Mountainbike Hinterreifen wechseln: Eine detaillierte Anleitung

Der Reifenwechsel am Fahrrad gehört zu den häufigsten Tätigkeiten eines Fahrradfahrers. Ob durch Verschleiß, Beschädigung oder altersbedingte Materialermüdung, es ist wichtig zu wissen, wie man diese Teile sicher und effizient austauscht. Ein platter oder beschädigter Reifen gefährdet deine Sicherheit auf dem Fahrrad und vermindert die Fahreffizienz. Zudem kann ein defekter Schlauch zu einem plötzlichen Druckverlust und damit zu einem Kontrollverlust über das Fahrrad führen. Außerdem erhöht das Fahren mit einem beschädigten Reifen oder Schlauch den Verschleiß anderer Fahrradteile und führt damit zu teureren Reparaturen in der Zukunft.

Vorbereitung

Bevor du beginnst, solltest du sicherstellen, dass du alle notwendigen Fahrradwerkzeuge und Materialien zur Hand hast:

  • Neuer Fahrradschlauch und Reifen
  • Reifenheber-Set
  • Fahrradluftpumpe
  • Evtl. Gabel- bzw. Ringschlüssel
  • Evtl. Montagefluid

Demontage des Laufrads

Das Entfernen des Vorderrads ist ziemlich unkompliziert: Du musst lediglich die beiden Befestigungsschrauben am Vorderteil lösen. Aber Vorsicht: Bei Fahrrädern mit Felgenbremsen musst du diese zuerst aushängen, um das Rad aus dem Rahmen oder der Gabel herauszunehmen. Das Hinterrad auszubauen ist etwas kniffliger, da der Antrieb die Demontage erschwert. Bei Rädern mit Nabenschaltung musst du zuerst den Schaltzug aushängen und entlasten, bevor du das Rad entfernst. Bei Rädern mit Kettenschaltung ist es ratsam, sowohl vorne als auch hinten auf das kleinste Ritzel zu schalten. Das nimmt die Spannung aus dem System und erleichtert das Lösen der Kette vom Kettenblatt. Anschließend kannst du das Rad aus dem Rahmen heben und die Kette vorsichtig vom Ritzel wegnehmen.

Hinterrad ausbauen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Prüfen Sie zunächst die Befestigungsart Ihres Hinterrads. Wenn es mit Schnellspannern gesichert ist, ist kein weiteres Werkzeug nötig. Bei einer Kettenschaltung schalten Sie nun bitte hinten auf den größten Gang (= kleinstes Ritzel). Das erleichtert den späteren Ausbau.
  2. Drehen Sie das Fahrrad auf den Kopf, indem Sie es sicher auf Lenker und Sattel positionieren.
  3. Wenn Sie Scheibenbremsen haben, müssen Sie sich um nichts kümmern. Backenbremsen, z.B. V-Brakes, müssen Sie meistens aushängen, da der Reifen sonst nicht hindurchpasst. Alternativ können Sie auch einfach die Luft ablassen und den Mantel hindurchdrücken.
  4. Öffnen Sie nun den Schnellspanner und lockern Sie die gegenüberliegende Mutter ein wenig. Wenn Sie keinen Schnellspanner haben, lockern Sie die Muttern auf beiden Seiten. Prägen Sie sich ggf.
  5. Ziehen Sie jetzt das Schaltwerk ganz nach hinten.

Reifen und Schlauch demontieren

Bevor du mit dem eigentlichen Wechselprozess beginnst, ist es wichtig, den Reifen und den Schlauch ordnungsgemäß von der Felge zu entfernen. Dieser Schritt erfordert Sorgfalt, um sicherzustellen, dass weder Felge noch Reifen beschädigt werden.

  1. Lass die Luft komplett aus dem Reifen. Schraube die Ventilkappe ab, öffne das Ventil und lass die Luft aus dem Reifen ab.
  2. Drücke die Reifen von beiden Seiten zur Felgenmitte. Drücke die Reifenflanken beidseitig zusammen, bis der Reifen ringsum locker im Felgenbett sitzt.
  3. Heble mit einem Reifenheber den Reifen über die Felge. Setze den Reifenheber an einer Seite des Reifens an und heble ihn über die Felge. Mit einer Zugbewegung lässt sich der Reifen nun entlang der Felge lösen.
  4. Entferne den Schlauch vorsichtig aus dem Reifen. Ziehe den Schlauch vorsichtig heraus.

