Welcher Biker hat sich nicht schon sprichwörtlich grün und blau geärgert, da er ausgerechnet an der leichtesten Stelle des Trails Hals über Kopf vom Bike abgestiegen ist. Glücklich schätzen kann sich, wer dabei wirklich nur auf grüne und blaue Flecken blickt und keine schwerwiegenden Verletzungen davongetragen hat. Da gelegentliche Stürze zu Bikers Alltag gehören, sollte die entsprechende Schutzausrüstung zur Grundausstattung zählen wie der Kaiserschmarrn zum Gipfelglück. Doch viele Biker wagen sich noch immer ohne Rückenprotektor auf die Trails, während der Schutz von Kopf und Knie zum guten Ton gehört. Eigentlich unverständlich, denn mit einem Protektor-Rucksack kann ein wichtiges Sicherheits-Feature ergänzt werden, ohne sich an ein neues Ausrüstungsteil gewöhnen zu müssen. Denn Rucksack trägt ohnehin fast jeder Biker.
Diese Rucksäcke schützen im Sturzfall: Protektoren-Rucksäcke vereinen die Funktionen eines Rucksacks mit dem Schutz eines Rückenprotektors. Inhalt von Rückenprotektoren sind nur was für Downhill-Freaks? Weit gefehlt! Diese Protektor-Rucksäcke schlucken deine komplette Tourenausrüstung und bieten Schutz bei schweren Stürzen.
Die Anschaffung eines neuen Rucksacks ist in den meisten Fällen allerdings notwendig, denn kaum ein Modell kann per Nachrüst-Protektor einfach vom Lastenträger zum Schutzengel aufgewertet werden. Nur für die Verwendung mit einem Protektor ausgelegte und im Verbund entsprechend zertifizierte Rucksäcke schützen auch zuverlässig! Damit du an deinem Rücken ein im Sturzfall geeignetes Safety-Backup trägst, haben wir zwölf Protektor-Rucksäcke zwischen 140 und 250 Euro in Labor und Praxis getestet.
Im Vergleich: Alle Modelle schützen sehr gut!
Alle Modelle erfüllen die Vorgaben unseres Schlagtests, der sich an der aktuell gültigen strengsten Norm orientiert, ohne Probleme. Und dies unabhängig vom verwendeten Material. Zwar haben sich Softprotektoren aus PU-Schaum in den letzten Jahren durchgesetzt, doch auch die sehr leichten Einweg-Protektoren in "Central-Back"-Bauweise von Ergon (141 g) und Thule (157 g) schützen hervorragend. Besteht der Ergon aus dem gleichen Material wie Fahrradhelme (EPS), findet beim Thule das Koroyd-Material aus Kunststoff-Röhrchen Verwendung. Beide Modelle müssen nach einem Sturz ausgetauscht werden, da die Schlagenergie sie dauerhaft beschädigt.
Tipp: Wenn Sie mit Ihrem Zubehör eher unachtsam umgehen, ist ein Modell mit Schaumprotektor die bessere Wahl, da dieser unempfindlicher gegen mechanische Belastungen wie Druckausübung und Verbiegen ist. Der Protektor im USWE zeigt, dass auch ein Schaumprotektor in Central-Back-Größe sehr leicht (175 g) und sicher sein kann. Die Rucksäcke von Deuter, Amplifi und Cube, allesamt mit Full-Back-Protektoren bestückt, unterschreiten die Testvorgaben gar um deutliche 3,5 bis 3,2 kN. Der Cube zeigt damit, dass top Sicherheit kein Vermögen kostet, und erntet den Kauftipp. Der Deuter Attack vereint höchsten Komfort mit top Schutz und verdient sich den Testsieg.
Was muss ich beim Packen beachten, und schützt auch ein Modell ohne Protektor?
Holger Hertneck vom Protektoren-Hersteller SAS-TEC gibt Tipps:
- Schützt auch ein ganz normaler Bike-Rucksack ohne Protektor? Grundsätzlich erhöht jede zusätzliche Schicht am Rücken den Impact-Schutz, daher natürlich auch ein "normaler" Bike-Rucksack. Wer beim Mountainbiken schon mal nur mit Trikot bekleidet gestürzt ist, kann sich das gut vorstellen.
