Wenn Motorradfahrer nach einem Unfall bewusstlos sind, stellt sich vielen Ersthelfern die Frage, ob sie den Helm abnehmen sollen oder nicht. Experten geben eine klare Antwort, um diese Verunsicherung zu beseitigen.
Helm abnehmen oder nicht? Die klare Antwort
Als Ersthelfer sollten Sie einem bewusstlosen Motorradfahrer in jedem Fall den Helm abnehmen. Das rät das Institut für Zweiradsicherheit (ifz). Obwohl beim Abnehmen des Helms größte Sorgfalt geboten ist, um Verletzungen der Halswirbel zu vermeiden, ist das Risiko, im Helm zu ersticken, für den Verletzten weitaus größer als ein Verletzungsrisiko beim Abnehmen des Helms.
Vorgehensweise beim Abnehmen des Helms
Idealweise arbeiten zwei Helfer zusammen, um die Halswirbelsäule permanent zu stabilisieren. Ist dies nicht möglich, sollte man zur Not auch alleine agieren.
- Ansprechbarer Biker: Fragen Sie nach, ob die Person die Helmabnahme wünscht. Oft sind die Personen dankbar dafür.
- Klapphelme: Auch Klapphelme, deren Unterteil komplett nach oben schwingt, müssen Ersthelfer ganz vom Kopf nehmen.
Gefahren zu Saisonbeginn und die richtige Ausrüstung
Gerade zum Start in die neue Saison sind die Gefahren am größten. Viele Biker überschätzen sich und ihre Maschinen nach der Winterpause und starten mit zu viel Tempo in die neue Saison. Zu hohes Tempo führt oft zu schlimmen Stürzen mit Schwerverletzten und Toten. Daher sollten Motorradfahrer ihre Maschinen nach der Winterpause überprüfen lassen. Wichtig ist auch die richtige Bekleidung:
- Handschuhe
- Lederkombi
- Protektoren
- Stiefel
- Helm (auch für Beifahrer)
Typische Verletzungen bei Motorradunfällen sind Knochenbrüche und Hautabschürfungen.
Irrtum: Helmabnahme nur bei Bewusstlosigkeit?
Ein weitverbreiteter Irrtum ist, dass Ersthelfer einem verunglückten Motorradfahrer nur dann den Helm abnehmen müssen, wenn dieser nicht bei Bewusstsein ist. Dies ist wichtig, um zu verhindern, dass er an Erbrochenem erstickt.
Empfehlung: Den Helm am besten zu zweit abnehmen. Zuerst öffnet man das Visier und hält den Kopf leicht fest, damit er nicht zur Seite knickt. Der Helm wird dann unter Zug gerade nach oben abgezogen. Ist der Helm abgenommen, kann man den Betroffenen sachgerecht lagern.
- Atmung vorhanden: Seitenlage
- Keine Atmung: Wiederbelebung
Ersthelfer sollten sich an die Helmabnahme herantrauen und keine Angst haben, etwas falsch zu machen. "Man kann nur etwas falsch machen, wenn man nichts macht", ist sich Monika Vonberg, Leiterin der Erste-Hilfe-Ausbildung der Malteser in Nordrhein-Westfalen, sicher.
Detaillierte Anleitung zur Helmabnahme
Bei einem bewusstlosen Motorradfahrer ist das Abnehmen des Helmes notwendig, da nur danach eine sachgerechte Lagerung (bei vorhandener Atmung: stabile Seitenlage) durchgeführt werden kann. Da es verschiedene Helmtypen gibt, müssen die nachfolgenden Maßnahmen evtl. entsprechend dem Helmtyp abgewandelt werden.
Vorgehensweise mit zwei Helfern
- Helfer 1: Kniet oberhalb des Kopfes und stabilisiert den Hals, indem er Helm und Unterkiefer des Betroffenen umfasst.
- Helfer 2: Kniet seitlich am Kopf, klappt das Visier hoch und löst den Kinnriemen.