Überprüfen und Vorbereiten

Bevor du den neuen Schlauch und Reifen montierst, solltest du den alten Reifen und das Felgenband auf mögliche Schäden oder Fremdkörper überprüfen. So stellst du sicher, dass der neue Schlauch nicht sofort wieder beschädigt wird.

  • Untersuche den Reifen auf Fremdkörper und den Schlauch auf Löcher. Nach einer Reifenpanne untersuche den Reifen vorsichtig per Hand auf Beschädigungen oder Fremdkörper wie Dornen oder Glassplitter.
  • Überprüfe das Felgenband auf Schäden. Alle Speichenbohrungen müssen vollständig und sicher durch ein geeignetes Felgenband abgedeckt sein. Untersuche nun auch die Innenseite der Felge wie oben beschrieben.
  • Pumpe den neuen Schlauch leicht auf, sodass er Form annimmt. Pumpe den Schlauch leicht auf, bis er eine runde Form hat.
  • Zuletzt untersuchst du den Schlauch. Einen punktierten Schlauch kannst du mit Flickzeug reparieren oder durch einen neuen ersetzen.

Montage von Schlauch und Reifen

Die Montage des Fahrradschlauchs und des Reifens ist ein kritischer Schritt. Es ist wichtig, darauf zu achten, dass der Schlauch gleichmäßig positioniert ist und nicht eingeklemmt wird, um spätere Pannen zu vermeiden.

  1. Pumpe den neuen Schlauch leicht auf und lege ihn in den Reifen ein. Setze den Reifen mit einer Seite in das Felgenbett. Beachte dabei Angaben zur Laufrichtung. Pumpe den Schlauch locker auf, um ihn in Form zu bringen.
  2. Setze das Ventil in das Felgenloch. Das Ventil durch die vorgesehene Bohrung der Felge stecken. Führe das Ventil durch das Felgenloch und platziere den Schlauch ringsum zwischen Reifen und Felgenbett. Achte auf rechtwinklige Stellung des Ventils.
  3. Achte auf die Laufrichtung des Reifens.
  4. Ziehe den Reifen vorsichtig über die Felge. Achte darauf, dass der Schlauch nicht eingeklemmt wird. Verwende bei Bedarf ein Montagefluid, um den Prozess zu erleichtern. Gegenüber dem Ventil beginnend montierst Du die andere Reifenseite auf die Felge. Der Schlauch darf nicht zwischen Reifen und Felge eingeklemmt sein.
  5. Wuchte die äußere Reifenseite nun - beginnend auf Ventilhöhe - über die Felge. Arbeite dich beidseitig nach oben vor und achte darauf, den Schlauch nicht einzuklemmen. Für das letzte Stück kann ein Reifenheber hilfreich sein.
  6. Schraube die Ventilmutter wieder auf und pumpe den Reifen vollständig auf. Beachte hierbei die Luftdruckvorgaben auf der Reifenflanke.
  7. Kontrolliere abschließend den gleichmäßigen Reifensitz anhand der durchgezogenen Prägung. Zentriere den Reifen, bevor Du ihn bis zum gewünschten Druck aufpumpst. Benutze ein Manometer (z. B. Schwalbe Airmax Pro) um den Reifendruck einzustellen. Der zulässige Druckbereich ist auf der Reifenflanke angegeben. Kontrolliere den Reifendruck mindestens einmal pro Monat mit einem (Luftdruckprüfer.

Laufrad wieder einbauen

Nachdem du Reifen und Schlauch ordnungsgemäß montiert hast, musst du nur noch das Laufrad wieder am Fahrrad befestigen. Dies gewährleistet eine sichere und effiziente Fahrt.

