Pinion Getriebe am Mountainbike: Funktionsweise, Vorteile und Nachteile

Was passiert, wenn sich zwei fahrradbegeisterte Ingenieure in einem Porsche Entwicklungszentrum kennenlernen und dann beschließen, ein eigenes Unternehmen zu gründen? Natürlich entsteht ein Produkt, das feinsten Maschinenbau mit hervorragender Funktionalität verbindet: das Pinion Getriebe. Die Gründer hatten es sich zum Ziel gesetzt, eine wartungs-, verschleiß- und verlustfreie Fahrradschaltung nach Automobil-Standards zu entwerfen. Wie ihnen das gelungen ist und ob die schicken Getriebeboxen zu dir und deinem Einsatzzweck passen, erfährst du hier.

Allgemeines zur Pinion Schaltung

Was genau ist eine Pinion Schaltung?

Bei Pinion handelt es sich um ein Getriebe, das im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten nicht in der Nabe, sondern direkt an der Kurbel arbeitet. Es ist also ein Zentralgetriebe, das für einen tiefen Schwerpunkt des Fahrrads sorgt. Im Inneren ist ein Stirngetriebe verbaut, das mittels zweier Teilgetriebe die verschiedenen Gänge realisiert. Die Konstruktion ist mitunter recht komplex.

Interessierte können sich das Getriebe auf der Pinion Homepage als interaktive Explosionszeichnung ansehen, was es sehr anschaulich macht. Die Technologie im Inneren ist natürlich komplett gedichtet und nach außen hin abgeschlossen, weshalb der Antrieb nahezu wartungsfrei funktioniert. Die Kraftübertragung zum Hinterrad ist dabei nicht nur per Kette, sondern auch per Antriebsriemen möglich. Das kann die wartungsfreie Dauerhaltbarkeit nochmals deutlich erhöhen.

Außerdem sind die Pinion Getriebe für einen hohen Wirkungsgrad und die herausragende Konstruktionsqualität bekannt. Vermutlich hat kaum ein anderes Produkt aus der Fahrradwelt das Label „Made in Germany“ mehr verdient.

Für wen eignet sich ein Pinion Getriebe?

Die traurige Nachricht zuerst: Da das Pinion Getriebe quasi das Tretlagergehäuse ersetzt, benötigt es einen speziell gefertigten Rahmen mit passender Aufnahme. Nachrüsten, wie es bei Rohloff oder NuVinci Getriebenaben möglich ist, fällt bei Pinion leider flach. Daher muss man sich schon beim Kauf für eine Pinion entscheiden.

Durch die hochwertige und gedichtete Konstruktion machen Pinion Getriebe immer dann Sinn, wenn hohe Belastungen warten. Das kann durch das Fahren bei schlechtem Wetter passieren (z.B. Pendler) oder einfach nur, weil du extrem viele Kilometer abspulen willst, beispielsweise auf einer Weltreise.

Allgemein ist ein Pinion Getriebe aber für alle Arten von Fahrrad bestens geeignet - egal ob am Reiserad, City-Bike, Trekkingrad, E-Bike oder sogar Mountainbike (selbst bis zum Enduro). Wenn du die Wartung einer Kettenschaltung also lästig findest, du einfach sorgenfrei viele tausend Kilometer pedalieren willst und dir ein nachhaltiges, lokal produziertes Produkt wichtig ist, dann passt ein Pinion Getriebe perfekt zu dir.

Wie wird eine Pinion Schaltung bedient?

Momentan funktionieren die Pinion Getriebe lediglich mit einem Drehschaltgriff. Manche sehen das als die beste und komfortabelste Schaltmöglichkeit, während es andere als unpraktisch und schwer zu bedienen empfinden. Hier empfiehlt es sich, selbst einmal Hand anzulegen.

Die verschiedenen Getriebemodelle bieten zwischen sechs und achtzehn überschneidungsfreie Gänge an. Dabei ist die Anzahl der Gänge von der Anzahl der Zahnräder auf den Teilgetrieben abhängig. Mehr Gänge bedeuten also auch eine schwerere Getriebebox.

Zwischen den Gängen kann zwar nicht unter Last, dafür aber im Stand und natürlich im Rollen hin- und hergeschaltet werden. Die Handhabung und Bedienung ist also kinderleicht und benötigt kein spezielles Wissen, da die Schaltung in der Regel nicht nachgestellt werden muss. Daher kannst du dich auf dauerhaft knackige Schaltvorgänge freuen.

