Die Shimano XTR ist die teuerste und gleichzeitig leichteste Shimano-Bremse im großen Vergleichstest. Shimano steht für solide japanische Qualitätsarbeit und verfügt über ein umfangreiches Portfolio an Fahrradkomponenten. Neben Bremsen ist die Marke hauptsächlich für Gangschaltung, Antrieb und E-Bike-Motoren bekannt.
Shimano XTR M9200 Di2: Die Schaltungs-Legende erfindet sich neu
Lange wurde spekuliert, jetzt ist sie da: Shimano bringt mit der XTR M9200 Di2 erstmals eine komplett kabellose MTB-Schaltgruppe auf den Markt - und tritt damit direkt gegen SRAMs Transmission-System an. Die neue Gruppe richtet sich sowohl an XC-Racer als auch an Enduro-Fahrer und ist zudem in einer E-MTB-Version erhältlich. Wir konnten das neue Topmodell bereits exklusiv testen und haben die Komponenten auf Herz, Nieren und Waage geprüft.
Kurz & knapp: Shimano XTR M9200 Di2 2025
- erstmals vollständig kabellose MTB-Schaltgruppe von Shimano
- zwei Varianten: XC (M9200) und Trail/Enduro (M9220)
- zusätzlich E-MTB-Version mit kabelgebundenem Schaltwerk
- SHADOW ES Schaltwerk mit Impact Recovery
- neue 9-45Z- und bewährte 10-51Z-Kassette
- App-Anbindung für Schaltlogik und Individualisierung
- neue Vier- und Zweikolben-Bremsen mit optimierter Ergonomie
- Carbon-Laufräder für XC (1170 g) und Trail im Set
- Industrielager und 3,5° Freilaufwinkel bei neuen Naben
Von Grund auf neugedacht
Die XTR M9200 Di2 gibt’s in zwei Varianten: eine leichte XC-Version und eine robuste Trail-/Enduro-Version. Shimano hat bei den Bauteilen jeweils sinnvoll differenziert. Das Schaltwerk ist identisch, aber Kurbeln, Bremsen und Laufräder sind jeweils auf den Einsatzzweck abgestimmt:
- FC-M9200: leichte Alu-Kurbel für XC
- FC-M9220: stabilere Enduro-Kurbel
- BR-M9200 / BR-M9220: Zwei- bzw. Vierkolben-Bremsen
- WH-M9200 / WH-M9220: leichte bzw. robuste Carbon-Laufräder
Beim Schaltwerk gibt es Unterschiede bei der Käfiglänge: Für die neue 9-45Z-Kassette kommt der Short Cage (GS), für die 10-51Z-Version der Long Cage (SGS). Für E-MTBs gibt es ein eigenes, kabelgebundenes Schaltwerk (RD-M9260), das direkt über den Motor-Akku versorgt wird.
Der Teufel liegt im Detail
Shimano hat viel Feinarbeit investiert. Das neue SHADOW ES-Schaltwerk ist flacher, widerstandsfähiger und mit der neuen Automatic Impact Recovery ausgestattet: Bei einem Schlag entkoppelt sich das Schaltwerk kurz und setzt sich automatisch wieder in die richtige Position. Das doppelt gefederte Käfigdesign sorgt für mehr Kettenspannung - gerade auf ruppigen Trails ein Pluspunkt. Der Akku sitzt geschützt im Schaltwerkskörper und kann zum Laden entnommen werden.
Neuer Schalthebel, mehr Kontrolle
Der neue RAPID ES-Schalthebel bietet klar spürbares, taktiles Feedback. Es gibt mehrere Schaltmodi: Multi-Shift beim Gedrückthalten, Doppelklick oder klassisches Einzelschalten. Der Doppelklick kann am Hebel deaktiviert werden, ideal für E-MTBs. Die Tasten lassen sich in vier Richtungen einstellen, per App auch individuell belegen - z. B. zur Steuerung des Fahrradcomputers oder für die E-MTB-Funktionen Free Shift und Auto Shift.
Für XC und Trail/Enduro kommt der gleiche Schalthebel zum Einsatz, erhältlich als I-Spec-EV-Variante oder mit separater Schelle.
Akkulaufzeit: voll langstreckentauglich
Shimano gibt für den Di2-Akku der neuen XTR eine Reichweite von bis zu 340 Kilometern an - basierend auf einem durchschnittlichen Schaltverhalten von 30 Gangwechseln pro Kilometer. Bei sparsamerer Nutzung sind laut Hersteller sogar bis zu 500 Kilometer möglich. Der Akku sitzt geschützt im Schaltwerk, lässt sich einfach entnehmen und ist innerhalb von etwa einer Stunde vollständig geladen. Zum Vergleich: Der Akku der SRAM Transmission fasst 300 mAh und reicht für rund 230 Kilometer.
