E-Bikes und hochwertige Tourenräder werden immer häufiger mit hydraulischen Bremsen ausgestattet. Auch hydraulische Bremsen am Fahrrad können Sie bei Bedarf selbst überholen. Weitere Vorteile sind eine sehr gute Dosierbarkeit und hohe Bremskräfte.
Grundlagen hydraulischer Bremsen
Auch wenn die flüssigkeitsgefüllten hydraulischen Bremsen am Fahrrad zunächst technisch aufwendiger anmuten, so sind sie doch weitgehend wartungsfrei - das enthaltene Öl ist dauerhaft und zieht, anders als die Bremsflüssigkeit im Auto, kaum Feuchtigkeit an. Ein regelmäßiger Wechsel ist deshalb nicht nötig. Dennoch wird nach einigen Jahren der Nutzung meist eine Wartung fällig - das liegt meist an kaum vermeidbaren, minimalen Undichtigkeiten. Auch wenn das System beschädigt wird, ist eine neue Befüllung mit Hydrauliköl fällig.
Das richtige Öl auswählen
Die meisten Hydraulikbremsen auf dem Fahrradsektor verwenden ein stinknormales, dünnflüssiges Hydrauliköl. Das original Scheibenbrems-Mineralöl ist fast so dünn wie Wasser, damit es beim Betätigen der Bremse keinen Reibungswiderstand erzeugt. Schau dir, wenn möglich, genau die Betriebsanleitung der Bremse an. Falls du die nicht mehr hast, frag einen Fahrradmechaniker!
Wichtige Hinweise:
- Kein Pflanzenöl verwenden! Die Dichtungen in den Kolben sind meist für Mineralöle ausgelegt und vertragen keine Bremsflüssigkeiten und auf die Dauer auch keine Pflanzenöle.
- Im Notfall geht ein handelsübliches Nähmaschinenöl. Aber bei einem so sicherheitsrelevanten Teil würde ich ein Öl verwenden, das der Bremsenhersteller freigegeben hat. Es geht um ein paar Euro für ein Fläschchen, das dir dann für wer weiß wie viele Wartungsvorgänge reicht.
- Bei Speiseöl weißt du weder, wie gut es gefiltert ist, noch ob es die richtige Viskosität hat... und manche Speiseöle verharzen mit der Zeit auch, d.h. werden fest. Willst du nicht in der Bremse haben.
Mineralöl vs. DOT-Bremsflüssigkeit
Ein kurzer Überblick über die Unterschiede zwischen Mineralöl und DOT als Bremsflüssigkeit für Mountainbikes, Rennräder, Gravelbikes und andere Fahrräder. Eine Bremsflüssigkeit (auch: Bremsmedium) hat die Aufgabe, Kraft zu übertragen. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass sich das Bremsmedium nicht komprimieren lässt. Mineralöl und DOT unterscheiden sich darin nicht nennenswert. Entscheidend ist, dass sich keine Luft im System befindet, denn sie ist komprimierbar. Durch sorgfältiges Entlüften stellst Du einen stabilen Druckpunkt sicher.
Da zwischen Deinen Bremsbelägen und Deiner Bremsscheibe große Hitze entstehen kann, die zu einem Teil auch die Flüssigkeit im Bremssattel erreicht, sollte das Bremsmedium temperaturstabil sein - also einen hohen Siedepunkt haben. Im Normalbetrieb wirst Du hier kaum Unterschiede feststellen. Sowohl Mineralöl- als auch DOT-Bremsen können ziemlich viel ab, wenn sie gut gewartet sind. Erst wenn sich Wasser ins System schleicht, kann es zu Problemen kommen.
