„Auf und nieder, immer wieder!“ Man könnte fast meinen, die Zillertaler Schürzenjäger hätten schon damals in ihrem Bierzelt-Klassiker ein Hoch auf die absenkbare Sattelstütze gesungen. Sie war die vielleicht letzte große Evolution am unmotorisierten MTB, obwohl sie im Prinzip nur eine einzige, einfache Funktion erfüllt: Sie hebt und senkt den Sattel per Knopfdruck. Inzwischen sind Variosattelstützen am Mountainbike so essenziell wie Stollenreifen und Scheibenbremsen.
Selbst Cross-Country-Fahrer haben längst erkannt: Ein abgesenkter Sattel macht nicht nur schneller bergab, weil man wesentlich beweglicher im Bike steht und besser auf Hindernisse reagieren kann. Auch Überschlagsgefühle gehören seit der Erfindung der Maverick Speedball 2004, der ersten Teleskopstütze überhaupt, der Vergangenheit an.
Was ist eine Vario Sattelstütze?
Kaum ein anderes Bauteil hat das Mountainbike so revolutioniert wie die Teleskopsattelstütze. Seitdem die erste Vario Sattelstütze auf dem Markt ist, erfreuen sich vor allem Mountainbiker über den verbesserten Fahrkomfort. Vorbei sind die Zeiten der manuellen Sitzhöhenverstellung, bevor es nach einem langen Uphill wieder bergab gehen kann. Die im Englischen auch Dropper-Post genannten Sattelstützen finden vor allem an Mountainbikes Verwendung.
Besonders Enduro- und Allmountainbikes sind mit den praktischen Parts ausgestattet. Doch auch im Cross-Country Bereich sieht man immer mehr Vario Sattelstützen. Moderne Modelle werden immer leichter und schlanker entwickelt, sodass sie auch im CC-Rennsport stets beliebter werden. Durch immer anspruchsvollere Strecken, die besonders bergab eine große Bewegungsfreiheit erfordern, kommen immer häufiger Dropper-Posts zum Einsatz. Die aktuellen Modelle verfügen bis zu 200 mm Verstell-Höhe, auch Hub genannt. Die variable Höhe lässt sich ganz bequem während der Fahrt über einen Remotehebel am Lenker einstellen. Über eine hydraulische oder mechanische Leitung oder gar ein wireless System lässt sich die Höhe also in Windeseile anpassen. Bei den Teleskopsattelstützen gibt es unterschiedliche Systeme, viele davon verfügen über einen stufenlosen Einstellbereich. Das bedeutet, die Höhe kann komplett individuell im Hubbereich angepasst werden. Einige Sattelstützen verfügen jedoch auch nur über einige vorbestimmten Höhen bzw. Einstellmöglichkeiten.
Funktionsweise der Vario Sattelstütze
Die meisten Variostützen funktionieren mit einem mechanischen Seilzug, der, einfach ausgedrückt, über eine Fernbedienung am Lenker die Verriegelung der Sattelstütze löst. Ausreißer sind die Reverb-Sattelstützen, welche via Hydraulik funktionieren oder, als ganz seltene Alternativen, bieten Rock Shox und Magura auch kabellose Varianten an, die elektronisch betätigt werden.
Die Arbeitsweise dieser variablen Sattelstützen ist unterschiedlich. Die meisten Stützen setzen auf eine Kombination aus Luftkammer und hydraulischer Verriegelung. Diese Konstruktion bietet eine geschmeidige Einstellung der Sattelhöhe und eine sichere Blockierung in der gewünschten Position. Bei den günstigeren Modellen wird anstelle der Luftkammer häufig eine robuste Stahlfeder verwendet. Diese Varianten sind zwar preislich attraktiver, offenbaren aber auch ein spürbar höheres Gewicht und ein weniger feines Ansprechverhalten im Vergleich zur luftgestützten Konkurrenz.
Egal welches System man selbst verwendet: Zum Versenken des Sattels ist immer das eigene Körpergewicht nötig. Die Stütze geht also nicht nach unten, wenn man nur den Knopf am Lenker drückt. Man muss sie zudem mit dem Körpergewicht nach unten drücken. Beim Wiederausfahren hingegen muss man den Sattel entlasten, damit die Luftkammer oder Stahlfeder den Sattel wieder nach oben hieven kann.
