Fahrradhelm-Test: Sicherheit und Komfort im Vergleich

Die Fahrradbranche boomt, insbesondere E-Bikes erfreuen sich großer Beliebtheit. Mit der steigenden Geschwindigkeit der elektrifizierten Räder wächst jedoch auch die Unfallgefahr. Laut Deutscher Gesellschaft für Unfallchirurgie könnten 60 bis 70 Prozent der tödlichen Hirnverletzungen mit Kopfschutz vermieden werden. Fahrradhelme können schwere Kopfverletzungen verhindern und Leben retten.

Laut Bundesverkehrsministerium ist ein guter Fahrradhelm dazu in der Lage, bis zu zwei Drittel der Energie zu absorbieren, die bei einem Sturz ohne Helm auf den Kopf einwirken würde. Ein Fahrradhelm kann ebenfalls dazu beitragen, dass ein Radler im Straßenverkehr besser gesehen wird. Zudem bieten viele Fahrradhelme zusätzlichen Komfort. Mit einem Sonnenschutz versehen, reduzieren sie einfallendes Licht. Ein wasserdichter Überzug bietet Schutz bei Regen.

Die richtige Passform finden

Idealerweise sollten Sie einen Fahrradhelm vor dem Kauf immer anprobieren. Nur so können Sie feststellen, ob er optimal zu Ihrer Kopfform passt. Er sollte stramm sitzen, aber nicht drücken. Als Faustformel gilt: Wenn Sie den Helm vor- und zurückbewegen, sollte die Stirn ein wenig Falten schlagen. Dann sitzt der Fahrradhelm fest genug. Ist der Kinnriemen geschlossen, darf sich der Helm nicht nach hinten abstreifen lassen.

Grundsätzlich ermöglicht es so gut wie jeder Fahrradhelm, die Größe über ein Drehrädchen anzupassen. Dennoch ist es wichtig, einen Fahrradhelm zu kaufen, der von seiner Dimension her zu Ihrem Kopf passt. Der Kopf lässt sich in folgende vier Altersgruppen unterteilen:

  • Kleinkinder bis zu drei Jahren haben meist einen Kopfumfang von 44 bis 52 Zentimetern.
  • Zwei- bis Siebenjährige einen von 46 bis 57 Zentimetern.
  • Fünf- bis Zwölfjährige messen für gewöhnlich 52 bis 60 Zentimeter.
  • Allen Radfahrern über zwölf Jahren wird ein Helm für einen Kopfumfang von 52 bis 65 Zentimetern empfohlen.

Die Angaben dienen jedoch nur der groben Orientierung. Einige Fahrradhelme lassen sich zusätzlich durch versetzbare Kletteinsätze an die Kopfform anpassen. Achten Sie beim Kauf auf zusätzliche Reflektoren oder eine für andere Verkehrsteilnehmer gut sichtbare Farbe. Dunkle Fahrradhelme erwärmen sich bei Sonne stärker als helle.

Auf der Verpackung und dem Helm sollte das Produktionsdatum abgedruckt sein. Fahrradhelme, die in der EU verkauft werden, müssen den Anforderungen der DIN EN Norm 1078 entsprechen. Wer noch mehr Wert auf Sicherheit legt, kann beim Kauf nach der Norm NTA 8776 Ausschau halten. Nach einem Sturz sollten Sie Ihren Fahrradhelm durch ein neues Modell ersetzen.

Getestete Modelle im Überblick

Wir hatten insgesamt 59 Fahrradhelme im Test, 49 davon sind aktuell noch erhältlich. Hier eine Auswahl von Modellen, die besonders hervorgestochen sind:

Uvex Urban Planet LED

Der Uvex Urban Planet LED ist der ideale Helm für alle, die auf einem Fahrrad im Straßenverkehr optimal geschützt sein wollen. Aber auch auf Inlineskates, dem E-Scooter oder im Gelände auf dem Mountainbike bietet der extrem robuste Helm sehr guten Schutz. Er lässt sich sehr angenehm tragen und perfekt auf die Kopfform und Kopfgröße einstellen. Der Urban Planet ist sehr robust und mit einem rückseitigen LED-Licht ausgestattet. Zusätzliche Vorteile sind reflektierende Gurtbänder, ein weiches Kinnpolster und ein durchdachter Verschluss. Im Inneren des Helms ist eine Art dünnes Netz angebracht. Dies fungiert beim Tragen als Insektenschutzgitter. Außerdem schmiegt es sich an die Schädeldecke und vermittelt ein sehr angenehmes Gefühl. Nettes Extra: Uvex setzt bei seinem in Deutschland produzierten Helm auf recycelte und biobasierte Materialien.

