Es gibt nichts, was einen Mountainbiker mehr zur Weißglut bringt als eine Kette, die sich nicht entscheiden kann, auf welchem Ritzel und welchem Kettenblatt sie zum Liegen kommt. Doch keine Sorge, mit der richtigen Anleitung und etwas Geduld kannst Du Deine Mountainbike Schaltung selbst einstellen. Eine präzise eingestellte Schaltung sorgt für reibungslose Gangwechsel und erhöht nicht nur den Fahrkomfort, sondern auch die Lebensdauer des Antriebs.
Vorbereitung zum Einstellen der Schaltung
Um gut an der Schaltung arbeiten zu können, muss sich das Hinterrad frei drehen lassen. Die beste Lösung: der Montageständer. Speziell bei Carbon-Rahmen sollte man das Bike aber lieber an der Sattelstütze klemmen, da der Rahmen selbst sehr empfindlich ist. Wenn auch diese auch Kohlefaser besteht, liegt vielleicht zuhause noch eine passende "Montage"-Sattelstütze herum. Wenn nicht, oder wer keinen Montageständer hat, kann das Bike auch auf den Kopf stellen. Empfindliche Armaturen und Displays dann aber besser abnehmen oder mit einer weichen Unterlage (Lappen, Schaumstoff) polstern. Kette und Ritzel sollten außerdem gut geputzt sein!
Bevor Du mit eventuellen Nachstellarbeiten beginnst, solltest du ein paar Dinge checken:
- Sauberkeit: Das Fahrrad - speziell Kette, Schaltwerk, Umwerfer, Kassette und Kettenblätter - sollte nicht allzu dreckig sein. Am besten Du reinigst Dein Bike zuvor mit einem Reiniger.
- Kette: Die Kette sollte nicht zu stark verschlissen sein. Das lässt sich leicht mit einer Verschleißlehre überprüfen.
- Schaltzüge und Schalthüllen: Auf die Schaltzüge und Schaltaußenhüllen sollte man besonderes Augenmerk legen. Die Hüllen dürfen nicht beschädigt oder gar geknickt sein. Auch der Zugverlauf sollte keine zu engen Kurven aufweisen.
Wenn das Bike soweit sauber und alle Teile geprüft bzw. erneuert sind, kann es losgehen.
Teil 1: Die grundlegende Funktion einer Kettenschaltung
Damit du weißt, was die einzelnen Einstellschrauben denn eigentlich bewirken, solltest du zuerst die Funktion einer Kettenschaltung verstehen. Dabei ist das Prinzip das gleiche, egal ob du am Umwerfer (vorne) oder dem Schaltwerk (hinten) arbeitest.
- Die Indexierung: Entgegen der weitläufigen Meinung ist es nicht möglich, einzelne Gänge an einer Kettenschaltung einzustellen. Die Indexierung der individuellen Gänge ist vom Schalthebel vorgegeben und wird nur mit der Kassette abgeglichen. Das passiert über die Seilspannung.
- Die Begrenzung: Sowohl das Schaltwerk, wie auch der Umwerfer, benötigen einen Startpunkt, damit der niedrigste Gang sauber läuft, sowie eine Beschränkung, damit die Kette nicht über den höchsten Schaltpunkt hinaus schaltet. Diese Begrenzungen bestimmst du mit dem H- und L-Anschlag.
- Die Kettenumschlingung: Mit der Kettenumschlingung wird der Winkel festgelegt, den die Kette um die Kassette herum läuft.
Teil 2: Schaltwerk einstellen
Mit dem Wissen aus dem ersten Teil dieses Artikels müssen wir jetzt nur noch die Reihenfolge der Einstellungen festlegen und du solltest deine Kettenschaltung problemlos einstellen können.