Im Schalthebel sind zwei Knopfzellen verbaut, die laut Shimano bis zu zwei Jahre halten sollen - abhängig von Nutzung und Umgebungstemperatur.
Überarbeitete Bremsen
Besonders bei den Enduro-Bremsen hat Shimano nachgelegt:
- Neues Mineralöl (orange) mit niedriger Viskosität - für stabilen Druckpunkt auch bei Kälte
- Neue Kunststoffkolben statt Keramik - sollen robuster sein
- ERGO FLOW-Hebel mit natürlicher Fingerführung
- SERVO WAVE-Technologie für schnell ansprechende, fein dosierbare Bremskraft
Die Vierkolben-Stopper (Trail) und die leichteren Zweikolben-Bremsen (XC) kommen mit überarbeiteten Sätteln, verbesserter Dichtung und klapperfreien Belägen mit Kühlrippen.
Neue Laufräder & Naben
Auch bei den Laufrädern hat sich einiges getan:
- WH-M9220 (Trail): 30 mm Maulweite, hakenlose Felge, 28-Loch, Edelstahl-Speichen
- WH-M9200 (XC): 29,6 mm Maulweite, Carbon-Felge, 24-Loch, Titan-Speichen, nur 1170 g
Neu: Shimano verabschiedet sich vom Konuslager - und setzt auf Industrielager, wie man sie von DT Swiss kennt. Die neuen M9210-Naben sind leichter, wartungsärmer und bieten einen 3,5°-Eingriffswinkel.
App-Tuning & Personalisierung
Über die E-Tube App lassen sich Tastenbelegung und Schaltgeschwindigkeit in fünf Stufen anpassen. Vor allem das dürfte Fahrer freuen, denen SRAMs Transmission zu träge reagiert - Shimanos System lässt sich deutlich flotter einstellen.
First Ride: Trail- und E-MTB-Variante im Test
In Altea konnten wir die Trail-Variante und das E-MTB-Modell ausführlich fahren. Auffällig: der sensible Schalthebel - anfangs fast zu schnell. Shimano hatte ab Werk die schnellste Schaltstufe aktiviert. Per App reduzierten wir auf eine mittlere Stufe - damit ließ sich die Gruppe kontrollierter schalten. Die Gänge flutschen dank Hyperglide+ wie gewohnt butterweich. Das Finish der Kurbeln ist top, die Verarbeitung wirkt insgesamt sehr hochwertig. Auch bei der Montage fiel auf: Die Komponenten sind exakt gefertigt, alles passt auf Anhieb.
Positiv: Shimano setzt weiterhin auf klassische Schaltaugen - das neue Schaltwerk ist allerdings optimiert für UDH-Aufnahmen.
Shimano XTR im Detail
Die neue Shimano XTR-Gruppe nimmt sowohl Trail-, Enduro- als auch Crosscountry-Fahrer in den Blick. Für jede Disziplin gibt es optimierte Bauteile. Auch für Shimano liegt die Zukunft der MTB-Getriebe in Funk-Schaltungen. Die XTR M9200 basiert auf einem neuentwickelten Di2-System, das schneller, präziser und zuverlässiger schalten soll als der kabelgebundene Vorgänger. In Zusammenarbeit mit Weltklasse-Athleten optimierte Shimano die Widerstandsfähigkeit des Antriebs auf harten Rennkursen. So verfügt das Schaltwerk nun über einen kräftigeren Dämpfungsstabilisator namens Shadow ES, welcher auf einer doppelten Spannfeder basiert und den Rückhalt der Kette auf den Zähnen verbessern soll.
Zudem verzichtet das Design auf Kanten an denen das XTR Schaltwerk hängenbleiben könnte. Trifft das 665 Euro teure Teil auf ein Hindernis, so soll es von diesem einfach abgleiten ohne bleibende Schäden davonzutragen. Kommt es dennoch zu einem Aufprall, soll Shimanos Automatic Impact Recovery Funktion dafür sorgen, dass das Schaltwerk ausklinkt, den Stoß absorbiert und von selbst in die Ursprungsposition zurückfindet. Sollte sich doch mal etwas verstellen, lässt sich die Schaltung während der Fahrt vom Lenker aus feinjustieren.
Huch, doch ein Kabel?
