Geschwindigkeit ist alles - zumindest, wenn es um Motorräder geht. Auch wenn die Bikes werksseitig bereits einiges an Leistung mitbringen, kann etwas mehr Tempo natürlich nicht schaden. Planen Sie ein Motorrad-Tuning? Mehr Leistung, individuelles Design oder ausgefallenes Zubehör - möchten Sie Ihr Bike ganz nach Ihren Wünschen gestalten?
Motorrad-Tuning: Was ist erlaubt zur Steigerung der Leistung?
Das wichtigste Stichwort lautet: Chiptuning. Bei modernen Motorrädern wird die gesamte Leistung durch Software gesteuert. Diese regelt jedes noch so kleine Detail der Bordelektronik. Für ein Chiptuning wird die Software auf den Steuergeräten extern verändert oder vollständig überspielt.
So lassen sich einzelne Leistungsparameter verändern, beispielsweise:
- die Dauer der Zündungsphase
- die Höhe der Einspritzmenge
- das Drehmoment
Aber Achtung: Nicht alles, was möglich ist, ist auch erlaubt. Lassen Sie das Motorrad-Tuning am besten von einem Fachmann durchführen. Fragen Sie vorab nach, ob ein TÜV-Gutachten vorliegt, mit dem Sie Ihr Chiptuning eintragen lassen können. Andernfalls benötigen Sie ein teures Einzelgutachten, wenn Sie nicht den Verlust der Allgemeinen Betriebserlaubnis (ABE) Ihres Motorrads riskieren wollen.
Zusatzsteuergeräte sind ein sehr gutes Mittel, um aus einem Serienbike noch mehr PS herauszukitzeln. Alternativ zu Power Commander und Co. ist auch beim Motorrad Chip-Tuning möglich - sofern man ins Steuergerät eingreifen kann.
Die Kosten reichen von zirka 250 Euro für das „Flashen“ der Serienelektronik bis weit über 1000 Euro für Steuergeräte mit Traktionskontrolle und optimaler Abstimmung durch einen Profi. Wichtig: Die Betriebserlaubnis erlischt bei solchen Eingriffen sofort.
Auspuff des Motorrads umbauen - was ist erlaubt?
Ein Sportauspuff bringt nicht nur einen wirklich sportlichen Sound mit sich, sondern zielt vorrangig auf eine Leistungssteigerung ab. Möglich sind unter anderem diese Umbauten am Auspuff des Motorrads:
- Montage einer Auspuffblende, um das vorhandene Endrohr optisch zu verändern
- Anschweißen eines anderen Austauschendrohrs
- Einbau eines Sportauspuffs zur Leistungssteigerung und Optimierung des Sounds
- Anbohren des Endrohrs zur Steigerung der Lautstärke
- Ausbau des Katalysators und Ersatz durch eine Attrappe
Informieren Sie sich immer vorab, was im Motorrad-Tuning erlaubt ist. So ist es etwa verboten, den Katalysator auszubauen. Dasselbe gilt für das Anbohren des Endrohrs. Um auf Nummer sicher zu gehen, nutzen Sie ausschließlich Komponenten mit einem Teilegutachten. So können Sie Ihre Allgemeine Betriebserlaubnis sicher behalten.
Bei Umbauten in Eigenregie und ohne Abnahme riskieren Sie nicht nur den Verlust der ABE, sondern auch hohe Bußgelder. Das gilt besonders, wenn Sie den sogenannten „dB-Killer“ ausbauen. Dadurch wird der Auspuff lauter. Überschreiten Sie die geltenden Grenzwerte, kann die Polizei bei einer Verkehrskontrolle die Nutzung untersagen.
Serienbikes mit ihren Auspuffanlagen sind so abgestimmt, dass sie den gesetzlichen Abgas- und Lärmbestimmungen entsprechen. Zubehör-Auspuff dran, Optik, Leistung und Sound rauf und los, ist deshalb kaum mehr möglich. Bei Rennstreckennutzung sieht es anders aus.
Ohne ABE und Kat lässt sich mit entsprechenden Auspuffanlagen deutlich mehr Leistung erzielen. Der sich ändernde Abtransport des verbrannten Gemischs bedingt für optimale Funktion eine entsprechende Abstimmung der Steuerelektronik. Tipps und Fakten gibt's hier.
Motorrad-Tuning durch Entdrosselung
Herstellerseitig werden viele Motorräder gedrosselt. Dies kann erforderlich sein, um bestimmte Vorgaben in den Bestimmungsländern einzuhalten. Dies lässt sich über den Einbau einer Drosselung an verschiedenen Bauteilen erreichen, beispielsweise am Luftfilter, an den Ansaugstutzen oder am Auspuff. Indem Sie diese demontieren, können Sie die Leistung Ihres Motorrads voll ausnutzen. Man spricht davon, die Maschine „offen zu fahren“.
