Mountainbike Schaltung Vergleich: Shimano vs. SRAM

Klassischerweise besteht eine komplette Mountainbike-Gruppe aus allen Komponenten des Antriebs und der Bremsen. Im Einzelnen sind dies: Schalthebel, Schaltwerk, Schaltkäfig, Umwerfer, Kassette, Kurbel, Tretlager, Kette, Bremshebel, Bremszug oder -leitung, Bremssattel, Bremsscheibe und Bremsbeläge.

Während Shimano komplette Gruppen aus Schaltung, Bremsen und sogar Laufrädern anbietet, umfassen die SRAM-Gruppen „nur“ die Schaltung. Unabhängig von den Schaltungsgruppen bietet Sram jedoch verschiedene Bremsen an.

Während der Schaltungsmarkt von Sram und Shimano dominiert wird, gibt es eine Vielzahl von Bremsenherstellern. Im Folgenden konzentrieren wir uns daher auf die MTB-Schaltgruppen der beiden größten Hersteller Shimano und Sram und gehen nur am Rande auf die Bremsen ein.

Wie funktioniert eine Mountainbike-Schaltung?

Eine Mountainbike-Schaltung ist in der Regel eine Kettenschaltung. Indem die Kette in Fahrtrichtung über verschiedene Kombinationen von Kettenblättern und Ritzeln geführt wird, ergeben sich verschiedene Übersetzungsverhältnisse. An der Kurbel sind ein bis drei Kettenblätter montiert, während sich an der Hinterradnabe eine Ritzelkassette befindet mit meist 10 bis 12 Ritzel.

Beim Schalten zieht oder hebt der Umwerfer die Kette auf das gewünschte Kettenblatt. Das Schaltwerk hingegen ist dafür zuständig, die Kette auf eines der Ritzel zu leiten.

Je größer das Kettenblatt und je kleiner das Ritzel, über das die Kette läuft, desto größer ist die Übersetzung. Ein Ritzel am Hinterrad, das größer ist als das Kettenblatt, bewirkt dagegen eine Untersetzung.

Um die Übersetzung zu berechnen, teilt man die Anzahl der Zähne des Kettenblatts durch die Anzahl der Zähne des Ritzels. Das Ergebnis gibt an, wie viele Umdrehungen das Hinterrad bei einer Kurbelumdrehung macht.

Für einen schnellen Schaltvorgang sind die Teile der MTB-Schaltung wie Kette, Ritzel und vor allem Schaltwerk und Umwerfer aufeinander abgestimmt. Außerdem sorgen Umwerfer und Schaltwerk im optimalen Zusammenspiel für präzise Schaltvorgänge, bei denen auch Gänge übersprungen werden können. Spitzengruppen können dies unter widrigsten Bedingungen und lassen sich zudem an Vorlieben oder ergonomische Besonderheiten des Fahrers anpassen.

Mechanisch oder Elektrisch?

Für die Betätigung von Schaltwerk und Umwerfer gibt es derzeit zwei Systeme, die hauptsächlich bei einer Schaltung eingesetzt werden:

  • mechanisch
  • elektronisch

Bei Mountainbikes ist die mechanische Schaltung noch am weitesten verbreitet. Hier sind die Schalter über Schaltzüge mit Schaltwerk und Umwerfer verbunden. Durch Betätigung des Schaltgriffs wird der Schaltzug um eine bestimmte Länge verkürzt oder freigegeben.

Dies führt zu einer horizontalen Bewegung der Schaltkomponenten, die die Kette in die gewünschte Position bringt. Shimano (Rapid Fire) und SRAM (Trigger) bieten Schalthebel an, die während der Fahrt leicht zu bedienen sind. Sie können mit Daumen und/oder Zeigefinger bedient werden.

Eine andere Variante sind Drehschalter wie bei der Grip Shift von SRAM oder Revoshift von Shimano. Bei diesem System wird durch Drehen des Griffes um den Lenker geschaltet. Dadurch wird der Schaltzug auf- oder abgewickelt, was zum Gangwechsel führt.

Beide Hersteller haben auch elektronische Schaltungen im Sortiment, bei der die die Schaltimpulse elektronisch an die Schaltkomponenten übertragen. Kleine Motoren sorgen dann für die nötige Bewegung.

Während Shimano seine beiden Spitzengruppen in einer elektronischen DI2-Variante anbietet, gibt es Srams AXS-System bereits in der Einstiegsgruppe. Zudem hat Sram in Deutschland eine elektronische Steuereinheit entwickelt, die mit einem Servomotor und eigenem Akku den Schaltimpuls direkt per Funk überträgt, Shimano setzt weiterhin auf Kabel.

