Nürburgring Nordschleife: Rundenzeiten und Rekorde

Die Nürburgring-Nordschleife gilt als die gefährlichste und schönste Rennstrecke der Welt - im Volksmund auch die grüne Hölle genannt. Seit fast einem Jahrhundert ist die Asphaltstrecke durch die Eifel ein Prüfstein für Automobilhersteller weltweit. Die rund 20 km lange Nordschleife war schon immer ein Maßstab für Fortschritt und Leistung.

Ein Kurs, eine Runde, eine Rundenzeit - der Rundenrekord auf dem Nürburgring ist die ultimative Leistung für alle Hersteller, die sportliches Fahren hochhalten. Dabei wird die Jagd nach neuen Geschwindigkeitsrekorden leicht zu einem Tanz auf Messers Schneide. Oft sind es nur wenige Zehntelsekunden, die aus ambitionierten Rennfahrern glorreiche Sieger oder tragische Verlierer machen.

Die Rundenzeit auf dem Nürburgring: Eine Rundenzeit, die Generationen von Autofahrern als Beweis für außergewöhnlich gute Fahrzeuge angesehen haben. Als der Nürburgring-Nordschleife. "Die Leute sagen, es ist am besten, wenn es den Nürburgring-Test bestanden hat":

Ab der Saison 2019 werden Rundenrekorde offiziell vom Nürburgring erfasst, bestätigt und veröffentlicht. Damit erbringen die Automobilhersteller den Beweis auf der anspruchsvollsten Rennstrecke der Welt: Auf den insgesamt 20,832 Kilometern der Nürburgring-Nordschleife, der Grünen Hölle.

Offizielle Messungen und Bedingungen

Die genaue Länge der Strecke und die Zeitmesspunkte sind vordefiniert: Die offizielle Start-/Ziellinie der Nordschleife im Streckenabschnitt T13 ist auch die Start-/Ziellinie für Rekordrundenversuche. Für Rekordversuche auf der Grand-Prix-Strecke wird die offizielle Start- und Ziellinie auf der Zielgeraden verwendet, eine volle Runde - einschließlich der AMG Arena, der Goodyear-Kurve und der Veedol-Schikane in der "Motorradversion".

Zusätzlich zur Zeitmessung auf Basis kalibrierter Messtechnik werden offizielle Rekordversuche sowie Versuche, eine Runde zu stoppen, immer von einem Notar überwacht. Zusätzlich zur Überwachung der Zeitmessung werden die Fahrzeuge von einer neutralen Prüforganisation zugelassen und der Serienzustand dokumentiert. Eine Prüfung des Serienzustands eines Fahrzeugs ist für Rennwagen, Spezialfahrzeuge und Prototypen nicht erforderlich.

Historische Rekorde und Legenden

Formel-1-Held Clay Regazzoni, Porsche-Legende Stefan Bellof oder Motorrad-Ass Helmut Dähne haben mit ihren spektakulären Fabelläufen einen Platz in der Rennhistorie des Nürburgrings sicher. Aber es gibt auch unkonventionellere Methoden, die Strecke zu meistern.

