Mountainbike Fazua Antrieb Test: Der Vorreiter der Light Assist Antriebe

Fazua zählt zweifellos zu den Vorreitern im Bereich der Light Assist Antriebe für E-Bikes. Mit dem Fazua Ride 60 erweitert man nun das Portfolio um einen kräftigeren Antrieb mit deutlich größerem Akku. Endlich konnten wir das spannende Antriebssystem ausführlich testen.

Technische Daten und Fakten zum Fazua Ride 60

Der Fazua Ride 60 Motor findet seinen optimalen Einsatz vor allem in zwei Anwendungsbereichen: Zum einen wird er im urbanen Bereich verwendet, beispielsweise in der Riese & Müller UBN Reihe, die wie gemacht für die Stadt ist.

Das maximale Drehmoment beträgt nun 60 Nm, der Akku fasst satte 430 Wh. Das Gewicht steigt zwar etwas an, bleibt aber nach wie vor gering: ca. 1,9 kg für den Motor selbst, 2,2 bzw. 2,3 kg für den Akku, je nach verbauter Variante.

Technische Daten im Überblick:

  • Gewicht Motor: 2,02 kg
  • Gewicht Akku: 2,22 kg (430 Wh)
  • Akkugrößen: 430 Wh (2,2 kg)
  • Fahrstufen: Breeze / River / Rocket + kurzzeitiger Boost-Modus
  • Leistungsdaten (max.) aus dem Labor: 60 Newtonmeter, 348 Watt (437 Watt kurzfristig im Boost Modus)
  • Systemupdates über die App möglich

Die Drive Unit ist das Herz des ganzen Systems und vereint den Motor, das Getriebe, das Tretlager sowie die Sensorik.

Der gesamte längliche Teil verschwindet im Unterrohr des Rahmens, sodass der Motor, zumindest optisch, besonders unscheinbar anmutet und nicht als solcher zu erkennen ist.

Akkus und Reichweite

FAZUA bietet das Ride 60 System mit zwei Akku-Varianten an. Beide fassen 430 Wh, jedoch ist nur einer von beiden für die Entnahme durch den Nutzer zum Laden vorgesehen.

Mit einem robusten Gehäuse, kleinem Griff für die Entnahme und gut funktionierendem Verriegelungsmechanismus lässt er sich sehr schnell und intuitiv ein- und ausbauen.

Mit diesem sind dann Reichweiten bzw. Pivot gibt für das Shuttle SL z.B. an, dass der Rahmen mit einem entnehmbaren Akku ca. 500g schwerer gewesen wäre.

In Kombination mit dem 430 Wh Akku lassen sich so beachtliche Reichweiten erzielen. Rechnerisch kommt man damit in der Ebene auf deutlich über 80 km und über 1.500 hm am Berg.

Im Laufe dieses Jahres soll zudem der Range Extender mit weiteren 210 Wh Kapazität erhältlich sein.

Haibike hat bei seinem Lyke SE diese Akku-Version so im Unterrohr verbaut, dass sie dennoch entnehmbar ist.

Bedienung und Konnektivität

Zu einem kleinen, leichten und sportlichen Antrieb wie dem Fazua Ride 60 gehört ein minimalistisches Bedienkonzept - und genau das bekommen wir auch. Auf ein Display muss man komplett verzichten.

Infos zum Ladezustand des Akkus und der gewählten Unterstützungsstufe bieten farbige LEDs. Bei den meisten Bikes mit dem Fazua Ride 60 System stecken diese im sogenannten LED Hub im Oberrohr.

Die Bedienung des Antriebs erfolgt über den Control Ring: Optisch sehr unauffällig lässt sich hier die Unterstützungsstufe wählen, indem der Ring nach oben oder unten gedrückt wird.

Der Ride 60 ist nun nur noch mit der Fazua App kompatibel, in die die Features der Fazua Rider App nach und nach integriert werden.

In der LED-Einheit auf dem Oberrohr ist eine USB-C-Buchse integriert. Hier können Gadgets wie Smartphone oder GPS geladen werden, oder die Toolbox-Software für Firmware-Updates angeschlossen werden.

Wer unser Motoren-Intro aufmerksam gelesen hat, weiß jedoch, dass ein Vergleich der Motorengewichte nur die halbe Wahrheit ist und es auf das gesamte Motorensystem-Gewicht bzw. sogar die Integrierbarkeit ankommt.

