Moustache Laufrad Test: Ein umfassender Überblick

Moustache aus Frankreich hat sich in der E-Bike-Welt einen Namen gemacht. Vom Laufrad über E-SUVs bis hin zu sportlichen E-Mountainbikes bieten die Franzosen ein breites Portfolio.

Moustache Clutch: Eine Revolution im E-Mountainbike-Bereich

Das Moustache Clutch ist eine völlige Neuentwicklung und hebt sich schon auf den ersten Blick deutlich von den altbekannten Moustache-E-Mountainbikes ab. Schon im letzten Jahr wurde das Bike auf der EUROBIKE gezeigt - damals noch getarnt als Prototyp, unter dem Titel „Project Box 46“. Jetzt geht das 27,4 kg schwere Pinion-Bike mit dem Modellnamen Clutch offiziell in Serie.

Besondere Merkmale des Moustache Clutch

Der Dämpfer, der parallel zum Oberrohr liegt, wird von einer Viergelenker-Hinterbaukonstruktion angesteuert. Anders dann der Motorbereich, denn hier sitzt die eigentliche Besonderheit des Bikes: Die Pinion MGU (Motor Gearbox Unit) vereint Antrieb und Schaltung in einem einzigen Gehäuse - geschützt vor Umwelteinflüssen. Der Motor selbst liefert 85 Nm Drehmoment und bis zu 600 Watt Leistung, ist leicht nach oben gedreht im Rahmen integriert und sorgt damit für einen wuchtigen Tretlagerbereich. Der 780-Wh-Akku stammt von FIT. Er ist fest im Unterrohr integriert, kann aber nach unten entnommen werden. Dafür muss lediglich das Motorcover geöffnet werden - was werkzeuglos per Bajonettverschluss gelingt - und ein Bolzen herausgeschraubt werden. Danach lässt sich der Akku entweder nach unten herausziehen oder, falls das Bike auf dem Kopf steht, nach oben entnehmen.Top: Oberhalb des Akkus gibt es eine kleine Tasche für Ersatzschlauch und Reifenheber. Praktisch: Das benötigte Werkzeug zur Akkuentnahme ist direkt im Steuerrohr integriert. Das Granite Stash Tool lässt sich schnell entnehmen und hält klapperfrei.

Im Oberrohr des Moustache Clutch sitzt nahtlos integriert das farbige Master Node Display. Am Lenker befindet sich die FIT Remote Pure, die durch ihren Drehschalter an die bekannte Ring Remote von FAZUA erinnert, sich aber spürbar hochwertiger anfühlt. Ein praktisches Detail ist die Sattelklemme, die gleichzeitig ein Rücklicht beherbergt, das direkt mit dem Hauptakku verbunden ist. Am Hinterrad schützt ein kleiner Fender den Rahmen vor Dreckbeschuss, während ein schmaler Kettenstrebenschutz für Ruhe sorgt - wobei hier aufgrund des fehlenden Schaltwerks und der Nutzung eines Riemenantriebs ohnehin deutlich weniger Belastung herrscht.

Der GATES-Riemen wird über eine vorgespannte Rolle direkt hinter dem Motor auf Spannung gehalten und passt sich damit dynamisch an die Bewegung des Hinterbaus an. Und wer lieber auf eine klassische Lösung setzt: Moustache bietet ein optionales Umbau-Kit für den Betrieb mit Kette an. Die Kette braucht etwas mehr Pflege und ab und zu einen Tropfen Öl, dafür kann sie mit einem normalen Kettennieter und -schloss repariert werden.

Ausstattung des Moustache Clutch 160.9

Unser Testbike Moustache Clutch 160.9 ist die Top-Spec-Ausstattung und kostet 9.999 €. Beim Fahrwerk setzt Moustache auf ein komplettes RockShox-Setup: Vorne arbeitet eine ZEB Ultimate Federgabel mit 170 mm Federweg und breiter Einstellbarkeit, hinten sorgt der VIVID Ultimate Air-Dämpfer für 160 mm Federweg am Heck - ebenfalls fein abstimmbar und auf sportliche Fahrer ausgelegt. Die verbaute Dropper Post, eine Kind Shock LEV INTEGRA, funktioniert zwar zuverlässig, bietet mit nur 150 mm Hub aber spürbar zu wenig Hub. Bei den Bremsen setzt Moustache auf die MAGURA Gustav Pro, die neben einer guten Haptik eine werkzeuglose Hebelweitenverstellung bietet. Kombiniert mit 200-mm-Bremsscheiben vorne und hinten sorgt sie für eine solide Brems-Performance.