Vorteile eines Pinion Getriebes

  • Enorme Übersetzungsbandbreite von bis zu 636%
  • Alle Gänge sind überschneidungsfrei
  • Tiefe, zentrale Montage des Getriebes sorgt für einen tiefen Schwerpunkt
  • Per Drehschaltgriff lassen sich mehrere Gänge auf einmal schalten
  • Die nach außen hin gedichtete Konstruktion macht das Getriebe quasi wartungsfrei
  • Schalten im Stand und im Rollen möglich
  • Handhabung und Bedienung ist kinderleicht
  • Geringe Folgekosten durch wenig Wartung
  • Verwendung eines wartungsarmen Antriebsriemens möglich
  • Wirkungsgrad höher als bei Kettenschaltungen
  • Funktioniert auch bei schlammigen Bedingungen ohne Effizienzverlust
  • Kombinierbar mit Elektro-Nabenmotoren
  • Die Verwendung eines Nabenmotors schont die Getriebemechanik, wodurch diese langsamer verschleißt

Nachteile eines Pinion Getriebes

  • Höheres Gewicht als andere Schaltungen (z.B. Kettenschaltung)
  • Hohe Anschaffungskosten
  • Nachrüsten ist nicht möglich, da eine spezielle Aufnahme am Rahmen benötigt wird
  • Funktioniert nur mit einem Drehschaltgriff, was manche Fahrer als unangenehm empfinden

Welche Varianten gibt es?

Die Produktpalette von Pinion umfasst aktuell zwei Modellreihen: die P-Linie und die C-Linie. Letztere ist das neuste Modell, das kleiner, leichter und preiswerter geworden ist. Hier kann man zwischen Versionen mit sechs, neun und zwölf Gängen wählen. Die P-Serie bietet hingegen eine Getriebebox mit satten 18 Gängen und 636% Übersetzungsbandbreite. Drei weitere Modelle mit jeweils zwölf oder neun Gängen runden das Portfolio ab.

P-Linie

In der folgenden Tabelle findest du alle Produkte im Detail.

P1.18 P1.12 P1.9XR P1.9CR
Gangzahl 18 12 9 9
Übersetzungsbandbreite 636% 600% 568% 364%
Abstufung 11,5 17,7 24,3 17,5
Übersetzung kleinster Gang 1,82 1,82 1,82 1,82
Übersetzung größter Gang 0,29 0,3 0,32 0,36
Gewicht 2700g 2350g 2200g 2200g

C-Linie

C1.12 C1.9XR C1.6
Gangzahl 12 9 6
Übersetzungsbandbreite 600% 568% 295%
Abstufung 17,7% 24,3% 24,3%
Übersetzung kleinster Gang 1,82 1,82 1,82
Übersetzung größter Gang 0,3 0,32 0,32
Gewicht 2100g 2000g 1800g

Das Pinion Getriebe am E-Bike

Natürlich hat auch Pinion das E-Bike im Auge behalten und daher eine Lösung parat. Allerdings gehen die findigen Ingenieure einen etwas anderen Weg als die Konkurrenz. Bei Pinion wird die Muskelkraft nämlich ins Getriebe eingeleitet und von dort an den Elektromotor in der Hinterradnabe weitergegeben. Erst hier erfolgt die Verstärkung der übersetzten Tretkraft. Beim herkömmlichen Elektrorad wirken Tretkraft und Motorkraft kombiniert auf das Getriebe ein.

Der Ansatz von Pinion bietet jedoch gleich zwei Vorteile: Zum einen wird die Mechanik im Getriebe geschont, da weniger Kraft auf die Zahnräder einwirkt, und zum anderen können so die Gänge viel feinfühliger und kontrollierter gewechselt werden. Der Mensch schaltet nämlich trotz aller hochentwickelter Sensorik immer noch am besten - zumindest am Fahrrad.

Motor-Gearbox-Unit (MGU) von Pinion

Motor-Gearbox-Unit, kurz MGU, heißt der neue E-Antrieb vom deutschen Getriebespezialisten Pinion. Und wenn das System hält, was es verspricht, haben die Denkendorfer damit so etwas wie den Heiligen Gral der E-Bike-Industrie gefunden. Statt über schwere, verschleiß- und defektanfällige Schaltwerke und Ritzelpakete am Hinterrad, laufen die Gangwechsel im abgekapselten Getriebe direkt im Motor.

Das Beste: Zum Launch des neuen Pinion Antriebs stehen gleich vier serienfertige E-Mountainbikes von Bulls, Flyer, Rotwild und Simplon parat.