Schritt 1: Unteren H-Anschlag einstellen
Der untere Anschlag legt den Ausgangspunkt vom Schaltwerk fest. Der Anschlag ist mit “H” für Highspeed markiert, denn dieser legt die Position unter dem Ritzel mit der kleinsten Zähnezahl fest, also dem Gang für die höchste Geschwindigkeit. Schraubst du die Einstellschraube weiter rein (Drehrichtung mit dem Uhrzeigersinn), rückt das Schaltwerk weiter in die Mitte der Kassette. Drehst du die Schraube heraus (Drehrichtung gegen den Uhrzeigersinn), wandert das Schaltwerk weiter nach außen. Damit du den Anschlag korrekt einstellen kannst, solltest du am besten das Schaltseil lösen. Positioniere das Schaltwerk mithilfe des H-Anschlags so unter dem kleinsten Ritzel, dass die Kette sauber, geräuschlos und mittig läuft.
Schritt 2: Umschlingungswinkel einstellen
In diesem Schritt hängst du das Schaltseil wieder ein. Dazu drehst du die Vorspannung-Schraube für die Seilspannung, die sich bei SRAM am Schalthebel und bei Shimano am Schaltwerk befindet, komplett hinein und anschließend wieder fünf Rastpunkte heraus. Damit hast du genug Spielraum für spätere Nachstellarbeiten. Fixiere jetzt das Schaltseil wieder am Schaltwerk.
Der Umschlingungswinkel wird bei 12-Fach Antrieben von Shimano mit einer Markierung eingestellt, die sich auf der Rückseite des Schaltwerkskäfigs befindet. Dazu schaltest du auf das zweitgrößte Ritzel und gleichst die Spitzen der Zähne des größten Ritzels mit der Markierung ab.
Bei Sram Antrieben wird die Umschlingung mit einer Einstelllehre festgelegt. Diese legst du über das obere Schaltröllchen und gleichst die Markierungen wieder mit den Zähnen des größten Ritzels ab, allerdings musst du bei Sram Schaltungen dazu auf das größte Ritzel schalten.
Schritt 3: Seilspannung einstellen
Ist der H-Anschlag richtig eingestellt, solltest du jetzt schon eine gute Ausgangsposition für die korrekte Seilspannung haben.
Die Anpassung der Seilspannung funktioniert so:
- Drehst du die Vorspannungs-Schraube heraus, erhöhst du die Seilspannung und verschiebst so die Indexierung in Richtung des größten Ritzels und erzielst den gegenteiligen Effekt, wenn du die Einstellschraube hinein drehst.
- Ob du die Spannung erhöhen oder nachlassen musst, erkennst du folgendermaßen:
- Funktioniert der Gangwechsel von einem kleineren auf ein größeres Ritzel gut, aber vom größeren auf das kleinere Ritzel hakt es etwas, musst du etwas Seilspannung nachlassen, also die Einstellschraube hineindrehen.
- Hast du das gegenteilige Problem, also dass der Gangwechsel von einem kleineren Ritzel auf ein größeres nicht richtig klappt, musst du die Seilspannung etwas erhöhen. Dazu drehst du die Einstellschraube heraus.
Schritt 4: L-Anschlag einstellen
Der L-Anschlag legt den obersten Schaltpunkt fest und verhindert, dass die Kette über das letzte Ritzel in die Speichen springt. Entscheidend für die korrekte Einstellung ist, dass du leicht auf das letzte Ritzel schalten kannst, ohne dass du darüber hinaus schalten kannst. Läuft die Kette auf dem letzten Ritzel, solltest du den Schalthebel zum Hochschalten nicht mehr weiter drücken können.
Schaltet deine Kette nur schwer oder gar nicht auf das größte Ritzel, so musst du den L-Anschlag etwas herausdrehen und dem Schaltwerk so mehr Platz in Richtung Speichen geben. Hast du noch etwas Spiel im Schalthebel oder springt die Kette sogar über das letzt Ritzel, so musst du das Schaltwerk stärker begrenzen und den L-Anschlag weiter hineindrehen.
Teil 3: Umwerfer einstellen
Das Prinzip am Umwerfer ist das gleiche wie am Schaltwerk, allerdings gibt es nur zwei “Ritzel” oder im Fall der Kurbel, Kettenblätter genannt. Zu beachten ist hier allerdings, dass du die Anschläge und Seilspannung so einstellen musst, dass die Gangwechsel in diversen Kombinationen mit verschiedenen Gängen an der Kassette klappen.
