Vollgefederte E-Mountainbikes, kurz Fullys genannt, spielen dort ihre Vorteile aus, wo andere Räder an ihre Grenzen stoßen. Steile Trails durch Wälder, unwegsame Schotterpisten oder Berghänge, die Bedingungen können für sie nicht rau genug sein.
IMTEST E-MTB Vergleich
IMTEST hat fünf aktuelle Modelle von Canyon, Decathlon, Giant, Rose und Stevens sowohl durchs Gelände gejagt als auch im akkreditierten Labor von Qima testen lassen. Dabei konnte besonders das Canyon Neuron:ON CF glänzen und sich den Testsieg holen. Der Preis-Leistungssieg geht hingegen an das Fully von Decathlon, das Rockrider E-Expl 520 S*.
Folgende E-MTBs haben am Test teilgenommen:
- Canyon Neuron:ON CF 7
- Rose Root Miller Plus 3
- Stevens E-Inception ED 8.7.2 GTF
- Giant Stance E+ 1
- Decathlon Rockrider E-Expl 520 S
Das sind die IMTEST-Favoriten
Lesen Sie hier, welche Aspekte dem Canyon Neuron:ON CF 7 den Testsieger brachten und warum das Decathlon Rockrider E-Expl 520 S Preis-Leistungssieger wurde.
Testsieger: Canyon Neuron:ON CF 7
Das Canyon überzeugte die Tester vor allem, weil es sich am meisten nach Mountainbike anfühlte. Dabei hat der kraftvolle Motor der Bosch Performance Line CX mit 85 Newtonmeter das Fully mühelos alle Berge “hochgeschoben”. Später stellte sich genau dieses Fully bei den Testern als unangefochtener “Liebling” heraus. Warum? Weil es sich am meisten nach Mountainbike anfühlte.
Die Ausstattung ist dabei zwar nicht ganz so hochwertig wie bei den Fullys von Stevens und Rose. Dafür vermittelte die Geometrie des Canyon das größte Gefühl an Fahrsicherheit und Fahrspaß.
Ein richtiges Display hat das E-Bike nicht, es ist lediglich ein An- und Ausschalter mit LED-Balken für die Akkuanzeige im Oberrohrrahmen angebracht. Das reicht an einem E-Mountainbike meist völlig aus.
Der erste Eindruck der Reifenwahl war “etwas schmal”, doch die Optik täuschte. Die Pneus passten gut zum Line-up und boten ein schönes, lebendiges Fahrgefühl.
Rein aus Sicht der Testfahrer, die zum Zeitpunkt ihrer Bewertung die Laborwerte noch nicht kannten, ist das Canyon Neuron:ON CF 7 der Testsieger. Im Labor schaffte das E-Bike eine Reichweite von 94 Kilometern.
KONTRA Das E-Bike kommt ohne Display. Wer seine Fahrdaten im Blick behalten möchte, kann sein Smartphone dazu nutzen.
Imtest Ergebnis: gut 2,0
Preis-Leistung: Decathlon Rockrider E-Expl 520 S
Auch wenn das E-Mountainbike von Decathlon “nur” den fünften Platz belegt, konnte es durch sein Fahrgefühl die Herzen der Tester gewinnen. Das Decathlon-E-Bike wusste zu überraschen, denn das mit 2.999 Euro deutlich günstigste Fully gab ein durchaus natürliches und kraftvolles Gefühl an Unterstützung.
Die Ausstattung überzeugte die Experten jedoch nicht ganz so sehr. So liefen beispielsweise die Federelemente etwas zäh und die Bremsen wirkten vergleichsweise schwach. Darüber hinaus reagierte der Hinterbau etwas schwammig und gab zudem kein gutes Feedback vom Untergrund.
Wer nach ein paar Fahrten dann “mehr” will, kann an der ein oder anderen Stelle mit neuen, hochwertigen Komponenten gegebenenfalls noch das ein oder andere an seinem Bike perfektionieren.
Das Decathlon-Fully eignet sich optimal für E-Mountainbike-Einsteiger. Eignet sich prima für E-Mountainbike-Einsteiger.
KONTRA Bremsen wirkten vergleichsweise schwach, was auch die Werte im Labor belegten (Zwischen-Note 3,8).
Imtest Ergebnis: befriedigend 3,1
Weitere empfehlenswerte E-Fullys
Auch unter den Plätzen zwei bis vier sind empfehlenswerte vollgefederte E-Mountainbikes.
2. Platz: Rose Root Miller Plus 3
Das E-Mountainbike von Rose bot mit 78 Kilometern die zweithöchste Reichweite beim R200-Test. Das Root Miller Plus 3 hat es in sich und bot bei den Tests insgesamt die am besten abgestimmte Ausstattung.
