Alle vier Jahre steht für die Profi-Mountainbiker*innen der XCO-Disziplin ein ganz besonderes Rennen an: die Olympischen Spiele! Im Rahmen der Sommerolympiade in Paris finden zum achten Mal MTB-Rennen statt.
Die Entwicklung des MTB-Rennsports in Bildern
Es hat sechs Olympische Spiele gebraucht (Atlanta 1996; Sydney 2000, Athen 2004, Peking 2008, London 2012, Rio 2016, Tokio 2021), um den Cross-Country-Sport zu dem zu formen, was er heute repräsentiert. Ein vielseitiges, spannendes und mitreisendes Format, welches sich ohne Zweifel als Königsdisziplin des Radsports bezeichnen darf.
Der Start des ersten olympischen MTB-Rennens 1996 in Atlanta: Die technischen Herausforderungen hielten sich damals in Grenzen. Der physisch stärkste Fahrer gewann zu dieser Zeit in der Regel auch bei MTB-Rennen. Bart Brentjens (Nummer 35) gewann in Atlanta und wurde daraufhin vom niederländischen Königshaus zum Ritter geschlagen.
Der US-Amerikaner Tinker Juarez 2000 in Sydney: Auch hier verlief die Strecke zu großen Teilen über einfaches Gelände. Renndauer damals: 2:09 Stunden!
Athen 2004 stellte den ersten Wendepunkt in der Geschichte des Mountainbike-Sports dar: Erstmals war die Rennstrecke von technisch extrem fordernden Elementen geprägt. Lado Fumic brach damals der Sattel in so einer Schlüsselstelle. Sabine Spitz holte mit Bronze ihre erste Olympia-Medaille.
Roel Paulissen aus Belgien auf der Olympia-Strecke 2008 in Peking: Dies war der erste MTB-Kurs, der zu größten Teilen künstlich angelegt wurde. Die technischen Elemente waren spektakulär, aber dennoch überschaubar. Julien Absalon holte sich nach Athen hier zum zweiten Mal die Gold-Medaille und machte sich damit unsterblich. Sabine Spitz holte die Gold-Medaille bei den Damen.
Die Strecke in London 2012 hatte viele Kritiker: Der komplette Kurs war künstlich angelegt und mit einer Schicht Brechsand überzogen. Das würde den Mountainbike-Sport nicht wirklich repräsentieren, hieß es, auch wenn einige extreme Hindernisse im Weg lagen.
Die letzten Olympischen Spiele in Rio 2016 hatten ein ähnliches Strecken-Design wie die Spiele in London: Allerdings wurden die Schlüsselstellen noch extremer. Die Defekte und Sturzgefahr stiegen und wurden auch Peter Sagan zum Verhängnis. Nino Schurter gewann allerdings nicht nur dank seiner technischen Exzellenz, sondern auch wegen eindeutiger körperlicher Überlegenheit.
Olympia 2024 in Paris
Der Elancourt Hill rund 40 km südwestlich von der Pariser Innenstadt ist mit 231 m der höchste Punkt in der Region Paris und wird Austragungsort der achten olympischen MTB-Wettbewerbe sein. Die Rennen finden am Sonntag, 28. Juli (Frauen) und am Montag, 29. Juli (Herren) jeweils um 14:10 Uhr statt.
Die Strecke
Die Strecke wurde vom südafrikanischen Streckenbau-Experten Nick Floros, der auch die Olympia-Tracks von Rio 2016 und Tokio 2021 gestaltet hat, designt und soll "zu 95% existierende Wege" nutzen. Nach den Olympischen Spielen bleibt das Gelände in ähnlicher Form erhalten, soll Mountainbiker sowie Wanderer anlocken und auch für MTB-Rennen genutzt werden.
Rückblick auf Tokio 2021
Bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio gewann Thomas Pidcock nach 1:25.14 Stunden das olympische Mountainbike-Rennen und holte Gold für Großbritannien. Silber ging an Mathias Flückiger aus der Schweiz, Bronze an den Spanier David Valero. Schurter landete auf Rang vier.
In der 28-jährigen Geschichte mit acht Austragungen gewannen Schweizer sowie französische Fahrerinnen und Fahrer 16 von 42 Medaillen. 2021 in Tokio besetzten die Schweizer Fahrerinnen (Jolanda Neff, Sina Frei, Linda Indergand) das komplette Stockerl! Mathias Flückiger und Nino Schurter (beide Schweizer) fuhren vor drei Jahren in Japan auf die Plätze 2 und 4. Es gewann der Brite Thomas Pidcock - damals noch auf einem ungelabeltem BMC Fourstroke, in Paris wird der Ineos-Grenadiers-Fahrer auf dem neuen Pinarello Dogma XC unterwegs sein.
