Wenn die Adventszeit naht, gibt es eine Tradition, die viele Menschenherzen erwärmt: der Nikolaus auf dem Motorrad. Diese besondere Art, die Vorweihnachtszeit zu feiern, verbindet die Leidenschaft für das Motorradfahren mit dem Wunsch, anderen eine Freude zu bereiten und Gutes zu tun.
Nikolausfahrt in Recklinghausen und Herten
Eine besondere Moped-Ausfahrt steht den Städten Recklinghausen und Herten bevor: Am Sonntag, 1. Dezember, besteigen wieder zahlreiche Weihnachtsmänner ihre Oldtimer-Mopeds und -Mofas. Zwar nicht auf der Harley-Davidson, aber dafür auf Oldtimer-Mopeds und -Mofas werden die Weihnachtsmänner und Co. am 1. Dezember durch Recklinghausen und Herten düsen. Und die Fahrt soll auch finanziell gesehen einen guten Zweck haben. Denn die Biker wollen auf ihrer Tour Spenden für den ambulanten Kinderhospizdienst im Kreis Recklinghausen sammeln.
An gleich mehreren Orten wollen die Weihnachtsmänner während ihrer Ausfahrt Rast machen: Gestartet wird um 14 Uhr am Haus Regenbogen (Wasserbank 46-50) in Recklinghausen. Von dort geht es zum Gertrudisplatz auf der Hillerheide, wo um 14.30 Uhr ein weiterer Halt geplant ist. Nach einer „langsamen Wallfahrt“ erfolgt um 15.30 Uhr eine Pause am Rathausplatz in Recklinghausen. Die Fahrt setzt sich dann nach Herten fort, mit einem Halt um 16.15 Uhr an der Milchtankstelle Godde in Herten Disteln (Bauer Godde, Marpenstraße 29).
Nikoläuse, Engel und Co. in Grevenbroich unterwegs
Grevenbroich · Das sieht man nicht alle Tage: Am vergangenen Samstag drehten Nikoläuse, Engel und Co. auf Zwei- und Dreirädern ihre Runden durch die Schlossstadt. Jede Menge Nikoläuse mit toll geschmückten Motorrädern und Rollern drehten ihre Runden über den Marktplatz. Die Biker der Motorradfreunde Rhein-Erft waren für den guten Zweck - den Verein Kraftspenden Grevenbroich e.V.
Auch wenn die Sonne vom Himmel strahlte, war es knackig kalt. Doch das hielt die rund 100 Biker nicht davon ab, ihre Motrorräder mit Tannengrün und Lichterketten zu schmücken und sich zum Beispiel als Nikolaus mit Rauschebart verkleidet auf den Weg zum Grevenbroicher Marktplatz zu machen. „Wir organisieren die Nikolausfahrt bereits zum fünften Mal“, erklärt Initiator Torsten Zur der Motorradfreunde Rhein-Erft. Gemeinsam mit den Motorradfreunden sammelt der Verein für das Kinder- und Jugendwohnhaus der Lebenshilfe in Elsen. „Die 17 Jahre alte Pflege-Sitzbadewanne des Wohnhauses für junge Bewohnerinnen und Bewohner mit Behinderung ist nicht nur alt, sondern auch defekt. Schon lange ist das Baden kein Highlight mehr für die jungen Menschen. Plantschen, im Schaum sitzen und das Bad genießen ist nicht mehr möglich. Rund 6.000 Euro werden für eine neue Wanne benötigt - die sollen nun mit vereinten Kräften zusammenkommen.
Angelockt von den dröhnenden Motoren und den vielen Verkleideten, zog es den einen oder anderen City-Besucher auf den Marktplatz.
Der Motorrad-Nikolaus im Hofer Land
Man weiß nie, wann es passiert. Meist fährt man gerade gedankenversunken durch die Straßen des Hofer Landes. Erledigungen schwirren durch den Kopf, Verpflichtungen peitschen voran. In seinem Tunnel nimmt man die vorweihnachtliche Beleuchtung in der Stadt kaum wahr. Besinnlichkeit? Fehlanzeige. Doch dann kommt plötzlich ein erleuchtetes Fahrzeug um die Ecke geknattert. Es glitzert, strahlt bunt, ist von wunderschönen Weihnachtsklängen umgeben. Und das ist der Anblick, bei dem die Menschen im Hofer Land kurz einmal all den Stress vergessen, während vorweihnachtliche Freude in ihnen aufsteigt. Wenn unser Motorrad-Nikolaus seine Runden durch die Straßen dreht, beschert er uns damit jenes friedliche Gefühl der Freude, das wir uns zur Weihnachtszeit so sehnlichst herbeiwünschen.
Wie wohnt eigentlich der Nikolaus? Diese Frage geistert mir durch den Kopf, als ich mich auf dem Weg zu Werner Schmidt befinde. Dass sich der Wohnsitz des Motorrad-Nikolaus in der Nähe des Hofer Hallenbades befindet, ist alles, was ich bisher weiß. Ich fühle mich, als wäre ich in ein vorweihnachtliches Geheimnis eingeweiht. Dürfte etwas sehen, das anderen verborgen bleibt. Doch ich hoffe auch, ich werde nicht entzaubert. Als ich auf den Hof des Motorrad-Nikolaus fahre, atme ich ein wenig durch. Ich kann weihnachtliche Beleuchtung erkennen. Lichterketten, schneeüberzogene Christbäumchen, leuchtende Sterne. Das gepflegte, einladende Haus von Werner und Elenore Schmidt ist liebevoll geschmückt.
