Ein Motorradhelm ist kein Zubehör, das man mal eben im Vorbeigehen kauft, sondern ein Lebensretter, der bei einem Unfall Kopf und Gehirn vor schweren oder tödlichen Verletzungen schützen kann. Der ideale Helm bietet aber nicht nur Sicherheit, sondern erfüllt auch alle anderen Aspekte, die Motorradfahrerinnen und -fahrern wichtig sind.
Was ist ein Klapphelm und welche Vorteile bietet er?
Bei geschlossenen Motorradhelmen unterscheidet man zwischen dem klassischen Integralhelm und der Unterart des Klapphelms. Integralhelme verfügen über ein festes Kinnteil, was Abstriche in der Flexibilität bedeutet. Klapphelme haben eine bewegliche Kinnpartie, die sich nach oben öffnen lässt.
Das ermöglicht einfaches Luftschnappen in den Fahrpausen und erleichtert es, den Kinnriemen zu öffnen sowie eine Brille an- und auszuziehen. Letztlich ist bei der Entscheidung für eine Bauform also wichtig, wie viel Wert man auf Komfort legt. Deshalb sind Klapphelme auch besonders für lange Touren empfehlenswert.
Vor allem Brillenträgerinnen- und träger schätzen Klapphelme, weil sie ihre Sehhilfe nicht immer umständlich ab- und aufsetzen müssen. Kleine Nachteile von Motorrad-Klapphelmen sind das etwas höhere Gewicht, tendenziell höhere Windgeräusche und der meist höhere Preis.
Zu beachten ist allerdings, dass in Deutschland nicht mit hochgeklapptem Kinnteil gefahren werden darf - außer es lässt sich komplett nach hinten klappen oder abnehmen und der Helm ist zusätzlich als Jethelm eingetragen.
Welche Nachteile hat ein Klapphelm?
Die Nachteile des Klapphelms im Vergleich zum Integralhelm sind vor allem die schlechtere Geräuschdämmung, das höhere Gewicht und die tendenziell geringere Sicherheit. Zwar schützen auch moderne Klapphelme den Kopf einwandfrei - deutlich mehr zum Beispiel als Jethelme - allerdings ist das bewegliche Kinnteil bei einem Unfall eine strukturelle Schwachstelle.
Klapphelm-Modelle in der Übersicht
Im Folgenden ist eine Übersicht von Klapphelm-Modellen aus verschiedenen Preissegmenten zu finden, die allesamt auch über ein integriertes Sonnenvisier verfügen:
- Shoei Neotec Klapphelm: Hightech im schlichten schwarzen Design bietet der Neotec 2. Der Polycarbonat-Helm ist zwar preislich im oberen Segment angesiedelt, kommt aber dafür auch vom anerkannten Premium-Hersteller Shoei aus Japan.
- HJC i91: Der HJC i91 repräsentiert in diesem Vergleich die Mittelklasse.
- Origine Motorradhelm Klapphelm Integralhelm: Etwas günstiger ist der Origine-Klapphelm. Sein Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu vielen anderen Konkurrenten ist das integrierte Bluetooth-System, mit dem sich während der Fahrt kommunizieren lässt.
Wie findet man die richtige Motorradhelm-Größe?
Besonders, wenn man sich online nach einem neuen Motorradhelm erkundigt, ist es wichtig, vorher die richtige Größe zu ermitteln. So wird sichergestellt, dass das gewählte Produkt gut sitzt und ausreichend Schutz bietet.
Folgende Schritte werden bei der Online-Suche hilfreich sein:
- Vermessen des Kopfumfangs: Das Maßband etwa 2,5 cm oberhalb der Augenbrauen und Ohren einmal um den Kopf legen und Wert notieren.
- Vergleich mit der Herstellertabelle: Den gemessenen Wert mit der herstellerspezifischen Größentabelle zum passenden Helmmodell abgleichen.
- Kundenbewertungen lesen: Hier erfährt man, ob das gewählte Produkt größer oder kleiner ausfällt.
- Passform prüfen: Den gelieferten Helm aufsetzen und sanft nach vorne und hinten bewegen. Er sollte sich nicht bewegen lassen oder rutschen. Auch der Kinngurt sollte so einstellbar sein, dass er gut sitzt, aber nicht unangenehm ist.
