Der perfekte Mountainbike-Sattel für Frauen: Ein umfassender Test

Gleich vorweg: DEN perfekten MTB-Sattel gibt es nicht, da jede Bikerin und jeder Biker individuell sitzt. Daher ist eine Probefahrt unerlässlich, um den richtigen Sattel zu finden. Doch wie findet man den passenden Sattel? Dieser Frage sind wir nachgegangen und haben Bike-Fitting-Expertin Franziska Schmidt sowie die Ergonomie-Expertinnen Janina Haas von Ergon/Terry und Sarah Seckler von SQlab befragt.

3 entscheidende Punkte für die Wahl des richtigen MTB-Sattels

  • Sitzknochenabstand: Der gemessene Abstand hilft, die Beckenbreite einzuordnen. Die Wahl des Sattels nur an diesem Wert festzumachen, greift jedoch zu kurz.
  • Sitzposition auf dem Mountainbike: Ob entspannt mit aufrechter Sitzposition oder aggressiv-sportliche Vorbeugung - die Sattelwahl sollte entsprechend ausfallen.
  • Polsterhärte des Sattels: Je länger man im Sattel sitzt, desto härter darf die Polsterung sein. Ein weicher Sattel kann sich auf längeren Touren durchsitzen und für Druckschmerzen sorgen.

Bikerinnen und Biker lassen sich grob in Sitzbein- oder Schambein-Belaster einteilen. Bei sportlichen Sitzpositionen rotiert das Becken vorwärts, wodurch die Belastung von den Sitzbeinhöckern auf die Schambeinkufen wandert. Der Sattel kann dadurch schmaler sein, sollte aber den Dammbereich besser entlasten.

Die Bike-Fitterin Franziska Schmidt von Gebiomized empfiehlt eine Druckmessung auf dem Rad, um die Beckenposition und die belastete Fläche zu ermitteln. Ihrer Erfahrung nach kommen viele Frauen mit V-Formen besser klar, während die meisten Männer eine T-Form mit Cutout als angenehm empfinden. Sie betont jedoch, dass dies individuell ist und von der Position auf dem Rad abhängt. Viele Frauen benötigen eine breitere Sattelmitte.

Sattelbreite und Sitzknochenabstand

Die Sattelbreite ist eine der wichtigsten Größen bei der Sattelwahl, besonders bei aufrechter Sitzposition. Der Sattel muss mindestens so breit sein, dass beide Sitzbeinhöcker komplett aufliegen. Bei einer sportlicheren Sitzposition und guter Beckenkippung ist die Sattelbreite nicht ganz so ausschlaggebend. Hier sollte der Sattel im mittleren Teil etwas breiter sein, um den Schambeinkufen ausreichend Auflagefläche zu bieten.

Polsterhärte beim MTB-Sattel

Generell gilt, dass Knochenstrukturen auf einem weichen Polster mit der Zeit einsinken können, was zu Scheuer- und Druckstellen führt. Außerdem kann der Blutfluss im Dammbereich durch ein zu softes Polster abgedrückt werden. Ein zu harter Sattel kann zwar auch Druckschmerzen verursachen, aber daran kann sich der Körper bei regelmäßiger Belastung gewöhnen.

Auch hier spielt die Sitzposition eine Rolle: Bei aufrechter Position kann der Sattel härter sein, während bei stärker gekipptem Becken ein weicheres Modell besser ist. Gelsättel oder Gelüberzüge sind für Mountainbikes eher ungeeignet.

T- oder V-Form des Sattels

Die T-Form zeichnet sich durch eine schmalere, lange Nase und eine breitere Sitzfläche aus und funktioniert gut bei aufrechter Sitzposition. Die V-Form empfiehlt sich, wenn das Becken gekippt ist und die Schambeinkufen Kontakt zum Sattel haben.

Kontur des Sattels

Sättel mit ebener Sitzfläche bieten Stabilität, während eine seitlich abfallende Form entlastend wirken kann. Wenn man beim Treten mit dem Oberschenkel an die Sattelkante stößt, kann ein seitlich abfallender Sattel die Lösung sein. Ein ansteigendes Heck ist für Fahrer geeignet, die hohen Druck im Schambeinbereich verspüren.

Ein Cutout im Sattel soll weiches Gewebe entlasten, aber die Ränder müssen speziell geformt sein, damit sich der Druck dort nicht erhöht. Sättel mit "Channel", einer leichten Vertiefung, bieten etwas mehr Kontaktfläche und sind oft die sinnvollere Lösung.

Die Sattelnase

Eine breite Sattelnase hat den Vorteil, dass man den Sattel an verschiedenen Stellen gut belasten kann. Da der vorderste Teil der Sattelnase meist nicht belastet wird, ist eine lange Sattelnase nicht zwingend nötig. Gerade Fahrer mit kräftigen Oberschenkeln empfinden einen kurzen Sattel als angenehm. Viele Shortfit-Sättel haben eine stark ausgeprägte V-Form, die bei sportlicher Sitzposition sinnvoll sein kann.

Das Sattelgestell

Während die Gestelle bei preiswerten Sätteln meist aus CrMo-Stahlrohr bestehen, spart man mit einem Carbon-Gestell bis zu 60 Prozent Gewicht. Um bruchsicher zu sein, sind Carbon-Streben meistens hochoval (7 x 9 oder 7 x 10 Millimeter).