Besonders überzeugt waren die Tester vom sehr guten Rock Shox-Fahrwerk, welches butterweich anspricht und so gut wie alles schluckt, was ihm über den Weg läuft. Die Reifen boten zudem auf dem nassen Boden einen richtig guten Grip.
Bissige Bremsen, ergonomische Griffe und ein guter Sattel sorgen auch auf längeren Touren für das richtige Maß an Komfort und Sicherheit. Das Laufradsetup namens Mullet, das ein 29-Zoll-Vorderrad mit einem 27,5 Zoll-Hinterrad kombiniert, sorgte für das Quäntchen Verspieltheit auf dem Trail.
In Kurvenfahrten machte sich das durchaus positiv bemerkbar, ansonsten ist diese Ausstattung eher Geschmackssache. Rose kombiniert bei seinem Fully ein 27,5-Zoll Hinterrad mit einem 29-Zoll-Vorderrad.
Das Purion-Display von Bosch wirkt etwas altertümlich an dem sonst so modernen Rad, das neuere Purion 200 wäre hier sicher die bessere Wahl gewesen.
KONTRA Das Display wirkt etwas altertümlich im Gegensatz zum Rest des schicken E-Mountainbikes.
Imtest Ergebnis: gut 2,2
3. Platz: Stevens E-Inception ED 8.7.2 GTF
Nicht nur der coole Look überzeugte, ebenso fanden die Tester Gefallen an den Federelementen, die sich gut auf den Fahrer abstimmen ließen. Das coole Farbdesign, die gute Ausstattung sowie die komfortable Geometrie machen das E-Mountainbike von Stevens zu einem guten Allrounder und passend für die breite Masse.
Der kraftvolle Shimano-Antrieb sowie das gut ablesbare Display ließen bei den Fahrten im Gelände keine Wünsche offen, lediglich der Motor gab im Freilauf ein etwas lautes “Klacken” von sich. Darüber hinaus punkten sie besonders in Bezug auf Haltbarkeit und Robustheit im Gegensatz zu anderen Herstellern.
Minuspunkte im Gelände gab es für den Hinterreifen. Das Stollendesign ist zu geschlossen und setzt sich bei Nässe, Matsch und Schlamm schnell zu.
Kleiner Minuspunkt: Bei Nässe setzten sich im Profil des Hinterrads schnell Schlamm und Dreck fest.
KONTRA Motor ließ im Leerlauf ein etwas lautes “Klacken” verlauten.
Imtest Ergebnis: gut 2,3
4. Platz: Giant Stance E+ 1
Beim Fully von Giant überzeugte vorallem der Luftdämpfer von Suntour, der sehr sensibel reagierte und somit jegliche Unebenheiten geschluckt hat. Der Yamaha-Antrieb des Giant fühlte sich bei den Testfahrten im Gelände vergleichsweise unnatürlich und schwach an.
Am Berg oder steilen Passagen mussten die Tester ordentlich beim Treten mithelfen, um an dem davonfahrenden Testfeld dranzubleiben. In manchen Situationen setzte der Motor recht unerwartet ein, das bei ungeübten Fahrern zu Verwirrungen führen und als unangenehm empfunden werden kann.
Darüber hinaus sorgten die Reifen für richtig guten Grip, was an dem verregneten Testtag besonders positiv auffiel. Das Giant-E-Bike bot bei den simulierten Bergfahrten im Labor mit 22,1 km/h die schnellste Geschwindigkeit.
KONTRA Motor setzte bei den Testfahrten teilweise sehr unerwartet ein, was das “natürliche” Fahrgefühl etwas dämpfte.
Imtest Ergebnis: befriedigend 2,8
Reichweite und Motorunterstützung im Detail
Auch bei E-Mountainbikes ist die Reichweite sicher ein entscheidendes Kaufkriterium. Beim sogenannten R200-Test, bei dem unter allen Testrädern ein vergleichbarer Wert ermittelt wird, konnte das Fully von Canyon besonders überzeugen. Mit 94 Kilometern und einer gemessenen Akkuleistung von 726,9 Wattstunden fährt es hier allen anderen Testkandidaten deutlich davon.
Im Mittelfeld lagen die Räder von Rose (78 Kilometer, 586,1 Wattstunden), Stevens (70,5 Kilometer, 580 Wattstunden) und Giant (66,96 Kilometer, 556,6 Wattstunden), während das Decathlon mit 54,8 Kilometer und 443,6 Wattstunden die geringsten Werte lieferte.
