Viele Radfahrer stehen vor der Frage, wie sie ihr Mountainbike (MTB) in ein komfortables und zuverlässiges Reiserad umwandeln können. Dieser Artikel bietet eine umfassende Anleitung, die verschiedene Aspekte des Umbaus beleuchtet, von der Kurbel bis zum Lenker.
Kurbel-Umbau
A) Ist es möglich, die bestehende Rennrad-Kurbel durch eine MTB-Kurbel zu ersetzen?
Es gibt genug Leute, die trotzdem MTB-Kurbeln mit Rennradschaltungen bedienen. Grundsätzlich ist es möglich, eine Rennrad-Kurbel durch eine MTB-Kurbel zu ersetzen. Man müsste doch nur den Umwerfer etwas weiter nach unten setzen (Schelle) und losfahren, oder übersehe ich da etwas?
Da ich zusehends Probleme mit meinen Knien habe und auch im Stadtverkehr das große Blatt im letzten halben Jahr kein einziges mal benutzt habe und andersrum in den Bergen es mir nicht klein genug sein kann, dachte ich an einen Umbau.
B) Wie ist das mit dem Q-Faktor?
Neulich las ich hier, dass er den Abstand zwischen den Kurbeln beschreibt. Je schmaler desto besser fürs Knie, hab ich irgendwo mal gelesen.
Die Mountainbikekurbeln sind stärker nach außen gebogen (wegen breiterem Rahmen der Mountainbikes für die breiten Reifen). Dadurch sitzen die Pedale weiter außen. Dieser Aspekt wird auch als größerer Q-Faktor benannt.
Ob für dein Knie der Gewinn durch die noch kürzere Übersetzung oder der Verlust durch die größere Baubreite überwiegt, kann ich nicht beurteilen.
Ich habe auch manchmal Knieprobleme, aber fahre auf dem Rennrad 48-33 zu 12-28 auf dem Mountainbike und habe keine Probleme mit dem breiteren Q-Faktor.
Bei mir haben Pedale mit großem seitlichen freien Spiel für den Schuh gehofen. Rennrad - Speedplay Zero X / Mountainbike ohne Clickies.
Kettenlinie
Die Kettenlinie (Bild, hier ist eine Übersicht) ist bei MTB (50mm) und RR (45mm) unterschiedlich.
Weitere Überlegungen zur Kurbel
Ein 46er sollte als größtes KB auf deine Kurbel passen. Ich kenne die 3fach 105er Kurbel nicht, ich fahre seit Jahr und Tag 2fach. Bei SRAM passt beispielsweise ein 46 KB drauf, bei der 105 denke ich auch (ich sag nur Cyclocross).
Wichtig ist doch vor allem, dass deine Beine nicht in eine Haltung gezwungen werden, bei der die Kniegelenke 'verdreht' werden. Und diese Haltung hängt stark von der Beinform ab, d.h. die oben genannte These stimmt vor allem für O-Beinige.
Wer dagege wie ich relativ ausgeprägte X-Beine hat, für den ist ein größerer Q-Faktor u.U. sogar besser und für alle 'Normalbeinler' liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.
Sitzposition und Knieprobleme
Knieprobleme kommen oft von der falschen Sitzhaltung. Ist der Sattel zu niedrig und sei es nur 1-2 cm, schmerzt das Knie. Du fährst mit Clickies? Kontrollier mal die Plattenstellung, ist das Bein auch nur leicht aus der optimalen Position verdreht, schmerz das Knie ebenso. Dann lieber zu platten mit mehr Bewegungsfreiheit greifen.
Es kann noch viel viel mehr Ursachen haben.... Wenn der Sattel zu weit vorn ist, muckt das Knie auch rum. Den Sattel ein Stück nach hinten zu schieben kann oft Wunder wirken. Zu hoch darf man den Sattel auch nicht machen. Das entlastet zwar das Knie, belastet aber überproportional die Achillessehne. Damit rollt dann schon das nächste Problem auf einen zu.
Die Sattelneigung spielt ebenso eine ganz entscheidende Rolle. Selbst wenn Sattelhöhe und Verschiebung in Ordnung sind, kann ein falsch gekippter Sattel immer noch zu Knieproblemen führen. Bei wir war der Sattel zu weit nach vorn gekippt, so dass ich mich mit den Beinen immer unbewusst im Sattel zurückgeschoeben hatte. Den Sattel leicht zurückzuneigen war die Lösung.