Werner Schmidt: Ein Nikolaus mit Herz und Motorrad
Als ich vor der Tür stehe und klingle, kommt mir die Zeit des Wartens ewig vor. Ist das ein ungeschriebenes Gesetz? Dieses vorfreudige, neugierige, zähe Warten in der Weihnachtszeit? Ich kann mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Und dann öffnet mir Werner Schmidt seine Haustür. Na gut, der Bart befindet sich nur auf der Oberlippe. Doch das ist nicht wichtig, denn sein Gesicht sieht genauso aus, wie sich Kinder einen Nikolaus vorstellen: Warmherzig, mit weisen Falten und freundlichen Augen. Mehr über geheimnisvolle Wesen erfahren? Werner Schmidt und seine Frau Eleonore heißen mich herzlich in ihrem gemütlichen Zuhause willkommen. Hier wurde liebevoll dekoriert. Leuchtende Zweige, glitzernde Figuren - allerlei Weihnachtliches wurde mit Bedacht in die Einrichtung eingefügt.
Wie ich erfahre, ist unser Motorrad-Nikolaus 66 Jahre alt und gerade frisch in Rente. Fast 40 Jahre lang hat er für das Sozialamt, im Jobcenter gearbeitet und Hausbesuche durchgeführt. Nebenbei steuert er Abschleppwagen oder auch mal einen Bus. Denn er und seine Frau teilen sich ein Hobby: Regelmäßig machen sie gemeinsam auf der Honda Gold Wing Touren, Ausflüge oder fahren zu Motorrad-Treffen. Er am Steuer, sie hinter ihm. Bei der alljährlichen Zusammenkunft in Seiffen wird Werner dann inspiriert. „Abends wird da immer eine gemeinsame Lichterfahrt gemacht. Das sieht besonders schön in der Dunkelheit aus, weil die Maschinen meist viele Zusatzlichter verbaut haben. Zwei, drei Kollegen sind da immer mit Nikolauskostüm gefahren. Da dachte ich mir, das könnte man doch eigentlich auch in der Weihnachtszeit machen.“
Dann geht das Basteln los. „Ich musste überlegen, was ich wo ranmachen kann, so dass die Sachen auch halten. „Die ersten Teile waren Päckchen für den Rücksitz, so dass es aussieht, wie wenn ich gerade Geschenke ausliefere. Und dann war da noch die Frage nach einem passenden Kostüm. Meine Motorradkombi sowie der Helm mussten ja drunter passen. Bei der Mütze dachte ich, müsste meine Frau vielleicht zwei Stück zusammennähen. Aber ich habe dann ein Kostüm im Internet bestellt und da waren überraschenderweise eine kleine und eine riesengroße Mütze dabei. Das stand so gar nicht in der Beschreibung. Das Projekt Motorrad-Nikolaus wird zur wunderschönen Tradition, die jährlich wächst. 16-18 Stunden dekoriert Werner Schmidt mittlerweile jedes Jahr auf’s Neue. Inzwischen tönen sogar fröhliche Weihnachtslieder aus seiner Maschine.
Seine Frau Elenore, die ihn während unseres Interviews die ganze Zeit liebevoll anlächelt, findet das Hobby toll. Dass er dafür so viel Zeit in der Garage verbringt, stört sie keinesfalls, im Gegenteil. Also lohnt sich all der Aufwand? Geht sein Plan auf, den Menschen die Adventszeit zu versüßen? „Die Leute freuen sich, die Kinder winken, manche springen aus den Autos, um schnell ein Foto zu machen“, schwärmt Werner. Ablehnende Gesichter begegnen ihm bei seinen Touren keine.
Die Mehrzahl der Einwohner weiß dabei - trotz vereinzelter Medienberichte, beispielsweise durch TV Oberfranken - nicht, wer der geheimnisvolle Motorrad-Nikolaus ist. Durchaus kämen so auch einmal Begegnungen zustande, bei denen Werner Schmidt vom Motorrad-Nikolaus vorgeschwärmt werde. „Hey, hast du den Nikolaus auf dem Motorrad durch Hof fahren sehen?“, berichtet ihm dann manch einer begeistert. Wenn Werner aufklärt, aus welcher Perspektive er die Situationen erlebt hat, gibt es dann oft ein großes Staunen.
Fast 12 Jahre lang pflegt Werner Schmidt die Tradition des Motorrad-Nikolaus nun schon. Welche Geschichten sind ihm das besonders im Gedächtnis geblieben? Neben den großen Kinderaugen, die jedes Jahr wieder sein Herz erwärmen, wäre da zum einen dieser Zettel, den ihm jemand einmal in den Briefkasten geworfen hat. Werner schiebt mir einen laminierten Brief über den Tisch. Ich lese wunderschöne Worte: „Durch Zufall haben wir Sie auf Ihrem Weihnachtsmobil nach Hause fahren gesehen. Wir wollten uns bedanken, da Menschen wie Sie Freude in die Herzen der Menschen bringen mit solchen Ideen.
