Die Biker-Welt ist für Außenstehende oft schwer abzugrenzen vom kriminellen Milieu der „Rocker“ im polizeilich relevanten Sinn, auch wenn diese Abgrenzung wesentlich ist. Die große Mehrheit friedlicher Clubs zeichnet sich durch den hauptsächlichen Fokus auf eine geteilte Leidenschaft fürs Motorradfahren aus sowie einen mit dieser Leidenschaft einhergehenden Lebensstil, der zum Beispiel regelmäßige Ausfahrten mit Gleichgesinnten, die intensive Pflege des Motorrads oder kulturelle Aspekte wie bestimmte Kleidung oder den Konsum bestimmter Musik umfassen kann. Mitglieder von OMCG mögen die o.g. Aspekte grundsätzlich teilen, treten jedoch im Gegensatz zur großen Mehrheit der oben charakterisierten Motorradclubs regelmäßig mit Straftaten, vornehmlich Körperverletzungs-, Erpressungs- und Bedrohungsdelikten und nicht selten in unterschiedlichen Erscheinungsformen der organisierten Bandenkriminalität in Erscheinung, so u.a. in den Bereichen der Drogen- und Waffenkriminalität.
Die Rolle der Frau in der Rockerszene
Von jeher spielt das weibliche Geschlecht in der Männerwelt der Rocker augenscheinlich eine sehr wichtige Rolle, wenn auch zumeist auf eine recht spezielle Weise. Bis heute lassen sich Frauen im Umfeld von Rockern vor allem mit dem Zeigen von viel Haut und in erotischen Posen auf den Titelseiten von Zeitschriften assoziieren, die in Szenekreisen beliebt sind.
Stil und Selbstverständnis der OMCG wirken sich unmittelbar auf deren Sicht auf die Rolle der Frau aus. Spezifische, der OMCG-Subkultur immanente Werte wie Stärke, Mut und expressive Männlichkeit, aber auch Gewaltbereitschaft und unbedingte Loyalität werden in der Welt der OMCG immer wieder getestet, das Bekennen dazu wird - einschließlich entsprechender Demonstrationen - offensiv eingefordert.
Traditionell geht damit oft auch, gleichsam als subkultureller „Wert“ ein extremer Ausdruck weiblicher Inferiorität einher. Zahlreiche subkulturelle Bräuche und Zeremonien involvieren folgerichtig Frauen, wobei die ihnen zugeschriebene Inferiorität demonstrativ zur Schau gestellt wird.
Bestenfalls werden Frauen in OMCG demzufolge in der Regel als eine Art Begleiterin geduldet, die dem Mann zu Diensten ist, keinesfalls aber als potenziell gleichwertiges Mitglied angesehen. Ihre Rollen sind beschränkt entweder auf die der festen Partnerin einzelner Mitglieder (meist „Old Ladies“ genannt) oder die eines allgemein verfügbaren „Lustobjekts“.
Old Lady: Mehr als nur ein Titel
Eine „Old Lady“ zu sein bedeutet dagegen, die wohl höchstmögliche Stellung als Frau innerhalb einer OMCG erreicht zu haben. Im Gegensatz zu den „Mamas“ ist die Zugehörigkeit der jeweiligen Frau hier auf ein Mitglied beschränkt. Die Frau ist damit für die übrigen Mitglieder grundsätzlich „tabu“.
Doch der Status einer Old Lady bedeutet keineswegs immer, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Im Rahmen einer Untersuchung konnten szenekundige Beamte aus dem für die Bearbeitung von Rockerkriminalität zuständigen Dezernat des LKA Berlin befragt werden. Die dortigen Erfahrungen in der Bundeshauptstadt korrespondieren mit den bisherigen Darstellungen.
Warum fühlen sich Frauen zu Rockern hingezogen?
Vor diesem gesamten Hintergrund stellt sich die Frage, warum sich Frauen überhaupt zu OMCG hingezogen fühlen, sich scheinbar freiwillig eine solche Rolle zuweisen lassen. Ein wichtiger Grund dürfte neben der demonstrativ überzogenen „Männlichkeit“ und einer wie auch immer verwegenen „Bad Boy-Erotik“ sicher auch die Perzeption von persönlicher und materieller „Macht“ sein.
