Olympia Hammer CC04 Test: Ein italienisches E-Enduro im Rampenlicht

Olympia ist eine traditionsreiche, noch aktive Bike-Marke aus Italien mit einer 130-jährigen Firmengeschichte. Mit dem Hammer beweist Olympia, dass sie nicht in der Vergangenheit stehen geblieben sind. Es handelt sich dabei um ein modernes E-MTB für den Einsatz in technisch anspruchsvollen Gebieten.

Das Olympia Hammer, ein Vollcarbon-E-Mountainbike, setzt auf 170 mm Federweg, eine potente Ausstattung und einen Laufradgrößen-Mix mit 29-Zoll-Vorderrad und einem 27,5-Zoll-Hinterrad.

Design und Rahmen

Klar ist: Bei der Entwicklung des Olympia Hammer spielte das Design eine mindestens genauso große Rolle wie die Fahrperformance. Das Hammer besitzt einen keilförmigen Hauptrahmen mit weit heruntergezogenem Oberrohr und erinnert von der Linienführung stark an das UNNO Mith. Das sieht nicht nur sportlich aus, sondern soll mit seiner geringen Überstandshöhe für ein sicheres Fahrgefühl bei MTB-Neulingen sorgen.

Den Rahmenlinien folgend, wurde der Dämpfer diagonal in den Rahmen gelegt. Durch die tiefe Dämpferposition soll zudem der Schwerpunkt niedrig gehalten werden. Der Horst-Link-Hinterbau aus Carbon läuft ebenfalls spitz zusammen und wirkt mehr wie eine Hinterradschwinge statt wie ein vollständiges Rahmendreieck.

Unter dem Klarlack schimmert die ungleichmäßige Struktur der schwarzen Carbonfaser durch, vergleichbar mit der Maserung eines Marmorfußbodens. Trotz eines schmal designten Hauptrahmendreiecks hat sich Platz für eine Trinkflaschenhalterung auf der Unterseite des Oberrohrs gefunden. Ansonsten ist das durchgestylte E-MTB frei von praktischen Details oder herausstehenden Features.

Motor und Akku

Das Motorsystem steuert der ebenfalls aus Italien stammende Motorenhersteller OLI eBike Systems bei. Sie spendieren dem Hammer den OLI Edge-Motor mit stolzen 90 Nm Drehmoment. Gespeist wird der Motor von einem enormen 900-Wh-Akku.

OLI eBike Systems attestiert dem Edge-Motor satte 90 Nm Drehmoment. In einem Werbevideo von OLI ist zudem die Rede von 650 Watt Spitzenleistung bei einer Trittfrequenz von 100 U/min und davon, dass die 90 Nm bereits bei 30 U/min anliegen. Was den Bauraum und die Größe betrifft, entspricht der OLI Edge-Motor ungefähr dem eines Bosch-Motors.

Zwar bietet OLI eBike Systems zum Motor passende Akkuoptionen an, aber Akkus von Drittanbietern sind ebenfalls gestattet. Olympia nutzte diese Gelegenheit und hat den PowerNine 900-Akku für ihr E-MTB selbst designed. Der Akku besitzt eine Kapazität von 900 Wh und gehört damit zu den kapazitätsstärksten auf dem Markt.

Der Akku wird von unten in den Rahmen eingesetzt, wobei das harte Kunststoffakkugehäuse gleichzeitig einen Unterfahrschutz für das Unterrohr bildet. Der Akku beherbergt gleichzeitig den Ladeport, den Einschaltknopf für das E-Bike und eine farbige Status-Indikator-LED. Trotz der hohen Kapazität und den vielen Funktionen, die der Akku übernimmt, fällt er relativ kurz und noch verhältnismäßig leicht aus. Er ist 43 cm lang und wiegt 4,77 kg.

Bei den weiteren Motorsystemkomponenten und der Integration wirkt das System von OLI etwas altbacken. Die Drei-Tasten-Remote ist unscheinbar, könnte aber noch einen Ticken kleiner ausfallen. Auch das 2”-Farbdisplay erfüllt seinen Job ohne Probleme und ist gut ablesbar, allerdings wirkt das große Displaygehäuse nicht mehr ganz zeitgemäß. Für den größten Ärger sorgen die vielen Kabel vor dem Vorbau. Sie erzeugen einen ungeordneten Eindruck, bevor sie durch den Acros-Steuersatz im Rahmen verschwinden.