  • Clay Regazzoni: Der Schweizer Formel-1-Fahrer hält den Rundenrekord für Formel-1-Fahrzeuge auf der Nürburgring-Nordschleife. Den Formel-1-Rundenrekord auf der Nordschleife hält der ehemalige Ferrari-Pilot Clay Regazzoni mit einer Zeit von 7:06,4 Minuten. Gemessen wurde sie 1975 beim Großen Preis von Deutschland. Die damals noch 22,835 Kilometer lange Nordschleifen-Strecke absolvierte der Schweizer in einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 192,8 km/h. Im Jahr 1980 musste Clay Regazzoni nach einem schweren Unfall beim Grand Prix in Long Beach (USA) seine Karriere aufgeben.
  • Stefan Bellof: 6:25,91 Minuten! Stefan Bellof fuhr die Fabelzeit beim 1000-km-Rennen 1983 mit einem Porsche 956. Im Durchschnitt jagte er mit Tempo 194,33 km/h um die Nordschleifen-Kurven. Weil er im Training eine Zeit von 6:11,13 Minuten (die Zeit gilt nicht als offizieller Rekord) fuhr, gilt Bellof als der einzige Rennfahrer, dem es gelang, die grüne Hölle mit einem Durchschnittstempo von über 200 km/h zu absolvieren.
  • Marco Lucchinelli: Marco "Lucky" Lucchinelli verewigte sich in den Annalen der Nordschleifen-Historie beim Großen Preis von Deutschland 1980: mit einer Rundenbestzeit von 8:22,2 Minuten. Sein Motorrad, eine Suzuki mit 500 ccm Hubraum, beschleunigte er dabei im Schnitt auf 163,6 Kilometer pro Stunde. Die offizielle Nordschleifen-Distanz betrug damals noch 22,835 Kilometer.
  • Helmut Dähne: Auf der 20,8 Kilometer langen Nürburgring-Nordschleife hält Helmut Dähne den Rekord für Serien-Motorräder: Am 22. Mai 1993 umrundete der Rennfahrer auf einer Honda RC30 die Nordschleife in 7:49,71 Minuten. Bis auf weiteres dürfte diese Zeit von niemandem zu schlagen sein.
  • Dirk Auer: Unfassbare 10:06 Minuten reichten Dirk Auer, um die Nürburgring-Nordschleife auf Inlineskates abzufahren: Der Extremsportler ließ sich vor dem 24-Stunden-Rennen im Jahr 2000 von einem Alfa Romeo 159 über die Piste ziehen.

Aktuelle Rekorde und Fahrzeuge

In den vergangenen Jahren haben Rundenrekorde auf der Nürburgring Nordschleife zunehmend die Aufmerksamkeit offizieller Pressemitteilungen von Automobilmarken auf sich gezogen. Rekorde und schnelle Rundenzeiten sind mittlerweile feste Bestandteile bei Präsentationen auf internationalen Automobilmessen geworden. Fragen nach dem schnellsten Sportwagen am Ring, den bei Tests verwendeten Reifen, den Wetterbedingungen und dem Fahrer sind allgegenwärtig.

Der aktuelle Nürburgring Rundenrekord für Serienstraßenfahrzeuge wird vom neuen Mercedes-AMG ONE gehalten, der eine beeindruckende Rundenzeit von 6 Minuten und 29,09 Sekunden auf der gesamten Distanz von 20,832 km sowie 6 Minuten und 24,03 Sekunden auf der verkürzten Distanz von 20,6 km erzielt hat. Dieser Rekord wurde am 23 September 2024 aufgestellt. Unter der Haube beeindruckt ein leistungsstarker 1,6-Liter-V6-Turbomotor mit einer Leistung von 566 PS. Die Mittelmotoranordnung des Fahrzeugs platziert den Motor in der Mitte, um die Gewichtsverteilung und das Handling zu verbessern.

Übersicht ausgewählter Rundenrekorde

Fahrzeug Zeit Leistung Gewicht Jahr Fahrer Bemerkungen
Porsche 919 Hybrid Evo 5:19.55 1160 PS 849 kg 2018 Timo Bernhard Offiziell bestätigt, Rennwagen ohne Straßenzulassung
Volkswagen ID.R 6:05.34 680 PS 1100 kg 2019 Romain Dumas Offiziell bestätigt, Rennwagen ohne Straßenzulassung
Mercedes-AMG One 6:29.09 1063 PS 1695 kg 2024 Maro Engel Offiziell bestätigt und notariell beglaubigt
Porsche 911 GT2 RS MR (Manthey Racing) 6:40.30 700 PS 1470 kg 2018 k.A. Offiziell bestätigt und notariell beglaubigt
Lamborghini Aventador SVJ 6:44.97 740 PS 1465 kg 2018 k.A. Offiziell bestätigt
Ford Mustang GTD 6:52.07 826 PS 1969 kg 2025 Dirk Müller Offiziell bestätigt, notariell beglaubigt
Rimac Nevera LE Time Attack 7:05,29 1.914 PS 2150 kg 2023 Martin Kodric notariell beglaubigt, Reifen: Michelin Cup 2 R
Helmut Dähne Honda RC30 7:49,71 k.A. k.A. 1993 Helmut Dähne Serienmotorrad