Die Fakten zur Pinion MGU E1.12

  • Gewicht: 4112 g (gemessen im EMTB-Labor)
  • Max. Drehmoment: 85 Newtonmeter (Herstellerangabe)
  • Max. Leistung: 600 Watt (Herstellerangabe)
  • 48-Volt-Technologie
  • 12 Gänge (Stirnradverzahnung mit zwei hintereinandergeschalteten Getriebesätzen, 3 x 4 Stufen)
  • Bandbreite 600 Prozent
  • Halbautomatisches Schalten bergab, Vollautomatik angekündigt
  • Q-Faktor: 174 mm
  • Magnesiumgehäuse
  • Wartungsintervall: Ölwechsel alle 10.000 km bzw. 1x im Jahr
  • Bei leerem Akku bleibt Reserve für 1000 Schaltvorgänge
  • Intelligente Schiebehilfe mit anpassbarer Geschwindigkeit
  • Vier Unterstützungsstufen Eco, Flow, Flex und Fly - individuell über App anpassbar
  • Bedienelemente, Akkus und App von FIT, diverse Varianten

Die Vorteile der Pinion MGU

  • Schaltung und Motor in einer Einheit: 4100 Gramm, 12 Gänge, 600 % Bandbreite, 85 Newtonmeter, 600 Watt Maximalleistung
  • Verschleißarm: Deutlich minimierte Abnutzung an Kette und Ritzel
  • Geringer Wartungsaufwand: Ölwechsel alle 10.000 km bzw. 1 x im Jahr
  • Weniger Defekte: Kein Schaltwerk, das abreißen kann, keine dünne Kette, die schräg übers Ritzelpaket laufen muss
  • Schalten im Stillstand und beim Rollen möglich
  • Dauerhaft konstante Schaltvorgänge ohne Nachjustieren
  • Kein Kettenklappern und Schaltwerkschlagen mit Riemenantrieb
  • Geringere ungefederte Masse bringt bessere Funktion der Heckfederung
  • Ideale Gewichtsverteilung, tiefer Schwerpunkt
  • Automatische Schaltfunktionen möglich

Die 12-fach-Getriebeschaltung von Pinion

Zwölf Gänge und eine Spreizung von 600 Prozent: Damit sticht das Pinion-Getriebe die Konkurrenz von Shimano und Sram aus - zumindest auf dem Papier. Zwei hintereinandergeschaltete Getriebesätze mit drei und vier Gängen liefern das Schaltspektrum. Die Sprünge zwischen den einzelnen Gängen sind dabei laut Pinion immer identisch, nämlich 17,7 Prozent.

Pinion MGU mit Automatikschaltung

Motor und Schaltung in einem System - das bringt einen weiteren Vorteil mit sich. Denn beide Teile können perfekt miteinander kommunizieren und interagieren. Das macht automatische Schaltfunktionen bei Pinion möglich. Im April 2024 stellt Pinion eine Vollautomatik für die Getriebeschaltung in der MGU in Aussicht.

Der E-Bike-Motor der Pinion MGU

85 Newtonmeter und 600 Watt gibt Pinion für die MGU an. Das sind die Daten eines klassischen E-Bike-Motors der Bosch-, Brose- und Shimano-Liga. Im Fahrtest ist der erste Auftritt unseres Vorserienmodells des Pinion-Motors plakativ und kräftig. Mit einer sehr direkten Kraftentfaltung fühlt sich der Antrieb stark und fast schon aggressiv an.

Die Power - Pinion MGU im EMTB-Labortest

In Sachen Power kann man dem Motor wenig vorwerfen. Auch hier gibt es Unterschiede, je nachdem, in welchem Gang man fährt. 519 Watt liegen in Gang fünf maximal an, das ist etwas weniger als bei einem Bosch Performance Line CX, Brose Drive SMag oder Shimano EP801 - aber deutlich mehr als bei Shimanos EP8.

Die Pinion MGU im Downhill

Sogar in der Abfahrt, wenn weder Motor noch Schaltung aktiv si...

Lesertest der Pinion MGU

Der Clou an der Pinion MGU ist die Kombination aus einem klassischen E-Bike-Motor (85 Nm, 600 Watt Spitzenleistung) mit einem Zwölfganggetriebe, integriert in einem erstaunlich kompakten Gehäuse. Das verspricht einen Verschleiß am Getriebe, der wie beim Auto gegen null geht.

Pinion MGU: Die Fakten im Überblick

  • Schaltung und Motor in einer Einheit
  • 4100 Gramm, 12 Gänge, 600 Prozent Bandbreite, 85 Newtonmeter, 600 Watt Spitzenleistung
  • Funktioniert mit haltbarem Antriebsriemen oder robuster Einfach-Kette. Getriebe braucht einen Ölwechsel pro 10.000 Kilometer
  • Schalten im Stillstand und im Rollen möglich
  • Schaltautomatik per Firmware-Update

Schweres Gelände: Uphill-Spaß auch mit Getriebe-Motor?

Das Schalten im Stand und Zusatz-Features wie Pre-Select (Schalten im Rollen) und Start-Select (festgelegter Anfahrtsgang) macht die Pinion MGU in den Augen vieler Leser-Tester zum überlegenen System gegenüber der Kettenschaltung.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0