Motorräder mit niedriger Sitzhöhe: Modelle und Tipps für mehr Komfort und Sicherheit

Nicht jeder ist ein Hüne mit 1,95 m Körpergröße. Viele Motorradfahrer und -fahrerinnen, die nicht allzu groß sind, schätzen ein Bike mit überschaubarer Rahmenhöhe. Die Ausrede "Ich bin zu klein zum Motorradfahren" ist schon lange nicht mehr gerechtfertigt. Im Modelljahr 2024 gibt es eine gewaltige Vielfalt an Motorrädern mit niedriger Sitzhöhe - und nicht nur Cruiser!

Die Wahl des richtigen Motorrads ist eine sehr persönliche Entscheidung, die von vielen Faktoren abhängt. Einer der wichtigsten Aspekte für viele Fahrer ist die Sitzhöhe des Motorrads. Motorräder mit niedriger Sitzhöhe bieten nicht nur verbesserten Komfort und erhöhte Stabilität beim Halten des Motorrads, sondern sind auch ideal für Fahrer mit kürzerer Beinlänge.

Warum ein Motorrad mit niedriger Sitzhöhe?

Die Sitzhöhe eines Motorrads ist ein kritischer Faktor, der die Fahrerfahrung maßgeblich beeinflusst. Eine niedrige Sitzhöhe ermöglicht es Fahrern, leichter Bodenkontakt zu halten, was besonders bei Stopps und langsamen Manövern von Vorteil ist. Gute Bodenhaftung ist auf dem Motorrad nicht nur beim Fahren wichtig, sondern beim Anhalten ebenso. Dann gilt es, beide Füße stabil auf die Erde zu bekommen, denn wie schnell man umfallen kann, hat jeder Biker irgendwann schon mal erlebt. Gerade kleinere Menschen müssen deshalb auf die richtige Sitzhöhe achten, sonst wird jeder Stopp an der Ampel oder im Stau zur Zitterpartie. Kurze Beine erschweren zudem das Rangieren sowie das Auf- und Absteigen.

Die Angaben der Sitzhöhe sind leider nur die halbe Wahrheit. Sie zeigen zwar, wie hoch oder niedrig die Sitzbank positioniert ist, doch bedeutet das nicht sofort einen sicheren Stand. Auch die Breite der Sitzbank entscheidet, wie lange die Schrittbogenlänge sein muss. Zur Erklärung: Enduros wie die GASGAS ES 700 können zwar eine Sitzhöhe von 935 mm haben, aber dennoch für kleine Piloten fahrbar sein. Die Sitzbank ist schmal, weshalb die Beine relativ senkrecht sind. Cruiser und Roller mit niedriger Sitzbank bieten hingegen oft eine breite Sitzfläche für hohen Komfort.

Empfehlenswerte Modelle mit niedriger Sitzhöhe

Hier eine Übersicht mit Modellen, bei denen eine Probefahrt sinnvoll ist. Natürlich kann jedes Bike etwas tiefer gelegt werden. Jedoch sind hier Grenzen vorhanden. Ein Überschreiten wirkt sich massiv auf das Fahrverhalten der Maschine aus.