Klapphelme im Test: Ergebnisse und Empfehlungen
Rechtzeitig zum Beginn der Motorradsaison hat die Zeitschrift "Motorrad" zwölf aktuelle Klapphelme getestet (Heft 11/2024). Die Ergebnisse im Detail:
- Keine Probleme bei der Schlagfestigkeit
- Deutliche Unterschiede beim Geräuschniveau
- Testsieger überzeugt bei Komfort und Handhabung
Test Motorradhelme: Ergebnis im Überblick
Fünf Klapphelme schneiden im Motorrad-Gesamturteil jeweils mit gut oder sehr gut ab. Zwei Modelle erhalten nur die Note befriedigend. Schlusslicht im Test ist der Harley-Davidson Evo X17 Sunshield Modular, der vor allem beim Gewicht und bei der Akustik Federn - oder besser Punkte - lassen musste. In Sachen Schlagdämpfung bieten jedoch auch die beiden letztplatzierten Helme noch ordentlichen bis sehr guten Schutz.
| Modell | Preis in Euro | Urteil Motorrad |
|---|---|---|
| Schuberth C5 | ab 699,00 | Sehr gut |
| Shoei Neotec 3 | ab 669,00 | Sehr gut |
| Nolan N100-6 | ab 399,99 | Sehr gut |
| LS2 FF901 Advant X Carbon | ab 469,00 | Sehr gut |
| HJC RPHA 91 Carbon | 699,90 | Sehr gut |
| BMW System 7 Carbon Evo | ab 710,00 | Gut |
| AGV Tourmodular | ab 549,95 | Gut |
| Germot GM 970 | 159,90 | Gut |
| Airoh Specktre | ab 259,99 | Gut |
| MTR K-4 Evo | ab 99,99 | Gut |
| Rocc 810 | ab 189,95 | Befriedigend |
| Harley-D. Evo X17 Sunshield Modular | 383,00 | Befriedigend |
Zum Sieger kürten die Tester den Klapphelm C5 von Schuberth. Der C5 überzeugte vor allem durch sehr gute Brillentauglichkeit, gute Passform und sehr komfortable und einfache Bedienung.
Den Beweis, dass ausreichender Schutz nicht teuer sein muss, lieferte unter anderem der MTR K-4 Evo.
Neue Helmrichtlinie ECE 22.06
Die alte Prüfnorm ECE-R 22.05 wurde ersetzt, und seit Juni 2022 werden nur noch 06er-Genehmigungen erteilt. Diese enthalten auch die P/J-Norm, die für eine Freigabe des Helms als Integral- und auch als Jethelm steht, also für das "legale" Fahren mit geöffnetem Kinnteil.
Zu finden sind die Genehmigungen und die Norm, nach der sie erteilt wurden, auf dem meist am Kinnriemen angebrachten Prüfnorm-Label nebst zugehöriger Prüfnummer. Beginnt die Nummer mit 05, handelt es sich um einen nach alter Norm geprüften Helm. Fängt sie mit den Ziffern 06 an, bedeutet das "neue und aktuelle Norm".
Eine wesentliche Verbesserung für die Durchführung von Helmtests ist der deutlich größere Helmschalenbereich, in dem nun geprüft werden darf. Eine gezielte Versteifung von Konstruktionspunkten bei Motorradhelmen analog zu klar definierten Prüfpunkten ist somit praktisch unmöglich geworden. Salopp ausgedrückt müssen Motorradhelme nun "überall" sicher sein und eine der Norm entsprechende Schlagfestigkeit aufweisen.
Wichtiger Hinweis für die Pflichtkennzeichnung von ECE-Motorradhelmen: Auf dem Prüflabel muss nicht "ECE" oder "ECE-R 22" stehen.
Helmpflicht und ihre Hintergründe
Selbst auf dem Mofa muss man seit 1985 einen Helm tragen. Und seit August 1980 wird eine Zuwiderhandlung zudem mit Verwarnungsgeld geahndet.
Weil aber in der Anfangszeit der Helmpflicht einige Motorradfahrerinnen und -fahrer sehr kreative Ideen zeigten, was denn ein Helm sei, reagierte der Gesetzgeber: Seit 2006 steht im Paragraph 21a der Straßenverkehrsordnung (StVO), dass Fahrer und Mitfahrer von Krafträdern mit Höchstgeschwindigkeit über 20 km/h einen "geeigneten Schutzhelm" tragen müssen.
Damit ist also das Benutzen von Arbeits-, Feuerwehr- oder Militärhelmen ohne ausreichende Schutzwirkung untersagt. Wer mit solchen "Schüsseln" erwischt wird, muss nicht nur mit Bußgeld rechnen: Versicherungen können nach einem Unfall sogar Leistungen verringern, selbst wenn der Motorradfahrer bzw. die Motorradfahrerin den Unfall nicht verursacht hat.