- Helfer 2: Entfernt ggf. die Brille des Bewusstlosen und macht den Mundbereich frei.
- Helfer 2: Übernimmt die Stabilisierung der Halswirbelsäule, indem er den Kopf-/Nackenbereich von unten in Längsachse stützt.
- Helfer 1: Zieht den Helm nach oben, wobei er die Helmkante über die Nase des Betroffenen kippt.
- Helfer 2: Sorgt während des Abziehens weiterhin für die Stabilisierung von Kopf und Halswirbelsäule.
- Helfer 2: Legt den Kopf des Betroffenen unter Beibehaltung der Stabilisierung vorsichtig auf dem Boden ab.
- Helfer 1: Umfasst nach Abnahme des Helmes wieder den Kopf des Betroffenen seitlich.
- Helfer 2: Öffnet den Mund des Betroffenen und entfernt ggf. sichtbare Fremdkörper.
- Helfer 2: Beugt den Kopf des Betroffenen nackenwärts und kontrolliert die Atmung.
- Helfer 2: Bringt den Betroffenen bei vorhandener Atmung vorsichtig in die stabile Seitenlage, wobei Helfer 1 weiterhin auf die Stabilisierung der Halswirbelsäule achtet.
Bei Atemstillstand: Unverzüglich Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen. Bei Wiedereinsetzen der Atmung: stabile Seitenlage herstellen.
Vorgehensweise mit einem Helfer
- Der Helfer kniet seitlich am Kopf des Betroffenen, klappt das Visier hoch, entfernt ggf. die Brille und löst den Kinnriemen.
- Der Helfer kniet jetzt oberhalb des Kopfes und umfasst mit beiden Händen den Helm des Betroffenen.
- Der Helfer zieht den Helm soweit ab, dass er mit einer Hand den Hinterkopf des Betroffenen von unten stützen kann.
- Der Helfer kniet wieder seitlich am Kopf des Betroffenen, öffnet dessen Mund und entfernt ggf. sichtbare Fremdkörper.
- Der Helfer beugt den Kopf des Betroffenen nackenwärts und kontrolliert die Atmung.
Was tun bei einem Motorradunfall?
In einer Unfallsituation ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren. Sohrab Taheri-Sohi, Pressesprecher des Bayerischen Roten Kreuzes, rät, zunächst den Eigenschutz zu beachten: "Umsicht bewahren, auf den umliegenden Verkehr achten und eine Warnweste anziehen."
- Unfallstelle absichern (Warndreieck)
- Dem Unfallopfer zuwenden: Anschauen, Ansprechen, Anfassen
Ist der Motorradfahrer bewusstlos? Atemkontrolle, Kopf überstrecken, stabile Seitenlage - all dies ist mit Helm nicht möglich. "Um den Atem zu kontrollieren, müssen Sie direkt und mit einem sehr niedrigen Abstand von 5 bis 10 Zentimeter an den Mund rankommen, um feststellen zu können, ob Sie eine Atmung spüren", so BRK-Sprecher Taheri-Sohi. Gerhard Bieber von den Johannitern weist darauf hin, dass eine stabile Seitenlage mit Helm ihren Zweck verfehlt, da Blut oder Erbrochenes nicht abfließen können und der Motorradfahrer ersticken könnte.