- Wie packe ich den Rucksack, damit er bei einem Sturz keine zusätzliche Gefahr darstellt? Auf keinen Fall sollten harte Teile wie Luftpumpe, Alu-Trinkflasche oder Werkzeug direkt am Rücken anliegen. Bei einem Sturz wirken die ansonsten wie ein Fallbeil und könnten im besten Fall zu schmerzhaften Prellungen führen, im schlimmeren Fall zu geknacksten Rippen oder gar schwerwiegenden Wirbelverletzungen. Eine dämpfende Zwischenschicht ist daher sehr ratsam. Stabile Teile unterfüttert man am besten mit Ersatzkleidung.
- Bietet auch eine Trinkblase Aufprallschutz? Ganz klar: ja. Allerdings nur bis zu einem gewissen Grad. Dabei ist nicht die Art der Füllung entscheidend, sondern die Füllmenge. Wobei eine schmale Trinkblase keinesfalls einen geprüften Protektor ersetzen kann, der bei sämtlichen Bedingungen zuverlässig schützt.
- Haben Schaumprotektoren ein Verfallsdatum wie Helme? Empfehlungen dazu finden sich in der Beschreibung des Protektors. Üblicherweise beträgt die Lebensdauer von Protektoren 3-5 Jahre. Zur Sicherheit den Protektor regelmäßig auf Beschädigungen prüfen.
So testen wir Protektoren
Für den Schlagtest in Anlehnung an die Norm nutzte Testredakteur Christian Zimek den Prüfstand der Firma SAS-TEC. „Protektor-Rucksäcke sind das Must-have für Tourenbiker. Denn Rucksack trägt man ohnehin, warum dann nicht gleich mit Sicherheits-Update?“, sagt Christian Zimek über Protektoren-Rucksäcke.
Schlagtest: Im Prüflabor der Firma SAS-TEC, Hersteller von Protektor-Elementen (verarbeitet in den Rucksäcken von Amplifi, Cube, Deuter, USWE), unterzog MOUNTAINBIKE alle Protektor-Rucksäcke einer Vergleichsmessung in Anlehnung an die aktuell gültige Norm.
Das für den Test benötigte Schlagelement ist ein 5 Kilo schwerer, 160 mm langer, stabförmiger Fallkörper, der mit einer Energie von etwa 50 Joule aus einem Meter Höhe an einer Führungsschiene auf den Protektor-Rucksack fällt. Dabei ruht dieser auf einem flach gekrümmten Amboss aus Stahl, der mit Messsensoren zur Erfassung der Restenergie versehen ist. Da Schnallen und Gurte das Messergebnis beeinflussen können, wurde jeder Protektor-Rucksack mit drei Schlägen an verschiedenen Stellen geprüft.
Alle Rucksäcke erfüllen im Schlagtest die Vorgaben zu Schutzlevel 2. Dieses wird erreicht, wenn ein Durchschnittswert von unter 9 kN erfüllt ist und wenn kein Einzelschlag über 12 kN liegt.
Die Größe des Protektors wurde ebenfalls vermessen. Das Testfeld teilt sich in Rucksäcke mit Central-Back-Protektoren, deren Schutzfläche vorwiegend die Wirbelsäulenregion abdeckt, und Full-Back-Protektoren, die, breiter und länger geformt, zusätzliche Abdeckung von Rücken, Schulter und Hüfte gewährleisten.
Die Rucksäcke von Camelbak, Ergon, Leatt, Thule, USWE und Vaude sind mit Central-Back-Protektoren bestückt, alle anderen besitzen Full-Back-Protektoren. Da mehr Fläche mehr Schutz bedeutet, wurde die Größe mit 50 Prozent an der Bewertung des Schutzes gewichtet.
Praxistest: Anpassung, Tragekomfort, Ausstattung und Handhabung wurden mit voller Trinkblase und kompletter Tourenausrüstung in zig Testfahrten geprüft.
Getestete Modelle im Detail
Amplifi Track 23
Durch seine sehr lange, gut belüftete Rückenauflage ist der Track 23 bestens für große Biker geeignet, an Bikern unter 175 cm kann er in sehr steilen Abfahrten aber an den Helm stoßen. Das Tragesystem erzielt dank seiner straff gepolsterten Schulter- und Hüftgurte hohen Tragekomfort auch bei maximaler Zuladung. Letzterer sind kaum Grenzen gesetzt, da der Amplifi massig Stauraum bietet, dabei jedoch selbst nicht zu schwer geraten ist. Mehrtagestouren steht hier zumindest kein Platzproblem im Weg! Zudem besitzt der Full-Back-Protektor im Zusammenspiel mit dem Rucksack beste Dämpfungseigenschaften und erzielt mit einer Restkraft von durchschnittlich 5,7 kN den zweitbesten Wert des Tests. Die Fachaufteilung mit großem Hauptfach, Aufsatzfach mit Einschubfächern und großem gefütterten Goggle-Fach sagte den Testern zu. Die Regenhülle ist vernäht, was die Reinigung etwas erschwert.