Beim Olympia-Rennen 2021 in Tokio bestand das komplette Podium aus Schweizer Fahrerinnen! Jolanda Neff gewann den "Maskenball" in Japan.
Deutsche Starter*innen in Paris 2024
Im UCI Mountain Bike Olympic Qualification Ranking lag Deutschland am Ende mit 6464 Punkten auf Platz 6 (Herren) und bei den Damen ganz knapp auf Platz 9. Das bedeutet, dass zwei Herren und eine Frau in Paris den Bundesadler auf der Brust tragen werden. Die Wahl des BDR (Bund deutscher Radfahrer) und Bundestrainers fiel neben Nina Benz auf Luca Schwarzbauer und Julian Schelb.
Drei deutsche Athlet*innen werden in der MTB-Disziplin Cross-Country bei Olympia am Start stehen: Luca Schwarzbauer, Julian Schelb und Nina Benz.
- Luca Schwarzbauer: Bekam vom Verband schon früh in der Olympia-Vorbereitung das Go. In Obergessertshausen kürte er sich jüngst zum deutschen XCO-Meister.
- Julian Schelb: Konnte seine Form vom Frühjahr bis zum entscheidenden Weltcup in Tschechien sowie in Crans-Montana (Platz 2 und 5!) konstant ausbauen und scheint zurück in der Weltspitze.
- Nina Benz: Gewann in Rumänien eine Medaille: Bronze im Cross-Country! Bei der DM brachte sie jüngst Bronze mit nach Hause.
Größte deutsche Hoffnung bei den Olympischen Spielen in Paris 2023 dürfte der Nürtinger Canyon-Athlet Luca Schwarzbauer sein. Der Deutsche Meister von 2022 und 2024 gewann vergangene Saison die Gesamtwertung des Short-Track-Weltcups.
Favorit*innen auf Gold
Die aktuell schnellsten Damen: Pauline Ferrand-Prévot (FRA), Anne Terpstra (NED), Jenny Rissveds (SWE), Loana Lecomte (FRA), Haley Batten (USA) und Alessandra Keller (SUI).
Weitere männliche Medaillen-Hoffnungen dürften Titelverteidiger Tom Pidcock (GBR), Ex-Weltmeister Jordan Sarrou (FRA), Alan Hatherly (RSA), Mathias Flückiger (SUI) und natürlich der 10-fache Weltmeister und Olympia-Sieger von 2016 Nino Schurter (SUI) sein. Bei den Männern wird aber auch Luca Schwarzbauer vorne mitspielen, eine Medaille für ihn oder auch Julian ist nicht ausgeschlossen.
Mountainbike-Disziplinen bei Olympia
Seit den olympischen Spiele 1996 in Atlanta gibt es auch Mountainbike- bzw. Cross Country-Rennen für Männer und Frauen bei Olympia. Das Rennen beginnt mit einem Massenstart, dann müssen die Fahrer mehrere hügelige Runden eines Rundkurses absolvieren, der zum Großteil aus unbefestigten Wegen besteht. Dabei gibt es unterschiedliche Geländearten wie Wald-, Wiesen-, Feld- oder Kieswege. Gefragt sind dabei vor allem Technik, Ausdauer und Kraft. Meist betragen die Runden vier bis sechs Kilometer, das Rennen dauert um die 90 Minuten.
Das Frauen-Rennen wird am 28. Juli, das Herren-Rennen einen Tag später ausgetragen. Olympiasieger von Tokio wurden Thomas Pidcock und Jolanda Neff.
Weitere Radsportdisziplinen bei Olympia
Der Radsport gliedert sich in verschiedene Bereiche, die jeder für sich olympisch werden konnte. Es gibt daher vier verschiedene Sparten, in denen um Medaillen bei den olympischen Sommerspielen geradelt und damit auch gekämpft werden können: Bahnradsport, Straßenrennen (mit Straßenrennen und Zeitfahren), BMX-Bewerb und Mountainbike.
BMX
Im BMX gibt es zwei unterschiedliche Disziplinen. Das BMX-Rennen wurde 2008 in die Olympischen Wettkämpfe eingeführt, den BMX-Freestyle gibt es erst seit 2020.
- BMX-Rennen: Beim BMX-Rennen treten bis zu acht Fahrer gleichzeitig gegeneinander an. Sie duellieren sich auf einer Rundstrecke mit Geraden, Sprüngen und Kurven. Es gewinnt derjenige, der als Erster über die Ziellinie kommt. Über Vorläufe können sich die Fahrer so für das Finale qualifizieren, das aus acht Fahrern besteht und den Olympiasieger kürt.
