Die Dolomiten, ein UNESCO-Weltnaturerbe, sind ein Traumziel für Mountainbiker. Mit ihren atemberaubenden Landschaften und anspruchsvollen Trails bieten sie unvergessliche Erlebnisse für jedes Fahrniveau. Cortina d'Ampezzo, eingebettet in die Provinz Belluno in Venetien, ist der ideale Ausgangspunkt für diverse Highlight-Touren in diese spektakuläre Bergwelt. Spätestens seit den Olympischen Winterspielen 1956 ist Cortina als mondäner Wintersportort bekannt. Szenen in den Filmen James Bond (In tödlicher Mission) und Sylvester Stallone (Cliffhanger) verhalfen Cortina maßgeblich zum heutigen Image. Für Biker ist der Ort Cortina vor allem Dreh- und Angelpunkt für diverse Highlight-Touren in die Dolomiten: Naturpark Fanes, Averau, Tofana, Cinque Torri und Forcella Ambrizzola liegen von hier aus nur ein paar Pedalumdrehungen entfernt.
Die Cortina Ski-World hat ihren Radius um einige Liftanlagen erweitert, die im Sommer auch Biker transportieren, wodurch die neuen Bikepark-Trails leichter zu erreichen sind. Wer dieses landschaftliche Dolomiten-Spektakel auf Cortinas neuer Infrastruktur für Biker erleben möchte, findet hier einige Tourenvorschläge:
Tour 1: Fanes-Tofana-Runde
- Länge: 45,6 Kilometer
- Bergauf: 1391 Höhenmeter
- Dauer: 5 Stunden
- Schwierigkeit: schwer
Diese Tour kombiniert landschaftliche Highlights mit spaßigen Enduro-Sektionen und einer helfenden Seilbahn.
Tourenbeschreibung:
Von Cortina zum Col Druscie geht es mit Lift hinauf. Danach muss man sich das Panorama selbst erkurbeln. Die neue 10er-Gondel in Cortina schwebt in den ersten Stock zum Col Druscie hinauf. Dort oben beginnt die Tour am Stausee Lago Po`Drusciè mit einem breit gekiesten Höhenweg. Der startet steil, führt dann aber fast eben durch die Waldhänge und öffnet immer wieder Traumausblicke auf das gegenüberliegende Cristallo-Massiv.
Doch bald kippt der Weg fast in Falllinie in die Schluchten des Naturparks Fanes Sennes Prags. So wie das Fanes-Bächlein, das hier unten als gewaltiger „Gola di Fanes“-Wasserfall aufschlägt. Dann heißt es beißen: Der Anstieg im tiefen Schotter zur Fanes-Hochebene hinauf kostet Körner, die man in der Großfanes Alm auf dem Hochplateau mit einem leckeren Knödel-Tris aber wieder auffüllen kann.
Auf breitem Schotter, später auf Trails geht's weiter bis zum Aussichtspunkt Col de Locia, wo die erste Enduro-Challenge wartet: Steil, verblockt und mit Stufen durchsetzt fällt ein Wanderweg etwa 200 Tiefenmeter Richtung St. Cassian hinunter ab. Wer Spaß an Trial-Gebastel hat, kann hier einige Passagen versuchen - sofern keine Wanderer in Sicht sind. Der zweite Teil der Tour führt meist auf Schotter über den Valparola- zum Falzaregopass - vorbei an historischen Stellungen aus dem Ersten Weltkrieg. Auf der Passhöhe blickt man linkerhand auf den Lagazuoi und die Türme der Tofana-Gruppe, rechts auf die Cinque Torri und tief im Tal auf Cortina d`Ampezzo.
Das Finale bringt den zweiten Leckerbissen für Enduro-Freaks: eine 20 Kilometer lange und 1000 Tiefenmeter andauernde Trail-Abfahrt. Zwar grob entlang der Passstraße, aber immer in gebührendem Abstand. Technisch und mit Wurzeln gespickt passiert der Pfad kleine Seen und quert ein Bachbett. Dieser Flug durch einen Märchenwald endet erst im kleinen Örtchen Mortisa, kurz vor Cortina.