Im ersten Teil behandeln wir das Problem, dass die Stütze einfach nicht mehr “verriegelt”, also arretiert. Dabei fährt deine Stütze ein, sobald du sie mit deinem Gewicht belastest und fährt sofort wieder aus, wenn du dein Gewicht von der Stütze nimmst. Hier besteht das Problem darin, dass die Stütze dauerhaft ausgelöst wird. Der Grund dafür besteht meistens in einer zu hohen Seilspannung. Das Problem tritt häufig auf, wenn man den Sattel etwas höher einstellen möchte, dazu die Sattelklemme löst und die Stütze ein Stück aus dem Rahmen zieht, allerdings ohne den Zug nachzuschieben, sodass der Seilzug dauerhaft gespannt ist.
Im Gegensatz zur vorherigen Problemstellung ist häufig nicht zu viel Seilspannung der Grund, sondern zu wenig. Die fehlende Seilspannung führt dazu, dass der Auslöser nicht vollständig betätigt wird und sich die Stütze deshalb nicht bewegt.
Vorteile und Nachteile einer Vario Sattelstütze
Auf den ersten Blick hat eine Vario Sattelstütze vor allem eine ganze Reihe an Vorteilen zu verbuchen. Den größten Vorteil erhalten die Fahrer durch den höhenverstellbaren Sattel in Bezug auf den Fahrkomfort. Durch die Einstellmöglichkeiten kann der Fahrer immer in der idealen Höhe Platz nehmen und somit eine komfortable Haltung einnehmen. Bei einer Bergauffahrt nutzen Fahrer bei der Sattelstütze meist den vollen Hub und fahren die Stütze ganz aus, um eine bestmögliche Kraftübertragung beim Pedalieren zu ermöglichen. Das präzise Einstellen der Sattelhöhe kann einfach und schnell unterwegs vorgenommen werden und das auch noch ohne Hilfe von Werkzeug. Für Downhill Passagen wird der Sattel dann ganz einfach abgesenkt. Der Fahrer erhält so durch die gewonnene Bewegungsfreiheit eine noch bessere Kontrolle über sein Bike. Besonders bei extrem steilen Abfahrten erlangt man durch einen tief stehenden Sattel mehr Sicherheit über das Fahrrad. Auch bei verschiedenen Hindernissen wie Baumstämmen oder Felsen kann man sich auf dem Rad mit einem niedrig eingestellten Sattel agiler bewegen.
Ein Nachteil ist die höhere Wartungsintensität als bei einer starren Sattelstütze. Vario Stützen müssen ein wenig liebevoller behandelt werden, als ihre starren Kollegen. Ähnlich wie bei anderen hydraulischen Bauteilen am Fahrrad (Federgabel, Dämpfer oder Scheibenbremsen) sollte eine Teleskopsattelstütze nach einiger Zeit regelmäßig gewartet werden um eine perfekte Funktion zu gewährleisten. Hier kommt vor allem das Entlüften und eventuell auch ein kompletter Austausch der Hydraulikflüssigkeit zum Tragen. Geübte Hobbymechaniker können das mit dem richtigen Werkzeug und einem passenden Entlüftungskit in der heimischen Werkstatt allerdings problemlos erledigen. Ungeübte Schrauber sollten besser eine Profiwerkstatt aufsuchen.