Der Nürburgring als Testzentrum

Jede Automobilmarke besitzt oder strebt den Bau einer kleinen Teststrecke in der Nähe ihrer Produktionsstätte an, um ihre Fahrzeuge zu testen. Solche Einrichtungen existieren für Unternehmen wie Mercedes-Benz, Audi, Porsche, BMW und andere. Normalerweise werden alle technischen Spezifikationen und Testergebnisse streng vertraulich behandelt. Doch wie führt man einen Vergleichstest durch? Wie vergleicht man Mercedes mit BMW oder Audi? Wie kann man Zeit, Geschwindigkeit, Motorzuverlässigkeit und Federungsleistung vergleichen, wenn jeder Hersteller unterschiedliche Bedingungen und Standards hat? Wie lässt sich feststellen, wer besser ist? Wo ist der Standard? Mercedes darf nicht auf der BMW-Strecke fahren, und Porsche darf nicht auf der Mercedes-Strecke fahren.

Die Lösung kam von selbst: der Nürburgring, eine ideale Rennstrecke für Testfahrten. Hier testen Automobilhersteller tagtäglich ihre neuesten Modelle Runde um Runde. Mit ihrer einzigartigen Streckenarchitektur, die zahlreiche starke Höhenunterschiede und über 70 schnelle Kurven aufweist, ist die Nürburgring-Nordschleife zum ultimativen Testgelände für Hochgeschwindigkeitsfahrzeuge avanciert. Ausgedehnte Testfahrten auf der Rennstrecke mit anspruchsvollen Belastungen ermöglichen es, Schwachstellen an Fahrwerk, Karosserie, Motor und Getriebe aufzudecken.

Der Nürburgring hat sich zu einem Testzentrum und Maßstab entwickelt, vergleichbar mit dem neuen Silicon Valley der Automobilindustrie und dient als Referenz für viele globale Marken. Diese Entwicklung stellt eine herausragende Marketingstrategie dar, da nun die Möglichkeit besteht, unter gleichen Bedingungen zu vergleichen. Heute konkurrieren alle Hersteller am Nürburgring um die beste Rundenzeit.

Die Testläufe erfolgen größtenteils durch professionelle Werksfahrer oder renommierte Rennfahrer, was die Rekordleistungen noch kontrastreicher macht. Teilweise und in letzter Zeit immer häufiger werden Tests von verschiedenen renommierten Automobilpublikationen durchgeführt (wie Sport Auto, Car, The Drive, Top Gear), bei denen die Testfahrer selbst die Rolle der Journalisten übernehmen.

Bei den Tests kommt es auf absolut jedes Detail an: Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Asphalttemperatur, Luftdruck, Wetterbedingungen (bewölkt oder sonnig) und so weiter. Jeder Hersteller strebt danach, nur wenige Sekunden zu gewinnen und einen Platz in den Top-Ten-Rekorden zu ergattern. Dies bedeutet Prestige.

Technologische Fortschritte und Rekorde

Auch Elektrofahrzeuge versuchen, ihre Nische an vorderster Front zu erobern. Am 18. August 2023 stellte Rimac auf dem Nürburgring den absoluten Rekord unter den straßenzugelassenen Elektrofahrzeugen auf. Das auf nur 12 Exemplare limitierte Hypercar Rimac Nevera LE Time Attack legte die Nürburgring-Nordschleifen-Distanz von 20,832 km in beeindruckenden 7:05,29 Minuten zurück (und 7 Minuten und 0,92 Sekunden für die 20,6 km-Distanz). Das Hypercar wurde vom Rennfahrer Martin Codric gesteuert.

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