Die Auswahl an Mountainbike-Reifen ist riesig und oft unübersichtlich. Hersteller wie Schwalbe, MAXXIS, Conti, Pirelli, Michelin, WTB und Kenda bieten eine breite Palette an Modellen und Versionen an, die auf verschiedene Fahrertypen, Fahrniveaus, Bikes und Trail-Bedingungen abgestimmt sind.
In diesem Artikel wollen wir euch erklären, worauf ihr in Zukunft achten müsst, welche Unterschiede es gibt und was ihr von gewissen Anpassungen - wie dem Luftdruck oder der Karkasse - erwarten könnt. Zudem erklären wir euch die unterschiedlichen Philosophien der Hersteller und deren - teils sehr verwirrenden - Produktpaletten, damit ihr in Zukunft die perfekte Wahl für eure Reifen treffen könnt.
Grundlagen der Reifenwahl
Um den passenden Reifen zu finden, ist es wichtig, einige grundlegende Aspekte zu verstehen.
Tubeless oder Schlauch?
Die Vorteile von tubeless montierten Reifen liegen auf der Hand: weniger Gewicht, mehr Grip, geringerer Rollwiderstand und höherer Pannenschutz. Auch wenn die Montage etwas mühsam sein kann (nicht muss!), sind fast alle modernen MTB-Reifen sowie -Felgen für den Tubeless-Einsatz vorgesehen.
Wir selbst fahren nur tubeless und haben auch alle Reifen nur ohne Schlauch für euch getestet. Für den Fall, dass ihr noch mit normalen Schläuchen unterwegs seid, haben wir für euch eine detaillierte Tubeless-Montage-Anleitung und die dringliche Empfehlung, sich endlich an den Umbau zu wagen.
Seit kurzem gibt es aber auch den Trend, mit sogenannten TPU-Schläuchen zu fahren, die wesentlich leichter, etwas robuster, allerdings auch deutlich teurer sind als herkömmliche Schläuche. Wir haben TPU-Schläuche meist nur als Pannenset dabei, weil sie eben kleiner und leichter als herkömmliche Schläuche sind, und würden euch weiterhin das Tubeless-Setup ans Herz legen.
Der richtige Luftdruck
Der richtige Luftdruck im Reifen ist essenziell: Zu viel davon und ihr könnt euch von Komfort und Grip verabschieden. Bei einem zu geringen Luftdruck sind ein unpräzises, schwammiges Fahrverhalten und Defekte vorprogrammiert. Wir empfehlen euch, vor jedem Ride den Luftdruck mit einem Luftdruckprüfer zu checken und etwas zu experimentieren - die Minute und Investition lohnt sich!
Die passende Reifenbreite
Prinzipiell gilt: Die Reifenbreite muss zur Felgenweite passen. Ein breiterer Reifen hat eine größere Aufstandsfläche und kann so mehr Grip generieren. Zudem kann das erhöhte Volumen den Pannenschutz und den Komfort erhöhen. Mit Reifen, die breiter als 2,6” sind, haben sportlich-aggressive Fahrer in Kurven aber oft mit negativen Effekten zu kämpfen: Das Fahrverhalten wird schwammig und unpräzise, wodurch sich enge Linien oft nicht mehr halten lassen. In Anliegern knicken die breiten Reifen schneller und heftiger weg.
Sowohl die Felge als auch das Profil beeinflussen die tatsächliche Breite des Reifens enorm. Gemessen wird nämlich immer an der breitesten Stelle: also ganz außen an den Seitenstollen. Somit sind die Reifenbreiten der unterschiedlichen Hersteller nicht direkt vergleichbar und ein 2,5”-Reifen von MAXXIS kann breiter oder schmaler sein als ein 2,5”-Reifen von SCHWALBE, Continental oder anderen Herstellern.
Schmale Reifen sparen natürlich Gewicht. Breites Gummi verbessert hingegen den Grip, und das schon allein wegen der breiteren Lauffläche. Auch können sie mit weniger Druck gefahren werden. Das macht sie anschmiegsamer und dadurch noch griffiger und weniger pannenanfällig.
Das Reifengewicht
Das Gewicht eurer Reifen solltet ihr nicht unterschätzen: Der Reifensatz alleine, ohne Tubeless-Milch und Co., trägt mit etwa 2,5 kg zum Gesamtgewicht eures Bikes bei. Zum einen sind die Reifen Teil der rotierenden Masse, die ihr bei jedem Antritt und bei jeder Bremsung beschleunigen und abbremsen müsst. Zum anderen fungieren die Reifen - noch vor eurer Gabel - als Federelement und reagieren auf Schläge, wodurch sie massiven Einfluss auf euer Fahrwerk haben.