Eine klassische Schaltgruppe sucht man vergebens - stattdessen übernimmt die Pinion MGU die Arbeit: Sie bietet 12 elektrisch geschaltete Gänge, die sich im Stand und unter Last wechseln lassen. Dazu gibt es den halbautomatischen Pre.Select-Modus, der beim Rollen automatisch den passenden Gang vorschlägt, sowie den neuen Auto.Shift Pro-Modus, der die Gänge vollautomatisch an die per App gewählte Wunschkadenz anpasst. Für den nötigen Grip sorgen MAXXIS ASSEGAI-Reifen vorne und hinten, die auf den Alu Mullet-Laufradsatz von Mavic aufgezogen sind. Sie kommen jeweils in der weichen MaxxGrip-Gummimischung und der robusten Doubledown-Karkasse. Für schwere, aggressive Fahrer, auch bei nassen Bedingungen, ist die Reifenwahl ideal. Bei moderatem Fahrstil und für mehr Haltbarkeit könnte man hinten auf die etwas härtere MaxxTerra-Gummimischung wechseln.

Technische Daten des Moustache Clutch 160.9

Hier eine Übersicht der wichtigsten technischen Daten:

  • Motor: Pinion MGU E1.12 85 Nm
  • Akku: Moustache 780 Wh
  • Display: FIT Master Node
  • Federgabel: RockShox ZEB Ultimate 170 mm
  • Dämpfer: RockShox VIVID Ultimate 160 mm
  • Sattelstütze: KS LEV INTEGRA 150 mm
  • Bremsen: MAGURA Gustav Pro 203/203 mm
  • Schaltung: Pinion MGU 1x12
  • Vorbau: Moustache 40 mm
  • Lenker: Moustache 780 mm
  • Laufradsatz: Mavic XM 1030 29"/27,5"
  • Reifen: MAXXIS ASSEGAI, MaxxGrip, Doubledown/ ASSEGAI, MaxxGrip, Doubledown 2,5"
  • Gewicht: 27,4 kg

Das Moustache Clutch ist in vier Rahmengrößen von S bis XL erhältlich und deckt damit ein breites Spektrum an Fahrergrößen ab. Der Reach wächst dabei von 435 mm in Größe S bis auf 504 mm in XL. Unser Testbike in Größe M kommt mit einem Reach von 460 mm. Einen Flip-Chip oder andere Geometrieanpassungen sucht man am Clutch vergebens. Der Lenkwinkel liegt bei flachen 64,2°, der Sitzwinkel bei steilen 77°.

Weitere Ausstattungsvarianten des Moustache Clutch

Neben unserem Testbike bietet Moustache das neue Clutch in zwei weiteren Ausstattungsvarianten an: dem Clutch 160.7 und dem 160.8. Allen gemeinsam ist die Pinion MGU Motorgetriebe-Einheit mit 12 Gängen und der 780-Wh-Akku.

  • Clutch 160.7: Eröffnet das Angebot bei 7.999 € und bringt ein einfaches RockShox-Fahrwerk mit.
  • Clutch 160.8: Liegt bei 8.999 € und rückt in der Ausstattung deutlich näher an das Top-Modell heran.

Zusätzlich zu den Trail-Modellen bietet Moustache mit dem Clutch SUV 150.7 eine voll ausgestattete E-SUV-Variante an. Hier wurde der Federweg auf 150 mm vorne und hinten reduziert. Serienmäßig gibt es Schutzbleche, Lichtanlage vorne und hinten sowie die Option, Satteltaschen am Heck zu montieren.