Entromantisiert auf den Punkt gebracht handelt es sich um eine Art generelles und allgegenwärtiges Einschüchterungskapital, über das Rocker in der Regel verfügen. Sie pflegen eine Aura, die von patriarchalischer Dominanz und zugleich von nonkonformistischer Rebellenhaftigkeit geprägt ist.
Allerdings muss dabei unterstrichen werden, dass manche Frauen für diese Art von Zugehörigkeit bereit sind, sich in gefährliche Abhängigkeitsverhältnisse zu begeben und offenbar schwerste Demütigungen und auch physische Verletzungen in Kauf zu nehmen.
Frauen, die mit den Gangs assoziiert sind, neigen dazu, illegale Drogen zu konsumieren und werden häufig dazu gezwungen, Sex anzubieten, um etwa Schulden zu bezahlen oder Betäubungsmittel, Nahrung oder Unterkunft zu erhalten.
Klischees und Realität
Die Hollywood-Serie Sons of Anarchy hat den Status der sogenannten Old Lady auch hierzulande wesentlich bekannter gemacht. Doch was in den USA absolut anerkannt und weit verbreitet ist, interessiert hierzulande kaum jemanden. Nur wenige deutsche Rocker verwenden diesen Begriff. Und noch weniger Rocker definieren den Begriff im Sinne der amerikanischen Rocker-Kultur.
Eine echte Old Lady trägt den Status "Property of" nämlich mit voller Überzeugung. Sie ist stolz darauf und identifiziert sich mit den Idealen und dem Lifestyle des Partners zu 100%. Ob er in den Knast geht, bei einem Beef verletzt wird, die Rennleitung die Bude stürmt, sie steht zu 100% hinter ihrem Mann.
Einige Biker finden es ggf cool, sich den Samcro aus der US-Serie zu geben. Mit dem echten Leben bzw. Polizei beschlagnahmt „Bandida“-Kutte: Gibt es eigentlich RockerINNEN?
Es gibt weibliche Mitglieder in Motorrad-Clubs - sie fahren bei kleinen, nicht-kriminellen Gangs, gründen sogar ihre eigenen Biker-Clubs, nur für Frauen. Die sind harmlos.
Weibliche Rocker in großen „Onepercenter“-Clubs („Hells Angels“, „Bandidos“ etc.) - die gibt es nur zum Angucken, Anfassen, als Helfershelfer. Sie sind schmückendes Mitbringsel auf einer Party oder am Tresen, werden als Huren auf den Strich geschickt oder ins Laufhaus gezwungen, als Drogenschmuggler eingesetzt. Sie sitzen zwar auf Bikes - aber hinten. Zu melden haben sie nichts - zumindest offiziell.
Dennoch machen Rocker und ihre Bräute mitunter gemeinsame Sache:
- Frauen als Komplizen
- Frauen als Geschäftspartner
- Frauen als Vermittler
- Frauen als Alibi
Generell gilt: Je höher der Status des (männlichen) Club-Mitglieds, desto höher auch der interne Status seiner „Old Lady“, also seiner festen Lebenspartnerin. Denn mit einem Rocker zusammenleben und ihn lieben kann nur, wer auch denkt wie einer, oder ihm zumindest beiseite steht.
Die Biker-Sprache: Ein Glossar
Die Besonderheit bei solchen Gesprächen war, dass sich hier immer wieder Begriffe eingeschlichen haben, die nur unter Bikern Verwendung finden. Hier ist eine Zusammenfassung einiger Begriffe:
- ACAB: (All Cops Are Bastards) sieht man meist als Patch/Aufnäher. Ist an sich verboten.
- Affenschaukel: Extrem hoher Lenker, der nur mit fast oder ganz ausgestreckten Armen erreicht wird.
- Alteisen: Bezeichnet ältere Motorräder.
- Angstnippel: An der Unterseite der Fußraste angebrachte Schraubenköpfe, die ab einer gewissen Schräglage am Boden kratzen.
- Arschheizung: Sitzheizung.
- Aufschnitt: Sturz.
- B.A.B.: Backenbremse - Einzige Bremsmöglichkeit nach einem Sturz langsamer zu werden.
- Backfiring: Brabbelndes Geräusch aus dem Endtopf, wenn der Motor sich im Schiebebetrieb befindet.
- Bahnplatten: Mittig gerade abgefahrener Reifen.
- Biken: Die einfachste Art Motorrad zu fahren.