Mineralöl:
Generell sind Mineralöle sehr haltbar und können oft jahrelang in einer Bremse ihren Dienst verrichten. Sie greifen Kunststoffe und Lacke in der Regel nicht an und auch Hautkontakt ist weniger kritisch als mit DOT. Dennoch solltest Du Hautkontakt vermeiden und das Mineralöl direkt wegwischen oder abwaschen, wenn Du etwas gekleckert hast. Mineralöl ist nicht hygroskopisch, das heißt, es vermischt sich nicht mit Wasser. Das sorgt sowohl für eine lange Haltbarkeit in der Bremse als auch in einer angefangenen Mineralöl-Flasche in der Werkstatt.
DOT:
Unter DOT werden Bremsflüssigkeiten auf Glykolbasis zusammengefasst - genauer DOT 3, DOT 4 und DOT 5.1. Sie stammen aus der Automobil- und Motorradwelt, wo dafür Minimalanforderungen standardisiert sind. Die jeweiligen Ausführungen unterscheiden sich im Siedepunkt und der Viskosität. Am Fahrrad wird meist DOT 4 oder 5.1 verwendet, da sie temperaturstabiler sind als DOT 3.
Wichtig: Mineralöl und DOT dürfen auf keinen Fall gemischt werden. Zudem musst Du die Bremse immer mit dem spezifischen Bremsmedium befüllen, also DOT-Bremsen immer mit DOT und Mineralöl-Bremsen immer mit Mineralöl. Die Dichtungen in Bremshebeln und -sätteln bestehen aus Gummi, das speziell für das jeweilige Bremsmedium ausgewählt wurde. Sie könnten sonst versagen und Deine ganze Bremse unbrauchbar machen.
Wartung und Ölwechsel
Bei abnehmender Bremswirkung wird man zunächst die Nachstellschraube am Bremshebel justieren - diese ist vor allem zum Ausgleich der kleiner werdenden Belagstärke bei Verschleiß der Bremsklötze gedacht. Die Einstellung ist korrekt, wenn die Bremse bereits bei geringer Betätigung anspricht und die volle Bremsleistung vor Nutzung des kompletten Hebelwegs erreicht wird.
Ist ein weiteres Nachstellen nicht mehr möglich, sollten Sie zunächst die Belagstärke kontrollieren und die Bremsklötze bei Bedarf wechseln. Tritt das Problem auch mit neuen Belägen auf, sollte das Leitungssystem der Bremse entlüftet werden. Damit eventuell im Leitungssystem enthaltene Luft austreten kann, wird neue Flüssigkeit von unten nach oben in das Leitungssystem eingefüllt.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Entlüften der Bremsen
Im Folgenden wird der Entlüftungsprozess am Beispiel eines typischen Magura-Hebels aus der HS11-Serie erläutert:
- Drehen Sie zunächst die Nachstellschraube für den Belagverschleiß ganz zurück.
- Bereiten Sie die Füllspritze vor, indem Sie den mitgelieferten Schlauch und den Adapter mit der Tülle verbinden.
- Nach Zurückschieben der Schutztülle am rechten Bremszylinder (am Hebel erkennbar) wird die Füllschraube sichtbar.
- Mit einem passenden Schlüssel (hier Torx T25) die Schraube vorsichtig lösen und dann komplett herausdrehen. Schraube abnehmen, reinigen und am besten auf einem sauberen Tuch ablegen.
- Nun die Füllspritze mit dem Hydrauliköl aufziehen und den Adapter in das Gewinde der Füllschraube eindrehen. Ein O-Ring sorgt für einen gasdichten Abschluss.
- Lösen Sie die Befestigung des Bremsgriffs am Lenker (hier mit Torx T25). Dann den Griff mit der Hebelseite nach oben drehen, damit später die Entlüftungsöffnung nach oben zeigt.
- Blenden am Bremsgriff entfernen, damit die Entlüftungsschraube zugänglich wird.
- Die Lage der Öffnung an der höchsten Stelle sichert eine blasenfreie Befüllung des Systems. Verschluss-Stopfen oder -schraube demontieren.
- Leere Spritze mit dem Stempel über das Entlüftungsloch hinaus aufziehen und in das Entlüftungsloch stecken.