  1. Zum Einfädeln des Hinterrades in den Hinterbau drücken Sie das Schaltwerk wieder nach hinten, setzen die Kette auf das kleinste Ritzel und drücken diese nach unten.
  2. Ziehe das Schaltwerk wieder zurück, führe das Laufrad langsam von unten in den Hinterbau, und lege dabei die Kette auf das kleinste Ritzel.
  3. Fädle nun das Laufrad so ein, dass die Bremsscheibe im Bremssattel und die Nabe zwischen den Ausfallenden platziert ist. Achte darauf, die Bremsscheibe hierbei nicht mit der Hand zu berühren.
  4. Führe die Steckachse ausgehend von der Seite der Bremsscheibe wieder durch Radnabe und Ausfallenden. Ziehe sie dann locker an.
  5. Mit einem Drehmomentschlüssel ziehst du sie nun auf das erforderliche Drehmoment fest. Dein Fahrrad ist nun wieder einsatzbereit. Abschließend solltest du noch prüfen, ob sich weiterhin alle Gänge durchschalten lassen und die Bremse nicht schleift.
  6. Setze das Laufrad in die Ausfallenden des Rahmens.
  7. Befestige das Laufrad mit dem Schnellspanner oder der Nabenverschraubung.
  8. Klinke die Bremse wieder ein und stelle sicher, dass das Rad sich frei dreht.

Nach dem Wechsel

Nachdem du den Reifen und Schlauch gewechselt hast, solltest du eine kurze Probefahrt machen, um sicherzustellen, dass alles ordnungsgemäß funktioniert. Es ist auch ratsam, immer einen Ersatzschlauch, Reifenheber und eine Pumpe dabei zu haben, besonders wenn du längere Touren planst.

Wann sollte man den Reifen und Schlauch am Fahrrad wechseln?

  • Platter Reifen: Wenn du feststellst, dass dein Reifen platt ist, ist es wahrscheinlich, dass dein Schlauch ein Loch hat und ersetzt werden muss.
  • Sichtbare Schäden: Überprüfe regelmäßig deine Reifen auf Risse, Schnitte oder andere sichtbare Schäden. Ein beschädigter Reifen kann platzen, besonders unter hohem Druck.
  • Alterung: Reifen und Schläuche können mit der Zeit spröde und rissig werden. Wenn du feststellst, dass dein Reifen oder Schlauch Anzeichen von Alterung zeigt, solltest du ihn ersetzen.
  • Verminderte Leistung: Wenn du feststellst, dass du häufiger als gewöhnlich Luft nachfüllen musst oder dass das Fahrrad nicht so reibungslos fährt wie früher, könnte dies ein Zeichen dafür sein, dass Reifen oder Schlauch ersetzt werden müssen.