- Biker: Bezeichnet den Motorradfahrer im Allgemeinen.
- Braincap: „Gehirnabdeckung“ Soll so was wie einen Motorradhelm darstellen.
- Burn-Out: Beschreibt das Durchdrehen des Hinterrades bei stehendem Motorrad.
- Chopper: Eine Motorradform aus den USA der 50er Jahre, bei der alles abgebaut wurde, was nicht unbedingt zum Fahren gebraucht wurde.
- Colours: Bezeichnet das Backpatch.
- Crosser: Leichtes Geländemotorrad von 50ccm bis 600ccm.
- Custom-Bike: Übersetzt "maßgeschneidertes Motorrad", sinngemäß ein nach Kundenwunsch komplett umgebautes oder neu konstruiertes Motorrad.
- Damenknöpfchen: Abfällige Bezeichnung des E-Starterknopfes.
- Ein Prozenter / 1%er / One-Percenter: Abzeichen, das nur richtige Rocker tragen dürfen.
- GBNF: Gone but not forgotten, frei übersetzt: Gestorben aber nie vergessen.
- GIXXER: Bezeichnet die GSX-R Baureihe von Suzuki.
- Gummikuh: Alte BMW GS Modelle.
- HOG: Steht für Harley-Owners-Group.
- Joghurtbecher: Bezeichnung für ein schnelles japanisches vollverkleidetes Motorrad.
- Kackstuhl: Böser Name für Chopper mit vorverlegten Fussrasten und Großmotorroller.
- Mühle: Motorrad.
Das Clubhaus: Zentrum des MC-Lebens
Die Bandbreite der Clubhäuser reicht vom einfachen Häuschen im Grünen über ein abgeschottetes hochmodernes Gebäude bis zur halben Häuserzeile mitten in der Innenstadt.
Clubhäuser sind der Mittelpunkt des MC-Lebens und besitzen neben den Gesellschaftsräumen und der Chapel oft auch einen Fitnessraum, eine Werkstatt, Büros und auch Übernachtungsmöglichkeiten. Biker wohnen üblicherweise nicht dauerhaft im Clubhaus.
Partys und Veranstaltungen
Oft laden Biker Clubs zu offenen Abenden (Open House Partys) oder auch Family Days ein, auf denen jeder willkommen ist, der sich benehmen kann. Auf manchen dieser Veranstaltungen wird Geld für einen gemeinnützigen Zweck gesammelt oder für die Familien von Mitgliedern, die hinter Gittern sitzen oder sonstwie in Not geraten sind.
Der Zutritt zu internen Partys ist nur geladenen Gästen erlaubt; die Termine werden ausschließlich intern bekannt gegeben. Neben Bands sorgen dort oft Stripperinnen und Erotikshows für Unterhaltung. Auf nicht öffentlichen Partys geht es tatsächlich im Stil von Booze & Sex sehr wild zu.
Die Regeln des Zusammenlebens
Damit das Zusammenleben in einer Subkultur reibungslos funktioniert, werden innerhalb einer Subkultur Richtlinien geschaffen, die für die Mitglieder bindend, zugleich aber zumindest teilweise inkompatibel mit den Regeln der Bezugsgesellschaft sein können.
Entsprechend sind auch Mitglieder von OMCG durch ein solches eigenes Regelwerk verbunden, das sie gleichsam von der übergeordneten Gesellschaft abgrenzt. Sie prägen zudem auch einen besonders charakteristischen Stil.
Tabelle: Vergleich verschiedener MCs
| Merkmal | Durchschnittlicher MC | OMCG |
|---|---|---|
| Hauptfokus | Motorradfahren und Geselligkeit | Motorradfahren und kriminelle Aktivitäten |
| Straftaten | Selten | Regelmäßig |
| Hierarchie | Weniger streng | Sehr streng |
| Gewaltbereitschaft | Gering | Hoch |
Die pauschale Kriminalisierung einer ganzen Subkultur wird der Sache nicht gerecht, auch wenn kriminelle Auswüchse nicht zu leugnen sind. Es gibt wie überall im Leben solche und solche. Was ihr aus der ganzen Sache macht, bleibt euch überlassen. Es gibt kein Gesetz, das Pauschalurteile verbietet. Aber es schadet sicher auch nicht, einfach mal jemanden zu fragen, der dazugehört.
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