Wer sich bei schönem Wetter aufs Rad schwingt, kennt das Problem: Schnell hat man die erste kleine Fliege im Auge. Eine Fahrradbrille beugt solchen unangenehmen Erfahrungen vor. An ihr bleiben nicht nur die lästigen Insekten kleben, sondern sie schützt auch vor Kleinstpartikeln wie Steinchen oder Staub.
„Guten Durchblick!“, wünscht uns Carina Freytag-Hafen, als wir ihr Geschäft verlassen, Optik Marx in München-Schwabing - im Etui die von ihr Gleitsicht-verglaste Rad-Sportbrille Evil Eye Trace Pro. Eine weitere Sportbrille haben wir uns von Walter Drum bei Optik Messbacher, ebenfalls erfahrener Sportoptiker aus München, anpassen lassen: Die Flak 2.0 von Oakley in der XL-Version. Neben den Oakley-Modellen Plazma oder Radar EV eignet sich die Halbrahmenbrille mit getrennten Gläsern gut für die optische Korrektur. Aber „guter Durchblick“ auf dem Fahrrad ist im entscheidenden Moment eben auch elementar wichtig, wenn es darum geht, Zahlen oder Kartenansicht auf dem Radcomputer deutlich ablesen zu können oder auf dem Radweg auch aus dem Augenwinkel zu erkennen, was ringsum passiert.
Hier eine Übersicht von getesteten Mountainbike-Brillen:
| Brille | Hersteller | Besonderheiten |
|---|---|---|
| The Volt | Naked Optics | Individualisierbar, klare Formsprache, guter Halt |
| C-Shifter | Bollé | Technische Eleganz, leicht und geradlinig |
| Intensity Spectron HD | Julbo | Breiter Einsatzbereich, ausgezeichnete Belüftung |
| Roadsense | Evil Eye | Hervorragende Glastechnologie, hohe Anpassungsfähigkeit |
| Turbo HR | Alpina | Günstig für Einsteiger, technischer Look, solide Bauweise |
Die Bedeutung der richtigen Brille
Auch Carina Freytag-Hafen, Sportoptikerin in München, bestätigt das: Auch auf dem Fahrrad bedeutet gutes Sehen Sicherheit! Die Alltagsbrille ist fürs Radfahren meistens keine Option. Ihre kleinen, annähernd senkrecht vor den Augen stehenden und meist nicht getönten Gläser schützen kaum vor Fahrtwind, anfliegenden Insekten und Sonne. Zudem verrutscht die Brille leicht auf schweißnasser Nase und Kopf. Im Augenwinkel trifft der Blick nicht auf geschliffenes Glas, entsprechend unscharf bleibt dieser Bereich.
Sogar Radfahrende Brillenträger wissen oft gar nicht, dass es auch Radbrillen in Sehstärke gibt“, wundert sich Walter Drum, selbst aktiver Rennradler. Dabei steigt der Bedarf stetig, denn in einer immer älter werdenden Gesellschaft nimmt auch die sogenannte Alterssichtigkeit (Presbyopie) zu - mit dem Effekt, dass die Augenlinse im Nahbereich nicht mehr so gut scharf stellen kann.
Sportbrillen mit Sehstärke: Eine wachsende Auswahl
Die gute Nachricht ist, dass immer mehr Hersteller auf diese Entwicklung reagieren. Die Auswahl an Rad-Sportbrillen zur Direktverglasung wächst ebenso wie das Angebot von Modellen, an denen man zumindest Optik-Clips befestigen kann - quasi eine Brille in der Brille. Die Radbrille von Siols eignet sich besonders gut für Optik-Clips mit sehr großem Korrekturbereich. Neun Hersteller bieten laut unserer Recherche mittlerweile Direktverglasungen an (siehe unten); viele Optiker statten auch Sportbrillen anderer Marken mit geschliffenen Gläsern aus, die diese Möglichkeit selbst nicht anbieten.
Technisch ist die Korrektur einer Sportbrille anspruchsvoller als bei einer Alltagsbrille. „Aufgrund der leicht schräg stehenden Gläser oder Scheiben und der geneigten Kopfhaltung auf dem Fahrrad muss der Korrekturschliff entsprechend angepasst werden“, erklärt Walter Drum. Deshalb eignen sich auch nicht alle Sportbrillenmodelle und -tönungen fürs Einschleifen der Sehstärke; und selbst bei einer eigentlich geeigneten Sportbrille sind die Möglichkeiten begrenzt, mehr als sechs Dioptrien lassen sich selten realisieren.
Grundsätzlich gut zur Korrektur eignen sich Brillen mit Vollrahmen und zwei getrennten Gläsern, selbsttönende Gläser und ausgesuchte Einscheiben-Modelle. Bei einem Gleitsichtmodell, also einem korrigierten Schliff, der scharfes Sehen im Nah- wie im Fernbereich ermöglicht, muss die Scheibe genügend groß sein für den Übergangsbereich zwischen diesen beiden Zonen.