  • Honda Monkey 125 / MSX 125 / DAX 125: Diese 125er Motorräder von Honda überzeugen nicht nur mit ihren kompakten Ausmaßen, sondern auch mit niedrigen Sitzhöhen. Monkey und Dax stellen die Neuauflagen von Honda Klassikern dar, die die Herzen der Fans höher schlagen lassen. Dabei bieten sie niedrige Sitzhöhen von je 775 mm. Noch niedriger geht es mit der Interpretation im modernen Stil, der Honda MSX 125. Dieses Motorrad in ähnlich kleinen Maßen bietet eine Sitzhöhe von nur 761 mm.
  • UM Renegade 125: Soll es ein Cruiser sein, empfiehlt sich der Griff zur UM Renegade 125. Erhältlich in verschiedenen Versionen mit unterschiedlichen Designs und Komponenten, bietet die Renegade viel Auswahl. Je nach Variante kann die Sitzhöhe bis auf 730 mm fallen. Noch niedriger schafft es die Hyosung GV125S Aquila: Hier nimmt man auf nur 710 mm Platz. Hinzu kommt eine coole Optik, die einem amerikanischen Cruiser kaum etwas nachsteht.
  • Honda PCX 125 / Yamaha NMAX 125: Will man praktischen Nutzen mit niedriger Sitzhöhe verbinden, lohnt sich ein Blick auf die Roller-Klasse. Hier sticht der Honda PCX 125 hervor, der eine niedrige Sitzhöhe von 764 mm bietet. Etwas wuchtiger, aber mit einer beinahe gleichniedrigen Sitzhöhe von nur 765 mm, präsentiert sich der Yamaha NMAX 125.
  • Suzuki GSX-S 125: Zum Beispiel die Suzuki GSX-S 125 mit ihrer Sitzhöhe von 785 mm. Ein weiterer Vertreter ist die Honda CB125F, die neben ihrem niedrigen Preis auch einen niedrigen Sattel von 790 mm bietet. Als Supersport-Schwester verfügt die Suzuki GSX-R 125 über dieselbe Sitzhöhe von 785 mm wie ihre unverkleidete Schwester und eignet sich somit auch für kleine Fahrer.
  • Honda CMX500 Rebel / Kawasaki Eliminator 500: Sie hat den Hype um A2-Cruiser neu begründet und punktet auch heute noch mit ihrer niedrigen Sitzhöhe von 690 mm: Die Honda CMX500 Rebel. Doch sie hat Konkurrenz bekommen, denn Kawasaki steigt mit der Eliminator 500 in den Ring und bietet einen ähnlich niedrigen Sattel von 735 mm Höhe.
  • Yamaha R3 / CFMOTO 300 SR: Die in der A2-Führerscheinklasse beliebten Naked Bikes wollen eine breite Zielgruppe ansprechen und punkten deshalb oft auch mit niedrigen Sitzhöhen. Zur Auswahl stehen die Yamaha R3 mit der niedrigsten Sitzhöhe von 780 mm - ein Wert, den sie sich mit der CFMOTO 300 SR teilt. Die Honda CBR500R und die Kawasaki Ninja 500 liegen mit jeweils 785 mm Sitzhöhe eine Spur höher.
  • Suzuki Burgman 400: Für Stadtpendler, die eine niedrige Sitzhöhe suchen, eignet sich der Rollerklassiker Suzuki Burgman 400 mit einer niedrigen Sitzhöhe von 755 mm. Die BMW Geschwister C 400 GT und C 400 X folgen mit einer Sitzhöhe von 775 mm knapp.
  • BMW R12 / Triumph Speed Twin 900 / Kawasaki W800: Man muss aber auch mit offenem Führerschein nicht gezwungenermaßen zu einem Cruiser greifen. Die BMW R12 bietet sich mit ihrer niedrigen Sitzhöhe von nur 754 mm an, nur knapp gefolgt von der Triumph Speed Twin 900 mit 765 mm und der Kawasaki W800 mit 770 mm über dem Boden - alles Modelle im Retro Segment.

Weitere erwähnenswerte Modelle:

  • BMW G 310 R: Sie wiegt 160 Kilo, ihr Sitz ist 78,5 Zentimeter flach. BMW gibt die Sitzhöhe für die G 310 R mit 78,5 Zentimetern an, leer wiegt die kleine Maschine 160 Kilo!
  • Triumph Street Twin: Die Triumph Street Twin bringt 198 Kilo auf die Waage, die Sitzhöhe gibt Triumph mit 75 Zentimetern an. Ihr Sitz ist 75 Zentimeter flach, sie kommt auf ein Leergewicht von 198 Kilogramm.

Sicherheitsaspekte und Ergonomie

Die Wahl eines Motorrads mit niedriger Sitzhöhe kann für viele Fahrer, insbesondere für Anfänger und jene mit kürzerer Beinlänge, zahlreiche Vorteile bieten. Jedoch ist es wichtig, dass die Sicherheit beim Fahren eines solchen Motorrads nicht außer Acht gelassen wird. Erstens sollten Fahrer stets angemessene Schutzkleidung tragen, einschließlich Helm, Motorradjacke, -hosen, -handschuhe und -stiefel, um im Falle eines Sturzes geschützt zu sein. Zweitens ist es ratsam, Fahrkurse zu besuchen, um die eigenen Fähigkeiten zu verbessern und mehr Vertrauen im Umgang mit dem Motorrad zu gewinnen. Des Weiteren sollten Fahrer von Motorrädern mit niedriger Sitzhöhe besonders auf ihre Sitzposition und Ergonomie achten, um sicherzustellen, dass sie das Motorrad effektiv kontrollieren können, ohne sich dabei zu überanstrengen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die regelmäßige Wartung des Motorrads, um sicherzustellen, dass alle Teile ordnungsgemäß funktionieren und das Risiko von Pannen minimiert wird.