Die Stiftung Warentest und der ADAC haben im März 2024 gemeinsam einige Fahrradhelme getestet. Der Uvex Urban Planet LED schneidet unter den neu getesteten Helmen mit der Gesamtnote 2,0 (gut) am besten ab. In den Bereichen »Unfallschutz« und »Handhabung und Komfort« vergeben Stiftung Warentest und ADAC jeweils ein »gut« (2,3 bzw. 1,8).

Uvex Finale Visor

Wenn die Insekten fliegen, die Sonne knallt, der Regen peitscht oder der Wind pfeift, ist der Uvex Finale Visor das optimale Modell. Denn er verfügt über ein klappbares Visier. Zudem ist der Fahrradhelm mit Beleuchtung und Insektenschutz ausgestattet. Vorn, an den Seiten und in der Mitte ist der Finale Visor weich gepolstert. Tragekomfort und Passform des Uvex-Helms sind vorzüglich. Dieser umschließt exakt den Kopf, drückt nicht und reibt nicht. Über das rückseitige Rädchen lässt sich die Passform maßgeschneidert anpassen. Die gesamte Verarbeitung des in Deutschland hergestellten Helms ist exzellent.

Das Visier lässt sich ohne Kraftaufwand mit einer Hand sauber herunterklappen oder wieder nach oben schieben. Wichtig für Brillenträger: In den meisten Fällen darf die Sehhilfe auf der Nase bleiben. Bei Bedarf kann man einen höheren Sonnenschutz aufrüsten. Das Visier kann abgenommen werden. Ersatzvisiere sind separat erhältlich.

Abus Pedelec 2.0

Dieses Feature ist einmalig: Der Abus Pedelec 2.0 hat einen Regenschutz integriert, der hinten in einem Geheimversteck untergebracht ist. Nasse Haare im Regen gehören somit der Vergangenheit an. Für bestmögliche Erkennbarkeit im Dunkeln ist der Helm zudem mit einem LED-Licht ausgestattet. Für eine optimale Belüftung hat Abus den Pedelec 2.0 mit vier Luftein- und neun Luftauslässen versehen. Klappt man diese mit etwas Kraft nach unten, so öffnet sich ein Geheimversteck mit einer schwarzen Regenhaube. Diese wird über den Helm gezogen und vorne mit zwei Gummibändern unten eingehakt. Ein nasser Kopf wird durch dieses Regencape zuverlässig verhindert.

POC Omne Beacon Mips

Farblich ist der schicke POC Omne Beacon Mips ein echter Hingucker. Speziell in der Lackierung in leuchtendem Orange und mattem Grün ist der POC Omne Beacon Mips ein echter Hingucker.

Fischer Urban Plus Brooklyn

Ein vernünftiger Helm muss nicht viel kosten: Das beweist der Fischer Urban Plus Brooklyn. Für gerade mal rund 30 Euro bietet er Beleuchtung, Sonnen- und Insektenschutz, einen gepolsterten Kinnriemen und in die Helmgurte eingewebte Reflexstreifen. Außerdem zeichnet sich der leichte Fahrradhelm durch einen guten Tragekomfort aus.

Rockrider EXPL 540 Mips

Der französische Sportartikel Discounter hat seit Kurzem unter dem Label Rockrider einen MTB-Helm samt MIPS-System für schlappe 60 Euro im Sortiment. Decathlon beweist mit dem Rockrider EXPL 540: Guter Schutz ist keine Frage des Preises! Vor allem das einfache MIPS-System reduziert die Rotationskräfte deutlich. Bei der Ausstattung muss man aber Abstriche machen: Verstellbar ist der Rockrider lediglich am - zumindest gut erreichbaren - Drehrädchen. Es gibt nur zwei Größen. Das Kopfband fixiert den Helm nicht immer optimal. Auch in Sachen Belüftung schneidet der EXPL 540 nur mäßig ab.

