Mountainbike Pedale: Alles zur Gewindegröße und zum Wechsel

Kräftig in die Pedale treten, sich den Wind um die Nase wehen lassen und die Geschwindigkeit genießen - was gibt es Schöneres als eine Radtour? Leider verderben kaputte Fahrradpedale mitunter den Spaß.

Immer wieder kommen Kunden zu uns, die Ihre Pedale selber gewechselt und durch falsche Handhabung Pedale und sogar Kurbeln irreparabel beschädigt haben.

Auch wenn Radfahrer von Block-Pedalen auf Mountainbike-Pedale oder von Trekking-Pedalen auf Klick-Pedale wechseln möchten, kann ein Austausch notwendig werden. Durch den Wechsel spart man sich den kostspieligen Gang in die Fahrradwerkstatt. Außerdem verschafft der Wechsel gerade Anfängern und handwerklichen Laien ein gutes Gefühl - Seht her, ich kann meine Pedale selbst wechseln!

Warum der Pedalwechsel wichtig ist

Wie oft man seine Pedale wechseln sollte, lässt sich nicht pauschal sagen. Manche hochwertigen Pedale halten mehrere Jahrzehnte lang, andere Fahrradpedale müssen aufgrund von Beschädigung bereits nach wenigen Wochen ausgetauscht werden. Generell gilt: Man sollte seine Pedale auf jeden Fall austauschen, wenn diese nicht mehr die nötige Haftung bieten.

Mit ein wenig Geschick und dem geeigneten Werkzeug ist es leicht, die Fahrrad-Pedale zu wechseln. Das Pedale Abschrauben, Einfetten und Anschrauben der neuen Pedale dauert in der Regel nicht mehr als zehn bis maximal 20 Minuten.

Nicht jeder Radfahrer ist zum Hobbyschrauber geboren. Muss man auch nicht sein. Denn für bestimmte Reparaturen und Arbeiten ist die Fachwerkstatt oft die bessere Adresse. Aber die Basics-Handgriffe sollte jeder ambitionierte Besitzer eines Rennrades, Mountainbikes oder Trekkingbikes beherrschen. Dazu zählt auf jeden Fall die Montage und Demontage der Pedale.Warum? Weil man im Laufe seines Radlerlebens, und selbst im Alltag, des öfteren in die Situation kommt, die Pedale an- und abschrauben zu müssen. Zum Beispiel: Du hast ein neues Bike online bestellt und im Karton angeliefert bekommen. Die Pedale liegen in der Regel bei und müssen montiert werden. Oder du willst dein Bike kompakt transportieren, sei es im Kofferraum des Autos, im Zug oder in einer Box für den Flieger. Dazu müssen die Pedale abgeschraubt werden. Oder du hast dir einfach ein Paar neue Pedale gegönnt.

Das unterschiedliche Gewinde an den Pedalen

Jeder hat schonmal eine Schraube ins Holz gedreht oder eine Mutter an einer Befestigung festgezogen. Bei 99 Prozent aller vorkommenden Gewinde handelt es sich um so genannte Rechtsgewinde: Drehen im Uhrzeigersinn schließt die Verbindung.

Es ist wichtig zu wissen, dass das rechte und linke Pedal ein unterschiedliches Gewinde haben. Am Fahrrad besitzt das rechte Pedal (stets in Fahrtrichtung gesehen) ein solches Rechtsgewinde. Das linke Pedal jedoch besitzt ein Linksgewinde! Das heißt: Beim Einschrauben in die Kurbel muss man es nach links, gegen den Uhrzeigersinn drehen.

Grund: Durch die Rotation der Kurbel beim Treten und unter Berücksichtigung der (Gegen-) Laufrichtung der Kugellager an den Pedalachsen sorgen die unterschiedlichen Gewinde dafür, dass sich die Pedale beim permanenten Treten nicht losdrehen können. Anders herum ausgedrückt: Die Pedale ziehen sich selbstständig fest, beziehungsweise werden in Position gehalten.

Spricht man am Fahrrad von rechter und linker Seite, so geht man immer von der Sicht des Fahrers aus. In Fahrtrichtung gesehen weist also das RECHTE Pedal ein Rechtsgewinde auf, und das LINKE Pedal ein Linksgewinde.

Wie man das linke bzw. rechte Pedal erkennt

Das linke Pedal hat meistens an der Achse eine Riffelung während das rechte eine glatte Fläche hat (siehe Bild).

Zur Identifikation der beiden verschiedenen Gewinde sind Pedale in der Regel mit den Buchstaben R und L gekennzeichnet. Entweder am Pedalkörper oder in der Nähe des Gewindes, meist direkt auf dem Sechskant.

Der Hauptunterschied zwischen einem linken und einem rechten Fahrradpedal besteht in der Richtung des Gewindes. Beim linken Pedal zeigen die Rillen nach links oben, wenn man es auf den Boden stellt, beim rechten Pedal nach rechts oben. Die Unterscheidung ist insofern wichtig, weil dadurch sichergestellt wird, dass die Pedale sich nicht durch die Tretbewegungen beim Radfahren aus dem Gewinde lösen. Die gegenläufigen Rillen bieten hier Schutz.

