Das Olympische Straßenrennen der Männer ist ein prestigeträchtiger Wettbewerb mit einer reichen Geschichte. Von den bescheidenen Anfängen bei den ersten modernen Olympischen Spielen bis hin zu den heutigen hochmodernen Rennen hat sich dieser Sport ständig weiterentwickelt und Athleten und Zuschauer gleichermaßen in seinen Bann gezogen.
Die frühen Jahre: Von Athen nach Paris
Der Beginn der Geschichte des olympischen Straßenradrennens gleicht einem Abenteuer: Als der Grieche Aristidis Konstantinidis 1896 auf der 87 km langen Strecke von Athen nach Marathon und zurück zum zweiten Mal eine Panne hatte, lieh er sich kurzerhand von einem Zuschauer ein Rad und fuhr zum Olympiasieg. Erst 1912 kehrte der Straßenradsport zurück.
Die Entwicklung des Wettbewerbs
Im Jahr 1996 erfuhr Gold eine Wertsteigerung im Radsport. Seit den Olympischen Spielen von Atlanta dürfen Radprofis um das Edelmetall kämpfen - zuvor war der Wettbewerb im Zeichen der Ringe Amateuren vorbehalten.
Mittlerweile ist der Wettbewerb im olympischen Straßenrennen ein großes Karriereziel für viele Top-Profis.
Bemerkenswerte Momente in der Geschichte
2000 in Sydney, drei Jahre nach seinem historischen Triumph bei der Tour de France, holte sich Jan Ullrich die Goldmedaille. Der Fahrer mit den unvergleichlichen Kraftwerten gewann zudem Silber im Zeitfahren. Direkt hinter ihm landete sein US-Dauerrivale Lance Armstrong, dem jedoch Bronze wegen Dopings später aberkannt wurde.
Zwölf Jahre später in London machte es Tony Martin Jan Ullrich nach und gewann Silber im Zeitfahren.
Ein denkwürdiges Beispiel für die Herausforderungen und Unwägbarkeiten des Rennens ereignete sich 1960 in Rom. Bei sengender Hitze kämpften die Fahrer auf einem anspruchsvollen Parcours. Viktor Kapitonow aus der sowjetischen Mannschaft attackierte und sicherte sich schließlich den Sieg, nachdem er sich in der letzten Runde um eine Runde verzählt hatte.
Paris 2024: Ein Ausblick auf das kommende Rennen
In Paris 2024 ist die herausfordernde Männerstrecke mehr als dreimal so lang, mit 273 Kilometern ist sie zugleich die längste in der olympischen Geschichte.
Am Samstag, den 3. August 2024 startet das Olympische Straßenrennen der Männer um 11 Uhr. Gesucht wird der Nachfolger von Richard Carapaz, der 2021 in Tokio die Goldmedaille für Ecuador gewann.
Die Strecke
Insgesamt 272,1 Kilometer stehen für die Männer auf dem Programm. Zunächst geht es gen Südwesten aus Paris heraus und in größeren Schleifen zurück in die französische Hauptstadt. Das Profil ist den ganzen Tag über wellig, die drei Schlussrunden um den Montmartre haben es in sich - auch, weil der Anstieg mit 1,1 Kilometern bei sechs Prozent und auf Kopfsteinpflaster erfolgt.
Als “Mini-Flandern” bezeichnete die französische Sportzeitung L’Equipe den Parcours. Vom Start am Trocadéro mit Blick auf den Eiffeltrum geht es stadtauswärts am Schloss von Versailles vorbei, hügelig über Vororte im Südwesten der französischen Hauptstadt, bevor es auf den 18 Kilometer langen Innenstadtkurs geht.
Dabei ist ein Kilometer mit durchschnittlich 6,5 Prozent Steigung für Radprofis nicht unbedingt furchteinflößend. “Der Butte Montmartre ist in aller Munde, aber vier Kilometer früher gibt es einen Anstieg, 1600 Meter lang, ziemlich hart mit schlechtem Kopfsteinpflaster”, betont Belgiens Nationalcoach Sven Vanthourenhout bei sportwereld.be.
