Klickpedale gibt es wie Sand am Meer, doch bei der Verbindung von Mensch und Maschine können bereits kleine Details einen großen Unterschied machen. Die Kaufentscheidung will gut überlegt sein, denn für ein gutes Paar Schuhe und Klickpedale ist man schnell über 300 € los.
Bei Trail- und Endurofahrern sind vor allem Klickpedale mit einem umliegenden Käfig und einer größeren Standfläche beliebt, doch die Hersteller interpretieren diesen Einsatzbereich sehr unterschiedlich.
Kategorien von Klickpedalen
In diesem Vergleichstest haben wir bewusst versucht, die volle Bandbreite abzudecken, dabei lassen sich grob drei Kategorien bilden.
- Die erste Gruppe bilden die leichten Trail-Pedale im Stile des Klassikers Shimano XT PD-M8020, zu denen auch das Sixpack Vertic und das HT T1 zählen.
- Am anderen Ende des Spektrums finden sich Pedale wie das Crankbrothers Mallet E oder das DMR V-Twin, die mit ihren großen Käfigen deutlich massiver auftreten.
Funktionsweise von Klickpedalen
Eigentlich ganz einfach: Eine Metallplatte unter dem Schuh, der Cleat, wird von einem gefederten Mechanismus gehalten und löst sich nur durch Drehen des Fußes oder bei hoher Krafteinwirkung im Falle eines Sturzes.
Die Grundfunktion ist bei allen Pedalen gleich, doch weisen die verschiedenen Systeme deutlich spürbare Unterschiede auf. Bei den meisten lässt sich die Auslösehärte einstellen, lediglich die Crankbrothers Mallet E bieten keine Verstellmöglichkeit.
Anfänger stellen den Mechanismus in der Regel leichter ein, um schneller aus dem Pedal zu kommen, fortgeschrittene Fahrer bevorzugen meist eine festere Bindung, um nicht ungewollt auszuklicken. Letztlich entscheiden aber die persönlichen Vorlieben.
Float-Winkel und Fahreigenschaften
Während das Gefühl beim Ein- und Ausklicken bei der Fahrt nur eine untergeordnete Rolle spielt, hat der Float-Winkel des Systems einen wesentlichen Einfluss auf die Fahreigenschaften im Gelände. Der Float-Winkel beschreibt, wie weit man den Fuß im eingeklickten Zustand frei drehen kann.
Auf den ersten Blick würde man meinen, dass ein möglichst kleiner Float-Winkel von Vorteil ist, da man dann theoretisch leichter aus dem Pedal kommt. In der Praxis bietet ein großer Floatwinkel jedoch spürbare Vorteile, denn er erlaubt euch in Kurven die Füße einzudrehen und damit das Bike aktiv mit den Füßen zu steuern.
Ist der Float-Winkel klein, kann man beim Eindrehen der Füße ungewollt ausklicken. Viele Fahrer fühlen sich jedoch auf einem Pedal mit weniger Bewegungsspielraum sicherer.
Doch Vorsicht: Zwar geben Hersteller den Float-Winkel an, dieser muss aber nicht zwingend mit dem Auslösewinkel übereinstimmen. So bieten etwa Crankbrothers Pedale einen Float Winkel von 6° und einen Auslösewinkel von 15° oder 20°.
Zwischen 0° und 6° lässt sich der Fuß leicht drehen, von 6° bis 15° befindet man sich dagegen in einer Art Grauzone, in der man weder richtig ein- noch ausgeklickt ist. Ist der Auslösewinkel zu groß, kommt man unter Umständen nur schwer aus dem Pedal. Hat ein Pedal sehr griffige Pins, ist der Float unabhängig vom theoretischen Wert in der Praxis gleich 0.
Standfläche und Kontakt zwischen Schuh und Pedal
Moderne Klickpedale für den Trail- und Enduroeinsatz verfügen über eine deutlich größere Standfläche als ihre klassischen XC-Vorbilder. Doch anders als die meisten vermuten, liegt das oft nicht an den großen Käfigen und langen Pins.
Vergleicht man die Standfläche verschiedener Klickpedale miteinander, ist Vorsicht geboten, denn je nachdem, mit welchem Schuh die Pedale kombiniert werden, kann das Ergebnis sehr unterschiedlich ausfallen.
Bei den meisten der getesteten Modelle liegen die Käfige und Pins nicht oder nur teilweise am Schuh an. So scheint die Standfläche zwar auf den ersten Blick groß zu sein, in der Praxis schwebt der Schuh aber über dem Käfig und die Pins haben keinerlei Nutzen. Die flache Auflagefläche um den Klick-Mechanismus liegt hingegen bei den meisten Schuhen satt an - sie fällt aber deutlich kleiner aus als das gesamte Pedal.