Überprüfen Sie jedoch vor der Entdrosselung, ob Ihr Führerschein dann noch ausreicht, um das Motorrad zu fahren. Hier steht mit dem Fahren ohne Fahrerlaubnis sogar ein strafrechtlicher Tatbestand im Raum, der empfindliche Geldstrafen oder sogar Freiheitsstrafen nach sich ziehen kann.
Möglichkeiten für das Motorrad-Optik-Tuning im Überblick
Um Ihr Fahrzeug auch optisch auf ein neues Level zu heben, können Sie mit dem Motorrad-Optik-Tuning einiges erreichen. Versuchen Sie es zum Beispiel mit diesen Möglichkeiten:
- Verändern Sie die Radaufhängungen, um das Motorrad geringfügig tieferzulegen. Viel Spielraum haben Sie bei einem Motorrad aber nicht.
- Alternativ bauen Sie Tieferlegungsfedern oder ein Sportfahrwerk ein.
- Tauschen Sie Scheinwerfer, Spiegel, Tacho oder andere Komponenten aus, um die Optik zu verändern.
- Lackieren Sie Ihr Motorrad in einem besonderen Lack.
Achten Sie bei größeren Umbauten darauf, die richtigen Abmessungen einzuhalten, etwa bei Veränderungen am Heck im Hinblick auf die korrekten Abstände.
Tuningzubehör fürs Motorrad
Sportlich-zügig unterwegs zu sein, hat nicht nur mit purer Leistung zu tun. Aber mit einem gut vorbereiteten Motorrad allemal.
Kupplungsscheiben
Einen kleinen Beitrag dazu leisten die Kupplungsscheiben „Hyperdisc“ von TGP Moto-Racing. Die hartbeschichteten Aluscheiben ersetzen die serienmäßigen Stahlpendants. Laut TGP sind die Scheiben bei ähnlicher Haltbarkeit bis zu 68 Prozent leichter (BMW S 1000 RR) als Serien-Discs.
Dank der geringeren rotierenden Massen dreht der Motor schneller hoch, wodurch das Bike besser beschleunigt. Außerdem sollen die Hyperdiscs die Wärme besser ableiten, was Überhitzen entgegenwirkt. Darüber hinaus funktionieren die Scheiben laut Hersteller mit allen Ölen.
Für die S 1000 RR führt TGP zusätzlich spezielle Kevlar-Reibscheiben, die nochmals Gewicht sparen. Beim Test des Racing-Knüllers PR 12 von TGP konnten wir uns von der tadellosen Funktion der Kupplung überzeugen. Wichtig: Bei der Montage der Hyperdiscs müssen auch die Reibscheiben erneuert werden. Außer für das BMW-Superbike sind die Hyperdiscs für weitere Sportler erhältlich.
Lithium-Ionen-Batterien
Je leichter ein Motorrad ist, desto einfacher kann man damit agieren - logisch. Gewaltig Gewicht lässt sich mittlerweile mit superleichten Lithium-Ionen-Batterien sparen (bis zu zwei Drittel).
Sie haben dazu viele weitere Vorteile: Können in jeder Lage eingebaut werden, da sie keine Säure enthalten, sind viel kleiner, lassen sich schneller laden und entladen sich selbst kaum. Einzig bekannte Nachteile: Sie sind meist deutlich teurer und machen unter null Grad eher Ärger.
Racing-Öle
Auf der Renne gibt es für Motoren einen klaren Einsatzbefehl: Vollgas! Unter diesen Bedingungen tut man gut daran, für optimale Schmierung zu sorgen. Racing-Öle sind in der Regel vollsynthetische Öle, die in höheren Temperaturbereichen optimal schmieren.
Mehrbereichs-Öle mit einem Viskositätsbereich von 10 W 40, die im Alltagsbetrieb verwendet werden, geraten da an ihre Grenzen. Angeblich sollen hochviskose Racing-Öle sogar die Leistung steigern.
Racing-Verkleidungen
Je weniger Angriffsfläche für die anströmende Luft, desto schneller - das ist auch kein Geheimnis. Allerdings sind Maße und Design der Serienverkleidungen zusätzlich anderen Anforderungen geschuldet - etwa dem Styling der Maschine, was dann auf Kosten der Aerodynamik geht. Die kann mit speziellen Racing-Verkleidungen verbessert werden.
Wer allerdings in bestimmten, sehr seriennahen Rennklassen starten möchte, sollte im Reglement nachschauen, ob und wie weit die Rennverkleidung vom Original abweichen darf. Serienverkleidungen sind auf jeden Fall deutlich schwerer, auch wenn die Zusatzteile aus ähnlichem Kunststoff sind. Dazu ist das Originalplastik viel kleinteiliger und sehr teuer - damit will wirklich keiner stürzen. Verkleidungsspezialisten für Materialien von GFK bis Karbon gibt es viele. Hier einige wichtige: Ilmberger, Racefoxx, Sebimoto, Ricambi, MLB, Motorrad-Stecki, GL-Motorradtechnik, TTSL, etc.