Schritt 1: L-Anschlag einstellen
Auch am Umwerfer gibt es wieder einen L- und einen H-Anschlag und wie am Umwerfer, legt der L-Anschlag die Begrenzung für den “Low-Speed-Gang” fest und der H-Anschlag limitiert den “High-Speed-Gang”. Hier beginnst du ebenfalls mit dem L-Anschlag und löst zuerst das Schaltseil. Stelle den Anschlag so ein, dass die Kette schleiffrei am Umwerfer vorbei läuft, wenn du das Schaltwerk auf das größte Ritzel geschaltet hast.
Jetzt drehst du die Vorspannschraube für die Seilspannung, wie am Schaltwerk, wieder komplett hinein und anschließend fünf Rastpunkte heraus. Anschließend fixierst du das Schaltseil wieder am Umwerfer.
Schritt 2: Seilspannung einstellen
Für die richtige Einstellung der Seilspannung schaltest du zuerst das Schaltwerk in die Mitte der Kassette. Passe anschließend die Vorspannung des Schaltseils so an, dass die Kette problemlos von einem auf das andere Kettenblatt wechseln kann.
Schritt 3: H-Anschlag
Der H-Anschlag begrenzt wieder die höchste Position des Umwerfers. Dieser ist richtig eingestellt, wenn du die Kette auf das große Kettenblatt und das kleinste Ritzel der Kassette geschalten hast und die Kette knapp am Umwerfer vorbeiläuft ohne daran zu schleifen.
Schleift die Kette noch am Umwerfer gibt es zwei mögliche Fehler. Als Erstes solltest du kontrollieren, ob du den H-Anschlag zu weit begrenzt hast. Ist der Anschlag weit genug geöffnet, so fehlt eventuell ein bisschen Seilspannung.
Hast du den H-Anschlag zu wenig begrenzt, besteht wieder die Gefahr, dass du über das große Kettenblatt hinaus schalten kannst. Probiere also, ob du den Schalthebel noch weiter drücken kannst, wenn sich die Kette bereits auf dem großen Blatt befindet.
Hast du alle Schritte ordentlich durchgeführt, solltest du jetzt hoffentlich eine perfekt eingestellte Schaltung haben.
Weitere Tipps und Hinweise
Hier sind einige zusätzliche Tipps, die Ihnen bei der Einstellung Ihrer Mountainbike-Schaltung helfen können:
- Überprüfung des Schaltauges: Um festzustellen, ob das Schaltauge verbogen ist, kann eine Sichtprüfung von hinten auf das Schaltwerk hilfreich sein.
- Regelmäßiges Schmieren: Regelmäßiges Schmieren der Züge verlängert die Lebensdauer.
- Probefahrt: Zu guter Letzt empfehle ich eine kleine Probefahrt.
Häufige Ursachen für Schaltprobleme
Es gibt verschiedene Faktoren, die zu Schaltproblemen führen können. Hier sind einige der häufigsten Ursachen:
- Schaltauge verbogen: Ist das Schaltauge verbogen, steht das Schaltwerk nicht mehr in der korrekten Achse zur Kassette.
- Schaltzug und -hülle verschlissen: Sind der Schaltzug und die Hülle schon älter, kann es aufgrund von Korrosion im Inneren zu einer erhöhten Reibung kommen.
- Kettenglieder steif: Läuft die Kette nicht sauber über die Ritzel und es kommt zu Geräuschentwicklung, kann das auch an versteiften Kettengliedern liegen.
Tabellarische Übersicht der Einstellschrauben
Hier ist eine tabellarische Übersicht der Einstellschrauben am Schaltwerk:
| Schraube | Funktion |
|---|---|
| H-Schraube | Unterer Endanschlag (kleinstes Ritzel) |
| L-Schraube | Oberer Endanschlag (größtes Ritzel) |
| B-Schraube | Umschlingungswinkel |
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