Nach Unfall: Motorradhelm richtig abnehmen
Für viele ist es eine unangenehme Situation: Als Erster am Unfallort zu sein und möglicherweise einen schwerverletzten Motorradfahrer vorzufinden. Mit Klapphelmen ist die Erstversorgung oft leichter, weil man nur die Klappe öffnen muss.
Sicherheit und Komfort: Die wichtigsten Aspekte beim Klapphelm
Die Sicherheit des Klapphelms ist von großer Bedeutung für jeden Motorradfahrer. Hersteller von Klapphelmen setzen auf hochwertige Materialien und eine stabile Konstruktion, um maximale Sicherheit zu gewährleisten. Außerdem bieten Klapphelme, zumindest aufgeklappt, ein größeres Sichtfeld als andere Helme, was die Reaktionsfähigkeit des Fahrers verbessert.
Neben der Sicherheit spielt auch der Komfort bei der Wahl eines Motorradhelms eine wichtige Rolle. Klapphelme sind oft mit speziellen Funktionen ausgestattet, die den Tragekomfort erhöhen. So verfügen viele Modelle über ein integriertes Sonnenvisier oder eine Belüftung, die für eine angenehme Luftzirkulation sorgt.
Die Innenpolster eines Klapphelms sorgen dafür, dass die Kopfform ausgeglichen wird und der Kopf rundum gut im Helm sitzt.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten:
- Prüfsiegel: ECE-Norm 22.05 muss vorhanden sein; das Label der europäischen Verordnung stellt sicher, dass der Helm auf Belastbarkeit des Kinnriemens, Haltbarkeit und Stoßdämpfung geprüft ist. Prüfsiegel sind meist am oder im Helm zu finden.
- Hygiene: Um nach schweißtreibenden Fahrten auch im Helm-Inneren für einen frischen Kopf zu sorgen, sollte das Innenfutter herausnehmbar und waschbar sein.
- Gewicht: Da vor allem bei längeren Fahrten der Kopf und Hals-Nacken-Bereich beansprucht wird, sollte der Helm nicht zu schwer sein. Tipp: Mittels des Werkstoffs Carbon verringert sich das Gewicht im Vergleich zu Helmen aus Fiberglas, Thermoplaste oder Polycarbonat.
- Features: Einige Hersteller haben ihre Helme mit einer Vorrichtung für ein Kommunikationssystem versehen. Damit bleiben Sie bei Gruppenfahrten immer im Kontakt mit dem Sozius oder anderen Bikern.
Zusätzliche Ausstattungsmöglichkeiten
Viele Helme haben einen Pinlock-Visiereinsatz, der durch ein zusätzlich angebrachten innen liegendes Visier das Beschlagen minimiert und so die Sicht des Fahrers, besonders bei widrigen Wetterverhältnissen verbessert. Zusätzlich ist häufig eine klappbare Sonnenblende verbaut.
Wer während des Motorradfahrens mit Mitfahrern, einem Navi oder dem Handy verbunden bleiben will, setzt häufig auf ein Kommunikationssystem. Vielfach ist der Einbau durch eingelassene Mulden für Lautsprecher, Kabel und das Mikrofon bereits vorbereitet.
Die Bedeutung von Gehörschutz
Unabhängig vom gewählten Helmtyp und dessen Geräuschdämmung ist das Tragen von Gehörschutz beim Motorradfahren dringend zu empfehlen. Lärmbelastungen können das Gehör dauerhaft schädigen. Ohrstöpsel können hier Abhilfe schaffen und das Fahrerlebnis deutlich angenehmer gestalten.
Ich kann dir z.B. sagen dass meine Apple Watch heute 98 Decibel im Durchschnitt und 113 Decibel im Höchstwert gemessen hat. Und die liegt unter Jacke, Regenlayer, Midlayer, Baselayer, Handschuh-Stulpe. Da wird beim Helm vermutlich vergleichbares durchkommen, vor allem da meine AT ja Handschützer hat, die den direkten Wind nicht an die Handgelenke lässt und der Helm i.d.R. im Wind liegt.
Laut Apples Empfehlung* hält das Gehör die 113 Decibel keine 2 Minuten ohne Schäden aus. Die 98 im Schnitt für ca. 30Minuten. Ich saß ca. 7 Stunden auf dem Bock.
Leute! Tragt guten(!) Gehörschutz. Damit kannste dann den Helm fahren der dir gut passt und nicht der am leisesten im Test ist somal diese Tests auch nur bedingt aussagekräftig sind.
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