Fahrmodi und Display

In der Standard- oder „Original”-Voreinstellung besitzt der OLI Edge-Motor am Olympia Hammer sechs Fahrstufen. Die Anzahl der verwendeten Stufen bleibt dem Hersteller überlassen und kann von Bike zu Bike schwanken. Unsere Voreinstellungen haben die wenig kreativen Namen 1, 2, 3, 4, 5 und R. Dabei steht R nicht für Rückwärtsgang, sondern für Racing.

Mit jeder Stufe steigen die Motorpower, Dynamik und Reaktivität an, aber damit wollen wir uns nicht zu lange befassen. Denn seit einem Software-Update besitzt unser Olympia Hammer nun auch die frei konfigurierbaren Modi Eco, Comfort und Power.

Das Display besitzt zwar eine ANT+- und Bluetooth-Funkschnittstelle, das Update selbst gibt es aber bisher nur beim OLI eBike Systems-Fahrradhändler, eine Begleit-App oder Over-the-Air-Updates stehen - zumindest bis dato - nicht zur Verfügung. Das zwei Zoll große High-Vision-Farbdisplay liefert eine Vielzahl an Informationen.

Jeder Modus besitzt vier eigene Fahrstufen (Level), die jeweils bis zu sechs eigene Parameter haben, die sich wiederum in Stufen oder größeren Prozentsprüngen rauf- und runterschrauben lassen. Der Einstellbereich der Parameter hängt vom jeweiligen Modus und vom Level ab.

  • Assistance: Motorunterstützung bis zu 400 %.
  • Max Torque: Maximales Drehmoment von 90 Nm in 10-%-Schritten drosseln.
  • Reactivity: Reaktion des Motors auf Pedaldruck (Skala von 0 bis 3).
  • Over-Run: Einstellbarer Motornachlauf von 0 bis 3.

Während der Fahrt wechselt man mit den Pfeiltasten nur zwischen den Leveln 1-4 innerhalb eines Fahrmodus, aber nicht den Fahrmodus selbst. Um die Fahrmodi zu wechseln, muss man die letzte Menüseite im Display mit der dritten Taste an der Remote aufrufen. Während der Wechsel der Level während der Fahrt kein Problem darstellt, sollte man für den Modus-Wechsel kurz rechts ranfahren und vom Pedal steigen.

Darüber hinaus hat das Display noch viele weitere Motorinfos zu bieten, wie z. B. den Wh-Stromverbrauch pro km. Wenn man dem System Glauben schenken darf, hat sich unser Durchschnittsverbrauch bei 21,7 Wh pro km eingependelt. Des Weiteren werden die eigene Leistung und die Leistung des OLI-Motors angezeigt. Erneut: Wenn man dem System Glauben schenken darf, steigt die Leistung auf über 900 Watt. Wobei man davon ausgehen darf, dass hier die elektrische Leistung der Batterie angezeigt wird.

Darüber hinaus zählt das Display die zurückgelegte Strecke sowie Fahrzeit mit und gibt auch den eigenen Kalorienverbrauch an. Für den Kalorienverbrauch wird vermutlich auch das Fahrergeschlecht und -gewicht herangezogen, das man ins Display eintippen darf. Überraschenderweise erlaubt das Display ein Fahrergewicht von 150 kg, während sich das zulässige Gesamtgewicht (zGG) des Olympia Hammer nur auf 120 kg beläuft.

Ausstattungsvarianten und Preis

Anfang 2023 wurde das Hammer nur in einer Ausstattungsvariante angeboten, die unserem Testbike entspricht. Inzwischen findet man auf der Internetpräsenz zwei Ausstattungsvarianten: das reguläre Olympia Hammer und das Olympia Hammer AXS. Die AXS-Variante besitzt ein RockShox Ultimate-Fahrwerk und eine SRAM GX Eagle AXS-Schaltung. Das reguläre Olympia Hammer hat eine einfachere mechanische SRAM GX/SX Eagle-Schaltung sowie eine RockShox Zeb Select-Federgabel und einen Super Deluxe Select+-Dämpfer.