Für E-Bikes bietet Shimano eine Version mit Anbindung an den Hauptakku an. Der Akku der neuen Shimano XTR Di2 sitzt tief im Schaltwerk unter einer Kunststoffabdeckung und soll sich auch bei harter Gangart nicht bewegen oder lösen können. Zum Laden ist der Energiespeicher entnehmbar. Ein Akku soll laut Hersteller Saft für 30040 bis 500 Kilometer bieten. Die zwei Knopfzellen im Schalthebel versprechen eine Laufzeit von bis zu zwei Jahren. Mit dem Modell RD-M9260 bietet Shimano auch ein optionales E-MTB-Schaltwerk an, das durch den Hauptakku mit Strom versorgt wird. Dieses besitzt sowohl eine Free-Shift- als auch eine Auto-Shift-Funktion. So kann geschaltet werden ohne zu treten und auf Wunsch wechselt die smarte Automatik die Gänge sogar von selbst. Für die E-Bike-Version steht ein Zwölffach-Schaltwerk für Ketten und Kassetten mit Hyperglide-Technologie oder eine Elffach-Version für Teile mit Linkglide-Standard zur Auswahl.
Das neue XTR-Schaltwerk kann mit zwei verschiedenen Käfiglängen geordert werden. Der lange Käfig erlaubt die Verwendung von Kassetten mit zehn bis 51 Zähnen und somit die bereits bekannte Ritzel-Option. Der mittellange Käfig ist für die Verwendung der neuen 9-45-Zähne Kassette optimiert. Das kleine Ritzel soll die Verwendung eines kleineren Kettenblattes (zum Beispiel 30 oder gar 28 Zähne) ermöglichen ohne bei hohen Geschwindigkeiten einen Gang zu vermissen. Die Übersetzungbandbreite liegt bei 500 Prozent. Der im Vergleich zum Vorgänger bis zu 23 Millimeter kürzere Schaltwerkkäfig und das etwa acht Millimeter weniger nach unten abstehende kleinere Blatt resultieren in mehr Bodenfreiheit, was der Haltbarkeit der Teile zugute kommen dürfte. Shimanos Hyperglide+-Technologie soll für ein sanftes, verschleißarmes Schalten auch unter Last sorgen.
Für ihre neue Funk-Schaltung mussten die Entwickler bei Shimano natürlich auch den Schalthebel von Grund auf neu erdenken. Das Ergebnis soll besonders ergonomisch und individualisierbar sein. So gibt es bei jedem Schaltvorgang ein taktiles Feedback und es stehen verschiedene Schalt-Modi zur Auswahl. Nutzer können sich zum Beispiel für klassische Schaltvorgänge via einzelnen Klicks oder für Multi-Shift entscheiden. Dabei schaltet das System beim Durchdrücken gleich doppelt. Die Tasten können in vier Richtungen ausgerichtet werden. Am Körper des Schalthebels befindet sich eine weitere Taste, welche mittels E-Tube-App mit individuellen Funktionen belegt werden kann. Beispielsweise zur Steuerung kompatibler Bikecomputer. Die neuen Schalthebel lassen sich entweder per Klemmschelle oder Direktmontage im I-Spec-EV-Standard befestigen.
Shimano XTR M9200 Di2 Wireless Schaltung im Detail
- Shimano XTR Schaltwerk
- 12 via Funk schaltbare Gänge
- Shimano Shadow ES Stabilisations-Technologie
- robuste Struktur mit Gleitplatte und soliden Rollen
- entnehmbarer und aufladbarer Akku
- optionale kabelgebundene Version für E-MTBs inkl. Auto- u. Free-Shift-Funktion
- Preis: 664,95 Euro
- Einzelpreis Akku: 63,95 Euro
- Einzelpreis Ladegerät: 56,95 Euro
- Gewicht Schaltwerk: 388 g (BIKE-Messung, kurzer Käfig)
- Gewicht Akku: 22,5 g (BIKE-Messung)
- Shimano XTR Schaltgriff
- Shimano Rapid ES Technologie
- vielfältig einstellbar mit wählbaren Schalt-Modi
- zusätzliche individualisierbare Taste
- Preis: 234,95 Euro
- Gewicht: 101 g (BIKE-Messung)
- Shimano XTR Kassette
- zwölf Ritzel, wahlweise 9-45 Z. oder 10-51 Z.
- Micro-Spline-Montagestandard
- Hyperglide+-Technologie
- Übersetzungsbandbreite: 500 / 510 %
- Preis: 504,95 Euro
- Gewicht: 322 g (BIKE-Messung, 9-45 Z.)
- Shimano XTR Schaltungs-Upgrade-Set
- Preis: 999 Euro
Starke und leichte Kurbeln für Trail und Race
Die neue XTR-Kurbel bietet Shimano in zwei Varianten an. Eine Option für Trail- und Enduro-Fahrer soll auf höchste Haltbarkeit hin optimiert sein. Im Fokus der Entwickler lagen Steifigkeit, Kraftübertragung und Widerstandsfähigkeit gegen Kollisionen. Dafür kommt die Enduro-Kurbel mit stärkerer Achse. Für weniger Kurbelaufsetzer ist eine kurze 160-Millimeter-Option vorgesehen.