Die mit Netz geschützten Polster des Rückensystems haben nur wenig Auflagefläche, drücken dennoch nicht.
- Preis: 190 Euro
- Gewicht: 1471 g inkl. Protektor1 (334 g)
- Volumen²/Trinksystem: 23 (23+2) Liter/ optional v. Fremdhersteller
- Besonderheiten: Regenhülle, Halter für Helm (Integral) und Protektoren, gefüttertes Goggle-Fach, Notfall-Anleitung, RV-Taschen im Hüftgurt
- Testergebnis: Sehr gut (87 Punkte)
Camelbak T.O.R.O. Protector 14
Minimalistisch ist der schmal profilierte Camelbak gehalten. Zwar bietet er gemessen an seinem sehr geringen Gewicht viel Stauraum, die Taschenausstattung fällt jedoch mager aus: RV-Hauptfach mit Netztasche, RV-Wertsachenfach mit Schlüsselclip und zwei Netz-Einschubfächern, RV-Trinkblasenfach, "that’s it". Die Zipper laufen jedoch sehr leicht und lassen sich überaus weit öffnen, sodass Zubehör leicht auffindbar ist. Das Tragesystem besitzt neben elastischen Schultergurten einen ungepolsterten Hüftgurt, der angesichts des eher kleinen Stauraums aber kaum an seine Komfortgrenze kommen wird. In Sachen Schutz gibt der T.O.R.O. keinen Anlass zur Kritik. Der Central-Back-Protektor erzielt im Rucksack-Verbund eine Restenergie von im Schnitt 6,4 kN - ein sehr guter Wert!
Das Trinkblasenfach ist speziell für eine Camelbak-Trinkblase designt, Konkurrenzprodukte lassen sich nicht optimal befestigen.
- Protektor1 (338 g)
- Volumen²/Trinksystem: 11+3 (11,5) Liter/optional (2 Liter: 40 Euro)
- Besonderheiten: Helmhalterung, Protektorenhalterung, Signalpfeife, separates Trinkblasenfach mit Reißverschluss, keine Regenhülle
- Testergebnis: Sehr gut (78 Punkte)
Cube Edge Trail (MOUNTAINBIKE Kauftipp)
Der günstigste Testkandidat, hier in der orange-schwarzen "Actionteam"-Variante, punktet mit hervorragender Schlagabsorption. Mit durchschnittlichen 5,78 kN erzielt er den drittbesten Wert und erfüllt die Level-2-Vorgaben spielend. Das Tragesystem mit seinen zwei vertikal verlaufenden Strukturpolstern ist weich, leicht schwitzig, verhindert Druckstellen jedoch effektiv und lässt sich perfekt anpassen. Die Ausstattung mit vielen gut strukturierten Reißverschlusstaschen erfreut ebenfalls, die meisten sind auch leicht zugänglich. Der Hauptfach-Zipper wird jedoch von den weit oben liegenden Straps der Helmhalterung blockiert, sodass diese zum Öffnen ausgehängt werden müssen. Zudem ist die Helmhalterung etwas zu locker, um den Kopfschutz sicher in Position zu halten.
- Preis: 140 Euro
- Gewicht: 1360 g inkl. Protektor1 (280 g)
- Volumen²/Trinksystem: 16 (14+0,5) Liter/optional v. Fremdhersteller
- Besonderheiten: Regenhülle, Halter für Helm(auch Integral) und Protektoren, gefüttertes Goggle- Fach, Smartphone-Fach, Notfall-Anleitung
- Testergebnis: Sehr gut (81 Punkte)
Deuter Attack 20 L (MOUNTAINBIKE Testsieger)
Zeitlos gut ist das Tragesystem des schweren Deuter. Die Last kann ideal auf Beckenkamm und Schultern verteilt werden, dennoch ist alles angenehm belüftet und sitzt druckstellenfrei. Der groß dimensionierte Full-Back-Protektor samt Rucksack besitzt beste Dämpfungseigenschaften und erfüllt die Level-2-Vorgaben mit dem besten Durchschnittswert - nur 5,52 kN Restkraft werden an den Körper weitergegeben. Die satten 19 Liter Stauraum sind bestens organisiert, ohne zu kleinteilig zu werden, und vollständig per Reißverschluss gesichert. Leicht laufende Zipper und schnell erreichbare Taschen sorgen für Bedienfreundlichkeit. Minimalkritik ernteten die oberen Hakengurte, die zur Komprimierung und als obere Befestigung der Protektorenhalterung dienen, da diese zum Öffnen und Schließen des Hauptfachs jedes Mal ausgehängt werden müssen.