Auch bei der Reinigung sollte man etwas sensibler mit der Teleskopstütze umgehen. Ähnlich wie bei Federelementen oder Rahmen-Lagern sollte vor allem vermieden werden, die Dichtungsbereiche mit dem Hochdruckreiniger zu säubern.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Höherer Fahrkomfort | Teurer als herkömmliche Sattelstützen |
| Bessere Kontrolle über das Bike | Wartungsintensiver als herkömmliche Sattelstützen |
| Schnelle und bequeme Anpassung der Sattelhöhe | Mehrgewicht |
| Kein Werkzeug zur Einstellung der Sattelhöhe notwendig |
Auswahl der richtigen Vario Sattelstütze
Der richtige Durchmesser der absenkbaren Sattelstütze hängt natürlich von den Maßen des Fahrradrahmens bzw. des Sattelrohres ab. Die schlankeren Versionen mit einem Durchmesser von 27,2 mm kommen vor allem im Cross-Country zum Einsatz. Für die CC Bikes sind die Sattelstützen besonders filigran verarbeitet, da es bei den sehr leichten Rädern auf jedes Gramm ankommt. Im Enduro Segment finden vorwiegend die etwas dickeren Stützen Verwendung. Meist wird hier ein Durchmesser von 30,9 mm, 31,6 mm oder sogar 34,9 mm verbaut. Da die Belastung aufgrund der ruppigen Strecken beim Enduro oder Trailriding höher ist als bei den meisten CC-Touren, ist hier eine stabilere Bauweise gefragt. Ein größerer Durchmesser der Vario Sattelstütze spricht jedoch nicht unbedingt für ein qualitativ hochwertigeres Produkt. Zwar sind die längeren Sattelstützen (mit einem größeren Verstellbereich) oftmals ein wenig teurer als die kürzeren Versionen, das sagt aber nichts über die grundlegende Qualität aus. Länge und Durchmesser sollten nach Anwendung und Gegebenheiten des Rahmens bestimmt werden.
Hub der Sattelstütze
Der Hub einer Teleskopstütze, also ihr Verstellbereich, ist eine kritische Variable, die dem Biker den entscheidenden Vorteil im Gelände bieten kann. Die Palette an verfügbaren Verstellbereichen reicht von bescheidenen 75 mm bis zu beeindruckenden 200 mm. Aber Achtung: Mehr Hub bedeutet nicht zwangsläufig ein besseres Fahrerlebnis. Dieses Missverständnis schwebt häufig wie ein Geist über dem Kaufentscheidungsprozess. Insbesondere kleinere Biker stehen oft vor dem Dilemma, dass eine Teleskopstütze mit zu großem Hub die korrekte Sattelhöhe für effizientes Pedalieren im Sitzen verhindert. Erfreulicherweise haben qualitätsbewusste Bike-Hersteller diesen Umstand erkannt und berücksichtigen ihn bei der Spezifikation von kleineren Rahmengrößen.
Nachrüstung einer Vario Sattelstütze
Teleskopsattelstützen lassen sich problemlos nachrüsten. Sie zählen sogar zu den beliebtesten Tuningparts am Fahrrad, denn eine absenkbare Stütze kann ohne Probleme am Bike montiert werden. Die Sattelstütze selbst kann einfach gegen die vorhandene starre Sitzstange ausgetauscht werden. Hierfür muss lediglich die Klemme am Sattelrohr gelöst werden. Der Remotehebel kann ebenfalls unkompliziert am Lenker installiert werden. Bei einigen Systemen, wie z.B. bei Sram, kann der Remotehebel mit der Klemme der Brems- oder Schalthebel kombiniert werden. So behält der Lenker eine aufgeräumte Optik und man spart ein paar Gramm Gewicht ein.
Kompliziert kann es nur werden, wenn die Leitung der Hydraulik oder der Seilzug der Mechanik im Rahmen verschwinden soll. Je nach Rahmen ist das zwar durch vorgefertigte Löcher möglich, jedoch nicht immer ganz einfach. Wem hier die Übung oder die Geduld fehlt, sollte den Fahrradladen seines Vertrauens aufsuchen. Beim Einstellen der richtigen Sitzhöhe gelten dieselben Regeln wie bei einer herkömmlichen Sattelstütze.
Probleme und Wartung
Ein Phänomen, das vor allem bei alten Rock Shox Reverb-Stützen aufgetreten ist, sich mittlerweile aber in Grenzen hält. Dabei gelangt Luft aus der Druckkammer der Stütze in den Ölkreislauf, der zur Verriegelung dient. Ist das der Fall, fährt die Stütze im ausgefahrenen Zustand etwa 10-30mm ein und bietet dadurch nicht mehr den vollen Hub. Bei neueren Rock Shox Reverb-Stützen und ein paar wenigen anderen Herstellern, kann das System vom Endkunden eigenständig entlüftet werden, bei anderen Stützen ist in diesem Fall jedoch ein Service notwendig. Ob du deine Stütze selbst entlüften kannst, solltest du am einfachsten im Handbuch deiner Stütze nachschauen.