Schwere Reifen können das Fahrverhalten aber auch positiv beeinflussen: Geht es heftiger zur Sache, helfen euch schwere Reifen, die Linie im Steinfeld oder über den Wurzelteppich zu halten, was eure Fahrt stabilisiert. Leichte seitliche Schläge versetzen sie deutlich weniger. Robuste und stabile Reifen sind schwer - bringen aber klare Vorteile in der Abfahrt.
Vorder- vs. Hinterrad
Die Anforderungen am Vorderrad unterscheiden sich von denen am Hinterrad. Beim MTB gilt es, so viel Grip wie möglich am Vorderrad zu generieren, während man am Hinterrad Kompromisse zwischen Traktion und Rollwiderstand eingehen muss. Auch beim Thema Pannenschutz gibt es massive Unterschiede, die Kräfte am Hinterrad sind oftmals um ein Vielfaches höher.
Ihr habt also viel Spielraum bei Profil, Karkasse und Gummimischung.
Reifen als Tuning-Teil
Auch wenn ihr nicht wie so manche Profis täglich auf neuen Reifen unterwegs seid, schlagen Reifen als Verschleißteil immer wieder große Löcher in die Urlaubskasse. Fakt ist: Ein hochwertiger Reifen ist relativ teuer, hat aber auch einen massiven Einfluss auf eure Trail-Performance und kann über Frust oder Spaß im Urlaub entscheiden. Ihr solltet euren Reifen deshalb als Tuning und nicht als Verschleißteil betrachten.
Tire Inserts
Tire Inserts gibt es mittlerweile wie Sand am Meer und die Preisspanne dieser Systeme ist riesig. Das Funktionsprinzip ist bei den meisten Systemen dasselbe: Ein Schaumstoff agiert bei heftigen Einschlägen als Puffer zwischen dem Felgenhorn und dem Reifen. Dadurch schlägt der Reifen nicht mehr oder deutlich weicher auf der Felge auf der Felge auf und wird nicht so schnell von ihr beschädigt. Deshalb gilt: Erst wenn ihr mit der stabilsten Karkasse im Line-up weiterhin Probleme habt, solltet ihr über einen Tire-Insert nachdenken.
Profil, Karkasse und Gummimischung
Auch wenn ein Reifen speziell für das Vorder- oder Hinterrad designt wurde, kann er auch am jeweils anderen Laufrad zum Einsatz kommen. Darüber hinaus habt ihr auch die freie Wahl beim Einsatzzweck: Ein „Matschreifen“ funktioniert im Hochsommer bei super staubigen, weichen Trails in der Regel ebenfalls hervorragend.
Die Reifenhersteller geben euch einen groben Überblick, wofür sich der Reifen eignet.
Abstand, Form und Ausrichtung der Noppen nehmen maßgeblichen Einfluss auf Grip, Rolleigenschaften und Bremstraktion. Je gröber das Profil - Experten sprechen auch gerne von einem „offenem Profil“ -, umso besser kann sich der Reifen mit felsigen Untergründen oder Wurzeln verzahnen. Reifen mit feinem und flachem Profil rollen wiederum geschmeidiger und schneller, weshalb sie gerne im temporeichen Crosscountry-Segment eingesetzt werden.
MTB-Reifen gibt es in verschiedenen Härtegraden. Einen zuverlässigen Hinweis darauf gibt der „A“-Wert. Je höher der Wert, umso härter die Gummimischung. Manche Hersteller kennzeichnen die Gummihärte aber auch nur mit Begriffen wie „soft“ oder „ultra-soft“. Weiches Gummi erzeugt Grip, hartes rollt leichter.
Die Karkasse
Die Karkasse bildet so etwas wie das Rückgrat des Reifens und ist mit der wichtigste Faktor, auf den ihr bei der Wahl eurer Reifen achten solltet. Sie verleiht ihm seine Rundung und beeinflusst maßgeblich die Dämpfung, die Kurvenstabilität und den Pannenschutz. Sie beeinflusst aber auch den Rollwiderstand und vor allem das Gewicht des Reifens.
Je stabiler die Karkasse, desto weiter könnt ihr den Luftdruck senken, ohne Gefahr zu laufen, an jeder Kante einen Pinch-Flat zu bekommen oder den Reifen in Kurven wegzuknicken. Weniger Luftdruck sorgt dann für eine zusätzliche Dämpfung, die wiederum Grip bringt und Kraft spart, weil kleine Erschütterungen gar nicht erst an eure Hände gelangen.
Testergebnisse und Vergleich
Um die Unterschiede zwischen den Reifenmodellen verschiedener Hersteller zu verdeutlichen, haben wir die Ergebnisse umfangreicher Tests zusammengefasst:
Rollwiderstand
Jeder Reifen wird auf einer 30 mm breiten Test-Felge montiert, auf 1,5 bar Reifendruck aufgepumpt und mit einer Radlast von 50 kg belastet, während er auf einer Stahlrolle abrollt. Dabei wird die benötigte Leistung in Watt gemessen, die es braucht, um den Reifen mit einer Geschwindigkeit von 20 km/h anzutreiben. Je mehr Leistung benötigt wird, desto schwerer rollt der Reifen.