Fahrverhalten und Performance

Startet man im Uphill, zeigt sich das Moustache Clutch von seiner komfortablen Seite: Man sitzt aufrecht und angenehm, die Sitzposition ist klar auf Tourentauglichkeit ausgelegt. Der Pinion MGU-Motor liefert eine kraftvolle Unterstützung, die hinsichtlich Leistungsentfaltung mit einem Bosch Performance Line CX-Motor oder „regulären“ Full-Power-Antrieben in etwa vergleichbar ist. Ganz so mühelos wie beispielsweise mit dem DJI Avinox-System geht es den Berg allerdings nicht hinauf.

Fährt man entspannt vom flachen Terrain zum Trail-Einstieg, eignet sich der oben angesprochene Auto.Shift-Modus ideal. Entspannt cruisen und dabei noch einhändig ein Eis essen? Kein Problem. Das Bike schaltet zuverlässig, kann aber keine Anstiege voraussehen. Daher kommt der Modus in plötzlich steilen oder technischen Anstiegen schnell an seine Grenzen und schaltet nicht schnell genug in einen leichteren Gang. So zeigt dann das Clutch auf technischen Uphill Trails seine Stärke: Die Front bleibt zuverlässig am Boden und die MGU liefert nach einem Software-Update auch einen ordentlichen Motor-Nachlauf. Das hilft beim Überwinden von Stufen, wenn man nicht dauerhaft Druck aufs Pedal geben kann.

Nervig im Uphill ist jedoch die Geräuschkulisse: In den leichtesten vier Gängen ist der Motor am lautesten, zwischen den Gängen 5-8 mittellaut und in den schwersten Gängen am leisesten. Das hängt mit der Aufteilung der Schaltstufen und der dazugehörigen Motor-Drehzahl zusammen. Zwischen den Gängen 4 und 5 bzw. 8 und 9 findet immer ein Doppelschaltvorgang im Motor statt. Der Doppelschaltvorgang ist hörbar, aber auch spürbar, da hier die Kurbel etwas Leerweg hat. Tritt man gerade sehr kraftvoll in die Pedale und schaltet dann zwischen besagten Gängen durch, geht ein kurzer Ruck durch die Beine.

Cool: Der Riemenantrieb ist pflegeleicht, braucht keine Ölung und macht keine schmutzigen Finger. Wechselt man in die Abfahrt, steht man gut integriert im Bike und fühlt sich hinter dem hohen Cockpit sicher aufgehoben. Das Clutch sorgt auf unwegsamen Trails für eine hohe Laufruhe und bietet massig Traktion. Begünstigt wird das einerseits durch das hohe Eigengewicht und andererseits durch die geringe ungefederte Masse am Hinterbau ohne Schaltwerk und Kassette.

Je schneller es wird, desto eher spielt das Clutch seine Stärken aus. In engen, verblockten Passagen erfordert es allerdings mehr Kraftaufwand, um Hindernisse zu umzirkeln und schnelle Ausweichmanöver zu fahren. Klar ist auch: Das Moustache Clutch ist kein Flowtrail-Wunder und auch kein verspieltes Jibber-Bike. Dem Fahrwerk fehlt es hierfür etwas an Gegenhalt, was es schwer macht, das Bike aktiv in die Luft zu bringen oder spielerisch über den Trail zu jagen. Auch die 27,4 kg Eigengewicht spielen hier eine große Rolle und brauchen ordentlich Kraftaufwand bei gleichzeitig aktivem Fahrstil - obwohl einem bei allem, was auf dem Boden stattfindet, der tiefe Schwerpunkt in die Karten spielt.

Für wen ist das Moustache Clutch geeignet?

Das Moustache Clutch richtet sich an schnelle Vielfahrer, die ein sorgloses Gesamtpaket suchen. Wem wenig Verschleiß, minimaler Wartungsaufwand und maximale Zuverlässigkeit die wichtigsten Punkte für ein Bike sind, der ist hier genau richtig. Durch die Pinion MGU und den Riemenantrieb entfällt viel üblicher Pflegeaufwand. Für Pendler und Abenteurer besonders sinnvoll ist das Konzept bei der SUV-Variante mit Schutzblechen, vollständiger Lichtanlage und der Gepäckoption am Heck - hier ergibt der wartungsarme Antrieb richtig Sinn. Trail-Akrobaten und Jibber, die verspielt die Trails runter jagen wollen, werden mit dem Clutch dagegen nicht happy.