Die Ergonomie spielt eine entscheidende Rolle bei der Auswahl des richtigen Motorrads, besonders wenn es um Modelle mit niedriger Sitzhöhe geht. Eine ergonomisch gestaltete Sitzposition ermöglicht dem Fahrer, längere Zeit komfortabel zu fahren, ohne Ermüdungserscheinungen oder Schmerzen zu erfahren. Für Fahrer mit kürzerer Statur ist es besonders wichtig, ein Motorrad zu wählen, bei dem sie beide Füße fest auf den Boden stellen können, wenn das Motorrad zum Stehen kommt. Dies bietet nicht nur zusätzliche Sicherheit und Stabilität, sondern erhöht auch das Vertrauen des Fahrers. Darüber hinaus sollten die Abstände zu den Bedienelementen wie Lenker, Bremsen und Schaltung so gewählt werden, dass sie leicht zu erreichen sind, ohne dass der Fahrer seine Hände oder Füße unnatürlich strecken muss. Die Berücksichtigung der Ergonomie trägt dazu bei, das Risiko von Muskelverspannungen, Gelenkschmerzen und anderen Beschwerden zu verringern, die durch eine ungeeignete Sitzposition verursacht werden können.

Tieferlegung und Anpassung

Für die meisten Motorradmodelle mit hoher Sitzposition bieten die Hersteller und der Zubehörhandel besondere Sitzbänke oder Tieferlegungs-Kits an. Bei Letzteren kommen natürlich nur solche infrage, die über eine ABE oder ein Gutachten verfügen. Bei der Auswahl und der Montage sollte unbedingt ein kundiger Fachmann bzw. eine Werkstatt hinzugezogen werden - idealerweise schon vor dem Kauf der Maschine, da diese Umrüstungen auch Einfluss auf die Fahrwerksgeometrie und damit auf das Fahrverhalten haben können. Die Tieferlegung eines Motorradfahrwerks kann es mit sich bringen, dass der Seitenständer gekürzt werden muss, damit die Maschine sicher steht. Darüber hinaus ist die Schräglagenfreiheit in Kurven eventuell geringer als vor der Änderung. Abschließend ist zu beachten, dass das Abblendlicht der Maschine neu eingestellt werden muss, um Blendungen anderer Verkehrsteilnehmer zu vermeiden.

Damit die Fahrsicherheit und das einwandfreie Fahrwerksverhalten erhalten bleibt sollte die Tieferlegung in einer Werkstatt vorgenommen werden. Oft muß auch der Seitenständer/Hauptständer gekürzt werden. Die Sitzbank abpolstern… davon würde ich abraten.

Neben Umbauten, die die Sitzhöhen reduzieren, gibt es natürlich auch Umrüstmöglichkeiten, die die Sitzhöhe vergrößern oder die Anordnung von Lenker und Fußrasten so korrigieren, dass die Sitz- und Fahrergonomie optimiert werden kann. Einige Änderungen erleichtern zudem das Handling beim Fahren deutlich, z.B. verkürzt die Anhebung des Fahrzeughecks den Nachlauf, ein breiterer Lenker reduziert die Lenkkräfte.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Beim Kauf eines Motorrads mit niedriger Sitzhöhe sollten Sie neben der Sitzhöhe selbst auch auf Faktoren wie Gewicht, Motorleistung und Handling achten. Die Liste ist natürlich bei weitem nicht vollständig. Hier geht Sicherheit definitiv vor. Dies erlebe ich täglich bei der Ausbildung Klasse A. Nicht jedes Fahrschulmotorrad ist für jede:n geeignet. Hier solltest Du Dich bereits vor der Ausbildung bei der Fahrschule erkundigen und ein Probesitzen absolvieren. Das klingt erst einmal aufwendig, ist jedoch sinnvoll. Deine Sicherheit und die damit einhergehende sichere Brems- und Standmöglichkeit geht allem anderen vor. Nicht überall sind die Fahrbahnoberflächen eben. Die Chancen für eigene Verletzungen sind vielfältig.

Große Menschen wiederum müssen aufpassen, dass sie sich auf dem Bike nicht so unbequem zusammenfalten müssen, dass der Körper schon nach wenigen Kilometern rebelliert.

Letztlich können nur ausgiebiges Probesitzen und Probefahren Aufschluss geben, ob das gewünschte Modell tatsächlich passt. Denn außer der gemessenen Sitzhöhe entscheidet auch die Form der Sitzbank über den Bodenkontakt im Stehen.

Zusätzliche Informationen und Ressourcen

Da ich keine direkten Links generieren oder aufrufen kann, empfehle ich, relevante Regierungsseiten für Verkehrssicherheit und Motorradvorschriften zu besuchen.

Im ADAC-Motorradkatalog finden Sie die Herstellerangaben von 400 Motorrädern unter anderem zur Sitzhöhe. Eine Übersicht von 400 Motorrad- und Roller-Modellen - extra sortiert nach Sitzhöhen - finden Sie auch hier:

Sitzhöhen aktueller Motorradmodelle PDF, 516 KB

Und hier geht's zu vielen weiteren Informationen und Tipps für Motorradfahrer.

Technische Beratung: Ruprecht Müller, ADAC Technik Zentrum

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