Nach der dritten Fahrt auf die Anhöhe am Montmartre geht es noch 9,4 Kilometer bergab, am Seine-Ufer entlang Richtung Eiffelturm und über die Pont d’Iéna zum Ziel am Trocadéro.
Favoriten und Außenseiter
Die Männer treffen keine zwei Wochen nach Ende der Tour de France 2024 aufeinander. Tour- und Giro-Sieger Tadej Pogacar verzichtet jedoch aufgrund von Müdigkeit auf seinen Olympia-Start.
Mathieu van der Poel geht als amtierender Weltmeister ins Rennen. Wout van Aert gewann in Tokio 2021 bereits Olympia-Silber im Straßenrennen und träumt nach Bronze im Einzelzeitfahren nun von Gold. Remco Evenepoel geht ohne Druck an der Seite von Wout van Aert ins Straßenrennen - schließlich gewann der 24-Jährige am vergangenen Samstag das olympische Einzelzeitfahren.
Weitere Anwärter sind Mads Pedersen, Marc Hirschi und Biniam Girmay. Nils Politt und Maximilian Schachmann vertreten den Bund Deutscher Radfahrer in Paris, haben aber kaum Medaillenchancen.
Voigt räumt auch dem französischen Hoffnungsträger Julian Alaphilippe Außenseiterchancen ein, der bei der Großen Schleife nicht am Start gewesen war und sich anderweitig auf seinen großen Paris-Traum vorbereitete.
Die Übertragung
Eurosport und die ARD zeigen das Olympische Straßenrennen am Samstag, den 3. August 2024 in voller Länge jeweils ab 11 Uhr im Livestream bzw.
Die Bedeutung des olympischen Straßenradrennens
Eine Medaille bei den Olympischen Spielen gilt in vielen Disziplinen als Krönung - und auch im Straßenradsport ist olympisches Gold heiß begehrt.
Das olympische Straßenrennen ist in dieser Hinsicht einmalig. Einige Rennfahrer gehen ohne Helfer ins Rennen - das gibt es sonst bei Straßenrennen auf Profiniveau nie. Ein Beispiel: Ecuador, das in Richard Carapaz den letzten Olympiasieger stellt, darf nur einen Startplatz besetzen.
Manche Experten unken, es könnte eine Überraschung durch einen Sieger aus einer frühen Ausreißergruppe geben.
Favoriten für die Medaillen
Die TOUR-Favoriten nach Sternen:
- ***** Mathieu van der Poel
- **** Tom Pidcock, Remco Evenepoel, Wout van Aert
- *** Julian Alaphilippe, Jhonatan Narvaez
- ** Mads Pedersen
- * Alberto Bettiol, Michael Matthews, Marc Hirschi, Matteo Jorgenson
Die Deutschen: Nils Politt und Maximilian Schachmann
Zwei Startplätze durfte Bundestrainer André Greipel besetzen. Zur eigenen Enttäuschung fand John Degenkolb keine Berücksichtigung. Die zwei Startplätze gingen an unterschiedlich veranlagte Klassikerspezialisten: Nils Politt und Maximilian Schachmann.
Politt, Spezialist für die eher flacheren Eintagesklassiker auf Kopfsteinpflaster, zeigte sich zuletzt bei der Tour de France in Topform, als er das Feld mit allen Favoriten als Schlepper an der Spitze über den Tourmalet zog - so stark hat man den Hürther noch nie im Hochgebirge gesehen.
Auch Schachmann ist zurück in der erweiterten Weltspitze. Nach Olympia-Rang zehn vor drei Jahren stürzte er in eine langanhaltende Formkrise, durch gesundheitliche Probleme bedingt. Zuletzt ging die Formkurve sichtbar nach oben.
Olympische Sommerspiele 2024 in Paris: Radsport-Termine
Termine der Radsport-Wettkämpfe bei den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris:
| Termin | Entscheidung | Gold |
|---|---|---|
| Sa, 27.07. | Einzelzeitfahren Männer | Evenepoel (BEL) |
| Sa, 27.07. | Einzelzeitfahren Frauen | Brown (AUS) |
| Sa, 03.08. | Straßenrennen Männer | Evenepoel (BEL) |
| So, 24.07. | Straßenrennen Frauen |
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