Schwachstelle. Auch die Kosten sind hier überschaubar.

Jetzt ist es soweit, nachdem du die Zylinderfußdichtung aufgesetzt hast, kann der neue Zylinder aufgesetzt werden. Dann flutscht der Kolben besser und man macht sich nicht direkt die Lauffläche des Zylinders kaputt. Hast du den Zylinder nun aufgeschoben, kannst du die Zylinderkopfdichtung aufsetzen und auch den Zylinderkopf.

Wenn ihr Zylinder , Dichtung und Kolben ordnungsgemäß verbaut habt, könnt ihr den Zylinderkopf samt Dichtung auf den Zylinder stecken.

Ist dies erledigt, muss nur noch der Zylinderkopf festgezogen werden. Das passende Drehmoment findest du im Handbuch. Dieses sollte auch unbedingt beachtet werden. Die Muttern immer überkreuz anziehen.

Zieht die Schrauben des Zylinderkopfes vorsichtig über Kreuz an. Die Grundschritte sind damit geschafft. Der Zylinder sitzt!

Abschlussarbeiten

Abschließend musst du nur noch den Motor wieder verbauen und deinen Vergaser neu abstimmen. Auch dein restliches Setup sollte auf den neuen Zylinder angepasst sein. Der größte Zylinder bringt dir nichts, wenn dein Vergaser weiterhin wenig Brennstoff liefert.

Einfahren des neuen Zylinders

Wichtig ist auch noch, dass du deinen Zylinder einfährst und ihn nicht direkt der vollen Belastung aussetzt. Ein Zylinder muss die ersten 500 km eingefahren werden. Während dieser Zeit schleifen sich die Kolbenringe ein.

  • 0-100 km: Ihr sollte nur im ersten Drittel des Drehzahlbandes fahren. Keine Vollgasschübe verwenden und mit etwas mehr Öl im Gemisch als üblich fahren.
  • 100-250km: Nun könnt ihr bereits bis zum oberen Drittel der Drehzahl gehen. Zusätzliches Öl ist nicht nötig.
  • 250-400km: Jetzt könnt ihr dem Motor bereits vereinzelte Vollgasschübe geben. Dreht den Motor jedoch nie voll aus!
  • 400-500km: Bei den letzen 100km kann der Zylinder schon normal gefahren werden.

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