Ansonsten unterscheiden sich die Ausstattungsvarianten nicht untereinander und entsprechen auch unserem Testbike. Der Preis für die Einstiegsvariante soll sich auf 7.692 € belaufen. Für unser Testbike soll man laut Olympia 7.899 € auf den Tisch legen müssen. Angesichts der Ausstattung ist Olympia so durchaus ein kompetitiver Preis gelungen.

Für sein Geld bekommt man das RockShox Ultimate-Fahrwerk mit ZEB-Federgabel und Super Deluxe-Dämpfer, das wie gewohnt mit einfacher Einstellbarkeit bei hoher Performance glänzt, gepaart mit der mechanischen SRAM GX/SX-Eagle-12-fach-Schaltung.

Bremsen und Reifen werden von italienischen Herstellern gesourct. Die kraftvollen Formula Cura 4-Scheibenbremsen bringen die relativ kleinen 203/180-mm-Bremsscheiben zur Weißglut. Für Bodenhaftung sind die Gebrüder Mazza (vorne) und Martello (hinten) vom Reifenhersteller Vittoria verantwortlich.

Eine kleine Besonderheit findet man am 27,5” großen Mavic Deemax-Hinterrad, denn dieses ist auf eine 157 mm breite Super Boost-Nabe gespeichert. Das soll laut Marketingversprechen für besonders steife Hinterbauten und etwas robustere Laufräder durch einen verbreiterten Speichenwinkel sorgen.

Im Gegensatz zur Federgabel hat uns die Performance des Hinterbaus nicht vollends überzeugt.

Geometrie

Das Olympia Hammer wird in den Zwischengrößen S/M, M/L und L/XL angeboten. Fahrer unter 172 cm Körpergröße sollen auf dem kleinsten Modell Platz nehmen, Fahrer über 182 cm wird das größte Modell nahegelegt. Unser Testbike in M/L soll für Fahrer zwischen 170 und 185 cm Körpergröße passen.

Die Geo-Werte des Hammer sind in fast allen Punkten modern und entsprechen ungefähr dem, worauf sich der Markt bei potenten Abfahrtsboliden eingependelt hat. In den zwei kleinen Rahmengrößen fallen die Kettenstreben mit 438 mm relativ kurz aus, in Größe XL wächst der Hinterbau auf 443 mm Länge an.

Besonders auffällig ist die relativ niedrige Tretlagerabsenkung von nur 5 mm zum Hinterrad bzw. In der Dämpferaufnahme befindet sich ein Flip Chip zur Geometrie-Anpassung. Damit soll sich der bereits relativ flache Lenkwinkel von 64° nochmals um 0,5° abflachen lassen. Im Low-Setting soll zudem die Hinterbau-Progression ansteigen, der Sitzwinkel abflachen und theoretisch auch das Tretlager absenken.

Fahrtest

Kurz vorweg: Der Fahrtest mit dem Olympia Hammer hinterlässt bei uns gemischte Gefühle. Ein etwas unausbalanciertes Fahrwerk und kleine Ausstattungsfehler werden allesamt überschattet von einem Motor, der durch seine ungezügelte Leistung einen heiden Fahrspaß vermittelt.

Schwingt man die Schenkel über das Olympia Hammer, versucht die hohe Front den Fahrer in das Bike zu integrieren, während das hohe Tretlager im High-Setting das Gegenteil bewirkt und man das Gefühl hat, mehr auf dem Bike als in dem Bike Platz zu nehmen. Touren sind dennoch wenig mühevoll mit dem Olympia Hammer, denn dafür sorgt der kraftvolle Motor.

Prinzipiell lässt sich der OLI Edge-Motor in den Modi Eco und Comfort so abstimmen, dass er ein geschmeidiges Ansprechverhalten mit guten Cruising-Eigenschaften und einem akkuschonenden Stromverbrauch kombiniert, aber darauf haben wir uns im Test nach einer kurzen Einführungsrunde nicht fokussiert.

Direkt beim ersten Anstieg haben wir den neuen Power-Modus angeworfen und alle Motor-Parameter bis zum Anschlag aufgedreht. Laut OLI befindet sich der effizienteste Trittfrequenzbereich bei 65-70 Umdrehungen pro Minute. Aber der Motor liefert bereits bei niedrigen Drehzahlen so viel Vortrieb, dass man gerne das Runterschalten zum Anfahren aus Gemütlichkeit bleiben lässt.