Bei mir haben sie genau das Gegenteil bewirkt, nämlich dass die Knieprobleme nachlassen. Nur durch die Klickpedale hatte ich genug Seitenhalt, um das Knie bei Belastung senkrecht über dem Fuß stehen zu lassen.
Probleme beim Umbau und mögliche Lösungen
Schon angesprochen: Kettenlinie stimmt nicht (und wird Dich und Deine Kette früher oder später in den Wahnsinn treiben). Eventuell setzt der Umwerferkäfig auf der Kettenstrebe auf, wenn Du auf das kleinste Kettenblatt schaltest. Schau Dir einfach mal an, wieviel Platz da noch wäre.
Machbar ist das zwar prinzipiell, bleibt aber Stückwerk mit wahrscheinlichen Folgekosten (dann passt der Umwerfer nicht, dann verschleist die Kette, etc.).
Ich habe auch noch nie auf die Ketenlinie geachtet, sondern Innenlager und Umwerfer so gewählt daß es passt und gut war.
Genau aus diesem Grund habe ich jetzt drei überzählige Innenlager rumliegen. Es hat eine Weile gedauert, die richtige Länge zu finden. Ist es zu kurz, schwenkt der Umwerfer nicht weit genug nach innen. Ist es zu lang, tritt es sich komisch.
Obendrein kommt noch das Problem dazu, dass man bei den aktuellen Hollowtech-Kurbeln da wenig bis gar keinen Spielraum hat. Man kann höchstens einen Spacer von links nach rechts setzen.
Ich kenne ja doch einige, die sowas gemacht haben, mich selbst eingeschlossen.
Das ist ein ernsthaftes Problem und als ein Berliner Forumisto und ich im Herbst mein neues Teil so aufgebaut haben, war es schon ein ziemliche Fummelei, den passenden Umwerfer zu finden. Da war es einfach gut, dass er etliche rumzuliegen hat und ich einfach ausprobieren konnte, welcher mit der Kettenstrebe klarkam.
Und wenn sein Ziel ist, eine für seine Zwecke passende Übersetzung zu bekommen, ohne ein anderes Rad kaufen zu müssen, gibt es auch nicht wirklich Alternativen.
Zur Kettenstrebe: da sind jetzt noch so 18-20mm Platz, das sollte also kein Problem seinZur Kettenlinie: Zur Zeit fahre ich mit so großer Schräglage, dass es mir fast wehtut, wenn ich nur hingucke.
Empfehlungen und Erfahrungen
Bei meinen Umbauten in dieser Weise trat immer folgendes Problem auf: Wenn ich, wie empfohlen, den Umwerfer so einstelle, dass er einige mm über dem größten Blatt sitzt, stößt der Umwerfer beim Schalten aufs kleinste Blatt dann an die Kettenstrebe. Also musste ich den Umwerfer etwas weiter höher stellen. Sieht etwas ungekonnt aus, aber geht nicht anders.
Natürlich flutscht es auch nicht so ohne weiteres beim Wechseln auf das große Blatt, aber es funktioniert schon.
Mit einem MTB-Umwerfer hätte ich diese Probleme nicht, aber meine Sora und Claris STI schaffen keine MTB-Umwerfer, da stimmt der Seilzug nicht.
Ich glaube- bin mir aber nicht sicher- es liegt eher daran, dass die Umwerfer für Rennradkurbeln einen größeren Radius haben (laufen dann schön im Abstand zu einemn 50-er Kettenblatt), dadurch auch weiter nach unten gezogen werden können.
Aber bei solchen wilden Kombinationen von Rennrad-Schaltungsteilen, MTB- Übersetzung, Innenlagern usw. kann halt nicht alles perfekt stimmen.
Unabhängig vom Q-Faktor, den ich nicht bewusst beeinflussen will und kann, war bei mir immer der limitierende FAktor: Kann ich eine MTB-Kurbel mit einem 103-max. 107-er Innenlager(ich nehme nur Vierkant) so kombinieren, dass es keine Probleme an der Kettenstrebe gibt.
Mit dem Innelager von 122 mm kommmen dort die Kettenblätter soweit weg vom Rahmen, dass ein Sora oder Claris-Umwerfer nicht weit genug nach außen schwenkt und somit das große Kettenblatt nicht bedienen kann. Also musste der MTB Umwerfer dran bleiben.
Mit dem MTB-Umwerfer kann ich zwar prima alle drei Kettenblätter schalten (mit traditionellen MTB-Schalthebeln), aber halt leider nicht nicht mit dem Sora/Claris STI.