Startpunkt: Die Tour startet nach der Seilbahnfahrt von Cortina zum Col Drusciè hinauf, an dem kleinen See Lago Po`Drusciè.
Highlights: Landschaftlich hören die Highlights auf dieser Tour gar nicht auf. Der Fanes-Naturpark gehört zum Kern der Dolomiten!
Schlüsselstellen: Für die Enduro-Segmente braucht man gute Fahrtechnik. Am Col de Locia sind am Wochenende viele Wanderer unterwegs!
Einkehr: Das Essen auf der Großfanes Alm ist hervorragend!
Tour 2: Strada de la Vena
- Länge: 50,2 Kilometer
- Bergauf: 1066 Höhenmeter
- Bergab: 2988 Tiefenmeter
- Dauer: 6 Stunden
- Schwierigkeit: mittel
Diese Tour ist dank der neuen Lift-Infrastruktur zu einer echten Superrunde ausgebaut.
Tourenbeschreibung:
Die Strada de la Vena gehört eigentlich zum Einzugsbereich von Alleghe im Nachbartal. Doch von Cortina aus lässt sich der Touren-Klassiker dank der neuen Lift-Infrastruktur zu einer echten Superrunde ausbauen. Insgesamt vier Lifttransfers überbrücken gut 1100 Höhenmeter. Zwischen der Bergstation des Sessellifts „Duca d'Aosta“ und der Talstation der Skyline-Bahn ist erst vor kurzem der spaßige Flowtrail „Tofalina“ entstanden. Danach hievt der Sessellift weiter zum Rifugio Scoiattoli hinauf, das nur einen Steinwurf von den berühmten Cinque Torri entfernt auf einem Plateau thront.
Von hier aus muss man die letzten 150 Höhenmeter bis zur Averau-Hütte auf einer Schotterrampe tatsächlich noch selbst treten. Doch auf 2413 Meter Höhe ist es geschafft, man blickt gen Süden ins nächste Tal hinunter und fährt 200 Meter lang ein Stück auf der Skipiste steil bergab, klettert rechts kurz einen Felsabsatz hinauf (auf Pfeil-Markierung achten!) und folgt dann einem steinigen Trail unterhalb der Averau-Felszacken. In weiten Kehren erreicht dieser Pfad bald ein freies Wiesengelände, bevor man in den Wald eintaucht.
Im Dorf Larzonai beginnt schließlich die eigentliche Strada de la Vena. Ab hier rollt man auf nicht mehr ganz so spannenden Schotterwegen nach Colle Santa Lucia, wo man in die Straße zum Passo Giau einmündet. 800 Höhenmeter sind es nun bis zum Kassenhäuschen des Fedara-Sessellifts, der wieder hoch zur Averau-Hütte shuttelt. Auf Schotter nun wieder Richtung Rifugio Scoiattoli, nun aber rechts um die Cinque Torri herum und weiter zum Rifugio Cinque Torri.
Hier übernimmt ein etwas verblockter Waldweg, der im leichten Auf- und Ab und schließlich als feinster Enduro-Spaß hinunter nach Cortina führt. Achtung: Die Trails im Wald sind wild und zum Teil nicht leicht zu erkennen. Kurz vor Pocol muss man ein kurzes Stück auf die Hauptstraße, dann zweigt an einer Leitplanke links der nächste Trail in den Wald ab. Am besten behält man akribisch den GPS-Track im Auge, sonst hat man sich schnell verfahren.
Startpunkt: Die Tour startet an der Seilbahn Col Drusciè in Cortina.
Highlights: Das Panorama am Averau-Passübergang ist auf beiden Seiten gigantisch. Die Strada de la Vena wurde leider ein Stück zum Schotterweg verbreitert, macht aber immer noch Spaß.