- Preis: 190 Euro
- Gewicht: 1566 g inkl. Protektor1 (335 g)
- Volumen²/Trinksystem: 20 (19+1) Liter/optional (2 Liter: 32 Euro)
- Besonderheiten: Regenhülle, Halter für Integral-/Halbschalenhelm und Protektoren, 2 RV-Hüftgurttaschen, Trinkblasenfach, 2 Einschubfächer, Brillenfach
- Testergebnis: Überragend (92 Punkte)
Ergon BA3
Ein alter Bekannter ist der Touren-/Enduro-Rucksack BA3. Nach dezenter Überarbeitung ist er nur noch in einer Größe erhältlich, aber weiterhin mit einer sehr variablen Rückenlängen-Verstellung ausgestattet. Der Tragekomfort ist hoch: Sicher und rutschfest wird die Last im Hüftbereich nah am Körper fixiert. Der Central-Back-Protektor muss separat erworben werden, kostet 35 Euro und muss nach einem Sturz ausgetauscht werden. Die Kombi aus Rucksack und Protektor reduziert die Schlagenergie auf einen guten Wert von durchschnittlich 7,92 kN - die Level-2-Vorgaben erfüllt er ohne Probleme. Der Stauraum ist in ein großes RV-Hauptfach, ein kleinteilig unterteiltes Aufsatzfach und ein Fach im Hüftgurt für schnell zu Erreichendes unterteilt. Hier findet eine Tagestouren-Ausstattung mühelos Platz. Wer mehr Raum braucht, kann das volle Volumen per Expansions-Reißverschluss freigeben.
- Preis: 140+35 Euro
- Gewicht: 1284 g inkl. Protektor1 (141 g)
- Volumen²/Trinksystem: 15+2 (16) Liter/optional (3 Liter: 33 Euro)
- Besonderheiten: Regenh., Rückenlänge verstellbar, Trinkblasenfach, Halter für Integral-/Halbschalenhelme und Protektoren, RV-Bauchgurttasche
- Testergebnis: Sehr gut (84 Punkte)
Evoc Neo 16L
Sein Tragesystem, dessen Rückenauflage der außen liegende Full-Back-Protektor bildet, ist herausragend komfortabel. Dank Anti-Rutsch-Pads sitzt der Rucksack bombenfest, die Wabenstruktur des Protektors sorgt für starke Belüftung. Stabile Hüft- und Schultergurte schmiegen sich perfekt an und verteilen die Last auch bei hoher Zuladung ideal. So ist er auch als Begleiter für längere Ausritte oder Mehrtagestouren mit schmalem Gepäck geeignet. Der teuerste Testkandidat erfüllt die Vorgaben der Level-2-Zertifizierung, liegt im Schnitt aber nur knapp unter der 9-kN-Grenze (8,07 kN). Die Fachaufteilung ist Evoc-typisch schnörkellos und praxisgerecht mit separatem Werkzeug-/ Kleinteilfach und gut erreichbaren Außen- und Hüfttaschen. Eine Halterung für Knieprotektoren ist nicht vorhanden. Rundum haltbar und sauber verarbeitet.
- Preis: 250 Euro
- Gewicht: 1563 g (S/M) inkl. Protektor1
- Volumen²/Trinksystem: 16 (17+1,5) Liter/optional (2 Liter: 35 Euro)
- Besonderheiten: Regenhülle, Brillenfach, Anti-Rutsch-Pads, in zwei Größen erhältlich, Halter für Integral-/Halbschalenhelm, keine Protektorenhalterung
- Testergebnis: Sehr gut (85 Punkte)
Protektoren-Rucksäcke - Mehr als nur ein Sicherheits-Update?
Protektoren-Rucksäcke wollen Stauraum und Schutz bieten. Das soll sie zu idealen Begleitern für Touren- und Enduro-Biker machen. Alles okay, also? Nein, nicht ganz - leider hat die Sache einen Haken.