Anfänger vermuten oft, dass die Käfige im ausgeklickten Zustand mehr Halt bieten sollen, allerdings ist es bei keinem Klickpedal empfehlenswert ausgeklickt zu fahren. Denn die Höhe des Haltemechanismus verhindert auch bei großen Pedalen, dass der Schuh ordentlichen Grip findet.
Bei der Verbindung von Schuh und Pedal gibt es leider keine Standards und jeder Hersteller hat eine andere Meinung dazu, wie tief die Cleats in der Sohle sitzen sollten oder wie groß die Aussparung sein sollte. Daher vertragen sich nicht alle Schuhe gleich gut mit den unterschiedlichen Pedalsystemen. Shimanos SPD-Pedale und ähnliche Systeme wie die von Nukeproof, Sixpack und HT funktionieren grundsätzlich mit allen von uns getesteten Schuhen akzeptabel, jedoch fällt der Kontakt zwischen Sohle und Standfläche recht unterschiedlich aus. Auch im besten Fall bieten diese Pedale nur eine relativ kleine Standfläche und überlassen dem Schuh einen Großteil der Arbeit.
Testergebnisse und Empfehlungen
Alle von uns getesteten Pedale liefern eine solide Leistung ab und erfüllen ihren Zweck, bei genauere Betrachtung gibt es dennoch große Unterschiede. Fünf der sieben Pedale basieren auf dem SPD-System, doch am Ende gelingt es keinem der Newcomer dem Platzhirsch Shimano das Wasser zu reichen. Das neue Shimano Saint PD-M820 ist das beste SPD-Pedal, das wir je gefahren sind und holt sich damit unseren begehrten Kauftipp. Auf dem Trail sammelt das HT T1 mit seinem eigens entwickelten Klick-Mechanismus viel Lob, leider trüben der schnelle Verschleiß und der hohe Wartungsaufwand das Gesamtbild spürbar.
Weitere Testkandidaten und ihre Eigenschaften (2021)
Generell besitzen alle Testkandidaten einen Käfig um den Klick-Mechanismus. Bei manchen Pedalen (HT, Shimano, Time) ist das "nur" reiner Selbstschutz, um den Mechanismus vor allzu harten Schlägen zu bewahren - die Standfläche erhöht sich nicht. Bei Crankbrothers, DMR, Funn, Magped, Tatze und Xpedo lagen unsere Testschuhe hingegen mal mehr, mal weniger auf dem Käfig auf. Dabei kommt es zudem stark auf den Schuh respektive dessen Sohle an. Je nach deren Form, Dicke und vor allem Härte kann es große Unterschiede geben.
Wenn möglich, solltet ihr daher vor dem Kauf checken, ob Schuh und Pedal harmonieren. In aller Regel ist dabei von leichten Cross-Country-Schuhen abzuraten, die sich auf solchen Pedalen unangenehm fahren. Zudem sind XC-Schuhe aufgrund ihrer steifen Sohlen eben meist zu unflexibel, um von der größeren Auflagefläche der Käfige zu profitieren.
Generell gilt bei den mitunter sehr scharfen Schraub-Pins, die viele Modelle in diesem Test bieten: Sie bringen zwar in aller Regel spürbar mehr Grip, sind bei der Bewegungsfreiheit des Fußes und auch beim Ein- und Auslösen dafür mitunter hinderlich. Aber: Je breitere, längere und mehr Pins die Hersteller verbauen, desto besser kann man in richtig schweren Passagen auch mal ausgeklickt fahren - übrigens eine Paradedisziplin des Magped-Pedals. Im Zweifelsfall lassen sich die Pins bei allen Pedalen übrigens auch komplett oder teilweise herausschrauben.
In Sachen Bindung setzen DMR, Funn, Tatze, Shimano und Xpedo auf den von Shimano erfundenen, über Jahrzehnte bewährten und in der Härte einstellbaren SPD-Standard. Crankbrothers, HT, Time und Magped vertrauen auf eigene Konstruktionen, wobei das HT-System dem von Shimano sehr ähnlich ist. Eine Bügel-Konstruktion verbauen Crankbrothers und Time.
Dabei muss man beim Atac 8 im Vergleich zu SPD-Systemen etwas kräftiger reintreten, bis es klickt: Beim edlen Mallet von Crankbrothers gelingt der Einstieg leichter, der Ausstieg ist hingegen etwas undifferenzierter. Riesengroße Unterschiede sind das aber nicht. Magped geht hingegen einen komplett anderen Weg, setzt statt mechanischer Bindung auf einen in zwei Stärken verstellbaren Magneten im Pedal. Statt des Cleats verschraubt man längliche Metallplatten unter dem Schuh. Das klingt ungewöhnlich - und fährt sich auf den ersten Metern auch so. Das breite, hohe und im Vergleich sehr schwere Pedal erinnert zunächst mehr an ein Flatpedal mit sattem Stand dank 14 Pins pro Seite - aber eben mit einem gewissen "Klick".