Clutch-Technologie

Shimano und SRAM setzen seit einigen Jahren auf die sogenannte Clutch-Technologie. Was bei Shimano „Shadow Plus“ und bei SRAM „Type 2“ bzw. „Type 3“ heißt, beschreibt eine erhöhte Federspannung, bei der der Schaltwerkkäfig durch eine zusätzliche Feder nach hinten gezogen und die Kette auf höherer Spannung gehalten wird. Kettenschlagen und ungewollte Schaltsprünge können so deutlich reduziert werden.

Die Clutch-Technologie findet sich bei Mountainbikes, die für den sportlichen Einsatz konzipiert sind. Bei SRAM sind alle Schaltwerke ab der X7 Gruppe in der Type 2 Version erhältlich. Shimano konstruiert die Schaltwerke ab der Deore Gruppe als Shadow Plus (siehe Gruppenhierarchie unten).

Übersicht: Die Schaltungen von Shimano und SRAM

Der Schaltungsmarkt ist groß und manchmal unübersichtlich. Das liegt daran, dass die beiden großen Schaltungshersteller Shimano und SRAM mittlerweile nicht nur Schaltungen in unterschiedlichen Qualitätsstufen anbieten, sondern ihre Gruppen auch auf verschiedene Einsatzbereiche im Mountainbikesport abgestimmt haben. Die richtige Schaltgruppe für das eigene Bike zu finden, ist meist gar nicht so einfach.

Die folgende Übersicht gibt dir einen Überblick über die verschiedenen Gruppen und ihre Position in der Schaltungshierarchie der beiden Hersteller. Die Reihenfolge orientiert sich dabei von der hochwertigsten und auch teuersten Schaltung hin zu den preiswerteren Varianten.

Doch was zeichnet nun eine teure High-End-Gruppe aus, die ein Vielfaches einer günstigeren Schaltung kostet? Die Funktion des Gangwechsels wird letztlich von allen Schaltungen erfüllt. Unterschiede gibt es bei:

  • Übersetzungsbereich
  • Materialien
  • Anpassung an Fahrer und Einsatzgebiet
  • Kompatibilität bzw. Kombination mit anderen Gruppen
  • Steuerung und Bedienbarkeit
  • Gewicht
  • Genauigkeit
  • Leichtgängigkeit
  • Abstufung der Gänge untereinander

Die teuren, hochwertigen Gruppen sind in jedem Fall deutlich leichter als die preiswerteren. Das liegt an der Menge und Masse der verwendeten Materialien, außerdem gibt es mehr Anpassungsmöglichkeiten an Fahrer und Einsatzzweck. Hochwertige Antriebe erreichen auch einen wesentlich größeren Über- und Untersetzungsbereich.

Wo bei preiswerten Gruppen Druckguss und einfache Kunststoffe anzutreffen sind, finden sich bei den höherwertigen Gruppen verschiedenste Legierungen in aufwendigen Fertigungstechniken verarbeitet. Wo bei den preiswerten Modellen Aluminiumlegierungen zum Einsatz kommen, sind es bei den höherwertigen Schaltungen sogar Legierungen aus Titan, Magnesium und Kohlenstoff. Diese werden beispielsweise im von Shimano selbst entwickelten Hollowtech-Schmiedeverfahren hergestellt.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass immer alle Teile der Schaltgruppen benötigt werden. Vielmehr ist es sinnvoll, die Schaltgruppe dem Einsatzzweck anzupassen. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass Du statt einer teuren SRAM XX1 Eagle mit 1x12 Gängen eine günstigere Deore mit 2x10 Gängen verwendest.

Pendler und Vielfahrer können z.B. auf feine Abstufungen verzichten, wollen aber einen möglichst geringen Verschleiß. Der Cross-Country-Racer hingegen kann sich alles außer Gewicht leisten und wird sich über die Dauer eines Rennens keine Gedanken über Verschleiß machen müssen.

Als Entscheidungshilfe gehen wir hier auf die einzelnen Gruppen von Shimano und SRAM ein.

Shimano MTB Schaltgruppen

Shimano Altus

Die Shimano Altus Schaltung ist eine preiswerte Einsteigergruppe. Auch hier umfasst das Repertoire bis zu 3x9 Gänge. Viele Funktionen aus der Oberklasse stehen zur Verfügung. Auch hier können Alivio und Acera Komponenten kombiniert werden. So kann auch im Einsteigerbereich eine gute Performance je nach Einsatzbereich für Trekking, Freizeit oder Mountain erreicht werden.

