MTB Hardtail 29: Auslaufmodelle im Test und Vergleich

Wer mit dem Bike-Kauf das ganze Jahr gewartet hat, um im Schlussverkauf das Traum-Bike zum kleinen Preis zu erhaschen, muss dieses Jahr ganz genau hinsehen. Denn die reduzierten Vorjahresmodelle sind oft nur minimal günstiger als deren Nachfolger, die bereits in den Lagerhallen der Hersteller warten.

Preisentwicklung und Modellpolitik

Wie kommt es, dass die Preise plötzlich purzeln, nachdem die Industrie den Endverbrauchern die letzten Jahre immer tiefer in die Taschen griff? Viele Hersteller haben ihre Modellpaletten radikal bereinigt, um den Kunden den Überblick und sich selbst die Lagerhaltung zu erleichtern. Cube beispielsweise hat für 2018 den Rahmen des Stereos 140 neu entwickelt und bietet nur noch drei Modelle zur Auswahl. Noch 2017 hatten die Oberpfälzer fünf Bikes mit 140 Millimetern Federweg und 27,5-Zoll-Laufrädern im Katalog.

Zwar muss man bei den Carbon-Modellen jetzt mit einem Aluminiumhinterbau vorlieb nehmen, dafür spart man sich zirka 300 Euro. Ein erfreulicher Trend, der sich zwar nicht flächendeckend, aber dennoch bei zahlreichen Herstellern abzeichnet. Industrie-Insider munkeln, dass die günstigeren Preise auch mit einem Wechsel von Produktionsstandorten zu tun haben könnten.

Manche Firmen kehren bewährten Fabriken in China den Rücken und bauen neue Werke, beispielsweise in Kambodscha oder Vietnam. Der Vorteil: Geringere Lohnkosten und eventuell geringere Antidumping-Zölle. Dadurch werden manche Räder billiger.

Worauf man beim Kauf achten sollte

Wer lange genug in den Weiten des Internets oder bei verschiedenen Händlern sucht, findet dennoch gute Angebote. Weil Bike-Hersteller nur alle drei bis vier Jahre einen neuen Rahmen entwickeln, sind Auslaufmodelle wie beispielsweise das Scott Scale (das erst letztes Jahr einen neuen Rahmen bekommen hat) besonders zu empfehlen. Denn hier variiert lediglich die Ausstattung. Rahmen, Geometrie und Achsstandards verändern sich für 2018 nicht.

Auch wenn der Boost-Standard (148-Millimeter-Hinterradachse) an vielen Bikes technisch keinen wirklichen Vorteil bringt, sollte man beim Schlussverkauf dennoch darauf achten, dass das Bike der Wahl alle aktuellen Standards hat. Bikes mit herkömmlicher 142 Millimeter breiten Hinterradachse lassen sich bereits jetzt erschwert am Gebrauchtmarkt verkaufen.

Wer sich trotz aller Umstände für ein 2017er-Modell entscheidet, dem können wir eine weitere Hiobsbotschaft nicht vorenthalten: Die große Rabattschlacht, wie sie im Jahr 2016 stattfand, mit Preisnachlässen von 20 bis 30 Prozent auf die komplette Produktpalette, gibt es dieses Jahr nicht mehr.

So wie es aussieht, hat der Handel etwas weniger Ware bestellt und ist deshalb selbst gegen Ende der Saison nicht unter Zugzwang, die Bikes des aktuellen Modelljahres loszuwerden.

Fünf Tipps zum Bike-Kauf

  • Vergleichen Sie Preise online: Auch wenn Sie ein Bike im Fachhandel kaufen wollen, lohnt sich der Blick ins Internet. Ist ein Bike dort bei mehreren Anbietern drastisch reduziert, muss auch der stationäre Händler den Preis senken. Extreme Rabattaktionen von bis zu 40 Prozent kann aber nicht jeder Händler mitmachen.
  • Seien Sie Flexibel: Meist werden die Bikes erst dann reduziert, wenn nur noch ein gewisser Restbestand vorhanden ist. Oft ist also nicht mehr jede Farbvariante in jeder Größe auf Lager. Wer ein Schnäppchen machen will, muss nehmen, was noch im Laden steht.
  • Es kommt auf die Größe an: Besonders kleine oder besonders große Fahrer haben meist die besseren Chancen auf ein Schnäppchen. Während Bikes in den Größen M und L rasch ausverkauft sind, sind Bikes in den Rahmengrößen XS oder XL oft Ladenhüter. Händler sind in diesem Fall rabattwilliger.
  • Gönnen Sie sich was: Je teurer die Bikes sind, desto mehr Rabatt geben die Händler meist. Für Schnäppchenjäger lohnt sich deshalb der Blick auf die Bikes über dem eigenen Preis-Limit. Mit den richtigen Prozenten rücken die Traum-Bikes in erschwingliche Nähe.
  • Kaufen Sie gebraucht: Wenn Sie beim Händler wirklich gar nicht fündig werden, durchstöbern Sie den Gebrauchtmarkt. Oft verkaufen Biker ein relativ neues Rad zu guten Preisen. Die Garantie ist dann allerdings erloschen.