Testergebnisse und Empfehlungen

Der ADAC hat gemeinsam mit der Stiftung Warentest elf City- und Urban-Fahrradhelme sowie drei S-Pedelec-Helme in den Kategorien Sicherheit, Komfort, Handhabung und Schadstoffgehalt getestet. Die Ergebnisse zeigen, dass die meisten Helme eine ausreichende Schutzwirkung bieten. Der beste Unfallschutz wurde beim Testsieger von Uvex festgestellt.

Einige Helme zeigten Schwächen bei der Abstreifsicherheit und der Kinnbandprüfung. Es ist wichtig, dass die Anforderungen der geltenden Norm eingehalten werden und kein Gurtschloss bricht. Die Helme von Cube, Decathlon, Abus (S-Pedelec-Helm), Prophete und vor allen Dingen von Lidl zeigen Verbesserungspotential in Sachen Stoßdämpfungseigenschaften. Nur ein angenehmer und gut einzustellender Helm wird getragen. Die Anpassungen am Kopf müssen einfach, gut und sicher durchgeführt werden können.

Sichtbarkeit und Sicherheit

Sichtbarkeit bedeutet Sicherheit. Daher sollten die Fahrradhelme zumindest mit Reflektoren ausgestattet sein: Der Helm von Lazer, Giro und Cube, sowie der S-Pedelec-Helm von KED haben keinerlei Reflektion.

Um eine möglichst gute Sichtbarkeit zu gewährleisten, sollte der Helm mit einer LED-Beleuchtung ausgestattet sein. Da die Aktivierung vom Nutzer bzw. der Nutzerin jedoch oft vergessen wird, sollte der Helm auch über eine passive Sicherheitsausstattung in Form von reflektierenden Elementen an der gesamten Helmschale sowie im Kinnriemen verfügen. Ein helles Design in auffälligen Farben erhöht zudem die Sichtbarkeit bei Tag und Nacht.

Die ADAC Unfallforschung belegt, dass ein Helm beim Sturz effektiv vor vielen Kopfverletzungen schützen kann. Auch der schlechteste Helm im Test kann im Ernstfall Leben retten, wenn er richtig getragen wird.

Kinderhelme im Fokus

Viele Kinder empfinden Fahrradhelme längst nicht mehr als lästige Pflicht, sondern tragen sie mit Begeisterung - und oft auch Stolz. Einige Kinderhelme haben sich in einzelnen Punkten besonders hervorgetan:

  • Alpina Pico Flash: Ausgezeichnete Beleuchtung, viele Lüftungsschlitze, hochwertige Verarbeitung und ein einwandfreies Verstellsystem.
  • Micro Rocket: Klassische Form eines Skateboard-Helms, der am Hinterkopf recht weit runtergeht, mit rotem Knopf zur Einstellung der Passform und integrierter Beleuchtung.
  • Casco Mini 2: Nicht nur im Sommer als Fahrradhelm einsetzbar, sondern auch im Winter beim Skifahren oder Snowboarden.
  • Uvex Finale Junior: Sieht aus wie ein Mountainbike-Helm und erfüllt die gleichen hohen Standards in Bezug auf Sicherheit, Tragekomfort und Verarbeitung.

Tabelle: Ausgewählte Fahrradhelme im Vergleich

Helm Modell Besondere Merkmale Testergebnisse (ADAC/Stiftung Warentest)
Uvex Urban Planet LED LED-Licht, reflektierende Gurtbänder, recycelte Materialien Gesamtnote 2,0 (gut)
Uvex Finale Visor Klappbares Visier, Beleuchtung, Insektenschutz -
Abus Pedelec 2.0 Integrierter Regenschutz, LED-Licht -
Fischer Urban Plus Brooklyn Beleuchtung, Sonnen- und Insektenschutz, Reflexstreifen -
Rockrider EXPL 540 Mips MIPS-System -

Wichtig: Die Tabelle stellt nur eine Auswahl der getesteten Helme dar. Es wird empfohlen, vor dem Kauf weitere Recherchen durchzuführen und den Helm anzuprobieren.

Auch wenn die Polizei hierzulande empfiehlt, einen Fahrradhelm zu tragen - eine Helmpflicht gibt es in Deutschland nicht. Was man trotz kontroverser Studien guten Gewissens behaupten kann: Jeder Helm ist besser als »oben ohne« zu fahren. Selbst ein durchwachsen bewertetes Modell kann die Verletzungsgefahr verringern.

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