Shimano Saint

Die Shimano Saint ist eine Freeride- und Downhillgruppe auf XTR-Niveau. Sie ist für 1x10 Gänge ausgelegt. Die Gruppe ist mit einer Kettenführung ausgestattet, die ein Abspringen der Kette verhindert.

Shimano Zee

Stürze und Defekte gehören im Gravity-Bereich zum Alltag. Die Zee-Gruppe mit ihrem guten Preis-Leistungs-Verhältnis ist daher eine gute Wahl, wenn du von deinen Komponenten hohe Leistung zu einem fairen Preis erwartest. Von der Qualität und vom Preis her ist die Zee-Gruppe mit der SLX-Gruppe vergleichbar. Sie schaltet ebenfalls 1x10 Gänge.

SRAM MTB Schaltgruppen

SRAM XX1

Die SRAM XX1 wurde durch die XX1 Eagle als Spitzengruppe im Cross Country und Marathon-Bereich abgelöst, wird aber immer noch gebaut. Es handelt sich um eine 1x11-Gangschaltung.

SRAM X1

Mit der SRAM X1 begann SRAMs Erfolgsgeschichte im Bereich der 1-fach Schaltungen. Auch sie schaltet 1x11 Gänge und ist prädestiniert als Einsteigermodell. Dank der “Mix and Match”-Philosophie von SRAM lässt sich die X1 später gut aufrüsten.

SRAM NX

Die SRAM NX Schaltung ist der günstigste Einstieg in die Welt der 1x11-fach Schaltungen von SRAM. Dennoch ist sie sehr robust und verfügt über eine ausreichende Übersetzungsbandbreite. Sie wird daher gerne an drehmomentstarken Pedelecs und e-MTBs eingesetzt.

SRAM XX

Die XX-Gruppe ist die Spitzengruppe für den Marathon- und Cross-Country-Einsatz. Jedes „X“ steht - wie im Römischen - für eine „10“. Somit stehen dem Fahrer 2x10 Gänge zur Verfügung.

SRAM X0

SRAM X0 ist wie im 1-fach-Segment das eher abfahrtsorientierte Pendant zur SRAM XX für den Gravity-Bereich. Hier können die 10 Ritzel hinten mit 1-3 Kettenblättern vorne kombiniert werden.

Die Übersetzung: 1-, 2- oder 3-fach?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Einfachschaltung mit elf Ritzeln und einem Kettenblatt durchgesetzt hat. Der moderne Ein-Gang-Antrieb bietet Gewichtsvorteile, da er ohne Umwerfer und ohne zweite Gangschaltung auskommt. So hat der Fahrer die linke Hand für die wichtige Vorderradbremse frei und kann sich auf die Strecke und das Schalten konzentrieren.

Wo Licht ist, ist auch Schatten - beim Ein-Gang-Antrieb ist es die Abstufung der Gänge. Im Vergleich zu 2- und 3-fach-Schaltungen liegen die Gänge weiter auseinander, was für Umsteiger gewöhnungsbedürftig ist. Der ambitionierte Fahrer gleicht dies durch die Wahl des richtigen Kettenblattes aus. So kommen bei Enduro- und Trailbikes meist 30er oder 32er Kettenblätter zum Einsatz. XC- und Marathonfahrer greifen gerne auf ein 34er oder 36er Kettenblatt zurück. Wer sich hier unsicher ist, kann getrost auf die Werkseinstellung vertrauen und bei Bedarf auf ein anderes Kettenblatt umrüsten.

Bremsen: Kurzer Überblick

Eine hydraulische Scheibenbremse findet sich an jedem guten Mountainbike. Generell kann gesagt werden, dass es kaum schlechte Bremsen gibt. Viel entscheidender sind der Einsatzbereich, die Fahr- bzw. Bremstechnik und der Fahrstil.

So wäre eine “kleine und leichte” Bremse für XC und Marathon am Downhiller unterdimensioniert und eine Bremse aus dem Gravity-Bereich (Downhill, Freeride) sicherlich überdimensioniert.

Shimano bietet zu jeder Schaltgruppe auch eine Bremse an. Sram hat drei Bremsen im Programm. Beide Hersteller ermöglichen eine individuelle Abstimmung durch verschiedene Bremsbeläge, Bremsscheiben und Bremsgriffe.