Erst die gute Nachricht: Protektorenrucksäcke können den Aufprall beim Sturz bis auf zwei Prozent der ursprünglichen Energie abpuffern. Jetzt die schlechte Nachricht: Gegen die wirklich ernsten Rückenverletzungen sind Rückenprotektoren - ob mit oder ohne Rucksack - so gut wie wirkungslos.
Unfallchirurgen sind sich einig: Die größten Gefahren für Mountainbiker lauern im Überschlag. Dieser passiert blitzschnell und führt oft zur Überstreckung der Halswirbelsäule. Die mögliche Folge: Bruch und Querschnittslähmung. Auch gefährlich: Stauchungen, wie sie bei Drop-Landungen vorkommen. Hierbei werden die Wirbelkörper aufeinandergepresst und können kollabieren. Gegen beide Sturzszenarien gibt es keinen Schutz.
"Das Fazit, Rückenprotektoren bringen nichts, ist dennoch falsch", sagt Prof. Dr. Christoph Siepe vom Wirbelsäulenzentrum der Schön-Klinik in München, "ein direktes Anpralltrauma können sie deutlich mildern." Das ist beispielsweise der Fall, wenn der Biker über den Lenker katapultiert wird und mit dem Rücken auf Steine prallt.
Die wichtigsten Aspekte bei der Wahl des richtigen Protektoren-Rucksacks
Protektoren-Rucksäcke vereinen die Funktionen eines normalen Rucksacks mit dem Schutz eines Rückenprotektors. Bei ausgedehnten Touren in anspruchsvollem Gelände, wenn Du eine Freeride-Expedition planst oder regelmäßig an langen Enduro-Rennen teilnimmst, kannst Du damit das Risiko von Verletzungen des Rückens oder der Wirbelsäule deutlich reduzieren. Beim Fahren spürst Du kaum einen Unterschied zu einem Rucksack ohne Schützer.
Wie viel Schutz bietet ein Protektoren-Rucksack?
Der Gedanke liegt nahe, dass schon ein herkömmlicher Rucksack mit einer Jacke und etwas Proviant drin schützt - wozu also ein extra Protektor? Sicherlich kann ein Sturz auf den Rücken mit Rucksack glimpflicher ausgehen als ohne. Zwei Argumente sprechen aber klar für einen echten Protektor: Er schützt Dich nicht nur vor Wurzeln und spitzen Steinen am Boden, sondern auch vor harten Gegenständen im Rucksack. Denn meist hast Du nicht nur eine Jacke und Proviant dabei, sondern auch Werkzeug, eine Kamera, im Winter eine isolierte Edelstahlflasche oder vielleicht einen Ersatzakku für Dein E-MTB. Ein Protektor dämpft bei einem Sturz auch den Schlag dieser Gegenstände auf Deinen Rücken. Darüber hinaus sind die meisten Protektoren-Rucksäcke auf einem Prüfstand getestet: Die CE EN1621-2 für Rückenprotektoren verbrieft eine streng genormte Schutzwirkung.
Eingesetzte oder aufgesetzte Protektoren am Rucksack
Bei den meisten Protektoren-Rucksäcken sitzt der Schützer in einem Einschub direkt an der Rückwand des Rucksacks - noch hinter der Trinkblase, wenn Du eine nutzt. Meist ist das eine große Platte, die dort zusätzlich gegen Verrutschen fixiert ist. Dabei kommen unterschiedliche Materialien zum Einsatz, allen gemein ist aber, dass sie Stöße dämpfen und punktuell einwirkende Kräfte auf eine größere Fläche ableiten.
Obacht: Es gibt Rucksäcke, deren Protektoren wiederholt Einschläge dämpfen können und solche, die nach einem Sturz dauerhaft deformiert bleiben und ausgetauscht werden müssen. Vor- und Nachteile hierbei: Die multi-impact-Protektoren bringen deutlich mehr Gewicht mit, die anderen Protektoren müssen nach jedem Sturz getauscht werden. Welches System für Dich das bessere ist, hängt sicherlich auch davon ab, wie häufig und wie lange Du mit einem Protektoren-Rucksack unterwegs bist.
Einige Hersteller gehen mittlerweile dazu über, die Schutzelemente außen am Rucksack fest anzubringen. So wird der Schutz direkt in ein ergonomisches und belüftetes Tragesystem integriert, wie es zum Beispiel Evoc mit den Airshield Back Protectors macht.
Damit der Protektor bei einem Unfall an der richtigen Stelle sitzt, darf der Rucksack nicht verrutschen. Um das zu verhindern, setzen die Hersteller teils besonders breite Schulter- und Hüftgurte ein. Gummierungen können zusätzlichen Halt bieten. Der Teil, der am Rücken anliegt, ähnelt mit Polstern und Belüftungskanälen meist normalen Rucksäcken.