Ganganzeigen
Blöd, wenn man im Eifer des Gefechts den Überblick verliert und am Kurvenausgang den großen Gang drin hat. Schwung weg - Gegner weg! Dagegen helfen Ganganzeigen, wie sie viele Motorräder heute serienmäßig verbaut haben. Selbst bei Zusatz-Dashboards kann dann der Gangsensor angezapft werden, und die Gänge lassen sich anzeigen.
Oft ist dazu aber der Eingriff in den Kabelbaum nötig. Eine Plug & Play-Zusatzanzeige für Bikes ohne serienmäßigen Gangzähler gibt es von PZRacing bei Polo. Bei den meisten Modellen genügt das Einstecken am Steuergerät. Der Gang wird über die Daten der Einspritzung ermittelt. Achtung: Bei einigen Bikes funktioniert das nur bei ABS-losen Modellen.
Bremsen
Schnell sein kann nur, wer auch richtig bremst. Deshalb empfiehlt es sich, die Bremsanlage nicht nur in tadellosem Zustand zu halten, sondern dem eigenen Bremsstil anzupassen. Der erste Schritt ist das Ausprobieren unterschiedlicher Bremsbeläge. Allerdings ist das Zusammenspiel von Belag und Scheibe, und im weiteren Verlauf Bremsleitung, Flüssigkeit und auch Bremspumpe nicht zu unterschätzen.
Wandernde Druckpunkte oder schwammiges Gefühl haben ihre Ursache meist im System, nicht in den Belägen an sich. Wenn es allerdings stumpf bremst, sollte man sich Beläge und Scheiben vornehmen. 2012 hat PS getestet. Sieger bei Scheiben und Belägen mit ABE: Braking Wave WK 109 (Scheibe) und CL Brakes SBK5 (Belag), ohne ABE überzeugten die Beläge Alpha Racing AB-1033-C20.
Racing-Scheiben
Wie bei Verkleidungen gilt vor allem bei Serienscheiben, dass es mit Zubehör deutlich besser geht. Die etwas höheren Racing-Scheiben bieten bei hohen Geschwindigkeiten einen deutlich besseren Windschutz.
Dadurch bleibt der hinter dem Schutz abgetauchte Kopf ruhig, die Bremspunkte können so besser anvisiert werden und die Konzentration bleibt länger erhalten. Die führenden Hersteller sind MRA und Puig. Racing-Scheiben kosten für die gängigsten Sportler um 80 Euro.
Reifen
Die Leistung kommt nur auf die Straße, wenn die Traktion stimmt. Dafür braucht es passende Reifen. Für Grip in allen Lagen und damit die höchstmögliche Geschwindigkeit vor allem in Kurven sind Slicks die beste Lösung.
Allerdings geht das auf Kosten der Lebensdauer - und auf öffentlichen Straßen haben die profillosen Pellen nichts verloren. Slicks sind auch nicht für länger anhaltende Höchstgeschwindigkeiten gebaut, wie sie beispielsweise auf der Autobahn gefahren werden dürfen. Dafür runden sie auf der Rennstrecke das Fahrvergnügen mit ihrer Haftung und direktem Feedback ab.
Passende Übersetzung
Die passende Übersetzung ist rennentscheidend. Doch auch beim Fahrspaß, sprich Durchzug, versetzt eine kürzere Übersetzung oft Berge. Aber Achtung: Auf der Straße erlischt bei Änderungen an der Sekundärübersetzung die Betriebserlaubnis.
Für kürzere Übersetzungen gibt es zwei Möglichkeiten: Vorn am Ritzel weniger oder hinten am Kettenblatt mehr Zähne. Wer das Ritzel ändert, greift wesentlich entschiedener ein. Feiner abstufen lässt sich die Übersetzung durch unterschiedliche Kettenblätter. Wem es um maximale Endgeschwindigkeit geht, muss so übersetzen, dass diese bei der Drehzahl erreicht wird, bei der der Motor die maximale Leistung abgibt.
Sportfilter
Beim bloßen Tausch von Serienfiltern gegen Sportfilter sollte man seine Erwartungen nicht zu hoch hängen. Zwar versprechen Hersteller bis zu drei PS oder auch mal fünf Prozent Mehrleistung, aber spürbar ist das eigentlich nicht. Anders sieht es bei getunten Motorrädern aus.
Wird der Motor im großen Stil getunt, die Airbox und die Auspuffanlage entsprechend überarbeitet, machen Sportfilter zur perfekten Abstimmung natürlich Sinn, da sie mehr Luftdurchsatz erlauben und so mehr Sauerstoff ins Gemisch gelangt.
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