Bevor man sich daran macht, seine Pedale am Fahrrad wechseln, sollte man sich also genau anschauen, welches das rechte und welches das linke Pedal ist. Tipp: Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal bei den meisten Pedalen ist eine kleine Nut, die sich beim linken Pedal am Anfang des Gewindes befindet.

Werkzeuge und Montage

Im Handel sind spezielle Pedalschlüssel erhältlich. Dabei handelt es sich im Grunde um nichts anderes als gewöhnliche Maulschlüssel der Größe SW15 mit einem leicht gebogenen Kopf. Wer seine Fahrradpedale abschrauben will, kann entweder einen derartigen Pedalschlüssel oder einen herkömmlichen Maulschlüssel verwenden. Beides funktioniert.

Pedale besitzen in der Regel zwei Ansatzpunkte für Werkzeug: An der Pedalachse (zwischen Pedalkörper und Kurbel) lässt sich ein 15 mm Maulschlüssel ansetzen. Empfehlenswert ist die Anschaffung eines speziellen, flachen Pedalschlüssels. Er passt optimal in den oft schmalen Spalt zwischen den beiden Bauteilen. Außerdem ist seine Hebelwirkung besser als die eines herkömmlichen Maulschlüssels. Denn viel Kraft benötigt man vor allem beim Abschrauben sehr fest sitzender Pedale.

An der Stirnseite der Pedalachse befindet sich in der Regel eine Aufnahme für einen Innensechskant-Schlüssel (Inbus). Das Maß beträgt 6 Millimeter, in Ausnahmefällen auch 8 Millimeter. Wer mit dem Innensechskant arbeiten möchte, sollte sich einen entsprechenden Inbus-Schlüssel mit langem Hebel anschaffen. Auch hier hauptsächlich wegen der Probleme mit fest sitzenden Pedalen. Zu guter Letzt benötigt man bei der Montage ein handelsübliches Fahrradfett.

Die Montage - Schritt für Schritt

  1. Nun zum Wesentlichen: Als Erstes muss man die Fahrradpedale abschrauben. Dazu nimmt man den Maulschlüssel oder den Pedalschlüssel. Man schraubt das rechte Pedal gegen den Uhrzeigersinn sowie das linke Pedal mit dem Uhrzeigersinn ab. Um die Fahrrad-Pedale zu lösen, kann man bei Bedarf einen besonders langen Maulschlüssel oder ein Verlängerungsrohr nehmen.

  2. Die Pedalgewinde müssen vor dem Anschrauben der Pedale gefettet werden! Das Fett wirkt wasser-abweisend und sorgt dafür, dass sich die Pedale jederzeit mit normalem Kraftaufwand auch wieder lösen lassen. Dazu einfach ein bisschen Fett oben aufs Gewinde geben. Der Schmierstoff verteilt sich beim Anschrauben automatisch rundherum. Ausnahme: Bei Leichtbau-Pedalen mit Titan-Achsen ist statt Fett eine spezielle Titan-Montagepaste zu verwenden!

  3. Nach dem Pedale Demontieren folgt das Einfetten der Gewinde. Man bestreicht die neuen Fahrradpedale hierzu am Gewinde dünn mit Montagefett oder Kugellagerfett. Durch das Einfetten verhindert man, dass Wasser ins Innere dringt und die Pedale sowie die Kurbel zu rosten beginnen.

  4. Letzter Schritt beim Pedalwechsel: neue Pedale montieren. Man setzt die gewünschten Pedale in die Kurbel - auf rechts und links achten! - und zieht sie anschließend mit dem Maulschlüssel SW15 fest. Das linke Pedal wird gegen den Uhrzeigersinn, das rechte Pedal mit dem Uhrzeigersinn festgeschraubt. Mit einem Drehmomentschlüssel lassen sich die Pedale zusätzlich festziehen.

An- und Abschrauben - Rechte Seite (Antriebsseite)

Zunächst das Pedal mit gefettetem Gewinde von Hand in die Kurbel drehen. Tipp: Schnell und leicht geht es, wenn man mit dem Inbusschlüssel von hinten durchs Kurbelgewinde dreht. Festziehen IM Uhrzeigersinn, lösen GEGEN den Uhzeigersinn (RECHTS-Gewinde). Sobald die Pedalachse am Anschlag ist, arbeitet man mit dem 15-mm-Pedalschlüssel weiter. Tipp: Gefühlvoll und bei Bedarf auch kraftvoll kann man anziehen (und lösen), wenn man sich über das Bike hinweg beugt und von oben her arbeitet. Dazu die Kurbel beim Anziehen auf etwa 8 Uhr stellen, beim Lösen auf 4 Uhr.

An- und Abschrauben - Linke Seite

Auf der linken Seite sind die Dreh-Richtungen auf Grund des Linksgewindes vertauscht! Anziehen GEGEN den Uhrzeigersinn, lösen IM Uhrzeigersinn (LINKS-Gewinde). Auch hier gilt wieder: Zuerst das Pedal von Hand eindrehen und am Ende mit dem Schlüssel arbeiten. Von oben her arbeiten ist bequemer: Dazu die Kurbel beim Anziehen auf etwa 4 Uhr stellen, beim Lösen auf 8 Uhr.