Was braucht ein Fahrradsattel, damit Frauen schmerzfrei biken können?

Es gibt physiologische Unterschiede zwischen Frauen und Männern, die sich auf die Wahl eines MTB-Sattels auswirken. Janina Haas von Ergon/Terry betont, dass Frauen durchschnittlich einen Schambeinwinkel von über 90 Grad haben, was eine breitere Unterstützung in der Sattelmitte erfordert. Außerdem steigen ihre Frauensättel im hinteren Bereich etwas stärker an, um die Sitzbeinknochen besser zu unterstützen.

Für das Weichteilgewebe haben Frauensättel entweder einen Cut-out oder Kanäle, da im weiblichen Becken weniger Platz für das Weichteilgewebe ist. Die Ränder der Cut-outs sind speziell designt, um Reizungen zu vermeiden.

Haas rät Frauen, beim Kauf eines Sattels darauf zu achten, dass der mittlere Bereich gut unterstützt und die Sattelbreite passt. Sie empfiehlt Y- oder V-Shape-Sättel und betont die Bedeutung einer individuellen Beratung und Probefahrt im Fachhandel.

Obwohl es spezielle Frauensättel gibt, können auch Männer-Sättel passen. Haas unterstützt das dynamische Sitzen, bei dem eine leicht variable Position auf dem Sattel möglich ist. Sie empfiehlt, beim Kauf von Bibs/Bikehosen auf nahtlose Sitzbereiche und dünne bis mittlere Polsterdicken zu achten. Ein professionelles Bike-Fitting kann helfen, das gesamte Dreieck aus Sattel, Lenker und Pedale optimal einzustellen.

Ergon-Entwicklerinnen haben eine neue Sattelgeneration geschaffen.

Frauen sind im Becken deutlich beweglicher als Männer, was oft zu erheblichem Druck im Genitalbereich führt. Der SM Women nimmt ihnen den Druck von den sensiblen Zonen, indem er einen anatomisch ideal platzierten Entlastungskanal mit Öffnung bietet. Der Sattel ist so konzipiert, dass er den Sitzknochen eine ausreichend große Auflagefläche bietet.

Die Wahl des richtigen Sattels - Ein Test von Sabine Spitz

Sabine Spitz, sechsmalige Deutsche Mountainbike-Meisterin, hat acht aktuelle Damenmodelle getestet und festgestellt, dass man verschiedene Sättel ausprobieren muss, um den richtigen zu finden. Bei einem falschen Fahrradsattel werden Nerven und Blutgefäße im Dammbereich komprimiert oder abgeklemmt, was zu Taubheitsgefühlen, Durchblutungsstörungen und Schmerzen führt.

Hier eine Übersicht der getesteten Modelle:

Modell Preis Gewicht Material Besonderheiten Fazit
Sqlab 612 74,90 Euro 308 g Kunstleder Stoßdämpfer, sportlich schmal geschnitten FIT FOR FUN-Tipp! Viel Bewegungsfreiheit für die Beine, viel Sitzkomfort und ergonomische Form
Specialized Jet 43 70 Euro 266 g Kunstleder Aussparung, Titangestell, gibt es in drei Größen Optimale Entlastung für Damm und Schambein. Viel Bewegungsfreiheit!
Selle Lady Gel Flow 79,95 Euro 320 g Leder Aussparung in der Mitte, Gel-Einsatz, Rosen-Design Gelungener Kompromiss zwischen Sportlichkeit und Komfort. Straffes Polster
Velo Pronto ZTT 28,90 Euro 289 g Kunstleder Aussparung im Scham-Bereich, viele Nähte auf dem Sitz Flache Sitzposition für sportliche Fahrerinnen. Die Nähte können scheuern
San Marco Aspide Gel 98 Euro 256 g Leder/Stoff Gel-Einlage im Sitzbereich, viel Nähte, sehr leicht Wenig an die weibliche Anatomie angepasst, keine gute Druckverteilung
SMP Strike Plus 169 Euro 369 g Leder Sehr große und lange Aussparung im Dammbereich Futuristischer Fahrradsattel mit großen Aussparungen. Nach einigen Kilometern kann die Polsterung nachgeben und für mehr Druck sorgen.
Fizik Vitesse HP 89 Euro 310 g Leder Titangestell, Gel-Einsatz im Schambereich Schmale Sättel bieten dir mehr Bewegungsfreiheit, ideal für sportliche Fahrerinnen.
Lookin MFle 49,90 Euro 717 g Kunstleder Massives, über die ganze Fläche verteiltes Sitzkissen Achte darauf, dass die Aussparungen in der Sattelmitte den Damm- bzw. Schambereich entlasten und keine störenden Nähte vorhanden sind.

Bei der Auswahl des Sattels sollte man die Funktion an die erste Stelle setzen. Die Sattelnase sollte bei einem Fahrradsattel für Damen etwas tiefer als der hintere Teil des Sattels sitzen, um zu viel Druck auf das Schambein zu vermeiden. Der Sattel muss die Sitzknochen stabil unterstützen und ausreichend hart sein.

Die Kölner Sportschule hat in einer Studie herausgefunden, dass der Fahrradsattel nicht an das Geschlecht angepasst werden muss, sondern an die Aktivität und den Sitzknochenabstand. Es ist wichtig, den Sattel ausgiebig zu testen, da jeder Po unterschiedlich ist.

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