In der Praxis haben wir ausgewählte Reifen auf unserem Pivot Trailcat LT mit standardisierten Felgen montiert und Testfahrten sowohl auf Asphalt als auch auf einem Schotterweg durchgeführt. Dabei wurden alle Reifen - wie auch im Labor - auf 1,5 bar Reifendruck aufgepumpt und lediglich der Hinterreifen wurde gewechselt. Mithilfe von Wattmess-Pedalen sind wir mit einer konstanten Leistung von 250 Watt ein ausgewähltes Uphill-Segment gefahren und haben dabei die Zeit gemessen, die wir dafür benötigt haben.
Pannenschutz
Ein 19 kg schwerer Stahl-Keil wird auf die Lauffläche des Reifens (zwischen die Stollen) ausgerichtet, auf eine definierte Höhe angehoben und anschließend fallen gelassen. Der Versuch wird mit steigender Fallhöhe so lange wiederholt, bis sich ein Defekt des mit 1,5 bar gefüllten Reifens einstellt.
Ein Prüfkörper wird mit steigender Krafteinwirkung auf den Reifen gedrückt, bis dieser durchstochen wurde. Gemessen wird die maximale mittlere Kraft in N, die für den Durchstich notwendig war.
Für unsere „Pannenschutz-Wertung“ haben wir die Werte vom Durchschlag- und Durchstichtest miteinander verrechnet.
All-Mountain-Reifen im Test (2022)
All-Mountains gelten als die Alleskönner schlechthin. Durch die Reifenwahl können diese Allrounder-Eigenschaften aber erheblich beeinflusst werden. Hier eine Auswahl leichter und recht gut rollende Reifen-Paare, um auch auf langen Touren Spaß zu haben.
- Schwalbe Nobby Nic TLE Super Ground Addix Soft 29 x 2,4" (Testsieger 2022) Testfazit: Die Neuauflage des Nobby Nics ist ein voller Erfolg. Auch mit dünnerer Karkasse bietet er prima Pannenschutz und rollt sehr flott - perfekt für Tourenfahrer. Der Grip der Addix-Soft-Variante ist ebenfalls richtig klasse.
- Schwalbe Nobby Nic TLE Super Trail Addix Speedgrip 29 x 2,4" (Testsieger 2022) Testfazit: Die Trail-Karkasse bietet mehr Schutz, ist dennoch nicht zu schwer. Die Speedgrip-Mischung ist spürbar gripschwächer. Tourer, für die Pannenschutz und Rollverhalten zählt, fahren diesen Nobby vorne und hinten
- Maxxis Minion DHF 3C Maxx Grip Exo TR 29 x 2,5" WT Testfazit: Der beliebte Vorderreifen Minion DHF (F = Front) ist ein Grip-Monster in jeder Trail-Lage.
MTB-Reifen 27,5 Vergleich 2025
Ausgewählte MTB-Reifen 27,5 im Vergleich:
| Modell | Größe (ETRTO) | Typ | Geeignet für | Sicherheit und Vorteile |
|---|---|---|---|---|
| Maxxis Erwachsene Minion DHR II Reifen | 54-584 (27,5 x 2,40 Zoll) | Faltreifen | Gelände | Pannenschutz, Tubeless-Ready |
| Schwalbe Smart Sam Plus Greenguard | 57-584 (27,5 x 2,25 Zoll) | Drahtreifen | Gelände/Straße | Besonders pannensicher, 3-mm-GreenGuard-Einlage |
| Schwalbe Nobby NIC Evo Faltreifen | 70-584 (27,5 x 2,8 Zoll) | Faltreifen | Gelände/Straße | Hohe Pannen- und Abriebfestigkeit, stabile Schulterblöcke |
| Fincci Reifen für MTB | 60-584 (27,5 x 2,35 Zoll) | Faltreifen | Gelände | Kompakt transportierbar, Set aus zwei Reifen |
| Schwalbe Smart Sam Performance | 54-584 (27,5 x 2,10 Zoll) | Drahtreifen | Gelände/Straße | Pannensicher, verstärkte Seitenwangen |
Die Qual der Wahl
Die perfekte Reifenrezeptur hat einen starken Einfluss auf das Erlebnis Mountainbiken. In der richtigen Zusammensetzung verschmelzen Rohstoffe, wie Kautschuk, Ruß, Silica oder Kreide, zu extrem schnellen oder besonders griffigen Gummimischungen.
Die Unterschiede beim Gewicht, dem Rollverhalten und der Funktion im Gelände sind enorm. Während die wuchtigen Modelle an einem All Mountain Bike eher für Enduro-Flair sorgen, rüsten die leichten und gut rollenden Pneus das gleiche Bike für sportliche Touren.
Es gibt schlichtweg nicht den einen perfekten Reifen, der für alle Biker gleichermaßen passt!
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