Wie fest muss man Pedale anziehen?

Grundsätzlich gilt: Wer einen Drehmomentschlüssel besitzt, sollte diesen auch benutzen. Mit einem Wert von etwa 30 Nm (Newtonmeter) liegt man in der Regel richtig. Sollten jedoch anders lautende Angaben des Pedalherstellers vorliegen, sind diese zu beachten! Ohne Drehmomentschlüssel ist es schwierig, den nötigen Druck zu beschreiben. Pedale sollten fest aber nicht übertrieben fest sitzen. Wer die Montage öfter macht, bekommt schnell ein Gefühl dafür.

Sonderfall Carbon Kurbeln

Zur Montage der Pedale besitzen Carbon Kurbeln in den Kurbelarmen Gewinde-Einsätze aus Aluminium, so genannte Inserts. Spezielle, dünne Beilagsscheiben zwischen Pedalachse und Kurbel verhindern, dass sich die harte Stahlachse beim Festziehen ins weichere Aluminium des Inserts frisst. Obligatorisch bei der Montage: Fett auf Stahlachsen beziehungsweise Montagepaste auf Titanachsen! Diese Beilagsscheiben erhälst du bei uns im Shop als Zubehör.

Probleme beim Lösen der Pedale

Mit dem passenden Werkzeug ist es normalerweise einfach, die Fahrradpedale zu lösen. Manchmal sind die Gewinde jedoch so fest miteinander verbacken, dass sich die Pedale nicht ohne Weiteres abschrauben lassen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn bei der Herstellung oder bei einem vorangegangenen Wechsel vergessen wurde, die Gewinde mit Montagefett zu bearbeiten.

Verbackene Gewinde löst man am einfachsten mit Kriechöl. Man sprüht das Öl großzügig auf die Verbindung zwischen Kurbel sowie Pedal und lässt es einige Minuten einwirken. Danach lassen sich die Fahrradpedale in den allermeisten Fällen leicht abnehmen.

Falls die Pedale schon leicht eingerostet sind, solltet Ihr von aussen das Gewinde ölen und mit einem langen Gabelschlüssel (längerer Hebel) das Pedal lösen. Falls das nicht funktioniert kann man noch die Kurbel/pedal mit einem Heißluftfön erhitzen.

Spezialfälle bei Gewinden

Fauber bzw. Ältere französische Fahrräder hatten 14 mm x 1.25 mm Gewinde. Zum Glück sind diese aber sehr selten. Pedale mit französischem Gewinde sind meist mit einem "D" und einem "G" (französisch für "droite" (rechts) und "gauche" (links) gekennzeichnet. Ein Pedal mit französischem Gewinde kann man in eine Standardkurbel schrauben (und umgekehrt), sie bleiben jedoch schon bald stecken. Wenn man mit Gewalt weiter schraubt, zerstört man das Gewinde der Kurbel.

In den frühen 1980er Jahren hat Shimano versucht, sehr große Gewindegrößen zu etablieren. Dieses System hieß Dyna Drive. Hierbei wurde das Pedallager innerhalb der Kurbel verlegt, so dass der Fuß knapp unterhalb des Drehpunkts des Pedallagers stand. Es wurde verbreitet, dass das biomechanische Vorteile bringt.

Diese Pedalgewindeformen haben 100 Jahre inudstrieller Unbeweglichkeit hinter sich und keine dieser Formen ist ideal. Ein besseres System müsste eine konische Oberfläche zwischen Pedalwelle und Kurbel haben, um Fraßkorrosion durch die minimalen Bewegungen der Pedalwelle innerhalb der Kurbel zu vermeiden.

Tipps & Tricks

  • Der Vollständigkeit halber: Pedalgewinde besitzen in der Regel ein 9/16″ x 20 TPI Gewinde. Es gibt Ausnahmen im Ausland und vereinzelt im BMX-Bereich.

  • Pedale sollten sich nach dem Ansetzen mit Handkraft einschrauben lassen. Achte darauf, dass du das Pedal gerade und im rechten Winkel zur Kurbel ansetzt. Funktioniert das nicht, ist etwas nicht in Ordnung! Gehe niemals mit Gewalt weiter vor, sondern hol dir Hilfe in der Fachwerkstatt. Das Gewinde könnte sonst beschädigt oder sogar unbrauchbar werden!

  • Ein defektes Pedalgewinde kann in bestimmten Fällen repariert werden! Entweder durch Nachschneiden des Gewindes. Oder in Härtefällen sogar mit Einsatz einer speziellen Gewindehülse. Aber lass es lieber nicht darauf ankommen!

  • Festsitzende Pedale, die beispielsweise vor der Montage nicht gefettet wurden, können sehr viel Kraft beim Lösen erfordern. Ein langer 15 mm Pedalschlüssel eignet sich hier meist besser als ein Innensechskantschlüssel. Eine Vorbehandlung mit WD-40 Rostlöser ist manchmal hilfreich.

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