Hydrauliköl einfüllen
- Je nach Aufbau des Griffs die Befestigungsschraube am Bremsschlauch etwa 1 1/2 Umdrehungen lösen - bei Systemen mit seitlicher Entlüftungsöffnung ist dies nicht nötig.
- Nun das Öl blasenfrei in die Bremsleitung hineindrücken. Der Stempel der Spritze sollte bei der Befülllung nach oben zeigen.
- Betätigen Sie während des Füllvorgangs mehrfach den Bremshebel, bis das Öl ohne begleitende Luftbläschen austritt.
- Befestigungsschraube wieder schließen - soweit diese geöffnet werden musste.
- Fülladapter abschrauben - das Öl steht nun bis zur Einfüllöffnung. Die Verschluss- Schraube eindrehen und mäßig anziehen.
- Die mit dem Altöl gefüllte Spritze abnehmen, dabei das kleine Loch mit dem Finger verschließen, damit kein Öl austritt.
- Stempel bis über die Bohrung vorschieben - damit wird ein weiteres Austreten von Öl verhindert. Altes Öl sammeln und entsorgen.
- Bremsgriff von eventuell ausgelaufenem Öl befreien und Verschluss wieder montieren. Blenden wieder einklipsen oder aufschieben und den Bremsgriff wieder in der richtigen Lage befestigen.
Zusätzliche Tipps
- Damit das Hydrauliköl ungehindert durch das Leitungssystem geleitet werden kann, muss in der am Griff befestigten Spritze die entweichende Luft entweichen können. Dazu ziehen Sie den Kolben möglichst weit auf und bohren - soweit nicht schon vorhanden - ein kleines Loch etwas oberhalb der maximalen Skalenangabe in den Zylinder.
- Wird der Kolben später bei gefüllter Spritze vor das Loch geschoben, wird ein unkontrolliertes Entweichen der Flüssigkeit sicher verhindert.
- Kunststoff-Spritzenfür die Applikation des Öls und passende Anschluss-Stücke , damit das Öl blasenfrei in das System eingefüllt werden kann.
- Benutzen Sie keine Bremsflüssigkeit!
Hanseline Hydrauliköl
Das Hanseline Hydrauliköl HLP10 ist ein Mineralöl/ Bremsflüssigkeit, welches beim Befüllen und Entlüften von Fahrradbremsen auf Mineralölbasis Verwendung findet. Für Bremsen wie z.B. Shimano, Magura, Tektro, TRP, Formula, Sram usw... Das ÖL hat eine ausgezeichnete Alterungsbeständigkeit und verhält sich neutral gegenüber Dichtungen, es ist nicht hygroskopisch (bindet keine Feuchtigkeit).
Der hohe Viskositätsindex garantiert auch bei unterschiedlichsten Temperaturen ein sicheres und schnelles Ansprechverhalten der Bremsanlage.
- H = bezeichnen hochausraffinierte mineral- und/oder syntheseölhaltige Druckflüssigkeiten mit guter Alterungsbeständigkeit sowie tiefem Stockpunkt, nichtschäumend und mit niedriger Viskosität.
- L = ist nach DIN 51502 der Zusatzkennbuchstabe für Wirkstoffe für erhöhten Korrosionsschutz und Alterungsfähigkeit
- P = ist nach DIN 51502 der Zusatzkennbuchstabe für Wirkstoffe zur Verschleißminderung und erhöhter Druckaufnahmefähigkeit.
Alternative: Mechanische Scheibenbremsen
Von vielen belächelt, aber für manche Bikes dennoch beliebt: Mechanische Scheibenbremsen funktionieren mit einem Bowdenzug statt mit Bremsflüssigkeit. Während hydraulische Bremsen bei Bremsleistung und Dosierbarkeit klar vorn liegen, haben mechanische Bremsen andere Vorteile: Sie müssen nie entlüftet werden und sind mit einfachem Werkzeug auch unterwegs zu warten. Das kann auf Reisen in abgelegenen Gegenden sehr praktisch sein.
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