Schlüsselstellen: Der Trail vom Rifugio Cinque Torri hinunter ist kernig, zum Teil verwachsen und dann schlecht zu erkennen.
Einkehr: Auf der Terrasse des Rifugio Averau gibt es sehr leckere Pasta!
Tour 3: Forcella Ambrizzola
- Länge: 40,8 Kilometer
- Bergauf: 1791 Höhenmeter
- Dauer: 5,5 Stunden
- Schwierigkeit: schwer
Ein Passübergang mit einem unfassbar großartigen Panorama.
Tourenbeschreibung:
Die Forcella Ambrizzola ist ein Passübergang - da bekommt man selbst als erfahrener Dolomiten-Tourenbiker noch feuchte Augen wegen dieses unfassbar großartigen Panoramas. Wirklich sinnvoll lässt sie sich allerdings nur als Transalp-Übergang oneway einbauen. Wobei sie in Tourenportalen auch als Tagestrip empfohlen wird: Hoch zur Forcella, dann auf gleichem Weg wieder zum Lago Federa zurück und über den Sentiero 431 zurück nach Cortina. Doch dieser Weg ist für Biker verboten, meist voll mit Wanderern und außerdem extrem erodiert. Also: spaßfrei.
Wir haben die Tour ganz neu geplant: mit Überquerung der Forcella und auf der Südseite Richtung Alleghe. Hier fährt man auf einsamen Trails ab bis Selva di Cadore und auf der Straße zum Passo Giao bis zum Federa-Sessellift. Damit geht’s hoch zur Averau-Hütte und auf Trails zurück nach Cortina. Das Restaurant Croda da Lago liegt an einem idyllischen See, ist aber am Wochenende dank Busverbindung sehr überlaufen.
Ruhiger wird es auf den nun folgenden 200 Höhenmetern zur Forcella Ambrizzola (2277 m) hinauf, wo der Panorama-Wahnsinn beginnt. Und hat man den Pass erst erreicht, ist man für die nächsten 600 Trail-Tiefenmeter durch alpines Wiesengelände ganz allein unterwegs. Später rollt man weiter durch pittoreske Dörfer bis man auf die meist stark frequentierte Passstraße Richtung Passo Giao stößt.
Der Spuk endet aber am Rifugio Fedare, wo man wieder sehr beschaulich im alten Sessellift zur Averau-Hütte hochzuckelt. Die Abfahrt von dort oben zurück nach Cortina verläuft auf der gleichen Route wie der Downhill aus der Strada de la Vena-Tour: Auf Schotter Richtung Cinque Torri, dann aber rechts an den markanten Felstürmen vorbei zum Rifugio Cinque Torri. Ab hier geht’s in den Wald und auf technisch anspruchsvollen, wurzel- und felsdurchsetzten Trails zurück nach Cortina. Vorsicht: Bitte akribisch an den Track halten. Der Trail im Wald ist stellenweise schwer erkennbar.
Startpunkt: Die Tour startet in Cortina d'Ampezzo.
Highlights: Mehr Panorama geht nicht. Um dieses Erlebnis mit Breitwandkino nicht zu trüben, sollte man unbedingt die Wochenenden samt Wanderer-Trubel meiden.
Schlüsselstellen: Der Anstieg zum Rifugio Croda da Lago ist wirklich gemein steil. Fahrtechnisch am schwierigsten ist der wilde Trail von Pocol nach Cortina hinunter.
Weitere Revier-Highlights um Cortina d'Ampezzo
- Weltkriegsmuseum: Die Berge oberhalb von Cortina waren vor über 100 Jahren eine der am härtesten umkämpften Frontlinien des Ersten Weltkriegs. Die historischen Stätten sind teils im Urzustand erhalten.
- Drehorte besuchen: Cortina war Kulisse für bekannte Filme wie „Cliffhanger“ und „James Bond - In tödlicher Mission“. Einige Drehorte können besichtigt werden.
- Bikepark: Der „Cortina Bike Park Dolomiti“ bietet ein Streckennetz von 18 Kilometern aller Schwierigkeitsgrade.