- BMX-Freestyle: Hierbei führen die Fahrerinnen und Fahrer Tricks auf ebenem Boden, Dirt-Jumps, einer Halfpipe und/oder aufgebauten Rampen aus. Je höher die Qualität der Tricks, desto höher wird man von der Jury bewertet. Die Fahrer haben dabei 60 Sekunden Zeit und erhalten je nach Schwierigkeit der Tricks, Höhe der Sprünge, Kreativität und Style Punkte. Wer am Ende die meisten Punkte erzielt, wird Olympiasieger.
Straßenrad
Bereits bei den ersten olympischen Spielen im Jahr 1896 war dar Straßenradsport vertreten. Für Männer und Frauen gibt es jeweils zwei Disziplinen:
- Einzelzeitfahren: Das Einzelzeitfahren ist eine der ersten Medaillen-Entscheidungen der Olympischen Spiele 2024. Männer und Frauen bewältigen dabei erstmalig überhaupt in der olympischen Geschichte den gleichen Kurs. In Abständen von anderthalb Minuten starten die jeweils 35 Fahrer einzeln, die die 32,4 Kilometer lange Strecke in der schnellstmöglichen Zeit absolvieren müssen.
- Straßenrennen: Zudem finden die Straßenrennen der Männer und Frauen statt. Auch dieses hat 2024 den gleichen Start- und Zielpunkt. Gestartet wird aber - im Unterschied zum Zeitfahren - als Massenstart. Hier gilt also: Wer als Erster über die Ziellinie kommt, gewinnt die Goldmedaille. Der Herren- und Frauen-Kurs unterscheidet sich in der Länge und der Streckenführung voneinander, beide Rennen sind aber lang.
Bahnrad
Mit Ausnahme der olympischen Spiele 1912 war bislang der Bahnradsport bei jeder Olympia-Austragung dabei. Gewandelt haben sich dabei regelmäßig die Disziplinen. Mittlerweile gibt es sechs deutlich kürzere Bahnrad-Disziplinen für Frauen und Männer.
- Teamsprint: Beim Teamsprint treten zwei Nationen gegeneinander an, die auf der jeweils gegenüberliegenden Geraden starten. Jedes Team besteht aus drei Fahrern bei den Männern, bei den Frauen aus zwei Fahrerinnen, insgesamt werden drei bzw. zwei Runden à 250 Meter absolviert. Nach jeder Runde scheidet jeweils der vorderste Fahrer aus, sodass am Ende nur ein Fahrer über die Ziellinie kommt. Wer dabei die schnellste Zeit hat, gewinnt das Rennen.
- Sprint: Beim Sprint treten drei bzw. im Finale zwei einzelne Fahrer gegeneinander an. Gefahren werden dabei wie im Teamsprint drei Runden. Die drei bzw. zwei Fahrer starten von der gleichen Startlinie, sodass am Ende der Fahrer gewinnt, der vor seiner Konkurrenz im Ziel ist.
- Keirin: Der “Kampfsprint” aus Japan besteht aus acht Runden im Velodrome à 250 Meter, die von sechs Fahrern bewältigt werden müssen. Dabei fährt ein Schrittmacher vornweg, das so genannte “Derny”, das nicht überholt werden darf. Dieses ist motorisiert angetrieben und beschleunigt das Rennen von circa 30 auf 50 km/h. 2,5 Runden vor Schluss verlässt das Derny die Bahn und der Sprint ist eröffnet.
- Mannschaftsverfolgung: Wie beim Teamsprint treten bei der Mannschaftsverfolgung immer zwei Teams gegeneinander an, die an den gegenüberliegenden Geraden starten. Eine Mannschaft besteht dabei aus vier Fahrern. Ziel ist es, die Distanz von 4000 Metern in einer möglichst kurzen Zeit zu absolvieren, wobei die Zeit des dritten Fahrers einer Mannschaft im Ziel gemessen wird. Ein Fahrer darf also während des Rennens ausscheiden.
- Madison: Beim Madison müssen Zweierteams bei den Männern eine Distanz von 50 Kilometern - also 200 Runden -, bei den Frauen 30 Kilometer - 120 Runden - zurückgelegt werden. Die volle Distanz müssen beide Fahrer nicht bewältigen, sie wechseln sich ab und dürfen sich über den so genannten “Schleudergriff” ablösen.
- Omnium: Das Omnium wird an einem Tag abgehalten und hat das Ziel, so viele Punkte wie möglich zu sammeln. Eine Nation darf einen Fahrer stellen, der folgende vier Disziplinen absolvieren muss: Scratch, Temporennen, Ausscheidungsfahren, Punktefahren.
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