Bei hoch eingestellter Reactivity reicht bereits wenig Druck auf dem Pedal aus, um das Zeichen zur Kraftentfaltung zu geben. Auch der Durchzug bis in die höheren Drehzahlen gelingt dem Motor gut und man hält mit den etablierten Platzhirschen, wie einem Bosch CX-Motor, locker mit. Erneut zeigt sich der Motor von seiner reaktiven Seite und hängt so direkt am Gasfuß, wie kaum ein anderer Motor auf dem Markt. Selbst kleine und kurze Impulse aus dem Pedalieren heraus werden in Beschleunigung durch den Motor umgesetzt.

Ausstattung im Detail

Olympia investiert beim Hammer CC04 voll in ein gutes Fahrwerk. Rockshox Ultimate-Komponenten mit ZEB-Gabel machen sich auf ruppigen Abfahrten bezahlt, somit ist das ein sinnvoller Invest. Auch die Formula-Bremsen funktionieren im Gelände sehr gut, die 2-Millimeter-Scheiben sorgen für Standfestigkeit. Ebenfalls aus Italien stammen die Vittoria-Reifen. Der Grip der Pneus ist gut, doch für die Fahrstärke des Bikes wäre mehr Pannenschutz wünschenswert. Wenig wertig sind die günstigen SX/NX-Schaltkomponenten von Sram und die schweren Mavic-Laufräder.

Ausstattungshighlights:

  • Gabel / Dämpfer: Rockshox ZEB Ultimate / Super Deluxe Ultimate
  • Schaltung: Sram SX/GX, 12fach, 11-50 Zähne
  • Bremsen: Formula Cura 4, 200/180 mm
  • Laufräder: Mavic E-Deemax
  • Reifen: Vittoria Mazza Trail 29 x 2,6'' / Martello Trail 27,5 x 2,8''
  • Besonderheiten: Verschiedene Motor-Presets direkt am Display wählbar

Fahrverhalten im Gelände

Das Bike liegt richtig satt, der Hinterbau folgt großen und kleinen Unebenheiten sehr souverän. Das beschert dem Heck viel Traktion, trotzdem fehlt es kaum an Rückmeldung. So wünschen wir uns das! Gepaart mit der langen Geometrie gibt das dem Bike enorm viel Sicherheit, auch in schwerem Gelände.

Starke Gabel, starke Bremsen, griffige Reifen, da kann man garstige Enduro-Trails so richtig runterbrennen. Wer das Bike artgerecht nutzt, sollte ein Reifen-Update wenigstens am Heck fest einplanen. Die Traktion der Mazza-Martello-Kombi von Vittoria konnte uns im Test zwar überzeugen, doch der Pannenschutz ist für ein dermaßen abfahrtsstarkes E-Enduro mit über 25 Kilo zu schwach.

Überraschend: Das Hammer bewahrt, bei all seinen Nehmerqualitäten, ein angenehm lebendiges Handling. Präzise lässt es sich um Kurven zirkeln und fluffig in die Luft ziehen, das macht richtig Laune. Nur bei zu flachen Trails fehlt es dem schweren Bike und den etwas übergewichtigen Laufrädern manchmal an Schwung. In der Ebene fällt die moderne Sitzposition auf, der Fahrer sitzt zentral über dem Tretlager. Bergauf behält man so gut die Kontrolle, der Hinterbau generiert auch hier massig Traktion.

EMTB Bewertung des Olympia Hammer CC04

Stärken Schwächen
Starke Abfahrtseigenschaften, ausgewogenes Handling Motor braucht Erfahrung und Geduld für die Feineinstellung
Traktionsstarke Heckfederung Kein Leichtgewicht
Gute Reichweite Reifen für Einsatzzweck zu pannenanfällig
Leise in der Abfahrt

Wilde Abfahrten und schwere Trails sind ganz klar die Kernkompetenz des Olympia Hammer. Mit Riesen-Akku ist auch die Reichweite sehr gut. Echte Schwächen hat es in keiner Kategorie.

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