Hüttenübernachtung
Besonders morgens und abends gibt es hoch über Cortina die eindrucksvollsten Lichtstimmungen. Es lohnt sich daher, oben zu übernachten.
Entweder im frisch renovierten Rifugia Averau (www.rifugioaverau.it) oder noch eindrucksvoller im Rifugio Nuvolau (www.rifugionuvolau). In beiden Hütten kann man auch hervorragend essen. Unbedingt lange vorher reservieren!
Die Nuvolau-Hütte: Wirklich wie ein Adlerhorst klebt dieses Haus auf dem Felsspitz des Monte Nuvolau, auf 2575 Metern Höhe. Es ist das älteste Schutzhaus der Dolomitenregion von Cortina und wurde 1883 eröffnet. Ein Oberst aus Sachsen, der damals wegen einer schweren Lungenkrankheit in Cortina weilte, ließ die Hütte zum Dank für seine Genesung erbauen. Bis heute hat sich die Hütte den Bergsteiger-Charme des 19. Jahrhunderts erhalten und bietet 24 Schlafplätze. Info: www.rifugionuvolau.it
MTB-Trails in den Dolomiten: Eine Auswahl
Neben den Rundtouren gibt es in den Dolomiten eine Vielzahl von MTB-Trails, die jedes Bikerherz höherschlagen lassen. Hier eine kleine Auswahl:
- Sella Ronda: Der Klassiker unter den Dolomiten-Touren, sowohl im Sommer als auch im Winter ein unvergessliches Erlebnis.
- Tutti Frutti: Ein Highlight für Enduro-Fahrer mit anspruchsvollen Passagen und atemberaubendem Panorama.
- Rosetta-Trail: Ein Epic-Ride mit Wiesen-Trails, Waldpfaden und Militärpfaden.
- Arabba-Abfahrt: Ein alpiner Pumptrack mit schnellen Schwüngen und technischen Herausforderungen.
- Plätzwiesen-Trail: Ein gefährlicher, aber lohnender Trail für schwindelfreie Bike-Bergsteiger.
Unterkünfte und Verpflegung
Es gibt zahlreiche Campingplätze in der Umgebung von Cortina d'Ampezzo, wie Camping Rocchetta und Camping Cortina mit eigener Pizzeria. Auch das International Camping Olympia ist eine Option.
Empfehlenswerte Restaurants sind:
- Ristorante Pizzeria Al Passetto: Gegenüber vom Bahnhof, super Pizza zu moderaten Preisen.
- Pizzeria Cinque Torri: Mitten im Zentrum, In-Treffpunkt, trotzdem nicht überteuert.
- Il Vizietto di Cortina: Etwas versteckt im Hinterhof, gehobene italienische Küche, aber keine Pizza. Kleiner Geheimtipp.
Hinweise und Tipps
- Ausrüstung: Achte auf eine gute Grundausstattung mit Helm, Handschuhen, Brille und wetterfester Kleidung.
- E-Bike: Mit einem E-Mountainbike lassen sich die anspruchsvollen Anstiege in den Dolomiten leichter bewältigen.
- Wanderer: Nimm Rücksicht auf Wanderer und passe deine Geschwindigkeit an.
- GPS-Track: Lade dir vorab den passenden GPS-Track herunter, um die besten Trails zu finden.
Die Dolomiten bieten eine unvergleichliche Kulisse für Mountainbike-Touren. Mit guter Planung und Vorbereitung steht einem unvergesslichen Erlebnis nichts im Wege.
| Tour | Länge | Höhenmeter (Bergauf) | Dauer | Schwierigkeit |
|---|---|---|---|---|
| Fanes-Tofana-Runde | 45,6 km | 1391 m | 5 h | Schwer |
| Strada de la Vena | 50,2 km | 1066 m | 6 h | Mittel |
| Forcella Ambrizzola | 40,8 km | 1791 m | 5,5 h | Schwer |
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