Maximale Schräglage beim Motorradfahren: Ein umfassender Überblick

Das Durchfahren von Kurven in Schräglage ist sicherlich das Reizvollste beim Motorradfahren und macht es zu einem einzigartigen Erlebnis. Wenn der Horizont langsam kippt :Die Schräglage ist vermutlich das bestimmende Element des Motoradfahrens, Gegenstand von Stammtischdebatten, Heldengeschichten und Mutbeweisen.

Die gefahrene Schräglage resultiert - und jetzt wird es etwas kompliziert - aus einem Gleichgewicht zwischen im Schwerpunkt angreifender Fliehkraft und wirkender Schwerkraft. Fährst Du in eine Kurve hinein, entsteht eine Fliehkraft, die Dich aus der Kurve ziehen will und Du würdest die Fahrbahn verlassen, wenn Du der Fliehkraft nichts entgegen setzen kannst. Je schneller wir fahren, desto mehr Schräglage ist also für eine Kurve nötig. Dem entgegen wirkt der Rollwiderstand am Vorderrad, denn er wirkt kurveneindrehend, weshalb die Maschine zum Aufrichten tendiert; ein Effekt, den man besonders dann spürt, wenn man in Schräglage vorn bremst.

Du musst also in Schräglage gehen, damit die Erdanziehung die Fliehkraft ausgleichen kann. Die Schräglage ist abhängig vom Kurvenradius und der Geschwindigkeit des Motorrads. Wir stellen - meist unbewusst - beim Fahren ein Gleichgewicht zwischen den beiden Kräften her (Resultierende). Also: die Fliehkraft zieht Dich nach außen, die Schwerkraft nach unten.

Einflussfaktoren auf die Schräglage

Die maximale Schräglage, die ein Motorradfahrer erreichen kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Fahrtechnik: Techniken wie „Drücken“, „Legen“ und besonders „Hang Off“ haben unterschiedliche Auswirkungen auf die erreichbare Schräglage.
  • Reifentyp: Mit einem Sportreifen der gängigen Größe, angewärmt und bei griffigem Asphalt dürften 50 Grad möglich sein. Moderne Gummimischungen garantieren auch bei niedrigen Temperaturen eine sichere Radführung.
  • Straßenbedingungen: Auf Landstraßen kann der Grip im Frühjahr besser sein als im Herbst, weil über den Winter die kleinen Wassereinschlüsse in der Straßenoberfläche, speziell in den runden Steinchen, durch den Frost aufbrechen und feine Spitzen ausbilden.
  • Motorradmodell: Mit heutigen Motorrädern und deren Bereifung sind bei griffiger Fahrbahn Schräglagen von 45 ° und mehr möglich.

Die Rolle der Reifen

Eine wichtige Rolle kommt den Reifen zu. Je breiter sie sind, desto mehr Schräglage braucht ein Motorrad in der Kurve, denn mit zunehmender Breite wandert die Aufstandsfläche der Reifen in Richtung Kurveninneres. Die Grafiken oben verdeutlichen, wie stark sich die nötige Schräglage für die gleiche Kurve dadurch verändert. In diesem Zusammenhang wird leicht nachvollziehbar, dass zu geringer Luftdruck sich insbesondere bei Kurvenfahrten negativ auswirkt.

Ein 180er-Sportreifen hat in 48 Grad Schräglage noch etwa 38 cm² Kontaktfläche zur Straße. Die Reifenaufstandsfläche, der sogenannte Latsch (rot), stellt den Kontakt zwischen Straße und Motorrad her. Die Skizze zeigt einen 180er-Sportreifen mit spitzer Reifenkontur in 48 Grad Schräglage.

Asphaltstrukturen unter der Lupe

Rau ist nicht gleich rau. Auf die Tiefe der Rauigkeiten im Asphalt kommt es entscheidend an. Die sogenannte Mikrorauigkeit, deren Rautiefe zwischen 0,001 und 0,1 Millimetern liegt, verbessert die Haftung speziell bei Nässe entscheidend. Die Makrorauigkeit hingegen hat eine Tiefe zwischen 0,1 und 10 Millimetern und verbessert vor allem die grobe Verzahnung zwischen Reifen und Asphalt bei trockener Straße.

Schräglagenscheu überwinden

Wenn man das aber nicht beherrscht, kann es schnell sehr gefährlich für werden. Der Fahrer gerät aber nur deshalb in solche lebensgefährliche Situationen, weil er nicht in der Lage ist, seine Schräglage zu vergrößern. Er ist schlicht und einfach nicht in der Lage, seine Schräglage zu vergrößern, weil er seine persönliche Schräglagengrenze erreicht ist. Hier hilft nur eines: die Schräglagenscheu muss abgebaut werden. Üben kann man das unter Anleitung bei einem Sicherheitstraining, wie es z.B.

Schräglagenangst kann besonders in Notsituationen kritisch sein. Die Fähigkeit, schnell und sicher eine höhere Schräglage einzunehmen, kann entscheidend sein, um einem Hindernis auszuweichen. Nicht jeder Fahrer kann diese Fähigkeit in einer Notsituation abrufen, was die Bedeutung regelmäßigen Trainings und der Beherrschung verschiedener Fahrtechniken unterstreicht.

Grenzen der Schräglage

Dieser Bereich wird aber oft vor Erreichen der Haftgrenze durch Aufsetzen bestimmter Bauteile (Hauptständer, Fußrasten, Auspuff) begrenzt. Die begrenzende Rolle von Angst und Fahrpraxis sollte nicht unterschätzt werden. Ist das wirklich so ? Normalerweise führen doch zu große Schräglagen zu einem Sturz!

Die Sache mit dem Angststreifen

Der Angststreifen offenbart die maximale Schräglage, die ein Fahrer erreicht hat. Letztlich ist der Angststreifen weniger ein Makel als vielmehr ein Zeichen dafür, dass noch Potenzial für die Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten besteht. Er mahnt zur Vorsicht, ohne die Freude am Fahren zu schmälern.

Schräglage verschiedener Motorradtypen

Die folgende Tabelle zeigt die maximalen Schräglagen, die mit verschiedenen Motorradtypen erreicht wurden:

Motorradtyp Fahrstil Fahrzeugschräglage Kombinierte Schräglage
Husqvarna 701 Aufrecht sitzend 47 Grad 47 Grad
Husqvarna 701 Drücken 57 Grad 51 Grad
Ducati Diavel Hanging-off 41 Grad -
Honda Fireblade Hanging-off 48 Grad 51 Grad

Tipps zur Verbesserung der Schräglage

  • Fahrtraining: Ein gezieltes Fahrtraining unter qualifizierter Anleitung kann sinnvoll sein, bei dem man ein Gefühl dafür bekomme, wo die eigene Schräglagenschwelle liege.
  • Langsam rantasten: Um seine Grenzen zu verschieben, muss man sich langsam an sie rantasten.
  • Blickführung: Die Blickführung ist das A und O... die richtige Schräglage stellt sich bei guter Blickführung automatisch ein.

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