Detaillierte Betrachtung einiger Testkandidaten:
- Crankbrothers Mallet E LS: Wertig verarbeitet und schön anzusehen. Der Einstieg fühlt sich einen Tick "smoother" an als bei Shimano & Co. und ist dank der Bügelbindung treffsicher und schmutzunempfindlich. Eher großer Bewegungsspielraum, dafür löst das Pedal minimal später aus. Die Standsicherheit (6 Pins pro Seite) ist top, das Gewicht auch prima.
- Gewicht: 433 g
- Maße (B x H x T): 77 x 95 x 18 mm
- Achslänge: 108,3 mm
- Preis: 179 Euro
- Testurteil: Sehr gut (MOUNTAINBIKE-Testsieger)
- DMR V-Twin: Das große, sehr schwere DMR macht eine "bissige Figur": Die optionalen Pins lassen den Schuh förmlich am Pedal kleben. Der beweglich gelagerte Mechanismus ist leicht nach oben geneigt, unterstützt damit den Einstieg. Generell arbeitet die Bindung gut, aber nicht ganz auf Shimano-Niveau. Das Setup ist recht fummelig, die Bindungsverstellung schlecht zu erreichen.
- Gewicht: 558 g
- Maße (B x H x T): 81 x 107 x 23 mm
- Achslänge: 107 mm
- Preis: 180 Euro
- Testurteil: Gut
- Funn Ripper MTB: Mit mitschwingendem, SPD-kompatiblem Mechanismus ist das Funn dem nebenstehenden DMR nicht unähnlich. Mit etwas breiterer Basis ist es minimal besser in der Schuhauflage, dafür nicht ganz so gripstark (stumpfe Pins). Ein- und Ausstieg sind auf einem guten bis sehr guten Niveau. Aber: Auch hier ist das Setup eher fummelig. Vergleichsweise preiswert.
- Gewicht: 554 g
- Maße (B x H x T): 93 x 101 x 23 mm
- Achslänge: 117 mm
- Preis: 139 Euro
- Testurteil: Gut
- HT T1: Der HT-Mechanismus ist dem SPDStandard ähnlich, funktioniert auf sehr gutem Niveau aber nur mit den mitgelieferten Cleats - diese bieten 4° oder 8° Float. Wie beim XTR-Pedal ist der Käfig eher Schutz denn Auflagefläche, die kurzen Pins kamen an den Testschuhen nicht an die Sohle. Schick verarbeitet, dazu leicht. Knapp "sehr gut", eher für Trailbiker.
- Gewicht: 368 g
- Maße (B x H x T): 68 x 92 x 32 mm
- Achslänge: 102 mm
- Preis: 149 Euro
- Testurteil: Sehr gut
- Magped Enduro: Im Vergleich sehr großes und schweres Pedal mit einzigartigem Magnetsystem. Kleine Schwäche ist das vergleichsweise aufwendige Setup mit 14 Pins und zwei Magnetstärken. Einmal angepasst bietet das Pedal super Grip, die Funktion ist je nach verwendeter Platte nicht unähnlich zum Klick-Mechanismus. Funktioniert auch als reines Flatpedal gut. Tipp für Klick-Zweifler!
- Gewicht: 556 g
- Maße (B x H x T): 96 x 110 x 17 mm
- Achslänge: 111 mm
- Preis: ab 159 Euro
- Testurteil: Sehr gut
- Shimano XTR PD-M9120: Mit dem XTR-Pedal hat Shimano ein recht leichtes, tadellos funktionierendes Modell im Programm. Ein- und Ausklicken gehen flott "vom Fuß". Shimano bietet zudem Cleats mit unterschiedlichen Auslöserichtungen an. Einstellbarkeit ist top. Keine Pins: Der Käfig schützt "nur" die Bindung, lag an keinem der getesteten Schuhe an. Wie das HT mehr Trail- als Enduro-Pedal.
- Gewicht: 405 g
- Maße (B x H x T): 72 x 106 x 30 mm
- Achslänge: 104 mm
- Preis: 195 Euro
- Testurteil: Sehr gut
- Tatze Mc Fly: Das leichteste Pedal im Test, piekfein verarbeitet. Die perfekt einstellbare Bindung ist SPD-kompatibel, funktioniert sehr definiert und auf einem Niveau mit dem Original. Die Pins generieren viel Grip, vertragen sich aber nicht mit allen Schuhsohlen - dann kommt man nur schwer in die bzw. aus der Bindung. Toller Mix aus leicht und "griffig"!