Vorgehen:
- Helmvisier hochklappen
- Gegebenenfalls Brille abnehmen
- Nach roten Notfalllaschen suchen, um Kinnriemen und Kinnpolster zu lösen
- Hinter den Patienten knien, seinen Kopf zwischen beide Hände nehmen
- Kinnriemen anfassen und den Helm von unten her leicht zur Seite auseinanderziehen
- Helm langsam und vorsichtig abziehen, dabei leicht nach unten ziehen, damit die Nase nicht hängen bleibt
- Sobald der Kopf nicht mehr ganz vom Helm gehalten wird, mit einer Hand den Hinterkopf stützen und den Kopf möglichst in der Körperachse halten
- Den Kopf vorsichtig auf dem Boden ablegen, wenn möglich auf eine leicht gepolsterte Unterlage
- Mundraum auf Fremdkörper kontrollieren, Kopf überstrecken und Atmung prüfen
Rechtliche Aspekte der Ersten Hilfe
Viele fragen sich, was passieren kann, wenn man bei der Ersten Hilfe etwas falsch macht und ob man dafür verklagt werden kann. Wer keine Erste Hilfe leistet, macht sich strafbar. "Jedermann ist grundsätzlich verpflichtet, bei Unglücksfällen, gemeiner Gefahr oder Not Hilfe zu leisten", betont Dr. Andrea Leonhardt, Pressesprecherin des Bayerischen Justizministeriums. Allerdings muss sich niemand selbst in erhebliche Gefahr bringen.
Rechtliche Folgen bei "falscher" Erster Hilfe: Solange ein Helfer oder ausgebildeter Ersthelfer die ihm bestmögliche Hilfe leistet, sind derartige Befürchtungen grundlos. § 680 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) sieht eine Haftung nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit vor. "Vorsatz wird bei einem Ersthelfer regelmäßig ausscheiden - der Ersthelfer will dem Unfallopfer Hilfe leisten und es nicht schädigen", so Dr. Leonhardt. "Grobe Fahrlässigkeit würde nur bei besonders schweren Sorgfaltsverstößen vorliegen. Wer sein Bestes gibt, muss nichts befürchten - selbst wenn der Verunglückte dadurch weitere Schäden erleidet."
Fazit: Im Bayerischen Staatsministerium der Justiz ist kein Fall bekannt, in dem ein Ersthelfer wegen eines Fehlers beim Abnehmen des Helms eines Unfallopfers oder wegen eines sonstigen falschen 'Handgriffs' bei der Hilfeleistung verurteilt worden wäre.
ADAC Notfallpass: Hilfe im Ernstfall
Generelle Informationen zu Ihrem Gesundheitszustand helfen den Rettungskräften bei einem Notfall. Im ADAC Notfallpass können alle relevanten Notfalldaten hinterlegt und zentral in der Wallet-App des Smartphones oder der Smartwatch gespeichert werden:
- Vorerkrankungen
- Medikamenten-Allergien
- Medikationen
- Blutgruppe
- Kontaktpersonen (Angehörige, Notfallkontakte, Haus- und Fachärzte)
- Informationen zu einer Schwangerschaft
- Informationen zu Implantaten (z. B. Herzschrittmacher)
- Informationen zu Organspendeausweis, Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht
Im ADAC Notfallpass liegen diese Daten sicher verschlüsselt, damit sie bei einem Verlust von Smartphone oder Smartwatch nicht in falsche Hände gelangen. Der Notfallpass kann in die Rettungskette integriert werden. Im Notfall kann er von den Rettungskräften gescannt und ausgelesen werden. Im Zuge einer Weiterbehandlung im Krankenhaus können die Daten der entsprechenden Klinik zur Verfügung gestellt werden.
Checkliste für Ersthelfer bei Motorradunfällen
Folgende Checkliste hilft Ersthelfern, die richtigen Schritte bei einem Motorradunfall zu unternehmen:
| Schritt | Aktion |
|---|---|
| 1 | Eigensicherung: Warnweste anziehen, Unfallstelle absichern |
| 2 | Notruf 112 absetzen |
| 3 | Verletzten ansprechen und Zustand prüfen (Bewusstlosigkeit, Atmung) |
| 4 | Helmabnahme (wenn bewusstlos oder Erstickungsgefahr) |
| 5 | Atmung prüfen, ggf. Wiederbelebung beginnen |
| 6 | Stabile Seitenlage (wenn Atmung vorhanden) |
| 7 | Auf Rettungskräfte warten und Informationen bereitstellen |
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