Modellvergleich: Hardtails

Cube Reaction Race

Für die kommende Saison verpasst Cube seinen Alu-Hardtails nicht nur einen neuen Namen, sondern auch einen komplett überarbeiteten Rahmen, der nun auch beim Gewicht konkurrenzfähig sein soll. Die Geometrie wird sportlicher (längerer Reach und flacherer Lenkwinkel). Die Änderungen an Cubes Einsteiger-Hardtails sind so groß, dass ich auf jeden Fall zum neuen 2018-Modell greifen würde. Zudem halten sich die Rabatte beim Auslaufmodell in Grenzen. Im Netz gibt es gerade mal acht Prozent auf das 2017-Bike.

Ausstattung (2018): Sram GX Eagle 1x12-Schaltung; Shimano Deore-Bremsen; Rockshox Judy Silver-Gabel

Preis: 1299 Euro

Radon ZR Race 29 6.0

Radons Einsteiger-Hardtail hat sich in vergangenen Tests immer wieder bewährt und ist dank 200 Euro Rabatt im Schlussverkauf richtig attraktiv. Das Auslaufmodell hat keine Steckachsen und eignet sich deshalb eher für leichte Fahrer. Ansonsten gibt es wenig Grund zur Kritik.

Ausstattung (2017): Shimano XT/SLX 2x11-Schaltung; Magura MT2-Bremsen; Fox 32 Performance-Gabel

Preis: 1299 Euro (reduziert auf 1099 Euro)

Ghost Lector 5 LC

Die markanten Rohrformen machen den Rahmen des Lectors schon fast zum Design-Objekt. In dieser Preisklasse muss man lange nach einem derart attraktiven Rahmen suchen. Seit Ghost auf das Boost-Achsmaß umgestellt hat, hat sich der Lector-Rahmen in Tests sehr gut geschlagen.

Ausstattung (2017): Sram XO 1x11-Schaltung; Sram Guide R-Bremsen; Rockshox Reba RL-Gabel

Preis: 1999 Euro (reduziert auf 1699 Euro)

Scott Scale 920

2016 fuhr das Scale, getarnt als Erlkönig, bereits erste Runden im Worldcup, bevor es in der Saison 2017 in die Läden rollte. In vergangenen Tests war das Handling extrem verspielt und sorgte so nicht nur für Vortrieb, sondern auch für viel Spaß auf den Trails.

Ausstattung (2017): Shimano SLX 2x11-Schaltung und -Bremsen; Fox 32 Performance-Gabel

Preis: 2999 Euro (reduziert auf 2199 Euro)

Cannondale FSI Carbon 2

Einmal fühlen wie Mani Fumic, oder zumindest das gleiche Bike fahren wie er. Mit leichten Carbon-Felgen und der hauseigenen Lefty-Gabel macht das FSI Carbon 2 eine gute Figur an jeder Startlinie. Der Carbon-Rahmen hat sich mit seiner sportlichen Geometrie bereits seit 2015 bewährt.

Ausstattung (2017): Shimano XTR 1x11-Schaltung; Magura MT Race-Bremsen; Cannondale Lefty 2.0-Gabel

Preis: 5299 Euro (reduziert auf 3199 Euro)

Weitere Hardtail-Modelle im Überblick

Radon Jealous 9.0

Der MOUNTAINBIKE-Testsieg geht an das Radon Jealous 9.0 und überzeugt mit seinem vergleichsweiße geringen Gewicht und der guten Ausstattung. Zudem ist das Bike äußerst steif und direkt im Antritt und Handling. Das Jealous setzt jedes Wadenzucken gnadenlos in Vortrieb um, geizt aber auch etwas an Komfort.

Canyon Exceed CF 7

Das Canyon Exceed CF 7 sichert sich den Kauftipp, dank tollem Handling, der wertigen Ausstattung sowie der Wühlfühl-Geometrie.

Wie kein anderer Carbon-Rahmen im Test erfreut der des Canyon mit vielen Detaillösungen und nahezu perfekter Verarbeitung. Die Koblenzer schaffen den Spagat aus klassischer Geo (steiler 69°-Lenkwinkel) und Moderne am besten.

BMC Teamelite TE01 29 XX

Das Teamelite TE01 29 ist ein wirklich formidables Hardtail, das keinen Vergleich mit Specialized oder Cannondale scheuen muss. Der Rahmen des BMC Teamelite TE01 29 XX zählt in der Größe M mit 1010 Gramm zu einem der leichtesten auf dem Markt. Der Rahmen ist außerordentlich steif und vor allem sehr lang.

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