- Gewicht: 358 g
- Maße (B x H x T): 68 x 69 x 30 mm
- Achslänge: 101 mm
- Preis: 149 Euro
- Testurteil: Sehr gut (MOUNTAINBIKE-Kauftipp)
- Time Atac Speciale 8: Sehr schön verarbeitetes, massives, aber dennoch leichtes Pedal. Wie Crankbrothers setzt Time auf eine Bügelbindung, die sich knackig beim Ein- und Ausstieg anfühlt, aber je nach Verschmutzung im Test nicht immer sofort griff. Gute bis sehr gute Standsicherheit, 4 Pins pro Seite einschraubbar. Die Verstellschraube für die Bindung ist winzig.
- Gewicht: 397 g
- Maße (B x H x T): 73 x 99 x 37 mm
- Achslänge: 98 mm
- Preis: 150 Euro
- Testurteil: Gut
- Xpedo GFX Neo: Das Xpedo besteht als einziges Pedal im Test aus einem Nylon-Körper mit eingebetteter SPD-kompatibler Bindung - das drückt das Gewicht etwas. Die kleinen im Pedalkörper eingefassten Plastikpins sind nur wenig scharf, durch die recht große Fläche hat man dennoch ausgezeichneten Stand. Ein- und Ausstieg funktionieren prima. Relativ preiswert.
- Gewicht: 446 g
- Maße (B x H x T): 91 x 99 x 26 mm
- Achslänge: 114 mm
- Preis: 130 Euro
- Testurteil: Sehr gut (MOUNTAINBIKE-Kauftipp)
| Pedal | Gewicht (g) | Maße (B x H x T) (mm) | Achslänge (mm) | Preis (Euro) | Testurteil |
|---|---|---|---|---|---|
| Crankbrothers Mallet E LS | 433 | 77 x 95 x 18 | 108.3 | 179 | Sehr gut (MOUNTAINBIKE-Testsieger) |
| DMR V-Twin | 558 | 81 x 107 x 23 | 107 | 180 | Gut |
| Funn Ripper MTB | 554 | 93 x 101 x 23 | 117 | 139 | Gut |
| HT T1 | 368 | 68 x 92 x 32 | 102 | 149 | Sehr gut |
| Magped Enduro | 556 | 96 x 110 x 17 | 111 | ab 159 | Sehr gut |
| Shimano XTR PD-M9120 | 405 | 72 x 106 x 30 | 104 | 195 | Sehr gut |
| Tatze Mc Fly | 358 | 68 x 69 x 30 | 101 | 149 | Sehr gut (MOUNTAINBIKE-Kauftipp) |
| Time Atac Speciale 8 | 397 | 73 x 99 x 37 | 98 | 150 | Gut |
| Xpedo GFX Neo | 446 | 91 x 99 x 26 | 114 | 130 | Sehr gut (MOUNTAINBIKE-Kauftipp) |
Fazit
Egal für welches Pedal ihr euch am Ende entscheiden solltet: Wirklich falsch macht man mit keinem etwas. Sehr viel Kontrolle und Grip bieten Testsieger Crankbrothers, DMR, Funn und Xpedo mit ihren großen, "bissigen" Käfigen. Wer "nur" auf der Suche nach etwas mehr Aufstandsfläche und Schutz ist, greift zu den leichteren Modellen von HT, Shimano oder Time. Einen tollen Kompromiss aus beiden Welten vereint das Tatze-Pedal, während sich das ungewöhnliche Magped für bisherige "Klick-Muffel" empfiehlt.
Testmethoden
Erst auf dem Trail zeigen Pedale ihr wahres Gesicht - weswegen wir dem Praxisteil die größte Gewichtung zusprachen.
Zunächst ging es für alle Pedale paarweise auf die Waage, das Gewicht fließt inklusive der mitgelieferten Pins mit 15 Prozent in die Gesamtwertung ein. Als Maßstab nahmen wir dazu die Gewichte aus dem Flatpedal-Test in Ausgabe 10/20. Anschließend stellten wir die Pedale jeweils auf Schuh und Fahrer ein, dieses (in der Regel nur einmal nötige) Setup hat mit zehn Prozent einen eher geringen Anteil an der Endnote. Viel wichtiger ist das Dreigestirn aus Ein-, Ausstieg sowie der Standsicherheit an sich. Jedes der drei Kriterien bewerteten wir daher mit 25 Prozent. Dazu musste sich jedes Pedal einer rund acht Kilometer langen Teststrecke stellen, die zu gleichen Teilen aus technischen Bergauf- und Bergab-Passagen bestand.
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