In den oberen Gruppen können zudem Ansprechverhalten, Druckpunkt und sogar der Hebelweg an die Vorlieben des Fahrers angepasst werden. Unterschiede gibt es vor allem bei der Bremsleistung.

Obwohl beide über kräftige Vierkolbenbremsen verfügen, ist die Bremswirkung unterschiedlich. Wer sich gerne an den Bremspunkt herantastet und immer einen Finger am Hebel hat, ist mit Sram gut beraten. Shimano hat den etwas festeren Biss, allerdings sollte man nicht zu lange mit schleifender Bremse fahren.

Ein weiterer Unterschied zwischen Shimano und Sram ist die Befestigung des Schalthebels am Bremsgriff. Bei Shimano ist dies ab der SLX-Gruppe der Fall. Sram hat hier eine Klemme für alle, man kann also eine einfache Schaltung mit der Top-Bremse an einer Klemme kombinieren.

Shimano vs. SRAM im Detail

Im MTB-Bereich gibt es bei der Schaltung eigentlich häufig nur die Wahl zwischen Shimano und SRAM. Die meisten Gruppen wurden so entwickelt, dass sie sich auch kombinieren lassen, solange sie die gleiche Anzahl an Gängen besitzen. Die Schalthebel der japanischen Firma nutzen die Rapid Fire Technologie, welche über Daumen und Zeigefinger gesteuert werden. Die Technologie ermöglicht auch das Schalten mehrerer Gänge mit nur einem Druck. Die aktuellen Top-Gruppen sind die neue XTR M9100 sowie die XTR Di2.

Der japanische Hersteller Shimano und die Amerikaner von Sram teilen den Mountainbike-Markt unter sich auf, wobei Shimano den Löwenanteil übernimmt.

Shimano Schaltgruppen im Überblick

  • Tourney: Für Einsteiger- und Freizeit-Fahrräder konzipiert. Bietet eine einfache Schaltung mit ausreichend Gängen und ist in der Regel preisgünstiger.
  • Altus: Eine der Einstiegs-Schaltgruppen von Shimano und bietet eine solide Leistung zu einem erschwinglichen Preis.
  • Acera: Mit der Acera-Schaltung kannst du erste Erfahrungen im Gelände sammeln.
  • Alivio: Eine hochwertige Komponentengruppe, die für Alltagsfahrten und leichtes Gelände geeignet ist. Sie zeichnet sich durch reibungslose und präzise Schaltvorgänge aus.
  • Deore: Eine hochwertige und leistungsstarke Schaltgruppe, die für den Einsatz im Gelände und für Mountainbike-Touren geeignet ist. Sie zeichnet sich durch ihre Robustheit und Zuverlässigkeit aus.
  • SLX: Die Shimano SLX Schaltgruppe bietet viele Vorteile für Mountainbiker:innen. Sie ist sehr langlebig und zuverlässig, leicht und kompakt, sehr präzise und bietet ein reibungsloses Schaltverhalten.
  • Deore XT: Die Shimano Deore XT Schaltgruppe ist eine hochwertige Komponentengruppe für Mountainbikes, die sich durch ihre zuverlässige Schaltleistung, ihre präzisen Gangwechsel und ihre robuste Bauweise auszeichnet.
  • XTR: Die XTR Schaltgruppe ist für Fahrer entwickelt, die höchste Anforderungen an die Leistung ihres Mountainbikes stellen. Sie bietet eine schnelle und präzise Schaltung und eignet sich für anspruchsvolle Trail-Sessons oder auch den beliebten Alpencross.

SRAM Schaltgruppen im Überblick

  • NX Eagle: Die NX Eagle macht die 1 x 12-Philosophie der US-Amerikaner noch attraktiver. Der Preis ist einen Haken hat, im Falle der NX ist es die Verwendung von günstigeren Materialien.
  • GX Eagle: Mit der GX Eagle hat Sram 2017 den 1 x 12-Antrieb zu erschwinglichen Preisen auf den Markt gebracht. Die Montage der GX ist recht einfach, die Kassette besteht aus einem Stück und wird auf den speziellen XD-Freilauf aufgeschraubt.

1x12 Schaltungen von Shimano- und SRAM im Test

Unser Test zeigt, wer aktuell die beste Schaltungskost bietet! Oder ist das alles nur eine Frage des Geschmacks?