Anpassung und Vermessung
Die Vermessung der Augen für eine Sportbrille erfordert wegen der großen Gläser und deren starker Krümmung (der Basiskurve) mehr Aufwand als bei einer Alltagsbrille. Der größte Unterschied besteht darin, dass der Korrekturschliff der auf dem Fahrrad geneigten Haltung des Kopfes angepasst sein und bis in die Augenwinkel ein scharfes Bild ermöglichen muss. Weitere wichtige Parameter sind der Pupillenabstand und die Höhe: Damit ist die Ebene gemeint, auf der die Augen in Fahrradhaltung durch die Brille schauen - was von der individuellen Passform der Brille abhängt.
Es schien, als passten Kopf- und Augenbewegungen nicht mehr richtig zusammen. Neigte sich der Kopf mit neuer Brille in gewohnter Manier in Richtung Radcomputer, blieb das Display unscharf - die Folge „eingeschliffener“ Bewegungsmuster, von der alle Brillenträger berichten, die erstmals eine Gleitsichtbrille tragen. Man muss sich nur abgewöhnen, den Kopf zu neigen, denn nun reicht der Blick durch den unteren, korrigierten Bereich der Brille. Optikerin Freytag-Hafen hatte uns bei der Übergabe darauf hingewiesen, dass es eine gewisse Zeit brauchen werde, bis sich Augen und Gehirn ans neue Sehen gewöhnt haben.
Langzeit-Erfahrungen
Jörg Wenzels Tipp: „Bei Radsportbrillen mit Gleitsichtgläsern wird der Nahbereich oft auf 60 Zentimeter Abstand eingestellt. Für eine sportliche Sitzhaltung auf dem Fahrrad kann das aber zu viel sein. Ich komme mit dem üblichen Abstand für Gleitsichtbrillen von 30 bis 40 Zentimetern besser zurecht.“ Jörg Spaniol berichtet, dass ihn der Übergangsbereich seiner Gleitsichtbrille anfangs stark irritierte. Er empfiehlt zudem, bei der Vermessung und Beratung durch den Optiker sehr kritisch zu sein und im Zweifelsfall lieber einmal öfter nachzufragen.
Am besten komme ich mit Brillen mit Vario-Gläsern zurecht. Diese passen sich in der Tönung dem jeweiligen Tageslicht an und sind somit auch gut rund ums Jahr verwendbar.
Günstige Alternativen
Wer zu den Weitsichtigen gehört, die das Computer oder Smartphone-Display nicht mehr scharf sehen, für den gibt es kostengünstige Angebote in Form von Radbrillen mit Lesezone oder flexible Linsen zum Einkleben in die eigene Sportbrille. Experten empfehlen beide Varianten als Übergangs- oder Ersatzlösung.
Rad-Sportbrillen mit Schliff oder Clip - 10 Marken
Hier eine Übersicht über verschiedene Marken und ihre Angebote im Bereich Sportbrillen mit Sehstärke:
- Adidas: Viele Modelle eignen sich für geschliffene Gläser, Optik-Clips sind ab 190 Euro erhältlich.
- Bollé: Sehr breites Sortiment an korrekturtauglichen Modellen, informative Webseite.
- Evil Eye: Bietet viele Möglichkeiten der optischen Korrektur, inklusive Optik-Clips und Adapterverglasung.
- Gloryfy: Bekannt für flexible und robuste Brillen, aber relativ enger Korrekturbereich.
- Julbo: Große Modellauswahl, viele Filter und Tönungen, auch Optik-Clips erhältlich.
- Oakley: Jahrelange Erfahrung mit dem Verglasen von Brillen, viele Partneroptiker.
- Rudy Project: Modelle mit „Direct Clip“ plus „Flip up“, großes Ersatzteillager.
- Swisseye: Breite Auswahl an Modellen und Filtern, Optik-Clips und Nylorverglasung möglich.
- Uvex: Bietet verschiedene Modelle mit unterschiedlichen Filtern und Tönungen.
Weitere wichtige Aspekte
Je nach Intensität der Sonneneinstrahlung bzw. der Bewölkung kann eine orange bzw. gelbliche Tönung den besten Kontrast ergeben. Fahrradbrillen mit solch einer Tönung können also ideal bei bewölkten bzw. wechselnd bewölkten Verhältnissen eingesetzt werden. Ob überhaupt ein UV-Schutz vorhanden ist, sollte vor dem Kauf abgeklärt werden.
Viele Brillenmodelle sind oft mit einem getönten, fix verbauten Glas ausgestattet, das sich nicht wechseln lässt. Vielseitigere Fahrradbrillen verfügen hingegen oftmals über Wechselgläser und lassen sich so mit wenigen Handgriffen an die jeweiligen Bedürfnisse anpassen. Den größten Komfort bieten selbsttönende Fahrradbrillen. Ihre photochromatischen Gläser tönen sich durch einen integrierten Filter je nach Intensität der UV-Strahlung von selbst.
Was die Passform angeht, decken die meisten Radsonnenbrillen inzwischen ein sehr breites Spektrum an Gesichtsformen ab. Durch verbiegbare Bügel und Nasenstege lassen sich insbesondere teurere Brillen der eigenen Gesichtsform anpassen. Damit die Brille nicht von der Nase rutschen kann, sollten die Brillenbügel im Idealfall gummiert sein - das gleiche gilt für den Nasensteg. Eine Belüftung sollte im Idealfall vorhanden sein.
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