Wichtig für Sicherheit und Komfort: Die Rückenlänge
Viele Protektoren-Rucksäcke werden in verschiedenen Größen angeboten. Die passende Rückenlänge ist hier noch wichtiger als bei einem herkömmlichen Rucksack, weil sie nicht nur den Tragekomfort, sondern auch den korrekten Sitz des Protektors beeinflusst. Schaue Dir die Hinweise der Hersteller an und achte beim Bestellen darauf, die richtige Größe auszuwählen. Der schützende Protektor sollte mindestens auf der Länge zwischen Hüfte und Schulterblättern an Deinem Rücken anliegen. Ist der Rucksack deutlich kürzer, reduzierst Du die Schutzwirkung des Protektors.
Packvolumen und Aufteilung im Rucksack
Du hast die Wahl, wie viel Gepäck Du mitnehmen willst. Es gibt extrem leichte und minimalistische Protektoren-Rucksäcke , für die schnelle Runde oder das anspruchsvolle Enduro-Rennen, die im Prinzip Rückenprotektoren mit etwas Platz für ein Trinksystem, Deine Schlüssel und vielleicht noch einen Riegel sind. Und es gibt große Rucksäcke , die 30 Liter Gepäck aufnehmen. Mit diesen Modellen kannst Du locker auf Hüttentour starten oder Bikepacken. Dazwischen gibt es jede Menge Auswahl für alle Ansprüche. Überlege Dir, was Du alles regelmäßig dabei hast und rechne vielleicht noch etwas Reserve für Überraschungen hinzu.
Der Aufbau der Rucksackeinheit ist bei den meisten Modellen sehr ähnlich: Vor dem Protektor befindet sich häufig ein Fach für eine Trinkblase, gefolgt vom Hauptfach und weiteren kleineren Fächern, je nach Größe des Rucksacks. Eine Aufteilung mit vielen kleinen Fächern kann Dir helfen, Ordnung zu halten und schneller zu finden, was Du brauchst.
Helmhalterung und andere Extras
Wenn Du auf Rückenschutz wert legst, dann schätzt Du auch die Sicherheit eines Fullface-Helms. Einige Protektoren-Rucksäcke haben Helmhalterungen, die einen ausgewachsenen Vollhelm aufnehmen können, andere immerhin noch einen klassischen Halbschalen-Helm. An warmen Sommertagen ist es praktisch, wenn Du Deine Knieprotektoren für Anstiege ausziehen kannst und der Rucksack außen Befestigungsmöglichkeiten dafür hat. In Einschubfächern an den Seiten kannst Du eine Trinkflasche leicht zugänglich verstauen. Kleine Taschen am Hüftgurt sind gut für Dinge, die Du schnell zur Hand haben willst. Aber Vorsicht mit harten Gegenständen! Multitool oder Schlüssel könnten bei einem Sturz unangenehme Spuren an der Hüfte hinterlassen.
Der Lieferumfang
Schau Dir in unseren Produktbeschreibungen im Shop unbedingt die Auflistung des Lieferumfangs an, damit es keine Überraschungen gibt! Bei manchen Rucksäcken sind Trinksystem und Regenhülle dabei, bei anderen kannst Du sie bei Bedarf separat bestellen. Auch der Rückenprotektor-Einsatz muss in einigen Fällen einzeln gekauft werden.
Zusammenfassung der Testergebnisse
Die folgende Tabelle fasst die Testergebnisse einiger der getesteten Modelle zusammen:
| Modell | Preis (ca.) | Gewicht (inkl. Protektor) | Volumen | Testergebnis |
|---|---|---|---|---|
| Amplifi Track 23 | 190 € | 1471 g | 23 Liter | Sehr gut (87 Punkte) |
| Camelbak T.O.R.O. Protector 14 | - | - | 11 Liter | Sehr gut (78 Punkte) |
| Cube Edge Trail | 140 € | 1360 g | 16 Liter | Sehr gut (81 Punkte) |
| Deuter Attack 20 L | 190 € | 1566 g | 20 Liter | Überragend (92 Punkte) |
| Ergon BA3 | 175 € | 1284 g | 17 Liter | Sehr gut (84 Punkte) |
| Evoc Neo 16L | 250 € | 1563 g | 16 Liter | Sehr gut (85 Punkte) |
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