Shimano SLX (M7100)

Die Shimano SLX kam dieses Jahr zeitgleich mit der neuen XT auf den Markt, normal legt Shimano immer ein Jahr dazwischen. Optisch ist sie ein Hingucker und auch technisch - auf dem Papier - auf dem neusten Stand. Etwa dank der großen 10-51er-Kassettte, welche dieselbe Bandbreite wie bei der Shimano XT bereitstellt und damit den direkten Konkurrenten Sram NX Eagle (11-50 Zähne) um über 50 % Bandbreite abhängt! Auch das Gewicht ist um rund 180 g geringer als bei der NX. Aber kann sie auch in Sachen Funktion mithalten?

So viel vorweg: Im Vergleich zu den Konkurrenten, speziell mit Blick auf die XT, läuft das System etwas rauer. Hinzu kommt, dass der Gangwechsel minimal träger abläuft. Dank Shimanos "Hyperglide-­Plus"-Technologie soll ein müheloses Schalten unter Belastung möglich sein. Und? Beim Schalten unter hoher Last ächzt die SLX, führt den Schaltbefehl jedoch problemlos und präzise aus.

Vergleicht man den SLX-Schalthebel mit dem der XT, fällt auf, dass dieser einfacher gehalten ist. So haben die Japaner auf die Gummibeschichtung sowie auf die "Multi-Shift"-Funktion am kleinen Hebel verzichtet. Es lässt sich also nur ein Ritzel auf einmal nach unten wechseln. Auch können nur drei Gänge auf einmal in Richtung großes Ritzel geschaltet werden. Wie bei der XT praktisch: Der kleine Hebel kann mit Zeigefinger oder Daumen betätigt werden, was der SLX in Sachen Ergonomie eine sehr gute Note einbringt. Und auch unter dem Strich steht ein verdientes "Sehr gut"!

Testergebnis: SEHR GUT (76 Punkte)

SRAM NX Eagle

Als Sram 2018 die NX Eagle vorstellte, machte diese die 1 x 12-Philosophie der US-Amerikaner noch attraktiver: Knapp 400 Euro kostet der Einstieg in die 12-fach-Welt nur noch, online ist sie sogar für rund 270 Euro erhältlich. Komplett!

Eigentlich dürfte es klar sein, dass der Preis einen Haken hat. Im Falle der NX ist es die Verwendung von günstigeren Materialien (Stahl und Kunststoff statt Alu), vor allem aber die Größe des kleinsten Ritzels. Statt 10-50 bietet Sram die NX mit 11-50-Zähne-Kassette an. Dadurch ergibt sich eine Bandbreite von nur 454 statt der 500 Prozent, die alle anderen Eagle-Gruppen so erfolgreich machten. Ein Vorteil ist wiederum, dass die Kassette auf herkömmlichen Shimano-Freiläufen montiert werden kann, was die NX Eagle für Nachrüster mit älteren Bikes extrem spannend macht.

Apropos spannend: Der Kunststoffhebel ist der leichteste im Test, die Kassette aus einzelnen Stahlritzeln hingegen mit Abstand die schwerste. Auch optisch wirkt die Kassette wenig edel. In Summe ist die NX die deutlich schwerste Gruppe im Testfeld.

Bei der Schaltperformance sind hingegen klar die Gene der teureren Eagle-Brüder erkennbar. Der Gangwechsel verläuft zuverlässig, leise und butterweich. In Richtung der großen Ritzel ist der Schaltvorgang aber eine Spur zu schwammig. In Richtung der kleinen Gänge verzögert sich der Schaltvorgang schon mal, ist dann aber schön knackig. Die NX bietet die Möglichkeit, fünf Gänge auf einmal hoch- und einen runterzuschalten.

Testergebnis: GUT (69 Punkte)

Shimano XT (M8100)

Shimano ließ Käufer aufgrund von Fertigungsproblemen im letzten Jahr lange auf die neue XTR warten. Umso größer waren heuer die Erwartungen an die neue XT-Gruppe. Dass diese ebenso mit 12-fach-Technik kommt, war früh klar - aber auf welchem Niveau? Eines steht schon jetzt fest: Das Warten hat sich gelohnt.