Die Franzosen bringen mit dem Moustache Clutch ein laufruhiges E-Bike mit Getriebe auf den Trail, das viel Sicherheit vermittelt. Besonders im schnellen und groben Gelände vermittelt das Clutch ordentlich Vertrauen und klebt förmlich am Boden. Durch das hohe Gewicht und das eher softe Fahrwerk braucht es auf flachen, verspielten Trails allerdings viel Fahrer-Input, um aufzublühen.

Moustache Game 150.7: Eine Alternative im Test

Unter 24 Kilogramm leicht, trotz Alu-Chassis: Mit dem neuen Moustache Game wagt der französische Hersteller eine eigenständige Lösung. Beim Gewicht zahlt sich der individuelle Ansatz der Marke auf jeden Fall aus. Das Game ist das leichteste Rad in diesem Vergleich. Möglich machen den guten Wert allerdings auch die kleine Batterie und die kompliziertere Akku-Entnahme nach unten aus dem Unterrohr. Hierfür wird der Motor nach oben gedreht verbaut und sitzt fast offen im Rahmendreieck.

Die Fakten zum Moustache Game 150.7

  • Motor: Bosch CX, 85 Nm max. Drehmoment
  • Akku: 600 Wh (entnehmbar)
  • Rahmenmaterial: Alu
  • Federweg: 160/150 mm
  • Laufradgröße: 29 Zoll
  • Rahmengrößen: S, M, L, XL
  • Preis: 5999 Euro
  • Gewicht: 23,89 kg (Testbike in Größe L, EMTB-Messung)
  • Max. Systemgewicht: 140 kg
  • Garantie: 5 Jahre

Ausstattung des Moustache Game 150.7

Positiver Nebeneffekt des Alu-Rahmens: Beim Moustache bleibt viel Budget für eine fast lupenreine Shimano-XT-Ausstattung. Die Gabel kommt von Fox, der Dämpfer ist eine Eigenkonstruktion und soll speziell auf die Bedürfnisse der Moustache-Bikes abgestimmt sein.

  • Gabel / Dämpfer: Fox 36 Performance / Moustache Magic Grip Control
  • Schaltung: Shimano XT mit SLX-Kassette
  • Bremsen: Shimano XT, 203/203 mm
  • Laufräder: Moustache
  • Reifen: Maxxis Assegai Exo
  • Besonderheiten: Eigener Dämpfer, Tool im Steuersatz, Staufach am Akku

Die Geometrie des Moustache Game 150.7

Der Reach des Moustache Game ist lang, ebenso die Kettenstreben. Das sorgt für einen langen Radstand, die Front fällt relativ tief aus.

Praxistest: So fährt sich das Moustache Game 150.7

Auf dem Trail fällt allerdings auf: Ein Spielkamerad, so wie es der Name “Game” suggeriert, ist das Moustache nicht. Stattdessen legt das Bike einen seriösen Charakter an den Tag. Bergauf sitzt man stark nach vorne orientiert.

Bergab vermittelt das Game mit seinem langen Radstand viel Laufruhe. Die Fox-Gabel und die XT-Bremsen sind gewohnt top. Durch das flache Cockpit und das hohe Tretlager steht man aber nicht optimal integriert im Rad. In engen Kurven wirkt das Game tendenziell sperrig, die hintere Federung könnte feinfühliger arbeiten. Dafür sind lange schnelle Geraden die Spezialität des Moustache.

Stärken und Schwächen des Moustache Game 150.7

Stärken:

  • kletterstark und hohe Laufruhe
  • leicht trotz Alu-Rahmen
  • durchdachte Details

Schwächen:

  • Hinterbau könnte sensibler sein
  • Fahrposition wenig integriert
  • fährt sich etwas sperrig

Das Moustache Game 150.7 ist ein laufruhiger Tourer mit herausragenden Kletterfähigkeiten. Der ausladende Radstand und das hohe Tretlager in Kombination mit dem tiefen Cockpit haben aber nicht allen Testern gefallen. Die Heckfederung ist nur Mittelmaß, zumindest mit dem hauseigenen Dämpfer.

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