Ein anderes Erlebnis hat der Nikolaus auf dem Motorrad, als er eines Tages am Q-Bogen Richtung Marienstraße fahren will. „Da habe ich im Rückspiegel gesehen, dass sich die Polizei recht schnell von hinten nähert.“ Der Motorrad-Nikolaus wappnet sich für eine ungemütliche Begegnung.
Zum Schluss frage ich den Motorrad-Nikolaus noch nach seinen Zukunftsplänen. Sind weitere Upgrades für seinen „Schlitten“ geplant? Wird man den Frischrentner nun öfter durch die Straßen fahren sehen? „Ich würde gerne viel öfter fahren“, erklärt er mir, „aber das Ganze ist absolut wetterabhängig. Bei Graden unter null kann ich leider nicht fahren. Über das nächste Upgrade für sein Motorrad denkt der Nikolaus natürlich auch schon nach. Und dabei geht es weniger um das Mobil, als vielmehr um die Kinder im Hofer Land. „Ich würde ihnen eigentlich so gerne Süßigkeiten schenken. Ich hätte in meinem Koffer sogar welche dabei! Aber ich kann an den Ampeln ja schlecht absteigen. Also müsste ich mir da was einfallen lassen, eine Kiste, in die ich mit den Motorradhandschuhen reinfassen kann, um ihnen was zuzuwerfen. Es weihnachtet sehr!
Nikolaus-Korso und Spendenaktionen
„Dies ist unsere Chance, in der Weihnachtszeit Menschen eine Freude zu bereiten“, erklärte ein Vereinsmitglied das ungewöhnliche Engagement der Biker. Höhepunkt war der Nikolaus-Korso: Kostümierte Clubmitglieder zogen wie ein langer, roter Faden lautstark über die Uferpromenade. „Wir nehmen jedes Jahr gerne an dieser Veranstaltung teil“, so Pere kurz vor Beginn der Rundfahrt. Die Organisatoren betonten, dass solche Aktionen den Gemeinschaftssinn stärken und gezielt benachteiligten Kindern helfen würden.„Die Organisation dieser Spielzeugsammlung ist äußerst wichtig“, unterstrich Joan, ein weiterer Teilnehmer. Die Weihnachtsrundfahrt hat mittlerweile Tradition bei den Biker.
Herausforderungen und Frustrationen
Grevenbroich/Rhein-Kreis · Motorradfahrer, die für den guten Zweck durch das Kreisgebiet knattern - und zwar im Pulk: Das ist der Reiz des Nikolaus-Rides. Dieses Jahr aber war alles anders. Eine Gruppe der Nikolaus-Biker am vergangenen Samstag. Eine Fahrt im geschlossenen Verband war ihnen nicht gestattet. Frust bei den Nikoläusen: Nach der jüngsten Fahrt von 200 verkleideten Motorradfahrern durch den Rhein-Kreis Neuss erwägen offenbar viele Teilnehmer, das Handtuch zu werfen. „Unter diesen Bedingungen nehmen wir nicht mehr teil“, sollen einige Fahrer nach der Fahrt gesagt haben. Das berichtet Torsten Zur von den Motorradfreunden Rhein-Erft.
Riding Santas in der Pfalz: Ein Jubiläum für den guten Zweck
Wenn es in der Pfalz laut röhrt und knattert und aus der Ferne rote Zipfelmützen zu sehen sind, dann weiß jeder - sie sind wieder unterwegs! Die Weihnachtsmänner auf ihren Motorrädern. Dieses Jahr geht es bereits zum zehnten Mal für den guten Zweck quer durch die Pfalz! Bereits heute früh starteten die Motoren im Kreis Germersheim bei Jockgrim. Schöne, stille (?) Weihnachtszeit? Nicht hier! Stattdessen viel Lärm für die gute Sache! Auch in diesem Jahr sammeln die Santas Spenden für schwerkranke Kinder. 179.000 Euro kamen so vergangenes Jahr zusammen. Dafür cruisen die Biker kreuz und quer durch die Pfalz, besuchen Schulen, Seniorenheime und soziale Einrichtungen. Riding Santas - das Spektakel hat Tradition und dieses Jahr Jubiläum! „Euphorie pur. Das Schönste ist ja, in die Grundschule reinzufahren, weil die schreien wie verrückt und freuen sich und winken und können es kaum glauben. Vorhin habe ich mich mal zwischen die Grundschüler reingemogelt, habe gefragt: ‚Konntet ihr überhaupt schlafen heute Nacht?‘ - ‚ Nein, nicht so gut wir waren so aufgeregt‘, da sage ich: ‚Genauso wie euch geht es uns auch. 100 Kilometer - für gut zwei Dutzend schwere Schlitten. Noch immer rollt die rote Kolonne, bis zum Ziel heute Abend in Landau.
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