Satte 511 Prozent Bandbreite bietet die neue XT mit einer Kassette mit 10-51 Zähnen. Genau einen Zahn mehr also als die direkte Konkurrenz der Sram GX Eagle - bei nur minimal mehr Gewicht. Und auch in Sachen Ergonomie setzt die Shimano XT ein dickes Ausrufezeichen. Ein gummierter Schalthebel sorgt für perfekten Grip. Zudem können durch die "Multi-Shift"-Technik gleich zwei Gänge auf einmal in Richtung kleine Ritzel geschaltet werden, was in diesem Test ein Alleinstellungsmerkmal ist. Es lassen sich zudem bei einem Schaltvorgang bis zu vier Gänge auf einmal hochschalten. Einziges Manko: Die Fingerkraft beim Betätigen des kleinen Hebels ist spürbar höher, als man es von einer XT gewohnt ist.

Doch egal ob unter voller Last oder beim gemütlichen Fahren, die Gänge werden knackig und maximal präzise eingelegt und stehen sofort zur Verfügung. Die Montage ist einfach, einzig dass der neue "Micro-Spline-Freilauf" etwas fummeliger ist, könnte man bemängeln - hier hat Sram die Nase vorn.

Dennoch: Die XT kann ihr Revier als Volksgruppe Nr.1 wieder knapp für sich gewinnen. Verarbeitung, Gewicht, Bandbreite, Ergonomie - alles top. Testsieg!

Testergebnis: ÜBERRAGEND (90 Punkte)

SRAM GX Eagle

Der Platzhirsch unter den 12-fach-Schaltungen! Mit der GX Eagle hat Sram 2017 den 1 x 12-Antrieb zu erschwinglichen Preisen auf den Markt gebracht. Die Montage der GX ist recht einfach, die Kassette besteht aus einem Stück und wird auf den speziellen XD-Freilauf aufgeschraubt. Nur das Einstellen des Umschlingungswinkels ist etwas umständlich: Eine mitgelieferte Schablone muss bei belastetem Hinterbau (Fully) angehalten werden.

Die Haptik und Optik der GX Eagle kommt nahe an die Top-Gruppen X01 und XX1 von Sram heran, auch wenn Sram etwas weniger hochwertige Materialien verwendet. Dennoch ist die GX in unserem Test, ganz knapp vor der XT, die leichteste Schaltgrupppe. In der Praxis erfolgen die Wechsel in den leichteren Gängen meist so sanft, dass man sie nicht mal hört. Das Gefühl im Daumen ist dabei auch etwas undefinierter. Beim Schalten in schwerere Gänge rastet die Kette dafür satt, schnell und selbst unter Last stets präzise ein. Auch der kleine Hebel lässt sich definiert drücken - bietet aber im Gegensatz zur Shimano XT lediglich einen Gangsprung zum nächstkleineren Ritzel. Hoch lassen sich bei der GX an der 10-50-Kassette fünf Gänge auf einmal schalten (bei Shimanos XT vier).

Das Finish ist bar jeder Kritik, die Gruppe der Erfahrung nach sehr haltbar und der Preis fair.

Testergebnis: SEHR GUT (83 Punkte)

Preise, Gewichte und Bandbreite im Vergleich

Schaltgruppe Preis (ca.) Gewicht (ca.) Bandbreite
Shimano SLX (M7100) [Preis SLX] 1853 g 510%
SRAM NX Eagle [Preis NX] 2028 g 454%
Shimano XT (M8100) [Preis XT] 1759 g 511%
SRAM GX Eagle [Preis GX] 1747 g 500%

Weitere Aspekte bei der Wahl der Schaltung

Mit der Wahl einer neuen Schaltung ist es nicht getan: Speziell der Freilauf muss passen. Was es sonst noch so zu beachten gibt, zeigen wir hier.

Welcher Freilauf?

  • Standard: Der klassische Freilauf ist noch immer an vielen Radnaben zu finden. Er nimmt alle 8-/9-/10-fach-Kassetten auf, zudem die 11-fach-Modelle von Shimano. Nicht passen alle Sram-11-fach- und 12-fach-Kassetten - mit Ausnahme der preiswerten NX-Eagle- Kassette.
  • XD-Body: Mit Einführung der XX1-Gruppe (1 x 12) brachte Sram auch einen neuen Freilauf, den XD-Body. Er ist seitdem Standard für alle Sram-Kassetten mit kleinem 10er-Ritzel. Auch einige Fremdanbieter wie E13 oder Hope nutzen den XD-Freilauf.
  • Micro spline: Da es Shimano nicht übers Herz brachte, auf einen Sram-Standard zu setzen (dennoch aber ein 10er-Ritzel verbauen wollte), benötigen die neuen Gruppen SLX, XT und XTR den neuen Micro-Spline-Freilauf. Der ist jetzt endlich auch bei fast allen Laufradherstellern erhältlich.

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