Die neue Race-Kurbel soll sich durch ein besonders geringes Gewicht auszeichnen und für Crosscountry-Rennen sowie Touren optimiert sein. Sie kommt mit einem reduzierten Q-Faktor von 168 Millimetern. Beide Varianten der neuen XTR-Kurbel setzen auf den bewährten Hollowtech II Standard.
Shimano XTR M9200 Kurbeln im Detail
- Shimano XTR Kurbelgarnitur
- Hollowtech II Technologie
- Zwei Varianten: Trail u. Enduro / Race
- spezifischer Q-Faktor: 176 / 168 mm
- Kettenlinie: 55 mm
- Preis: 334,95 Euro (ohne Kettenblatt)
- Gewicht: 528 g (BIKE-Messung, 176 / 170 mm)
- Shimano XTR Kettenblatt
- Zähnezahl: 28 / 30 / 32 / 34 / 36 / 38
- Preis: 174,95 Euro
- Gewicht: 63 g (BIKE-Messung, 30 Z.)
Neue Shimano XTR Scheibenbremsen
Shimano-Bremsen erfreuen sich seit Jahren großer Beliebtheit mit der Neuauflage wollen die Japaner ihre Stopper noch ergonomischer und zuverlässiger gemacht haben. Dazu wurde der Hebel vollkommen neu designet und kommt mit der neuen Ergo Flow Technologie, welche es ermöglichen soll den Druckpunkt näher an den Lenker zu bringen. Damit folge die Bewegung des Bremsfingers einem mehr natürlichen, anatomischen Weg. Die Form des Bremshebels ist nun asymmetrisch nach oben angestellt, was eine aggressivere Fahrposition und eine bessere Gewichtsverteilung auf dem Bike ermöglichen soll.
Die neue Shimano XTR Bremse kommt in gleich drei verschiedenen Varianten. Die XC-Version mit zwei Kolben ist auf ein besonders geringes Gewicht ausgelegt, verfügt über einen Carbon-Hebel, Hauptzylinder aus Magnesium und Kolben aus Kunststoff. Der neue, nun einteilige Trail- und Enduro- Bremssattel kommt mit vier Kolben unterschiedlichen Durchmessers und soll endlich über klapperfreie Beläge mit Kühlrippen verfügen. Die entsprechenden Bremshebel verfügt über die weiterentwickelte Servo Wave Konstruktion, welche den Hebelweg besonders reibungslos und direkt in Bremsleistung umsetzen soll. Bremssättel und -hebel lassen sich zu einer dritten Variante kombinieren.
Alle Optionen setzen jetzt auf ein Mineralöl mit geringer Viskosität und Dichtungen mit konsistenter Rückstell-Geschwindigkeit. Das soll auch das Bremspunkt-Wandern verhindern, welcher Shimano bei der Vorgänger-Generation immer wieder vorgeworfen wurde.
Superstabile Carbon-Laufräder aus der XTR-Familie
Bei den neuen Naben will Shimano Lager, Dichtungen und Wartungsfreundlichkeit verbessert haben. Zudem soll der Rollwiderstand gesunken und der Schutz vor Feuchtigkeit und Dreck gestiegen sein. Die Hinterradnabe kommt mit einem neuen Direct Engagement Freilaufkörper, der mit einem Eingreifwinkel von 3,5 Grad besonders wenig Widerstand bieten soll. Verbaut werden die Naben entweder in einen spezifischen Trail-, beziehungsweise Enduro- oder XC-Laufradsatz. Letzterer setzt zur Gewichtsoptimierung auf 24 Speichen aus Titan.
Shimano XTR M9200 Laufräder im Detail
Shimano XTR Laufradsatz: Verfügbar als Trail-/Enduro- u. XC-Version
Fazit
Das Alleinstellungsmerkmal der Shimano XTR-Bremsen ist das hohe Maß an Leichtbau, zusätzlich kombiniert mit sehr starker Power. Die Shimano XTR ist eine sehr gute Bremse und vereint Bremskraft, leichte Wartung und Handling mit geringem Gewicht. Innerhalb des Testfelds ist der Preis mit 630 € dafür immer noch sehr fair.
Verwandte Beiträge:
- Mountainbike XTR Ausstattung: Test & Kaufberatung für Profis
- Bestes Mountainbike unter 1000€: Test & Vergleich der Top-Modelle
- Naturnser Alm Mountainbike Tour: Streckenbeschreibung & Tipps
- Mountainbike Sattelfederung: Komfort & Performance im Vergleich
- Dreirad 20 Zoll: Test & Vergleich der besten Modelle für Kinder & Erwachsene
- Eingeschlafene Hände beim Fahrradfahren? Ursachen & Sofortige Lösungen, die du kennen musst!
Kommentar schreiben