Abschließend möchten wir dich noch darauf hinweisen, dass deine Sattelstütze, genau wie die Federgabel und der Dämpfer an einem Mountainbike, hin und wieder einen Service benötigt. Im Inneren der Stütze befindet sich ein Ölkreislauf, der von Zeit zu Zeit neues Öl benötigt und auch die Gleitflächen brauchen hin und wieder neuen Schmierstoff, damit die Variostütze einwandfrei funktioniert.
Weitere Informationen
Mit einem Klick auf das jeweilige Modell gelangt man direkt zu den ausführlichen Tests der Teleskopstützen:
- Standard: 8 Teleskopstützen für Trailbiker & Endurofahrer
- Leicht: 5 absenkbare Sattelstützen für Racer
- Elektronisch: 2 Funk-Variostützen im Vergleich
Ergonomische Hebel bei Variosattelstützen
Unergonomische Hebel, wie sie zu Zweifach-Zeiten Standard waren und deren Betätigung fast zirkusreife Daumenakrobatik verlangte, findet man heute ebenfalls nur noch in Ausnahmefällen. Einfach-Schaltungen ebneten den Weg für perfekt justierbare und einfach bedienbare Trigger-Hebel, die auf der linken Lenkerseite den Schalthebel ersetzen. Nur eines wird sich vielleicht nie ändern: Weil die Teleskopsattelstützen in der direkten Schusslinie des Hinterreifens liegen, bekommen sie jede Menge Schmutz ab. Regelmäßige Pflege ist für eine dauerhaft geschmeidige Funktion daher unerlässlich. Nur dann heißt es auch nach zig Ausfahrten wirklich noch: auf und nieder, immer wieder.
Pro & Contra - Elektronische Variosattelstütze
Wer bereits eine elektronische Schaltung von Sram verbaut hat, wird sich kaum eine Stütze mit anderem Akku ans Bike stecken. Das tolle am Sram-Eco-System ist ja, dass die Komponenten untereinander kompatibel sind. Ist der Akku an der Schaltung leer, kann die Stütze zur Not aushelfen. Zudem lässt sich über die App jederzeit der Ladezustand checken - diese Option bietet die Kind Shock nicht. Auch Akkulaufzeit und der super definierte Controller sprechen klar für die Reverb AXS. Übrigens: Die etwas schlechteren Noten liegen bei beiden elektronischen Variosattelstützen zum Großteil am hohen Gewicht.
Pro
Eine Rockshox Reverb AXS würde ich mir sogar vom Mund absparen. Ein- und Ausbau sind absolut idiotensicher, das Absenken mit dem knackigen Controller wie zocken auf der Spielekonsole und gerade in Verbindung mit einer Sram-AXS-Schaltung ist die Reverb eine absolut sinnvolle Ergänzung. Das höhere Gewicht ist für mich Nebensache. - Josh Welz, EMTB Chefredakteur
Contra
Einen defekten Seilzug kann ich jederzeit selber tauschen oder notdürftig reparieren. Zickt aber die Elektronik oder ist der Akku leer, hab ich mit einer Elektrostütze ein Problem. Ich will ein Bike, das immer einsatzbereit ist, ohne dass ich vorher den Akkustand checken muss. Außerdem: Top analoge Stützen gibt es schon für weniger als die Hälfte.
So haben wir die Variosattelstützen getestet
Bedienkomfort: 25 % - Unter diesen Punkt fallen Hebelergonomie und Positionierung, Bedienkraft und Kompatibilität des Hebels. Außerdem beurteilen wir, wie gut sich die richtige Position finden lässt.
Funktion / Verarbeitung: 25 % - Ausfahrgeschwindigkeit, Sattelspiel, Zuverlässigkeit, Arretierung beim Hochheben und die Zugführung gehen in diese Wertung ein.
Hub: 10 % - Ab 200 Millimetern Hub gibt es die volle Punktzahl. Pluspunkte sammeln Modelle mit einer extralangen Version oder der Möglichkeit, den Hub zu reduzieren.
Gewicht: 20 % - Je leichter, desto besser. In diesem Test liegen immerhin 138 Gramm zwischen den Standardstützen.
Montage: 20 % - Ist die Montage kompliziert? Gibt es eine ausführliche Montageanleitung? Lässt sich die Stütze ohne Werkzeug von der Leitung trennen?
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