Aber wie gesagt, da war viel Probiererei und Friemelei dabei. Nur mal schnell den Umwerfer ein Stückchen runterstellen- das hatte ich auch mal gedacht. Ich habs mal bei UT gepostet.
Die Problematik ist eher in den unterschiedlichen Hebelwegen zu suchen als in irgendwelchen Einbaubreiten.
Einfach auf der Antriebsseite nur einen dünen Spacer montieren... muss man halt schauen wie sich das mit der Kettenstrebe ausgeht.
Die ist zwischen STI und MTB unterschiedlich und dass iata) durch Umbau auf flatbar (mit Flatbarschaltern vom RR) zu reglen, oderb) recht kompliziert in Bezug auf den Umwerfer.
Hast Du einen RR-Anlötumwerfer? Da habe ich nie was kleineres als die XT Trekking (46 KB... 26) montiert bekommen. Man kann einfach nicht soweit nach unten schieben um das 44er KB zu erreichen /zumindest an meinem Renner war das so ..Oder hast du so eine Schelle... dann kommst zumindest soweit runter, dass a normale montieren kannst und das funzt a mit nem RR DA Umwerfer (älteres Modell) - hab da einige ausprobiert, bis der richtige dabei war.
Die Einstellung, dass alle drfei KB HALBWEGS sind war eine Frikelei und nie wirklich befriedigend auf Dauer zu lösen.
Du kriegst einen MTB Umwefer dran .... wage ich bei 90% der Rahmen zu bezweifeln...
Unter dem Anlötsockel des Rahmens montieren radikalste Methode, Anlötsockel entfernen (lassen)
Hätte eine Sugino XD nicht funktioniert? 24-xx / 33-xx / 42-5x wäre dann möglich gewesen. Diese Kurbel kann man auch mit einem Rennradumwerfer bedienen.
Welches Schaltwerk hast du derzeit verbaut? 105er und das funktioniert ja auch sehr gut. Mit langem Käfig, logo.
Ich finde 20-32-44 eine vernünftige Übersetzung. Nur eben leicht aus der Spezifikation raus, aber es funktioniert hinreichend gut. Schneller als 44-11 brauche ich eher nie und langsamer als 20-36 auch nicht. Und das geht mit allen aktuellen Shimano-MTB-3fach-Kurbeln.
Entweder fährt man breitbeiniger oder die Hacken werden deutlich weiter nach innen gedreht.
Weitere wichtige Aspekte für eine Reiserad-Umbau
- Rahmen: Stahlrahmen als Grundgerüst.
- Laufräder: 26'' Laufradgröße, Felgen für Felgenbremsen.
- Schaltung: Kettenschaltung (Shimano Deore XT).
- Bremsen: V-Brakes mit Drahtzug.
- Lenker: Für möglichst viele Griffpositionen.
Optionen für Laufräder und Dynamo
Qualitativ hochwertige Laufräder sind sicher grundlegend wichtig. Komplett aufgebaut mit Dynamo gibt es die zB bei Meilenweit. Zu der handwerklichen Qualität der dort gebauten Laufräder kann ich nichts sagen. Wie lange (und ab wann) mit etwa welchem Systemgewicht möchtest du denn wo unterwegs sein? Das wären Informationen, die helfen würden deine Fragen zu beantworten.
Schmidt (SON) (PDF, Lieferprogramm mit Preisen 2019) bietet auch (über den Fachhändler) fertige Laufräder an. AnSONsten auch einige andere Anbieter..., z.B. meilenweit, bike24, kurbelix, einfach mal selber suchen...
Alternativen zum Umbau
Es gibt auch die Möglichkeit, ein fertiges Reiserad wie das TX400 zu kaufen. Dieses Rad bietet ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und eine bequeme Sitzposition. Es ist jedoch weniger agil als andere Optionen.
Eine weitere Option ist das Surly Troll, das flexibler in Auf- und Umbau ist und ein besseres Fahrgefühl bietet. Es ist jedoch die teuerste der Optionen.
Gerade wenn du nur noch wenig Zeit hast, würde ich eher zu einem fertigen Rad greifen, anstatt lange ein bestehendes Rad umzubauen. Wichtig ist vor allem, das du dich auf dem Rad wirklich wohl fühlst.