Wie kraftvoll der Motor unterstützt, lässt sich bei der Prüfung der Geschwindigkeit bei sechs-prozentiger Steigung sowie für den Unterstützungsfaktor herauslesen. Hier lagen die Räder von Canyon, Stevens, Rose und Giant sehr nah beieinander und brachten es auf 20,1 Stundenkilometer (Stevens) bis 22,1 Stundenkilometer (Rose und Giant).
Etwas gering war dabei der Unterstützungsfaktor beim Rad von Stevens mit 3,1, hoch beim Canyon (3,3) und Giant (3,5) sowie sehr hoch beim Rose (3,8). Im Vergleich dazu musste das Rockrider E-EXPL 520 S etwas Federn lassen. Mit 17,2 Stundenkilometern war es bei der „Bergprüfung“ etwas langsam und wurde dabei nur mit einem Faktor von geringen 2,8 unterstützt.
Bremsprüfung: Sicherheit, wenn es drauf ankommt
Steile Hänge, enge Kurven, wechselnde Untergründe, dazu mal staubtrockener Zuckersand oder matschiger und rutschiger Boden: Wer mit seinem Fully gerne sportlich fährt, sollte sich auf seine Bremsen verlassen können. Auch bei der Messung der Bremskraft setzt IMTEST auf das international akkreditierte Prüflabor von Qima.
In Anlehnung an die Norm EN 15194 werden sowohl die Vorder- als auch Hinterradbremsen bei nassen und trockenen Bedingungen getestet. Mit einer simulierten Betätigungskraft (Handkraft) von 60 Newton wird dann geprüft, wie hoch die Bremsleistung ist.
Hier kann das günstige Decathlon leider nicht mit den anderen E-Mountainbikes mithalten und erhält in diesem Bereich nur eine Teilnote von 3,8. Die beste Note, mit einer glatten 2,0, konnte das E-Inception ED 8.7.2 GTF von Stevens erzielen, das gerade bei der Bremsprüfung bei trockenen Bedingungen glänzen konnte. Aber auch mit dem Rose (2,2), dem Canyon (2,6) und dem Giant (2,9) kann sich der Fahrer durchaus sicherfühlen, wenn er im Gelände unterwegs ist.
Das zeichnet ein E-Fully aus
Schaut man sich die aktuellen Zahlen des Zweirad-Industrie-Verbands an, lässt sich feststellen, dass der Verkaufsanteil an E-Mountainbikes mit 40 Prozent gegenüber anderen Fahrrad-Kategorien am höchsten lag. Sprich: keine andere Fahrradgruppe ist so beliebt wie die E-MTBs.
Der Grund scheint auf der Hand zu liegen: Es macht einfach Spaß damit abseits befestigter Pisten im Gelände unterwegs zu sein. Unter allen E-Bike-Kategorien wurden am meisten E-MTBs verkauft.
Fullys: Die Vor- und Nachteile
E-Mountainbikes unterscheidet man grob in zwei Gruppen. Während sogenannte Hardtails nur eine Federung in der Gabel besitzen, haben Fullys, also Full Suspension-Bikes = vollgefederte Räder, noch ein zweites Feder- beziehungsweise Dämpfungselement für den Hinterbau.
Diese Federung sorgt für eine bessere Traktion, Komfort und Kontrolle, besonders in unebenem Gelände. Dieses Plus an Ausstattung macht sich jedoch im Gewicht und meist auch im Preis bemerkbar.
Fullys eignen sich daher für anspruchsvolle Trails, wo sie die Eigenschaften ihrer Komponenten voll ausspielen können. Wer ein E-Bike für leichtes Gelände und Straßen sucht, sollte sich anderweitig umschauen.
Mittlerweile gibt es auch bei E-Mountainbikes den Trend, das Gewicht deutlich unter 20 Kilogramm zu halten, idealerweise sogar bei 15 Kilogramm zu landen. Die fünf Räder im Test gehören jedoch nicht zur Lightweight-Gruppe und bringen zwischen 23 Kilogramm (Canyon) bis 26 Kilogramm (Giant) auf die Waage.
Dafür bieten sie andere Vorteile: ein leistungsstarker Mittelmotor mit 70 Newtonmetern (Decathon), über 75 Newtonmetern (Giant) bis hin zu 85 Newtonmetern bei den anderen drei Testkandidaten von Canyon, Stevens und Rose. Hinzu kommen Akkus mit im Labor gemessenen Kapazitäten von bis zu 726, 9 Wh, die dafür sorgen sollen, dass die elektrisch unterstützte Tour nicht schon nach wenigen Kilometern endet.
Einer der wichtigsten Komponenten im steilen Gelände sind sicher die Bremsen, die bei steilen Offroad-Trails mehr leisten müssen als beispielsweise die eines City-E-Bikes.
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