Tipps und Tricks

  • Montageprobleme: Wenn die Durchmesser von Felge und Reifen nicht optimal aufeinander abgestimmt sind, treten häufig Montageprobleme auf.
  • Toleranzen: Felgen dürfen eine Toleranz im Durchmesser von ± 0,5 mm aufweisen (D1). Außerdem darf auch die Höhe der Felgenflanke eine Toleranz von ± 0,5 mm haben (G). Das addiert sich zu einer Gesamttoleranz von ± 1,5 mm im Außendurchmesser (D2), bzw. von ± 4,7 mm im Außenumfang (U). Das entspricht einer maximal möglichen Umfangsdifferenz von 9,4 mm zwischen größter und kleinster Felge.
  • Montage beginnen: Hilfreich ist es immer die Montage gegenüber dem Ventil zu beginnen und am Ventil zu beenden, da sich der zu montierende Reifenwulst auf möglichst langer Strecke im Felgentiefbett befinden sollte.
  • Reifenheber: Sehr hilfreich sind natürlich Reifenheber. Achte dabei darauf, dass der Reifenwulst keinen Schaden nimmt. Immer nur ein kleines Stück hebeln und den Reifenheber lieber öfter ansetzen. Auf keinen Fall Reifenheber aus Metall verwenden.
  • Schwierige Montage: Als besonders schwierig in der Montage erweist sich manchmal der Marathon Plus in den schmalen Versionen. Durch die Eigenspannung rutscht der Reifen immer wieder aus dem Tiefbett und dann ist es extrem schwer, das letzte Stück Reifen über das Felgenhorn zu ziehen. Sehr hilfreich ist hier eine dritte Hand, die den Reifen auf der gegenüberliegenden Seite im Tiefbett festhält. Auch ein Kabelbinder oder ein alter Pedalriemen können gute Dienste als "dritte Hand" leisten. Der Schwalbe Reifenheber ist besonders hilfreich bei schwierigen Montagefällen. Du kannst ihn auf der Felge einclipsen und damit den bereits montierten Bereich des Reifenwulstes fixieren. Dieser rutscht dann nicht mehr heraus während Du den letzten Abschnitt über die Felge hebelst.
  • Montagefluid: Beidseitig auf den Reifenwulst aufgetragen, kann der Reifenwulst besser in das Felgenhorn rutschen. Unser Montagefluid Easy Fit lässt sich sehr einfach mit der praktischen Schwammdose- ohne Hilfsmittel und schmierige Finger - auf den Reifenwulst auftragen. Beim Aufpumpen gleitet der Reifenwulst dann leicht in die richtige Position auf der Felge. Nach ca. 10 Minuten verflüchtigt sich die Flüssigkeit vollständig.
  • Tubeless-Felgenband: Wenn sich Fahrradreifen schwer montieren bzw. demontieren lassen, hilft in den meisten Fällen die Verwendung eines Tubeless-Felgenbands anstatt der üblich verbauten Standardfelgenbänder. Tubeless-Felgenbänder sind wesentlich dünner als Standardfelgenbänder und verschaffen somit dem Reifenwulst im Felgenbett etwas mehr Platz. Zudem kann der Reifenwulst über ein Tubeless-Felgenband besser ins Felgenhorn und auch wieder aus dem Felgenhorn herausrutschen. Das Tubeless-Felgenband muss ca.
  • Felgendurchmesser: Wenn der Felgendurchmesser zu groß und/oder der Reifendurchmesser zu klein ist, gleitet der Reifenwulst nur schwer in die richtige Stellung auf der Felgenschulter. Abhilfe: Den Druck kurzfristig überhöhen und/oder den Reifenwulst mit Seifenlauge oder Montageflüssigkeit einreiben, um ihm das Gleiten zu erleichtern.
  • Reifensitz: Wenn der Felgendurchmesser zu klein und der Reifendurchmesser zu groß ist, kommt der Reifen unabhängig vom Reifendruck nicht richtig zum Sitzen. Abhilfe schafft meistens ein Zentrieren des Reifens von Hand bei sehr geringem Druck. Bearbeite den Reifen mit dem Daumen, bis die Felgenkennlinie des Reifens an allenStellen parallel zur Felge verläuft.
  • Westwood-Felgen: Eine "Hakenfelge" ist heutzutage der Normalfall - also eine Felge, bei der die Felgenhörner oben mit einem Haken nach innen abschließen. Es gibt aber auch noch viele, sogenannte "Westwood" Felgen im Markt. Hollandräder sind z. B. häufig darauf unterwegs. Diese klassischen Felgen haben keinen Haken, der den Reifen festhält und zentriert. Zudem bestehen Westwood-Felgen aus Stahl mit einer sehr glatten Oberfläche. Diese Felgen erfordern bei der Montage besondere Aufmerksamkeit. Manuelle Zentrierung. Bevor der Reifen stramm aufgepumpt wird, muss sichergestellt werden, dass er zentrisch auf der Felge sitzt. Anders als bei einer Hakenfelge rutscht der Reifen beim Aufpumpen nicht automatisch in die richtige Position. Wenn der Reifen ungleichmäßig sitzt, kann er leicht von der Felge abspringen. Luftdruck max. 5 Bar. Generell sind solche Felgen nicht hochdrucktauglich. Den maximal möglichen Luftdruck des Reifens kann man auf solchen Felgen meist nicht ausschöpfen. Durch die ETRTO-Norm ist der Luftdruck auf 5 Bar begrenzt. Wir empfehlen, noch etwas mehr Sicherheitsreserve einzukalkulieren und es bei vier Bar zu belassen. Daraus ergibt sich auch, dass diese Felgen für schmale Reifen oder schwere Fahrer nicht gut geeignet sind. Mittlerweile gibt es auch moderne MTB-Carbonfelgen ohne Haken auf dem Markt. Nach unseren bisherigen Erfahrungen funktioniert die Reifenmontage darauf aber problemlos.

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