Lenker-Optionen
Da ich gerade meinen Trekkingradumbau plane, suche ich einen passenden Lenker. Da es ein etwas sportlicheres Fahren sein soll, kommt fuer mich der klassische Reiseradlenke oder ein einfache gerade Stange nicht in Frage. Von daher schwanke ich zwischen einem typischen Randonneur Lenker (Typ RITCHEY COMP VENTURE MAX RENNLENKER) oder einer Art Bullhornlenker.
Da ich nun eine Magura HS 33 an meinem Rad habe und die ungern austauschen wuerde, bin ich mir nicht sicher wie ich hier vorgehen soll.
Dir ist schon klar, dass ein Anbau von einem RR-Lenker die Geometrie beim Fahren deutlich verändern kann und nicht nur zum Vorteil?
HS 33 ist schwierig. Es gab ja mal die HS66, aber die ist ungefähr so verbreitet wie Goldstaub. Da Du für die Bremsgriffe der "normalen" HS33 einen Lenker mit max. 22,2 mm Durchmesser im Griffbereich benötigst, bleibt Dir große Auswahl nur mit "normalem" Trekking-/MTB-Lenkern.
RR-Lenker - egal, wie die gezwirbelt sind - haben üblicherweise 23,8/24 mm Griffdurchmesser. Klassische Bullhorns auch.
Vereinzelt sind Bullhorns mit 22,2 zu finden - bei den angebotenen Lenkerbreiten würde ich die aber völlig ausschließen.
Auch die Klemmbereiche der Trekking-/MTB-Schalthebel brauchen 22,2 mm, die passen auch nicht auf normale RR-Lenker.
Die Experten hier haben auch schon die Klemmbereiche der HS-Griffe und Schalthebel auf 24 mm ausgerieben - das ist aber Bastelarbeit für Geübte. Da rate ich für wenig Geübte gleich von ab.
Bei HS33 Bremsen gibt es leider keine gute Möglichkeit für einen Rennlenker. Wenn du es sportlicher haben willst, wäre der geringste Aufwand, einen Lenkeraufsatz zu montieren.
Ich habe auch lange zum Rennlenker tendiert, bin dann aber doch beim Besenstiel mit Lenkeraufsatz gelandet. In Verbindung mit einer nach vorne kippbaren Rattelstütze (Redshift) ist das für mich eine sehr gute Kombi.
Alternative Bremsoptionen
Wenn es diese sind, handelt es sich um Cantilever-Sockel. Auf diese passen Cantilever-Bremsen (nomen est omen), V-Bremsen und Magura-Felgenbremsen.
Oder ein weiterer Vorschlag: Du montierst einen Tria-Aufsatz an den bestehenden Lenker.
Wichtige Hinweise
Dir ist anscheinend noch nicht klar, dass sich mit Rennlenker am MTB oder Trekkingrad die Sitzlänge um 8-10 cm verlängern wird. Wenn dein Rahmen also mit geradem Lenker jetzt passend ist, wird das eine Streckbank.
Mit Bremsaufnahme meine ich die beiden "Nippel" am Rahmen auf denen die Bremse sitzt. Gibt es da andere Bremsen die da passen?
Ich finde die Bremsgriffposition am angenehmsten. Und die würde mir mit so einer Bastelei mit den HS Griffen am Oberlenker fehlen.
Am ehesten passt dir wohl ein Bullhorn mit 22,2mm Lenkerdurchmesser. Muss man etwas suchen, aber ich hab sowas am Faltrad - funktioniert super.
Weitere Überlegungen
Umrüstung auf Rennlenker lohnt i.d.R. nicht. Das ist ziemlich teuer, und zum Schluss ist man auch nie wirklich sicher, ob es passt. Allein schon wegen der Rahmengeometrie.
Und zum Thema HS33: Hydraulische Felgenbremsen waren vor 15 Jahren toll und innovativ. Aber heute würde ich mir sowas nie im Leben ans Reiserad bauen (Stadtrad wäre was anderes).
Umrüstung auf 29er Reifen
Es gibt auch Überlegungen, von 27.5plus auf 29er Reifen zu wechseln. Hierbei ist zu beachten, dass nicht alle Rahmen für diese Reifengröße geeignet sind.
Zusammenfassung
Der Umbau eines Mountainbikes zum Reiserad erfordert sorgfältige Planung und die Berücksichtigung verschiedener Faktoren wie Kurbel, Q-Faktor, Sitzposition und Lenker. Es gibt viele Möglichkeiten, das Fahrrad an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Es ist wichtig, die Vor- und Nachteile jeder Option abzuwägen und gegebenenfalls professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
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