Leistung und Fahrgefühl

In der Trail-Praxis zeigt sich genau das, was auch die technischen Daten und unsere eigenen Messungen vom Prüfstand erahnen lassen: Der Fazua Ride 60 ist verdammt nah an einem regulären, Full Power Mittelmotor.

Bei 100 W Eingangsleistung bilden wir eine alltäglichere Situation bei lockerem Treten ab. Hier liefert der neue Fazua nun am meisten Leistung - zumindest im Vergleich zur direkten Light-Konkurrenz.

Hier zeigt sich, dass der Fazua Ride 60 im Vergleich zum Vorgänger einen ordentlichen Sprung nach vorn macht und mit dem bislang stärksten „Light Assist“ Motor Shimano EP8 RS gleichziehen kann - bei fast 700g weniger Gewicht!

Mit dem Ride 60 läutet Fazua in puncto App einen kleinen Kurswechsel ein: Bislang hatte man auf zwei getrennte Apps gesetzt, Fazua Rider und Fazua App.

Oft wird der Fazua Ride 60 derzeit in einem Atemzug mit dem ähnlich aktuellen TQ HPR50 genannt. In der Praxis könnten diese Antriebe jedoch unterschiedlicher kaum sein: Während der HPR50 voll auf Natürlichkeit setzt und dabei Einbußen bei Power und Beschleunigung in Kauf nimmt, hat man mit dem Ride 60 einen echten Mittelmotor in einem besonders leichten Gesamtpaket.

Das Leistungsdefizit fällt je nach Antrieb mal größer, mal kleiner aus, insgesamt bringt der Ride 60 für seine Gewichtsklasse jedoch beeindruckend viel Power auf den Untergrund.

Im normalen Fahrbetrieb unterstützt er mit bis zu 350 Watt Spitzenleistung, mit dem Boost-Modus für kurze Zeit auch bis zu 450 Watt - aber dazu später mehr.

Maximale Leistung: ca.

  • Maximale Leistung | ca.

Energieverbrauch und Effizienz

Meist geht hohe Unterstützungsleistung auch mit einem vergleichsweise hohen Energieverbrauch einher. Dieser Zusammenhang ist auch beim Fazua Ride 60 nicht ganz von der Hand zu weisen.

Auf dem Prüfstand messen wir, wie viele Wattstunden der Antrieb in seiner höchsten Unterstützungsstufe pro gefahrenem Kilometer aus dem verbauten Akku zieht.

Der Energieverbrauch bei 10% Steigung bildet ziemlich genau das ab, was wir eingangs skizziert hatten: Viel Leistung hat einen hohen Energieverbrauch zur Folge.

Insofern überrascht es kaum, dass der in der Ebene noch sparsame EP8 hier am meisten Energie aus dem Akku zieht.

Energieverbrauch:

  • Energieverbrauch Ebene | 0% Steigung | ca.
  • Energieverbrauch Berg | 10% Steigung | ca.

Fazua und Porsche

Zur Jahresmitte 2022 ging dann alles ganz schnell. Zumindest schneller als von der Radbranche ohnehin breitflächig gemunkelt, als ein halbes Jahr zuvor die Porsche AG mit einer 20-prozentigen Beteiligung beim E-Bike-Antriebshersteller Fazua einstieg.

So treibt Porsche eBike Performance seit über zwei Jahren die Technologie-Kompetenz im Haus voran und wird 2026 den ersten E-Bike-Antrieb unter der Marke Porsche auf den Markt bringen.

In vielen Fahrsituationen kann die Motorleistung smart via Software reduziert werden, ohne dass das Fahrgefühl beeinträchtigt wird.

Abschließend ergänzt Seifert noch, dass man beim Ride 60 die Remotes selbst vor Ort produziere.

Probleme und Kritikpunkte

Unser einziger echter Kritikpunkt am Fazua Ride 60 betrifft momentan noch den Control Ring als Bedienteil. Dieser wirkt schlicht billig, was gerade auch angesichts der hohen Anschaffungskosten für ein Light E-MTB sehr ärgerlich ist.

Bei Neuerscheinung des Motors sah Fazua sich zunächst mit Softwareproblemen konfrontiert, die inzwischen behoben wurden und keinerlei Probleme mehr verursachen sollten.

Fazit

Insgesamt ist Fazua mit dem Ride 60 ein ähnlich großer Wurf gelungen wie schon mit dem Ride 50 bzw. dem Evation vor einigen Jahren.

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